Spektakulärer Protest unter gelben Schirmen

Tihange Aachen

Auf dem Weg zum Aachener Europaplatz: Die Demonstration gegen das fahrlässige Betreiben von Schrottreaktoren im benachbarten Belgien.

4000 sollen es gewesen sein. Und obwohl ich aus dem 4. Stock eines anliegenden Wohnhauses heraus einen guten Überblick hatte, kann ich nicht beurteilen, ob diese Zahl stimmt. 4000 Menschen, schreibt dpa, haben sich heute in Aachen am Europaplatz (!) versammelt und für die Abschaltung von

Tihange Aachen

Auf ein Meer von gelben Schirmen blickte, wer an der Zufahrt zum Europaplatz wohnt und aus dem Fenster schaute.

belgischen Schrottreaktoren demonstriert. Mit dabei: eine Jazz-Kapelle aus Eschweiler.

5000 gelbe Schirme mit entsprechenden Abzeichen sind in den letzten Wochen in Aachen verkauft worden. Die Grünen haben die Schirme via Aachener Einzelhandel unters Volk gebracht und die Demonstration organisiert. Eine rundum friedliche Angelegenheit war’s, für die zeitweise die zentrale Zufahrt zur Autobahn gesperrt werden musste.

Tihange II ist ein belgischer Schrottreaktor, an dem tausende kleine Haarrisse zu Beunruhigung Anlass geben. 60 Kilometer von Aachen entfernt steht diese Uralt-Kiste, die Technik stammt aus den 1960er Jahren, erstmals hochgefahren wurde das Teil 1970.

Bei der Bevölkerung ist aus Angst Empörung geworden. Nach Tschernobyl (Ukraine) und Fukushima (Japan) sind selbst politisch konservative Kreise von tihange Aachender Gefährlichkeit und Unberechenbarkeit der Kernenergie überzeugt. Und da es weder – sollte Tihange II abgeschaltet werden – in Belgien, noch in Deutschland oder den Niederlanden an Energie mangelt, fragt man sich natürlich, warum eine ganze Region dieses Risiko eingehen muss.

Bei der Veranstaltung gab es drei oder vier kurze Reden: Auch Oliver Krischer (Düren), für die Grünen im Bundestag, sprach. Die Bundesregierung müsse sich, wie jüngst Rheinland-Pfalz, der Klage der StädteRegion, des Landes NRW und weiterer über 70 Kommunen gegen den Weiterbetrieb von Tihange II anschließen, so verlangte er unter anderem. Die Klage wurde durch die StädteRegion Aachen und hier insbesondere verdienstvollerweise durch den Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU) auf den Weg gebracht.

Die Demonstranten gaben – rund um den Europaplatz aufgestellt – ein imposantes Bild ab. Die Regenschirme kamen zum Ende der Veranstaltung doppelt zum Einsatz: Es schüttete plötzlich wie aus Eimern.

tihange Aachen

Schön anzusehen, aber schwer zu fotografieren: Menschenmassen am Europaplatz. Ihr Motto: „Abschirmen unmöglich. – Da hilft nur abschalten“.

 

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Wir. Leben. Eifel.

Wer es noch nicht weiß: Die Eifel hat einen neuen Werbe-Slogan. So etwas nennt sich fachmännisch „Dachmarke“, und die neue lautet für die Eifel „Wir. Leben. Eifel.“. Die „Dachmarke“ wurde schon bei der ITB 2016 in Berlin vorgestellt. Sie soll selbstbewusst klingen.

Dieses und weitere Themen, die den Tourismus betreffen, werden in der kommenden Sitzung des Tourismus- und Kulturausschuss (der StädteRegion) am Donnerstag, 10. Juni, behandelt. Ich freu mich, denn ich werde an der Sitzung teilnehmen. Die Sitzung ist öffentlich, Gäste sind willkommen (Zollernstraße 16, Mediensaal).

Um die neue „Dachmarke“ ins Gespräch zu bringen, werden etwa 100 Personen, die jeder kennt, „öffentlichkeitswirksam dargestellt“. Als Buch oder im Internet? Da bin ich mal gespannt. Bei der Sitzung wird es weitere Infos zu der Eifel-Image-Kampagne geben.

Nächster Punkt: Behinderte werden wohl bald im Norden der StädteRegion die Natur er-leben und er-wandern können. Ein „Knotenwanderkonzept mit inklusivem Ansatz“ wird erstellt. Gedacht ist an ein barrierefreies Wandergebiet zwischen dem Herzogenrather Weiher und dem Alsdorfer Tierpark.

Nächster Punkt: Die Entwicklung der StädteRegion als „Aktiverlebnisregion“ – im Norden und im Süden. Dazu wurden zwei Anträge nach Düsseldorf geschickt mit der Bitte um finanzielle Unterstützung. Und die darf nicht zu knapp ausfallen. Schließlich sollen zwei veritable Infozentren eröffnet werden, Mountainbike-Anlagen soll es geben und „Inszenierungen“ für Radfahrer. Die Leute radeln nämlich heutzutage nicht mehr einfach nett durch die Gegend, sondern müssen zum Radfahren gewisse Erlebnisse verpasst bekommen. Ja, ich kann mir da auch kaum was drunter vorstellen . . .

Das Geld wird wohl sowieso erst 2017 bewilligt, wenn überhaupt. Allein die Maßnahmen im Nordraum werden 1.674.000 Euro kosten. Dass ich dagegen stimme, wird am Bau neuer Radwege nichts ändern. Die Grünen, die CDU und die SPD wollen es so.

Nächster Punkt: Das “Konzept zur Kulturförderung“. Das ist ein prima Konzept, zu dem auch die Ausstellungen im KuK in Monschau zählen. Diese Ausstellungen werden geradezu überrannt, und wo ich auch hinkomme (z.B. jüngst in Köln), da kennt man das KuK und seine supertollen Fotoausstellungen. An die Ausstellung mit Fotos von Vivian Maier erinnern sich sagenhaft viele Leute. Mehr dazu: hier.

Nur: In Monschau stehen viele Häuser leer und zum Verkauf. Dort ein gehobenes, kaufkräftiges Publikum hinzubekommen, das ist jetzt die Kunst, und das schafft man mit diesen Ausstellungen. So sehe ich das KuK eigentlich rein aus ökonomischen Interessen. Also wirklich rein aus merkantilen Gesichtspunkten. Würden dort antike Fundstücke ausgestellt oder mittelalterliche Madonnen oder Münzen oder sonst irgendein Scheiß, der derartige Massen anzieht, würde ich auch sagen: Macht doch bitte statt vier Ausstellungen im Jahr acht und gebt der verantwortlichen Kuratorin noch zwei gutbezahlte Helfer an die Seite.

Na ja, das ist sehr schwer zu vermitteln und im Ausschuss eine Einzelmeinung.

Obwohl: Eine Sache, die extrem gut läuft, kann man leicht noch besser machen. Dann geht erst recht die Post ab. Leider macht die öffentliche Hand lieber die schlecht laufenden Häuser vermeintlich stark, was oft darauf hinausläuft, dass man ein totes Pferd zu reiten versucht.

Abschließend will der Ausschuss dem Energeticon in Alsdorf noch 3123,75 Euro zukommen lassen. Da könnte man meinetwegen auch noch zwei Nullen dranhängen (vor dem Komma), das Energeticon ist das beste Ausstellungshaus, das ich in den letzten drei Jahren gesehen habe. Ich empfehle sehr einen Besuch mit Führung. Da kommen die grauen Zellen im Gehirn in Schwung und ihr werdet danach über die Energiewende ein wenig anders denken.

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Die Aachener Politik und ihre neuen Mammut-Projekte

Bevor hier auf Themen eingegangen wird, die in der kommenden Woche die Aachener Kommunalpolitik dominieren werden, eins schon mal vorab: Stellt euch darauf ein, dass sich im kommenden Jahr 2017 die Müllgebühren mindestens verdoppeln, wenn nicht sogar verdreifachen werden. Besonders für diejenigen unter euch, die relativ kleine Mülltonnen benutzen. Wer die Müllcontainer in den großen Mietshäusern befüllt, soll angeblich verschont werden (ich glaub das nicht). Und stellt euch außerdem darauf ein, für den Abtransport von Sperrmüll jedes Mal 15 Euro zu bezahlen.

Die Kommunalpolitiker aller Parteien haben zwei Tage lang zusammengesessen, die Köpfe rauchten, das Ergebnis – erarbeitet vom Stadtbetrieb – liegt vor. Und da ist nix mehr zu machen. Es ist alles sehr schwer verständlich, aber alle, die durchblicken, versichern, die Müllgebühren würden ab 2017 gerechter. Und die riesigen Lkw, die den Sperrmüll abholen, müssten tatsächlich zu oft für nur einen Stuhl ausrücken, und das sei nicht mehr machbar.

Tonnengrößen, Abfuhrrhythmus, Staffelung der Gebühren – alles wird sich ändern bei der Neuordnung der Abfallwirtschaft in Aachen. Ich denke, das solltet ihr berücksichtigen. Manch einer spricht von einer Revolution.

Aber jetzt zur kommenden Woche:

Sondersitzung der Bezirksvertretung Aachen-Brand (Mi., 22. Juni, 17 Uhr, Sitzungssaal des Amtes, Paul-Küpper-Platz): Es geht um die neue Gasfernleitung Zeelink, die ein Essener Unternehmen (Open Grid Europe,  da mal auf „Zukunft“ klicken ) bauen will. Kosten: 600 Millionen Euro. Rund um Aachen, von Lichtenbusch kommend, soll die Trasse führen, breit wie eine Straße, fünf Naturschutzgebiete müssen beim Bau dran glauben. Es gibt allerdings nicht nur eine, sondern zwei Verlaufsvarianten durch städtisches Gebiet. In Mitleidenschaft gezogen werden – so oder so – auch Wohngebiete (bestehende und geplante) und denkmalgeschützte Bauwerke.

2021 soll die Pipeline fertig sein und das Gas fließen, wenn nicht noch Enteignungsverfahren stattfinden werden. Dann dauert alles deutlich länger.

Es gibt in Aachen keinen Politiker, der dieses Großvorhaben mit Begeisterung betrachtet. Im Gegenteil. Das wird noch lustig. Zu der riesigen Pipeline – als wäre die nicht schon schrecklich genug – gehört eine Gasverdichterstation (in Verlautenheide), groß wie ein halbes Eifeldorf. Ganz Haaren und Verlautenheide sind schon auf der Palme deswegen. Na ja, nicht ganz Haaren, aber viele Leute dort.

Genehmigen muss alles die Bezirksregierung in Köln, die Aachener haben nur das Recht, sich zu äußern und ( bis 01. 07.) Einsprüche zu formulieren, dürfen aber nichts mitbestimmen. In der Stadtverwaltung wundert man sich, dass „Open Grid Europe“ nicht die alte, seit 2008 freiliegende Trasse nutzen will, die aus früheren Zeiten noch vorhanden ist und einmal für RWE reserviert aber nicht genutzt worden war.

Die neue Trasse samt Gasverdichterstation war schon in mehreren politischen Gremien in Aachen zentrales Thema. Oben der Link zum Ausschuss, für den die Verwaltung alles verständlich dargestellt hat, könnte zum Verständnis des Mega-Projekts hilfreich sein. Am 29. Juni wird abschließend im Rat diskutiert.

Bitte beachtet auch die Anlagen/Karten ganz unten vom Text, einfach draufklicken.

www.aachen.de/planenundbauen

Mehr zu Zeelink http://www.aachen.de/DE/stadt_buerger/planen_bauen/neu/160610_open_grid.html

Aus der Vorlage der Verwaltung:

„Die von der Open Grid Europe GmbH geplante Erdgasfernleitung ist in zwei Abschnitte unterteilt. Sie führt von Lichtenbusch auf dem Gebiet der Stadt Aachen nach St. Hubert auf dem Gebiet der Stadt Kempen im Kreis Viersen (ZEELINK I) und von dort bis nach Legden im Kreis Borken (ZEELINK II). ZEELINK I und II sind zwei selbständige Abschnitte, für die parallel eigenständige Raumordnungsverfahren durchgeführt werden. Die Bezirksregierung Köln leitet das Verfahren ZEELINK I und die Bezirksregierung Münster ZEELINK II.“

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Ach ja: Auch in der Bezirksvertretung Eilendorf geht es am Mittwoch, 22. Juni, ab 18 Uhr um die Gasfernleitung Zeelink, bzw. um das so genannte Raumordnungsverfahren, das der Verlegung der Leitung vorangehen muss (im Sitzungssaal des Bezirksamtes am Heinrich-Thomas-Platz).

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Donnerstag, 23 . Juni, kann man sich auf den Mobilitätsausschuss freuen (17 Uhr, Sitzungssaal 170, Verwaltungsgebäude Marschiertor). Da steht unter anderem das Thema „Beseitigung des Unfallschwerpunktes Boxgraben an den Einmündungen Weberstraße und Mariabrunnstraße“ auf der Tagesordnung. Da kollidieren oft Radfahrer mit Autos.

Außerdem geht es in dem Ausschuss um den Vorschlag „Fahrscheinlose ÖPNV-Nutzung an verkaufsoffenen Sonntagen“, es ist ein höchst interessanter Antrag der Piratenfraktion, der bestimmt wieder abgelehnt wird, weil er von den Piraten kommt. Grund der Ablehnung hier schon mal: Es wird ein übergroßer Erfolg befürchtet. Man vermutet, dass sich an diesen Sonntagen dann so viele Menschen in die Busse werfen, dass es zusätzliche Fahrten geben muss. Alles dazu: hier

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Personal- und Verwaltungsausschuss, Rechnungsprüfungsausschuss und Finanzausschuss sollen hier mal außen vor bleiben, obwohl da auch Wichtiges beraten und beschlossen wird.

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Schlusslicht in der Woche ist (am Do., 23. Juni) der Ausschuss für Soziales, Integration und Demographie um 17 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses am Markt. Auf dem Programm stehen z. B. 1. ein Antrag auf Erstellung eines Integrationsplans,

2. die Schaffung einer Anlauf- und Beratungsstelle in der Antoniusstraße für Frauen in der Prostitution. In der Aachener Bordellstraße „Antoniusstraße“ sind derzeit ca. 30 Bordelle in Betrieb, in denen ca. 200 Frauen und Transsexuelle zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten als Prostituierte arbeiten. Langfristig ist die Schließung eines Teiles dieser Bordellbetriebe und der Bau eines Laufhauses geplant.

Hier mehr zum Konzept der Anlaufstelle in der Aachener Bordellstraße.

Und 3. ein Bericht der Verwaltung zur Unterbringung von Flüchtlingen.

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Ob das klappt mit den ganzen Links??? Mal sehen. ;-))

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Zwei eher niederschmetternde Meldungen

1. Man muss sich fragen, ob die Sanierung des Tivoli, die teuer ist und städtisches Personal bindet, auf Kosten der Schulen stattfindet.

In Aachens Schulen und Kitas werden normalerweise in den Sommerferien immer die nötigen Reparaturen und Sanierungen ausgeführt. Schließlich: Wo so viele Kinder und Jugendliche tagaus, tagein rumtoben, geht auch mal was kaputt. Vorgesehen war, in den Schulferien an 20 Schulen in Aachen für 2,7 Millionen Euro Reparaturen auszuführen.

Aber wenn in diesem Sommer alle Kapazitäten in den Tivoli fließen müssen, damit dort im Herbst überhaupt noch Fußballspiele stattfinden können, wann sind dann die Reparaturen in den Schulen dran, von welchem Geld? Das fragen die Piraten den Oberbürgermeister. Dazu lest ihr heute (Samstag, 18. Juni) mehr in den „Aachener Nachrichten“, Stadtausgabe, Seite 18.

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2. Die Produzentengalerie „Kunstwechsel“ in der Aachener Wilhelmstraße 26 muss schließen. Das teilte jetzt Professor Dr. Wolfgang Becker mit, der für die Galerie verantwortlich zeichnet. Er schreibt: „Wir danken Gerd Sauren, der uns das Ladenlokal seit 2013 großzügig kostenlos zur Verfügung gestellt hat, und hoffen, dass er uns helfen wird, einen anderen Raum zu finden.“

Sauren hat jetzt vermutlich einen zahlungskräftigen Mieter für die Räume an der Hand und da muss die Kunst verständlicherweise weichen. Die letzten Veranstaltungen sind: Am Samstag, 25. Juni, um 20 Uhr, die Gruppe BOLD SUN, am Sonntag, 26. Juni, beenden Karin Odendahl und Arndt Lorenz ihre Ausstellung PLAN 2 (17-21 Uhr Uhr). Danach wird aufgeräumt.

Jetzt wird ein neuer Raum gesucht. Becker schreibt: „Wo ein angemessenes Ladenlokal leer steht, wo ein Besitzer bereit ist, sich am Leben der Aachener Kunstszene zu beteiligen, sich Applaus und Dankbarkeit zu verdienen – er möge sich melden!“

Ich erlaube mir mal, hier die Mail-Adresse anzugeben: wbecker@heimat.de

Der Beitrag von „Kunstwechsel“ zur Aachener Kunstszene kann sich sehen lassen. Hier zur Erinnerung nochmal die Ausstellungen. Der Zuspruch bei Eröffnungen und auch danach war immer groß. Auch die Aachener Presse hat die Relevanz der ausgestellten Kunst immer erkannt:

2013 Dahmengraben: Karl von Monschau – Klaus Herzog – Wilhelmstraße: „AHHA Aachens heiße Quellen und die Künstler“

2014 6 rumänische Künstler(Radu Dobre Sima) – „Bulgur“ Karl von Monschau – „Pollen – Samen – Blätter“ Mohammed Ahmed, Alan Sonfist, Mahmut Telfah – „Großraum“ Ralf Wierzbowski, Bernd Radtke

2015 Eugenie Degenaar – Wolfgang von Contzen, Arthur Jaworski – „Helden“ Brele Scholz, Ralf Wierzbowski – „Bezlan“ Mohammed Ahmed – „Das Schiff“, Flüchtlingskinder mit Eva Sous – „Kobane“, kurdische Fotografen – Performance, Installation Elana Katz – „Stadtlabor“ Junge Freunde des Ludwig Forums – „Quer“ Künstlerinnengruppe Dreieck – Installation Gerhard Benz

2016 Detlef Kellermann – Karl von Monschau „Carte Blanche“ „Paarweise“

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Echt schön geworden: der neue Suermondt-Park an der Richardstraße

neuer Park Aachen

Eröffnung des neuen Suermondt-Parks mit vielen Kindern und Jugendlichen aus umliegenden Schulen und Kindergärten.

Ein bisschen früher als geplant ist der neue Suermondt-Park fertig geworden und man kann sagen: Es ist eine rundum gelungene Anlage entstanden.

728.000 Euro hat alles gekostet, und das ist genau die Summe, die auch eingeplant war. Damit ist bewiesen: Es gibt noch Projekte, die im Kostenrahmen bleiben.

Ganz schön viele Leute aus dem Viertel waren zu Eröffnung gekommen. Das freute natürlich die Innenstadt-Bürgermeisterin Marianne Conradt, die zur Eröffnung eine kleine Rede hielt.

Das Suermondtviertel hat bisher wenig Grünfläche abbekommen, da bot sich das große, leere Gelände an der Richardstraße zum Umgestalten geradezu an. Dort gibt es jetzt einen Bolz- und einen Basketballplatz, neue Wege und neue Sitzbänke, coole Spielgeräte und – das Allerschönste – der Gemeinschaftsgarten ist auch noch da. Um den hatte es im Vorfeld allerhand Aufregung gegeben, aber das ist alles Vergangenheit.

Kaum waren die neuen Spielgeräte aufgestellt und der Bolzplatz angelegt, da wurden sie auch schon massenhaft von Kindern genutzt. Das haben Anwohner beobachtet.

Kaum waren die neuen Spielgeräte aufgestellt und der Bolzplatz angelegt, da wurden sie auch schon massenhaft von Kindern genutzt. Das haben Anwohner beobachtet.

Suermondt Park Aachen

Blick über den neuen Rasen auf die Eröffnungs-Gesellschaft.

Schöne alte Bäume hat der neue Park natürlich auch.

Imposante alte Bäume hat der neue Park natürlich auch.

urban gardening aachen

Ganz schön ausladend: der Gemeinschaftsgarten. Dort buddeln Anwohner in der Erde und pflanzen Gemüse, Obst und Blumen. Urban Gardening  (Gemüseanbau, Bienenzucht usw in Innenstädten) ist seit Jahren ein Trend.

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Wer sich über Sinn und Zweck und die Historie des Aachener Gemeinschaftsgartens informieren will, schaue dieses Video an: Marc Teuku (Piratenpartei) interviewt Horst Schnitzler (Ratsherr und Urban-Gardening-Mit-Initiator).

Der Kanal Trivial ist auf Facebook und freut sich über likes https://www.facebook.com/Kanal-Trivial-622513987904955/?fref=ts

 

 

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Freie Sicht auf Aachens Untergrund

archäologisches Fenster

Das Archäologische Fenster (das ist ein Schaukasten im öffentlichen Raum) vor dem Haus Klappergasse 12 ist repariert worden.

Das „Archäologische Fenster“ in der Klappergasse sieht jetzt wieder aus wie neu. Jemand hatte mit schweren Steinen versucht, die Scheiben einzuschlagen, was aber nicht gelungen war. Die Steine hatten hässliche Kerben im Glas  hinterlassen. Heute (15. 06.) hat dieses Archäologische Fenster zwei neue Panzerglasscheiben bekommen. Gut, dass die städtischen Arbeiter dafür noch Zeit hatten, ich hatte nämlich gedacht, die sind jetzt bis Ende des Jahres mit Reparaturarbeiten am sanierungsbedürftigen Tivoli (erst 7 Jahre alt) beschäftigt.

Ironie Ende. Von oben blickt man auf eine Rinne, durch die einst der Paubach floss. Der kam vor vielen Jahrhunderten die Jakobstraße runtergesprudelt, weil die Römer ihn so verlegt hatten, dass er die Innenstadt mit Wasser versorgen konnte. Unten musste der Paubach dann in einer Rinne die Klappergasse runterlaufen, dann die Rennbahn entlang, wo er durch uralte Steinplatten  markiert wird, und von da immer weiter.

Touristen werfen immer wieder kleine Münzen ins Archäologische Fenster hinein. Und an dieses Kleingeld wollen nachts Leute rankommen. Deshalb findet man in dem Fenster außer Geldstücken auch viele kleine Magnete an Schnürchen, die den Geldfischern da reinfallen. Es sind immer auffallend ärmlich gekleidete Menschen, die versuchen, die Münzen rauszufischen.

Abends und nachts ist der Innenraum vom Archäologischen Fenster beleuchtet, das sieht apart aus. Ich freue mich, dass ich genau da wohne, wo sich dieses Fenster befindet. Es gibt allerdings in Aachen noch weitere schöne archäologische  Fenster. Eines sollte an die Ecke Weberstraße/Boxgraben kommen. Die Straße ist immerhin schon so gebaut, dass das Fenster Platz hat. Aber auf das Fenster müssen wir wohl noch länger warten.

Alles dargelegt und mit Fotos dokumentiert: hier.

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Viel gelernt, viel gesehen . . . in Berlin

 

Aachen Die Linke

Im Zug nach Berlin gereist, dort im Bus unterwegs in Begleitung einer Dame aus dem Bundespresseamt und auf Einladung von Andrej Hunko (Die Linke, MdB): Rund 50 Menschen aus dem äußersten Westen der Republik.

Im Mai bot sich die Gelegenheit, zu einer Bildungsreise nach Berlin aufzubrechen. Eingeladen hatte „Die Linke“ und für drei volle Tage ein (ideologiefreies) Programm zusammengestellt, das einen sofort neugierig machte.

Insbesondere eine Führung mit dem Titel „Lobby Planet Berlin“ mit Martin Aachen Berlin LobbyistenJähnert vom Verein LobbyControl erwies sich als eine der besten Weiterbildungen, die ich mir in den letzten Jahren gegönnt habe. Dabei kostete alles so gut wie nichts, denn es handelte sich um eine Reise, wie sie Bundestagsabgeordnete veranstalten dürfen, damit wir Bürgerinnen und Bürger ein bisschen besser informiert sind. Etwas über 50 Personen (hauptsächlich aus Aachen und der näheren Umgebung) nahmen an der Reise teil, zu der Andrej Hunko (MdB) eingeladen hatte.

LobbyControl ist ein gemeinnütziger Verein, ein Mitarbeiter führte uns in Berlin von einem Lobbyisten zum nächsten, wobei wir von der Arbeit des Vereins profitierten. Uns wurde berichtet, mit welchen Methoden (bisweilen fragt man sich, wie das alles legal sein kann?) die Lobbyisten und ihre Verbände Einfluss nehmen auf die bundesdeutsche Politik, aber insbesondere auch auf das, was wir so denken und für gut und richtig halten. Krass.

Eine „lobbykritische Stadtführung“ kann ich jedem empfehlen, wendet euch an den Verein (Sitz in Köln) und fragt nach. Informiert euch, was sich

Blick in ein sogenanntes Späti, das sind Büdchen, die rund um die Uhr geöffnet sind und wo es alles Mögliche zu kaufen gibt. Insbesondere die Tankstellen-Pächter möchten, dass die Spätis ihre Öffnungszeiten ändern.

Blick in ein „Späti“, das sind berlintypische Büdchen, die rund um die Uhr geöffnet haben und wo es alles Mögliche zu kaufen gibt. Insbesondere die Tankstellen-Pächter möchten, dass die Spätis ihre Öffnungszeiten reduzieren.

beispielsweise hinter der „Initiative neue Soziale Marktwirtschaft“ verbirgt, die direkten Lobbyismus betreibt, nicht bei den Abgeordneten, sondern direkt in der bundesdeutschen Gesellschaft. Mich interessierte natürlich, wie Lobbyisten es in die Medien schaffen. Ich kann nur sagen: ganz schön clever, alle Achtung.

RWE schafft es, dass viele denken, Braunkohleförderung muss unbedingt noch sein. Die Bierbrauer schaffen es, dass wir denken, ohne Alkoholwerbung bricht z. B. die ganze Sportförderung zusammen. Die Autoindustrie (insbesondere

Fahrradweg berlin

Fahrradweg in Berlin: Plötzlich ist Ende.

Opel, Mercedes und VW) hat uns im Griff, ohne dass wir es merken und hat gleichzeitig persönlich beste Beziehungen zur Regierung (Drehtüreffekt. Beispiel: Ex-Minister Matthias Wissmann). Firmen spenden den Parteien, bauen gegen hohe Summen ihre Stände bei Parteitagen auf, schalten überteuerte Anzeigen in Parteizeitungen, Banken „informieren“ in Schulen darüber, wie Kinder und Jugendliche mit Geld umgehen sollen und so immer weiter.

630 Abgeordnete gibt es in Berlin, von geschätzt 5000 bis 6000 Lobbyisten werden sie umschmeichelt oder mit „Infos“ versorgt, je nachdem. In Brüssel, so schätzt LobbyControl, sind es zwischen 15.000 und 30.000 Lobbyisten. Ein Register, wie es das vorbildlich in den USA (als staatliche Behörde) gibt, existiert weder in Berlin noch in Brüssel.

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Wir haben natürlich auch den Bundestag besichtigt. Auffallend: Vor dem

In diesen Containern vor dem Reichstagsgebäude befinden sich die Sicherheitsschleusen. Ich hätte nie gedacht, dass man den Platz und die Ansicht des Gebäudes mit derartigen grauen Boxen zustellen würde. Sogar ein Bodenkunstwerk hat die Errichten der Boxen nicht aufhalten können.

In diesen Containern befinden sich Sicherheitsschleusen. Ich hätte nie gedacht, dass man diesen prominenten Platz und die Sicht auf das Gebäude mit derartig häßlichen Boxen zustellen würde. Sogar ein Kunstwerk aus Schieferplatten (Entwurf: Professor Dieter Appelt) mit den Namen der ermordeten Reichstagsabgeordneten hat die Errichtung der Boxen an der Stelle nicht aufhalten können.

weltweit einzigartigen Gebäude mit Kuppel von Stararchitekt Norman Forster stehen jetzt Baracken, wo jeder einen Sicherheitscheck machen muss. Sieht leider echt beschissen aus. Und – nochmal leider – gelang es mir auch spielend, das Sicherheitspersonal zu überlisten. Monsterfail. Sehr traurig.

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Im Bundestag gab es eine Diskussion mit Andrej Hunko aus Aachen, der Politik-Interessierten als ein „investigativer Abgeordneter“ bekannt ist: Als Mitglied

Im Reichstagsgebäude sind außer diesen Teilen auch Graffiti bewusst erhalten geblieben, die russische Soldaten nach der Eroberung der Stadt an die Wände kritzelten.

Im Reichstagsgebäude sind außer diesen Teilen auch Graffiti bewusst erhalten geblieben, die russische Soldaten nach der Eroberung der Stadt an die Wände kritzelten.

einer Oppositionspartei kann man eigentlich gar nichts erreichen, man kann allerdings durch gezielte Anfragen, die beantwortet werden müssen, Fakten ans Tageslicht zerren, die die Regierung lieber nicht öffentlich diskutieren möchte (Stichwort: Kampfdrohnen für die Bundeswehr, Forschungsprojekte an Überwachungstechnologien, Unterstützung autoritärer Regime in Ägypten und Tunesien bei der Internetüberwachung durch das BKA).

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Sehr eindrucksvoll war eine Führung durch das „Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit“. Es befindet sich in einer noch erhaltenen Unterkunft für Zwangsarbeiter. Hunderte Menschen aus Italien und Osteuropa lebten dort unter unmenschlichen Bedingungen und mussten dazu noch schwer schuften. Architekten, die sich für besonders inspiriert hielten, entwarfen diese Bauten. Das wurde alles anschaulich vorgeführt. Überhaupt kann man sagen, dass bei allen Führungen spannend berichtet wurde und sie so gestaltet waren, dass die ganze Gruppe fasziniert und tief betroffen bis zur letzten Sekunde zuhörte. Hier mehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Dokumentationszentrum_NS-Zwangsarbeit

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Viel Neues erfuhr ich in der „Gedenkstätte Deutscher Widerstand“. Dort wurde

Ein kritischer Geist: Armin T. Wegner, der auch schon im 1. Weltkrieg zur Kamera griff, als die Osmanen die christliche Bevölkerung auszurotten begannen.

Äußerte sich sogar Hitler gegenüber sehr kritisch: Armin T. Wegner, der auch schon im 1. Weltkrieg zur Kamera griff und dokumentierte, wie die Osmanen die Armenier auszurotten versuchten.

man endlich einmal umfassend darüber aufgeklärt, wer alles Widerstand geleistet hat, wie dies geschehen ist und wie es diesen Menschen ergangen ist. Erstaunlich, wie kreativ Männer und Frauen ihren bisweilen sehr geringen Handlungsspielraum genutzt haben. Es gab mutige Priester und Nonnen, Christen und Juden, Studenten und Professoren, Handwerker und Künstler, Einzelkämpfer und Gruppen, deutlich mehr, als ich bis dahin gewusst hatte.

Gut, dass es dieses Museum gibt, der Blick auf die deutsche Geschichte lässt einen ja ohnehin manchmal schier verzweifeln.

https://de.wikipedia.org/wiki/Gedenkstätte_Deutscher_Widerstand

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Hier kann bei weitem nicht alles aufgeführt werden, der Text ist ohnehin wieder mal viel zu lang. Aber wenn ihr die Gelegenheit habt, an so einer Reise teilzunehmen, egal welcher MdB dazu einlädt: Meldet euch an, es lohnt sich.

Berlin hat Brandmauern, da kann unsereins nur staunen.

Berlin hat Brandmauern, da kann man nur staunen.

moderne Kunst Berlin Reichstag

Das Reichstagsgebäude ist voll mit zeitgenössischer Kunst. Sehr angenehm.

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Kauft euch einen Anti-Atom-Schirm

Die Grünen in Aachen organisieren eine Protestveranstaltung, die Geschäftswelt in Aachen verkauft dazu die passenden Anti-Atom- Schirme. Flayer gesehen in der Kleinmarschierstraßestraße.

Die Grünen in Aachen organisieren eine Protestveranstaltung, die Geschäftswelt in Aachen verkauft dazu die passenden Anti-Atom-Schirme (s. Flyer z. B. in der Kleinmarschierstraße).

Der Risse-Reaktor in Tihange schmurgelt vor sich hin. Jetzt ist er vorerst mal wieder „automatisch abgeschaltet“, was auch immer das heißen mag.  Reaktoren kann man eigentlich gar nicht so einfach an- und ausknipsen.

„Am Freitagnachmittag (10. Juni) hat sich der belgische Kernreaktor Tihange II gegen 15.30 Uhr erneut automatisch abgeschaltet. Die Ursache dafür ist nach Auskunft einer Sprecherin des Betreibers Electrabel noch unklar. Momentan wird der Vorfall untersucht, so wurde mitgeteilt. Und: Wann der Reaktor wieder angeschaltet wird, steht noch nicht fest.“

Unterdessen waren Aachens Grüne nicht faul und rufen zu einer Demo am Europaplatz auf.

Der Europaplatz ist am Sonntag, 26. Juni, von 12 bis 14 Uhr ein Ziel für alle, die Uralt-Reaktoren (in ganz Europa) für gefährlich halten. Da wird mit leuchtend gelben Schirmen protestiert. Diese Schirme könnt ihr euch in Aachener Geschäften kaufen. Es gibt sie unter anderen: in allen Filialen der Bäckerei Nobis, in der Buchhandlung Backhaus, in der Mayerschen Buchhandlung und bei Sport Mulack am Markt. Preis: 5 Euro. Viele Geschäfte (natürlich nicht alle) machen mit. Hier und da sieht man entsprechende Flyer.

Die Grünen, die in Aachen im Rat eine starke Opposition gegen die große Koalition aus CDU und SPD bilden, haben vorerst 5000 Schirme anfertigen lassen. Protest hörbar und sichtbar machen, das ist eine sinnvolle Sache. Gegen das Wiederanfahren von ausrangierten Reaktoren wird unter Federführung der Städteregion zwar schon beherzt geklagt. Aber zusätzlich ist es durchaus effektiv, auch andere Protestformen zu wählen.

Der Europaplatz ist ein Platz mit Symbolwert, er wird für die Zeit des Protests teilweise vom Autoverkehr freigehalten. Die Schirme sind ebenfalls Symbole, sie sollen daran erinnern, dass man keinen Schutzschirm gegen atomare Strahlung aufspannen kann, noch nicht, leider.

Ich erinnere mich gerade, als ich vor einem Jahr im Bürgerforum im  Aachener Rathaus saß, als Zuschauerin, und plötzlich – mMn zum ersten Mal – von Tihange die Rede war und wie konfus alle dahergeredet haben. Die einen hatten mehr Angst, die anderen weniger, und die Dümmsten von allen meinten, man könne sowieso nichts machen, weil: ist ja Belgien. Jetzt – ein Jahr später – hat man sich gut organisiert und breit aufgestellt. Viele Leute sind nicht bereit, sich einer so großen Gefahr auszusetzen. Warum auch?

Wer ein solches uraltes Kernkraftwerk betreibt, dem rauschen natürlich jede Woche viele Millionen Euro in die Kasse. Es gibt Menschen, die daran gut verdienen. Es gibt Menschen, die haben alles: Schiffe, Pferde, Häuser und Wohnungen, drei Fincas auf Mallorca, Luxusautos und teurer Sammlungen von irgendwas (Kunst) und so viel Geld, dass nicht nur ihre Kinder und Enkel sondern auch noch deren Kinder nie mehr zu arbeiten brauchen. Alles okay, alles gut. Nur, wenn das auf Kosten der Gesundheit von tausenden anderen Menschen geht, hört für mich der Spaß auf. Das darf man nicht mit sich machen lassen.

schirm Aachen

 

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Die Bilder vom Reichsweg

Das Auto mal wieder zur Reparatur gebracht und dann – seufz – zu Fuß nach Hause, das musste ich hinter mich bringen. (Busfahren gehört nicht zu meinen Stärken, das ändert sich aber gerade etwas.) Ich musste zu Fuß durch den ganzen Reichsweg gehen und stellte mich innerlich auf ein langes Stück Langeweile ein. Aber ich wurde überrascht. Denn auch im Reichsweg haben sich Sprayer ausgetobt. So, dass es ständig neue, krasse  Bilder zu sehen gibt. Hier eine Auswahl:

Aachen Graffiti Aachen, Graffiti reichsweg_3

reichsweg_4 reichsweg_5 reichsweg_6

Graffiti Aachen reichsweg_12

 

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Zwei Künstler der Extraklasse

Matthias Brandt Aachen

Bearbeiteten bei ihrer Lesung einmal sogar den Flügel mit Fäusten, um den Zuschauern das Klopfen und Hacken der Vögel vorzuführen: Jazzmusiker Jens Thomas (l.) und Schauspieler Matthias Brandt (r.) in der Citykirche in Aachen.

Alle wollten vorne sitzen – beim Auftritt von Matthias Brandt und Jens Thomas in der Citykirche/Nikolauskirche in Aachen. Deshalb bildete sich schon um 19.15 Uhr eine lange Schlange vor dem verschlossenen Kirchenportal, obwohl die beiden erst um 20 Uhr auftreten würden. Die Eintrittskarten waren seit vielen Wochen ausverkauft, jetzt ging es nur noch darum, einen guten Sitzplatz zu bekommen.

Die Städteregion bietet seit vielen Jahren in Aachen und der Region ein Kulturprogramm, dass die Menschen in Massen anzieht. Es gibt immer deutlich mehr Interessenten als Tickets. Und alles zum sehr kleinen Preis (3,50 Euro). Trotz nicht gerade rosiger Kassenlage soll nämlich in der Städteregion Kultur nicht nur für Wohlhabende erschwinglich sein.

Am Samstag standen also Matthias Brandt und Jens Thomas auf der Bühne, der eine Schauspieler, der andere Musiker. „Aufgeführt“ wurde die Kurzgeschichte „Die Vögel“ von Daphne du Maurier, aber was heißt hier eigentlich aufgeführt? Matthias Brandt hat die Geschichte – vordergründig betrachtet – nur vorgelesen. Das allerdings in einer Weise, die beim Publikum von der ersten Sekunde an die  Bilder im Kopf entstehen ließ, so kunstvoll und expressiv wurde der Text vorgetragen. Mehr als nur Unterstützung bot dazu die Musik von Jens Thomas. Szenen voller Angst und Verzweiflung packten die Zuhörer, weil vom Flügel die Töne kamen, die die Bilder im Kopf erst richtig zum Laufen brachten.

Kurz zusammengefasst geht es in dem Text um Robert, der den Tod seiner Frau Leonore nicht verwindet, sich in einem einsamen Haus erholen soll und dort von immer größeren und immer mehr Vögeln angegriffen wird. Die grausamen Viecher trachten ihm sogar nach dem Leben, Robert muss seine Lethargie ablegen, er muss sich im Haus verbarrikadieren und sehen, wie er sich die unheimlichen Tiere vom Leib hält. Er schafft das immer weniger.

Vielleicht sind mit den Vögeln die Dämonen gemeint, jene Geister,  zweifelnden

Matthias Brand Jens Thomas Aachen

Lange vor Beginn der Aufführung: Anstehen für einen guten Sitzplatz.

Gedanken und Angstzustände, die wohl jedem Menschen bisweilen nachts die Luft zum Atmen rauben. Wie auch immer. Ihr Kratzen an den Fensterscheiben, heiseres Schreien, ihr aggressives Picken und Hacken und auch ihr Flügelschlagen waren zu hören. Die Vögel versuchten sogar durch den Schornstein ins Haus zu gelangen, Robert zündet sie an, und verbrannte Federn stinken ihm das Zimmer voll. Wahnsinn.

Lautmalerisch und auf dem Flügel wurden die Geräusche erzeugt. Alles wechselte mit Songs, von denen ich nur den letzten („Black Bird“ von den Beatles) erkannte. Aber was heißt Songs? Als Gekrächze und Gekratze wurden die Stücke vorgetragen, dass einem Angst und Bange werden konnte. Sehr intensiv.

Bisher habe ich entweder Theaterstücke (gut, da gibt es auch mal eine Musikeinlage) gesehen oder war bei Konzerten. Am Samstag in der Nikolauskirche gab es eine Aufführung, für die ich keine Kategorie kenne. „Wort-Musik-Collage“ steht auf dem Ticket, aber das trifft es nicht. Mir kam alles wie Kino vor, nur nicht auf einer Leinwand sondern im Kopf.

Das Publikum applaudierte stehend. Mit Zugabe dauerte alles etwa 90 Minuten.

 

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