Die Polizei und die Auskunftspflicht

„Gibt es dazu Fakten von der Polizei?“ So hat man sich immer gefragt, wenn es einen spektakulären Unfall (z. B. auf der Autobahn) gab mit Mega-Staus bis in die Innenstadt hinein. Oder bei einem Großbrand, wo man gern Einzelheiten wüsste oder bei besonders schweren, die Bevölkerung verunsichernden Delikten.

„Gibt es dazu Fakten von der Polizei?“ Wer das nach Silvester noch fragt, muss grenzenlos naiv sein. Denn die Polizei, die per Gesetz zur Auskunft verpflichtet ist, hat die Öffentlichkeit belogen. Mehrfach. Sie hat die Fakten verheimlicht. Und man fragt sich, ob dies in Köln zum ersten Mal geschehen ist, und wie es die Polizei in Aachen hält. Wird hier auch gelogen, dass sich die Balken biegen?

1. Zunächst hieß es in Köln, es habe in der Silvesternacht „keine besonderen Vorkommnisse“ gegeben. Dabei hatte es ein Massen-Spießrutenlaufen von jungen Frauen gegeben, im Bahnhof und vor dem Bahnhof. Die Polizisten beobachteten verzweifelte, weinende Frauen und Mädchen. Diese wurden umzingelt und begrapscht, einigen wurden die Strumpfhosen zerrissen. Über 500 haben mittlerweile Anzeige erstattet. Davon knapp die Hälfte wegen sexueller Delikte.

„Keine besondere Vorkommnisse“, in einer Nacht, wo Hunderttausende feiern, in einer Millionenstadt? Das kann gar nicht sein. Das zu glauben ist weltfremd. Es gibt ja sogar im verträumten Düren jedes Jahr zu Silvester mindestens einen gefährlichen Brand, und mehrere Schwerverletzte müssen ins Krankenhaus transportiert werden.

2. Dann meinte die Polizei wahrheitswidrig, es handele sich um eine Trickdiebe-Masche. Es war verharmlosend von „Antanzen“ die Rede. Es handele sich dabei um ein Phänomen, das nicht neu sei. Wer da in Massen kriminell wurde, das sei angeblich nicht bekannt. Flüchtlinge seien aber nicht dabei.

Später kam raus, dass Personalien von mutmaßlichen Tätern aufgenommen wurden, und dass etwa 40 Prozent von ihnen Asylbewerber sind, Flüchtlinge.

So log man sich – hatte zumindest ich den Eindruck – rein und raus. Ich denke, dass es eine Vorschrift gegeben hat, die die Polizisten zur sogenannten politischen Korrektheit verpflichtet hat: „Dass Flüchtlinge kriminell werden, das hängen wir nicht an die große Glocke, um den Ultrarechten keine Vorlagen zu liefern.“ So wird sinngemäß die Anordnung gelautet haben. Nur: Wer hat sie ausgesprochen? Schriftlich?

„Man kann die Bevölkerung eine Weile lang belügen, man kann auch einige wenige Leute ganz lange belügen. Aber die ganze Bevölkerung ganz lange zu belügen, das klappt nicht.“  Sinngemäß zitiert nach Abraham Lincoln, 16. Präsident der USA, 1809 – 1865.

„Gibt es dazu Fakten von der Polizei?“ Das fragt seit Silvester keiner mehr, der auch nur für 2 Cent politisch denkt. Ja, die Fakten gibt es wohl, aber werden sie der Öffentlichkeit auch mitgeteilt? Anscheinend nicht.

Damit wird verhindert, dass Ehrenamtliche helfen und sich um die Probleme kümmern, sie kennen sie ja nicht. Auch wird verhindert, dass Kommunalpolitiker gegensteuern, dass sie in bestimmten Szenen mehr Sozialarbeiter und Helfer einsetzen, sie wissen ja ebenfalls nicht, wo genau es gerade brennt.

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Wo befindet sich dieses Teil?

Dieser Tage habe ich etwas in Aachen fotografiert. Die Frage ist jetzt: Wo befindet sich dieses Teil? Unter allen richtigen Antworten wird eine CD von Amy Winehouse verlost. Also los, ratet!

Wer weiß, wo sich dieses gelbe Teil befindet, schreibt  die Antwort an vallot@gmx.net und nimmt an einer Verlosung teil.

Wer weiß, wo sich dieses gelbe Teil befindet, schreibt die Antwort an vallot@gmx.net und nimmt an einer Verlosung teil.

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Was wird aus der „Frittezang“?

Der Busunterstand am Eisenbrunnen von Stararchitekt Peter Eisenbahn gehört der Firma Decaux. Diese Firma baute zur Zeit in Aachen ihr "Stadtmobiliar" ab. Was wird nun aus der "Fritezang"am Elisenbrunnen?

Der Busunterstand am Elisenbrunnen von Stararchitekt Peter Eisenman gehört der Firma Decaux. Diese Firma baut zur Zeit in Aachen ihr „Stadtmobiliar“ (hauptsächlich Busunterstände) ab. Was wird jetzt aus der „Frittezang“?

Ein kurios wirkender Vorgang wirft Fragen auf. Hunderte Busunterstände und beleuchtete Werbetafeln der Firma Decaux verschwinden gerade aus dem Stadtbild. Doch was wird aus dem kunstvollen Unterstand am Elisenbrunnen, der  ja ebenfalls Decaux gehört? Antwort: Nichts genaues weiß ich nicht.

Es gab für diese Stadtmöbel eine Ausschreibung, und an der hat sich Decaux erst gar nicht beteiligt. Das Rennen machte die Firma „Reclamebureau Limburg“, und dieses Unternehmen aus Heerlen wird auch in Kürze damit beginnen, seine

Die "Frittezang" am Elisenbrunnen.

Die „Frittezang“ am Elisenbrunnen.

eigenen, neuen Busunterstände und Werbetafeln aufzustellen. Die sehen allerdings denen von Decaux zum Verwechseln ähnlich.

So wird es in den nächsten Wochen insgesamt knapp 700 kleine Baustellen geben. Der Verkehr soll jedes Mal einspurig daran vorbeigeführt werden. Die Kunden der ASEAG müssen derweil im Regen stehen, doch die sind ja bekanntlich geduldig – verhindern lässt sich die Tauschaktion sowieso nicht mehr.

Mir gefällt der von JCDecaux entwickelte und errichtete Unterstand am Elisenbrunnen. Er wird „Frittezang“ genannt und stammt aus dem Büro des New Yorker Architekten Peter Eisenman, der auch das Berliner Denkmal für die ermordeten Juden Europas geschaffen hat.  Das Aachener Teil halte ich tatsächlich für eine Bereicherung der hiesigen Baukultur.

Blöd wär jetzt natürlich, wenn Decaux die „Frittezang“stehen lässt, aber Aachen zur Nutzung pro Jahr 130.000 Euro zahlen müsste. 130.000 Euro? Das ist genau die Summe, die die niederländische Firma pro Jahr an die Stadt zahlt, damit sie ihre Unterstände und Werbetafeln aufstellen darf – 15 Jahre lang.

Mehr Infos unter www.aachen.de/haltestellen

Wird in Kürze abgeschraubt: Die Unterstände der Firma Decaux.

Werden in Kürze abgeschraubt: Die Unterstände der Firma Decaux. Und nicht nur die (s. unten stehenden Text).

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Alles korrekt gelaufen – aber trotzdem hirnrissig

Wird bald abgerissen: eins von 432 Bus-Wartehäuschen, hier. Judengasse. Kaputt sind die Unterstände eigentlich nicht, weg müssen sie trotzdem.

Wird bald abgerissen: eins von 432 Bus-Wartehäuschen in Aachen, hier  Judengasse. Kaputt sind die 432 Unterstände eigentlich nicht, weg müssen sie trotzdem. Und nicht nur die.

Die Busunterstände der Firma Decaux in Aachen werden in diesen Tagen mitsamt ihren Fundamenten abgebaut. Die Arbeiten laufen bereits, die alten Unterstände werden durch neue ersetzt. Das muss geschehen, obwohl die alten Unterstände nahezu aussehen wie die neuen und die alten auch – soweit ich sehen kann – gar nicht defekt sind. Die Firma Decaux hat schließlich die Wartehäuschen fast 30 Jahre lang sorgfältig gepflegt, bisweilen repariert, stets in Schuss gehalten und mit Werbung versehen.

Doch die Stadtverwaltung will nicht mehr mit Decaux zusammenarbeiten. Eine niederländische Firma zahlt pro Jahr 130.000 Euro IMG_1517an die Stadt, wenn sie ihre eigenen Unterstände aufstellen und mit Werbung füllen darf. Decaux kann/will da nicht mithalten. Und da hat man natürlich den Vertrag mit den Franzosen nicht verlängert und macht lieber mit den Niederländern weiter.

Das alles geschieht nach Recht und Gesetz, mutet aber hirnrissig an. 432 Busunterstände werden rausgerissen, ein paar mehr, nämlich 460 will der neue Betreiber aufstellen. Wer eines der neuen Häuschen besichtigen will: An der Monheimsallee soll schon eins stehen.

Die Austausch-Aktion ist bereits in vollem Gange und betrifft auch Aachens 153  

WC-Häuschen in der Nähe vom Eisenbrunnen. Auch das gehört der Firma Decaux.

WC-Häuschen in der Nähe vom Elisenbrunnen. Auch das gehört der Firma Decaux.

Werbetafeln und 6 WC-Häuschen. Schon jetzt ist die Beleuchtung der  Wartehäuschen abgeschaltet, bald werden die Glasscheiben und die Sitzbänke entfernt, dann kommen die Dächer weg und die Tiefbauarbeiten beginnen.

Alles wird angeblich in Windeseile geschehen, so dass man als Kunde der ASEAG kaum was mitbekommt und sich plötzlich in einem leicht veränderten Wartehäuschen vorfindet. Zum Aufbau eines neuen Häuschens werden nur drei Stunden benötigt. Und wie man hört, können 90 Haltestellen pro Woche ab und 50 aufgebaut werden. Den Adler (Stadtwappen) wird es dann allerdings auf den neuen Teilen nicht mehr

Ganz schön öde: Teile der Aachener Stadtmöblierung sehen derzeit nicht gerade attraktiv aus. Die Beleuchtung ist überall ausgeschaltet. Doch das wird sich bald ändern.

Ganz schön öde: Teile der Aachener Stadtmöblierung sehen derzeit nicht gerade attraktiv aus. Die Beleuchtung ist überall ausgeschaltet. Doch das wird sich bald ändern.

geben. Na ja, besonders schön war der sowieso nicht (s. Foto ganz oben).

Fünf Bautrupps sind an fünf verschiedenen Orten im Einsatz. Der Busverkehr der ASEAG läuft normal weiter, so wurde versprochen. Und: Der Abbau soll insgesamt fünf Wochen, der Aufbau acht Wochen dauern. Ende März soll alles tipptopp mit Reklame versehen sein – wenn nicht eiskaltes Wetter dazwischenkommt . . .

Wenn man mal drauf achtet, merkt man es: Ganz schön viel Zeug von der Firma Decaux steht in der Stadt rum.

Wenn man mal drauf achtet, merkt man es: Viel Zeug von der Firma Decaux steht in der Stadt rum. Auch die Litfaßsäulen gehören dazu.

Weitere Infos auf: www.aachen.de/haltestellen

Ihr findet unter dem Link insbesondere eine Tabelle, wann in welcher Straße das Bushäuschen abgebaut und an welchem Tag das neue Teil aufgebaut wird.

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Seit Tagen: Still ist es im ganzen Hochschulviertel

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Die nächsten 10 Tage spielt sich hier auf der Seite vermutlich gar nichts ab. Deshalb bringe ich  mal schnell ein paar Fotos aus dem Hochschulviertel, wo dieser Tage kaum ein Mensch zu sehen ist.

Wer gern schöne Podcasts anhören möchte, der muss hier klicken. Spiegel-online hat 12 wirklich empfehlenswerte Teile aufgelistet. Ich höre zum Beispiel sehr gern den an 7. Stelle erwähnten Podcast von Jan Böhmenmann und Olli Schulz, jeden Sonntag gibt es was zu lachen (intelligenter Quatsch) – bei „sanft & sorgfältig“. Deren „Best of 2015“ findet ihr hier.

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Ein Jahr der Herausforderungen

Nicht die schlechteste Art, das Jahr zu beenden: der Silvesterlauf in Aachen. Dem alten Jahr davonlaufen und dem neuen entgegen. Ich wünsche allen einen guten Rutsch und ein schönes 2016.

Nicht die schlechteste Art, das Jahr zu beenden: der Silvesterlauf in Aachen. Dem alten Jahr davonlaufen und dem neuen entgegen. Ich wünsche allen einen guten Rutsch und ein schönes 2016.

Kommt alle mit nach 2016.
2016 ist das wahre Neuland, das liegt nun vor uns und da will ich hin. Kommt alle mit.
Man muss mutig sein. Wir stürzen uns hinein mit Geschrei, denn wir wissen nicht so genau, was auf uns zukommt. Aber der Krach wird unsere Angst vor dem Neuen schon noch verscheuchen.

So ganz schlecht wird es ohnehin nicht werden, das Jahr 2016. Obwohl: Wir stehen vor riesigen Aufgaben. An die 1000 Flüchtlinge werden in Kürze in Aachen am Westbahnhof wohnen, in drei großen Zelten. 1000 Menschen werden dort ab Februar/März in einer Art Durchgangslager des Landes NRW untergebracht. Das wird Aachen verändern. Wir sind wirklich herausgefordert.
Es ist wie verzaubert. Gerade, als uns klar wird, wie schrecklich uninspiriert unserer Zukunft in einem Land mit überwiegend alten Menschen sein wird, da bringt uns die Weltlage massenhaft junge Familien ins Land. Europa ist ein Kontinent, der letztlich immer gewinnt. Erschreckend viele erkennen das nicht und nennen sich auch noch Patrioten. Es sind wohl eher Idioten, doch auch denen müssen wir beistehen.

Das nächste Ziel ist eine Herkulesaufgabe: Wir müssen die Belgier 2016 dazu bringen, ihre gefährlichen Schrottreaktoren abzuschalten. Das hat zuletzt sogar der Aachener Oberbürgermeister kapiert, jedenfalls sagte er das. Belgisches Laisser-faire ist gut und schön, aber wenn es – 70 Kilometer von Aachen entfernt – um die Sicherheit von Atomreaktoren geht, völlig unpassend, also gar nicht angemessen. Die Reaktor-Anlagen sind jetzt so kaputt, dass es ständig irgendwelche „Abschaltungen“ gibt, alle angeblich im nicht-nuklearen Bereich. Wer das glaubt, ist naiv.

Eine echte Herausforderung ist es zudem, für saubere Luft in Aachen zu sorgen. Derzeit atmen wir noch deutlich zu viel Feinstaub und vor allem Stickstoffdioxid ein, mit jedem Atemzug vergiftet man sich ein bisschen. Dass das nicht so bleiben darf, ist ja wohl klar und sollte uns einige Anstrengungen und Verzichte wert sein.

Als Aachener, als Bewohner der Stadt des Karlspreises, so könnte man meinen, haben wir auch was Europa betrifft eine besondere Verantwortung. Der Karlspreis gilt als die wichtigste Auszeichnung für Verdienste um die europäische Einigung und wird 2016 nicht in Aachen verliehen, sondern in Rom. Die Preisverleihung wird also für Aachen ausfallen. Das ist zwar ziemlich passend, wenn man die EU-feindliche Stimmung zur Kenntnis nimmt, aber wir sollten zumindest in Aachen daran arbeiten, dass uns die Einigung Europas als großes, vorrangiges Ziel erhalten bleibt. Und zwar allem Terror und allen neuerlichen Grenzkontrollen zum Trotz.

2016 habe ich auch vor, mir den Humor und die gute Laune zu bewahren. Dass dies mit dem Aachener Karnevalsverein (AKV) möglich wäre, die Hoffnung habe ich übrigens aufgegeben. Der AKV wird auch 2016 nichts zur Hebung der Stimmung beitragen.
Trotzdem: Karneval ist das nächste Großereignis in Aachen. Kommt alle mit, setzt euch lustige Hütchen auf und los geht’s.

*

Wichtige Wahlen: 

13. März, Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt.

18. September, Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin

8. November, amerikanische Präsidentschaftswahlen

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Angst vor Reaktor-Katastrophe treibt die Aachener auf die Straße

Demo Aachen Tihange

Zur kurzfristig angesetzten Kundgebung in Aachen erschienen gestern (22. 12.) erstaunlich viele Menschen vor dem Elisenbrunnen. Sie alle trieb die Angst vor einem Atomunfall im nahegelegenen Belgien auf die Straße.

Ziemlich plötzlich ist die Anti-AKW-Bewegung zu neuem leben erwacht, jedenfalls in Aachen und dem Umland.

Wie vorauszusehen war, ist die Anti-AKW-Bewegung zu neuem Leben erwacht, jedenfalls in Aachen und dem Umland.

Wie sehr sind uns doch die Belgier sympathisch! Wie oft haben wir uns gefreut, gelacht und sie beneidet um ihren Hang zum Absurden. Über die Art, wie sie das Unwirkliche in der Wirklichkeit bestehen lassen, über ihre Lebenshaltung und Lebenskunst gegen traditionelle Normen. „Ja, ja, die sind die Erfinder des Surrealismus“, haben wir uns immer erinnert.

Absurdes und Fantastisches haben in dem Nachbarland ihren Raum bekommen, nicht nur in der Kunst, sondern auch in der Politik, im Geschäftsleben, in den Universitäten und Verwaltungen, jeden Tag. Ganz anders als bei uns in Deutschland.

Allerdings: Wo wir einig sind, sind die Belgier zerstritten. Beim Auseinanderfallen des Landes, so haben Politiker der deutschsprachigen Gemeinschaft kürzlich schon mal wissen lassen, möchte man nicht zu Deutschland, sondern zu Luxemburg gehören. Und wo man in Deutschland ein Sicherheitsbewusstsein entwickelt hat, sind viele Belgier eher sorglos. Zum Beispiel wenn es um uralte Atomreaktoren geht.

 Tihange Aachen transparentIn Belgien, so schrieb in diesen Tagen die „Berliner Zeitung“, seien „die Kompetenzen so unübersichtlich verteilt, dass sich niemand zuständig fühlt“. Das Ergebnis: Alle wursteln sich durch und drücken permanent beide Augen zu. Das gelte für den einzelnen Bürger wie für den Staat insgesamt.

(Ups, diese Einleitung ist etwas lang geraten. Eigentlich soll hier nämlich nur von einer etwa einstündigen Veranstaltung berichtet werden, die gestern auf dem Platz vor dem Elisenbrunnen in Aachen stattfand.)

Die Belgier fahren ihre schrottreifen Atomkraftwerke Tihange und Doel wieder vollständig hoch. Der Druckbehälter von Tihange 2 hat tausende Risse, teilweise bröckelt der Beton. Das geht auch Deutschland etwas an, Tihange liegt nur etwa 70 Kilometer und Doel rund 150 Kilometer von Aachen entfernt. Hier ist die Sorge groß. Die deutsche Ministerin Barbara Hendricks (SPD, zuständig für Reaktorsicherheit, hahaha) meint (noch), da könne man nichts machen, jedes Land sei für sich selbst verantwortlich.

Erstaunlich: Was die Einmischung betrifft, so war man jüngst hinsichtlich Griechenland noch ganz anderer Ansicht. Nicht zur reden von Syrien, Afghanistan, dem Kosovo usw., wo deutsche Politiker ganz deutlich sagten, wo es langgehen soll.

Zur Kundgebung in Aachen kamen gestern wohl an die 1000 Menschen. Und obwohl die Veranstaltung sehr kurzfristig angesetzt war, erschienen u.a. Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU) und Aachens Bürgermeisterin Hilde Scheidt (Grüne) vor Ort, um die Menschen in ihrem Aufbegehren gegen die Gefahr zu bestärken. „Abschalten“, lautete die Forderung, vom FDP-Redner typischerweise als „Bitte“ formuliert. Auch die Linke hatte einen Redner geschickt, alle richteten kurz das Wort an die Menschen.

Nach einem Piraten-Redner wurde ausdrücklich gefragt, doch von denen hat am Elisenbrunnen keiner geredet. Dabei wären gerade die Kompetenzen dieser angeblich technikaffinen Menschen gefragt. Was spielt sich genau in Tihange ab? Müsste nicht eine internationale Experten-Kommission ermitteln, ob die Reaktoren nun schrottreif und gefährlich sind oder nicht? Die belgische Atom-Aufsichtsbehörde FANC ist schließlich an der Spitze besetzt mit Männern, die noch vor Kurzem bei Electrabel (Betreiber des Risse-Reaktors) in Lohn und Brot standen. (s. hier, insbesondere letzter Absatz)

Zu Jan Bens, dem entscheidenden Mann bei der belg. Atomaufsicht, der „fast sein gesamtes Berufsleben, von 1978 bis 2007, bei Electrabel verbracht hat“, siehe auch hier.

Gut eine Stunde dauerte die Kundgebung, von der heute auch in belgischen Zeitungen berichtet wird (s. GrenzEcho). In Aachen empfiehlt es sich mal wieder, einen Blick in die örtlichen Blätter zu werfen, allein schon wegen der eindrucksvollen Fotos.

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s. auch die Seite vom Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie: www.anti-akw-ac.de

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Ein Stadion in Feierlaune: Fangesänge und Weihnachtslieder

Aachen Weihnachtssingen

Eindrucksvoll: Der Tivoli im Kerzenlicht.

Das darf man sich nicht zu besinnlich vorstellen: das Weihnachtssingen auf dem Tivoli. 16.000 mögen es gewesen sein, die dieses Jahr ins Stadion strömten um – quasi stundenlang – aus voller Kehle zu singen. Erstmals hatte ich Zeit und war dabei.

Zunächst muss gesagt werden, dass es allein schon wegen dem Wetter ein toller Abend war. 13 Grad und ganz klar, die Luft so sauber wie selten in der Innenstadt. Der Anblick war tatsächlich so, dass man ihn nicht mehr vergisst: Ein Stadion voller Menschen mit brennenden Kerzen in den Händen. Drei Seiten des Stadions waren voll, die Seite, an der die Bühne stand, blieb leer. Die Anreise mit dem Shuttle vom Bushof aus war natürlich auch bequem.

Weihnachtssingen Aachen

Die Bühne, natürlich hell erleuchtet.

Männer, Frauen, Kinder, Eichhörnchen – Alle kamen kostenlos rein, am Eingang stand zwar Sicherheitspersonal (freundliche Leute), aber es gab keine Kontrollen. Jeder erhielt eine Kerze mit einer Blende für runtertropfenden Wachs und ein Programmheft mit allen Texten, die gesungen wurden.

Kaum jemand kam allein, viele versorgten sich und ihre Freunde während des Singens fleißig mit Bier und Würstchen. Klar, es wurden auch alte, deutsche Weihnachtslieder gesungen (z.B. „Zu Betlehem geboren“). Aber dazwischen gab es glücklicherweise immer wieder markerschütternde Alemannia-Fangesänge und Schwungvolles wie „Rivers of Babylon“ oder „Feliz Navidad“. Da war so etwas wie Festival-Stimmung zu spüren.

Es gab auch einige kluge Worte über Gott usw., doch niemand wurde ungeduldig, man unterhielt sich mit den Freunden und hatte Spaß. Als Veranstalter dieses tollen Events wurden übrigens die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) und die Fan-IG der Alemannia genannt. Die hatten eigens 500 Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsunterkünften zu dem Singen auf die Haupttribüne eingeladen, was Stadionsprecher Robert Moonen mitteilte und was mit großem Beifall quittiert wurde.

Das war nun also das 3. Weihnachtssingen auf dem Aachener Tivoli. Nächstes Jahr werden sicher noch mehr Menschen aus Aachen und der Region teilnehmen, dann wird man vielleicht die Bühne in die Mitte des Stadions stellen müssen.

*

Mitwirkende laut Programmheft: Gospelchor der International Christian Fellowship (ICF) Aachen.
Jugendchor und Band des Bischöflichen Pius-Gymnasiums Aachen „Pius Celebration“.
Instrumentalverein Richterich.
Posaunenchor der Evangelischen Kirchengemeinde Aachen.
Trommler der Öcher Legion.
Jupp Ebert, Robert Moonen, Professor Scheller von der Fachhochschule Aachen und ganz viele Helferinnen und Helfer im Hintergrund. Als Sponsor hat sich das Kaufhaus REWE Aachen beliebt gemacht.

s. auch. www.weihnachtssingen-ac.de

weihnachtssingen Aachen

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Pegida vorerst in Aachen wenig erfolgreich

nopegida Aachen

Zogen auf den Platz vor dem Fußballstadion und verstärkten damit die Gruppe derjenigen, die dort schon warteten: Gegendemonstranten, die Aachen nicht einfach den Pegida-Fans überlassen wollen.

Die Pegida-Bewegung hat heute versucht, in Aachen Fuß zu fassen. Es blieb beim Versuch, das Ansinnen ist vorerst mit Karacho gescheitert. Die Ultra-Rechten hatten für den 3. Advent eine Kundgebung außerhalb der Innenstadt, am Tivoli (Krefelder Straße), genehmigt bekommen. Aber sie fanden noch nicht mal jemand aus Aachen, der ihre Kundgebung angemeldet hätte. Ein Auswärtiger musste ran.

Pegida-Fans aus Holland und Belgien, Aachen und Mönchengladbach wollten

pegida in aachen

So stellte sich die Kundgebung der Rechten von der Seite der Gegendemonstranten aus gesehen dar.

sich versammeln, so hieß es im Vorfeld. Es kamen auch Menschen aus allen Himmelsrichtungen nach Aachen. Doch mehr als 50 sind es auf keinen Fall gewesen, eher weniger (update 14. 12. : Die Polizei spricht – für mich unverständlich – von 120 Personen. Erwartet waren 300). In einer Ecke, ganz rechts neben dem Tivoli, standen sie rum, schwenkten Fahnen und hingen zwei Transparente („Mohammed not welcom“) auf. Später (gegen 14 Uhr) hielt noch Pegida-Gründer Lutz Bachmann eine Rede. Viel konnte man davon nicht hören, die Gegendemonstranten machten ordentlich Krach. Ich konnte allerdings vernehmen, dass angeblich in Deutschland Menschen Angst haben, ihre Meinung zu sagen, und dass die Presse hierzulande das allerletzte sei. Na ja.

Es trafen sich gleichzeitig geschätzt 1000 Menschen mitten in der Stadt am Eisenbrunnen, wo Oberbürgermeister Marcel Philipp und Städteregionsrat Helmut Etschenberg in Reden betonten, dass Aachen eine weltoffene Stadt ist und gedenkt, das auch zu bleiben. Bravo! Dass so viele sich gegen Rassismus und Hetze stellten, kann einen als AachenerIn wirklich froh machen.

300 bis 500 meist junge Menschen wollten den Pegida-Spacken vor Ort, also am Tivoli, mit ihrer Anwesenheit klarmachen, was man von ihnen hält. Nämlich nichts. Dort war ich ebenfalls dabei. Von dort habe ich auch mit klammen,

Polizei pediga Aachen

Polizisten waren in großer Zahl vor Ort. Sie alle hätten den 3. Advent sicher lieber anders verbracht, das konnte man manchem Gesicht  ansehen. Aber es ging nicht anders: Den Pegida-Leuten musste leider eine Lektion erteilt werden.

eiskalten Fingern und Füßen vom Hergang der Veranstaltung getwittert und Fotos gemacht (unter @feuertinte).

Hunderte Polizisten sorgten für die Sicherheit, der Polizeipräsident von Aachen (Dirk Weinsprach) war persönlich vor Ort. Außerdem meine  ich noch Reiner Priggen (grüner MdL) erkannt zu haben, Günter Schabarm (Grüne) und natürlich Marc Teuku (Piraten, Stadtrat AC). Ich bin früher weggegangen, bis gegen 15 Uhr verlief alles friedlich. Es krachte anfangs ein Silvester-Böller, aber das fand ich nicht beunruhigend.

Gut 200 Demonstranten hatten sich morgens am Westbahnhof versammelt, zogen durch Aachen und verstärkten später die Gruppe auf dem Tivoli-Vorplatz. Gegen 11 Uhr standen auch zahllose Polizisten am Hauptbahnhof, doch weder Rechte noch Gegendemonstranten waren – soweit ich sehen konnte – in größerer Zahl da.

Die Pegida-Truppe hätten gern in der Innenstadt demonstriert, doch pfiffige Linke hatten im Vorfeld davon Wind bekommen und sofort für alle infrage kommenden Plätze Kundgebungen angemeldet. So blieb nur noch ganz weit draußen was übrig.

Es empfiehlt sich, nach Berichten vom Kollegen Michael Klarmann zu suchen und morgen in eine Aachener Tageszeitung zu schauen. Dort wird es mit Sicherheit ausführliche Berichte geben von dem Tag, als Pegida versuchte, in Aachen Fuß zu fassen . . .

Falls ihr noch Zeit habt, lest das: Wie Dresden mit Zu-wenig-tun gegen Pegida seinen Ruf ruiniert

*

Update (18.12.) : Fotos, beim Aufräumen gefunden.

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Es werde „Light“

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Zu sehen im Fenster des Stadtmuseums (Centre Charlemagne) in Aachen, Katschhof.

Das Fraunhofer Institut für Lasertechnik hat eine Lichtinstallation geschaffen und im Centre Charlemagne am Katschhof aufgebaut. Die soll auf das kommende Aachener Jahr der Wissenschaft hinweisen, das am 1. Januar über uns hereinbricht  beginnt.

Zu sehen sind noch bis zum 10. Januar mannshohe Buchstaben, die das Wort LIGHT ergeben. Das hat natürlich eine doppelte Bedeutung: Licht und leicht. Das Teil „illustriert die generative Fertigung von Leichtbauteilen mit Lasertechnik“, habe ich irgendwo gelesen (Quelle: Internet hahaha).

Das Institut hat mehr als 400 Patente und 30 Ausgründungen hervorgebracht, ist Ansprechpartner für Unternehmen weltweit. Hier erfahrt ihr mehr darüber. https://de.wikipedia.org/wiki/Fraunhofer-Institut_für_Lasertechnik  Es hat immerhin 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Installation wechselt ständig die Farbe des Lichts (s. unten). Es ist in der dunklen Jahreszeit sehr angenehm, in das helle Licht zu schauen. Sicher fällt die Installation auch vielen Weihnachtsmarkt-Besuchern auf.

light aachen

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