Viel Streit wegen der Lütticher Straße

Heute geht es wieder – ganz Corona-konform – um die Lütticher Straße. Es geht um die Frage, ob diese Aachener Ausfallstraße einen Radweg bekommt und wenn ja: welchen? Und wo dieser Radweg eventuell hinkommt, wie breit er sein soll und wo bei all dem die Fußgänger*innen bleiben? Und ob es nicht sogar zwei Radwege, nämlich rechts und links der Straße, geben muss?

In Aachen steht Autos absurd viel Raum zur Verfügung. Zum Nachteil von ÖPNV, Fußgänger*innen und Radfahrer*innen. Die Lütticher Straße beweist das eindrucksvoll.

Sehr viele Anwohner und Anwohnerinnen nutzen in der Lütticher Straße den öffentlichen Raum, um ihre Autos darauf abzustellen. Und das soll möglichst auch so bleiben, so wird derzeit vor Ort in scharfem Ton gefordert. Die Politik und die Verwaltung dürfen sich auf eine harte Auseinandersetzung gefasst machen.

Unter den Bäumen – links im Bild – hat es einst einen Radweg gegeben, den solle man doch reaktivieren, meinen etliche Anwohner. Doch das ist leider keine Lösung, nicht praktikabel. Die Bäume sind übrigens zum Teil in einem erbärmlichen Zustand, instabil. Den nächsten großen Frühjahrssturm möchte man unter diesen Bäumen lieber nicht erleben. Einige sind nicht mehr vital.

Die Situation in der Lütticher Straße, zwischen Limburger Straße und Amsterdamer Ring im Bild. Diskutiert wird u. a. über einen 2,30 Meter breiten Eine-Richtung-Radweg, der baulich vom Fußweg und von den Bussen getrennt ist (Protected Bikelane).

Es geht um ein etwa 700 Meter langes Stück Straße, auf dem das Fahrradfahren besonders gefährlich ist. Maximal 79 Pkw-Parkplätze würden wegfallen. Um die kämpfen nun die Anwohner mit Zähnen und Klauen, möchte man sagen. Sie haben über 1000 Unterschriften gesammelt und diese Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen bereits überreicht.

Die Oberbürgermeisterin soll allerdings klargemacht haben, dass sich Aachen „am Anfang einer historischen Wende weg vom Diktat des Autos hin zur Fokussierung auf den Menschen“ befindet, wie die örtliche Tageszeitung berichtete. Die Frage ist, ob sich diese Position halten lässt. Auch in der Lintertstraße sollen zugunsten eines Radweges etliche Parkplätze wegfallen, auch dort formiert sich Protest.

Die Verwaltung möchte sich heute, Dienstag, 19. Januar, ab 19 Uhr (bis 21 Uhr) zu dem Vorhaben Lütticher Straße online äußern, auf YouTube.com/stadtaachen. Sie ist durch eine Entscheidung des Rates gebunden: Der Stadtrat hat sich 2019 mit übergroßer Mehrheit (gegen FDP und AfD) einem entsprechenden Bürgervotum (Radentscheid) angeschlossen.

Viele Bürger*innen hätten nicht unterschrieben, wenn sie gewusst hätten, was der Bürgerentscheid bedeutet, so wird argumentiert. Und: Die Grünen in Aachen (jetzt stärkste Partei im Rat) hätten die Wahl eigentlich gar nicht so überragend gewonnen, wenn man die Nicht-Wähler berücksichtigt. (Kopf auf Tisch.) Gewonnene Wahlen nicht wirklich anzuerkennen wird offenbar auch bei uns Mode. Stop the Count, wa?

Hier entsteht ein Neubau mit 63 dieser superkleinen Mikrowohneinheiten die jetzt in Aachen an allen Ecken aus dem Boden sprießen. Nur für die Hälfte stehen in der Tiefgarage Pkw-Plätze zur Verfügung. Befürchtet wird ein zunehmender Parkdruck.

Könnte der Bau einer Quartiersgarage mit nur 200 Plätzen die Anwohner schon zufriedenstellen? Und wo sollte diese überirdische Quartiersgarage hin? Bis Ende diesen Jahres kann nun überlegt und geplant werden. Denn dann wird die Straße ohnehin aufgerissen, weil Versorgungsleitungen erneuert werden müssen.

Vor dem Franziskus-Krankenhaus werden derzeit Parkplätze für Patienten und Besucher gebaut. Außerdem gibt es dort neuerdings eine Station für Leihräder.

Viele offene Fragen können heute – wie es seit Beginn der Pandemie üblich ist – im Chat gestellt werden. Die Verwaltung ist eigentlich nicht bürgerfeindlich, sie wird mit Sicherheit auf die Bürger*innen eingehen, das zeigt die Erfahrung. Also deshalb: ab 19 Uhr, YouTube.com/stadtaachen

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Eine Antwort zu Viel Streit wegen der Lütticher Straße

  1. Falk H. Koenemann schreibt:

    Ich wohne im Viertel rechts der Lütticher Straße und bin von Ihrer Darstellung nicht beeindruckt. (1) Wieso die Bäume in „erbärmlichem Zustand“ sein sollen, entzieht sich mir. Man könnte allerdings die Wurzelbereiche dadurch schützen, indem man die Poller erneuert, die da mal waren, aber – da aus Holz – seit langem weggefault sind. (2) Ob eine geschützte zweispurige Fahrradbahn tatsächlich notwendig ist, darf bezweifelt werden. Eine Verkehrszählung im Dezember 2020 hat ergeben, dass pro Fahrrichtung im Durchschnitt alle drei Minuten ein Fahrradfahrer vorbeifährt. Zur Spitzenzeit 8.00-8.15h morgens ist es dreimal so viel – ein Radfahrer pro Minute. Auch das ist nicht dramatisch. Dagegen ist die Vaalser Straße doch wesentlich häufiger frequentiert, die pro Richtung eine normale Fahrradspur hat und gut damit auskommt.

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