Experten rätseln: Was wird aus dem Bunker?

Die Bunkerruine in Aachen zwischen der Rütscher- und der Försterstraße veranlasst Inge Wernet und Dipl.-Ing. Dieter Wernet aus St. Vith in Belgien zu folgender Zuschrift (Beide beschäftigen sich schon seit 20 Jahren intensiv mit militärhistorischen Studien):

„Man staunt, ja man ist fassungslos. Seit mehreren Wochen ruhen hier die Abrissarbeiten, die Baustelle ist verwaist, erste Singvögel finden sich wieder ein. Die Abbruchfirma hat sämtliches Gerät abgezogen und ist verschwunden. Was geht hier vor?

Außenstehende rätseln und ergehen sich in Spekulationen und Mutmaßungen. Wurden die Maschinen nur wegen der – durch zusätzliche gerichtlich angeordnete Lärmschmutzmaßnahmen erfolgten – Terminüberschreitung abgezogen, weil sie bereits anderweitig verplant waren? Dann kämen sie ja irgendwann wieder.

Oder ist der vereinbarte Kostenrahmen bereits überschritten? Oder hat sich die Firma zurückgezogen, weil in der Abbruchgenehmigung falsche Angaben aufgrund von Gutachten gemacht wurden, die letztlich von den angerufenen Gerichten nicht bestätigt werden konnten? Das sind derzeit die spannenden Fragen – und letztlich: Werden die Reste des Luftschutzbunkers künftig als Denkmal kommunaler Unfähigkeit das Aachener Stadtbild zieren?“

s. auch eine Buchveröffentlichung der beiden Militärhistoriker: http://www.helios-verlag.com/autoren/name/wernet.html

Herrscht hier Stillstand? Der Bunker gibt Rätsel auf.

Herrscht hier Stillstand? Der Bunker gibt Rätsel auf.

Derselbe Bunker von der anderen Seite.

Derselbe Bunker von der anderen Seite.

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Städtepartnerschaften neu erfinden

Im Frieden lebt es sich gemütlich. Damit landauf, landab Frieden herrscht, muss man sich schon ein bisschen anstrengen. Aber, wie erwähnt: Es lohnt sich sehr. Ein Leben in Frieden mit allen Völkern der Welt ist auf jeden Fall einem Zustand des Unfriedens vorzuziehen.

Dem Frieden zwischen den Völkern ist es dienlich, wenn sich Menschen treffen und möglichst einiges  voneinander wissen. Arbeit, Hobbys, Kultur, Schulen, Probleme mit Umwelt und Verkehr, Flüchtlingen und anderen Bevölkerungsgruppen . . . sind ja in Europa überall ähnlich und doch verschieden. Und erst in China. Da ist alles ganz anders.

Jedenfalls haben sich vor Jahrzehnten Politiker gedacht, es könnte ganz gut sein, wenn man mal die Fremden und die früheren Feinde besucht und schaut, ob man noch was anderes zusammen machen kann als sich gegenseitig tot zu schießen. Deshalb gibt es Städtepartnerschaften und Kreispartnerschaften. Besonders viele zu Städten in Frankreich, so will mir scheinen, die Franzosen waren ja für unsere Vorfahren mal „Erbfeinde“. Das machte damals allen – außer denen in der Rüstungsindustrie – das Leben schwer bis unerträglich.

Soweit diese pathetische Einleitung. Hier will ich nur mitteilen, dass ich neulich mit einer Delegation in Düsseldorf war, wo es um die Frage ging: Wie kann man in die Städtepartnerschaften neuen Schwung hineinbringen? Denn das ist sicher: Viele Städtepartnerschaften sind über 25 und 30 Jahre alt und haben an Dynamik verloren. Die Deutschen fahren ohnehin öfter mal  zum Urlauben ins Ausland. Da erscheint ihnen in Europa so schnell nichts mehr fremd und bedrohlich. Die Probleme sind auch überall ähnlich.

Was muss sich ändern?

In Düsseldorf trafen sich also die Vertreter von Partnerschaftskomitees und -beiräten aus ganz NRW mit einigen Offiziellen. Genauer: Mit dem Präsidenten des Landkreistages, Thomas Hendele, mit der Ministerin für Europa und Medien des Landes NRW, Angelica Schwall-Düren, mit Dr. Thomas Franke vom Deutschen Institut für Urbanistik, mit den (Ober)Bürgermeisterinnen von Mühlheim a. d. Ruhr und Rheine, und der Landtagsabgeordnete der Piraten, Nico Kern, war zu meiner Überraschung auch dabei und hörte sich die Reden an.

Dr. Franke hatte sich die Städte- und Kreispartnerschaften in NRW mal genauer angesehen und eine Untersuchung durchgeführt. Ein Ergebnis war, dass hier tatsächlich eine Art Neuaufstellung erforderlich und auch möglich ist. Thomas König, der bei der Städteregion Aachen zuständig ist für Regionalentwicklung und Europa, berichtete, wie es in der Städteregion gelungen ist, den Städtepartnerschaften eine neue Seite abzugewinnen. Es gab weitere Redner.

Einig schien man sich schließlich darin, dass das Ziel der Partnerschaften sein könne, „die Menschen europafähig zu machen“, wie jemand sagte. Es sollten sich nicht nur Kegelclubs und Feuerwehrgruppen gegenseitig besuchen. Es sollte vielmehr Wirtschaftskontakte geben. Ein Problem, was eine Gemeinde gut gelöst hat, sollte sie einer anderen erklären. Praktikanten sollten zwischen Firmen wechseln, die Firmen sollten sich gegenseitig Aufträge zukommen lassen. Die Gemeinden sollten von dem speziellen Know-how der Partner profitieren.

Via Internet lässt sich so ein Kontakt heute viel besser pflegen, ausbauen und nutzen, als dies vor Jahrzehnten möglich war. Es muss heute aber um mehr gehen als nur um Kulturaustausch. Die Austausche sollten, so habe ich das verstanden, einen direkten Nutzen bringen, indem man von Fehlern, Erfahrungen und Erfolgen der anderen lernt.

Alles in allem war mein erster offizieller Termin als sachkundige Bürgerin der Städteregion informativ und interessant. Demnächst fahre ich mit einer großen Delegation von Bürgerinnen und Bürgern aus der Städteregion für drei Tage nach Polen in die Partnerstadt Jelenia Gora.

Interessierte sich , wie eine Gruppe aus Aachen, für die Zukunft der Städte- und Kreispartnerschaften: der Landtagsabgeordnete und Pirat Nico Kern.

Interessierte sich, wie eine Gruppe aus Aachen, für die Zukunft der Städte- und Kreispartnerschaften: der Landtagsabgeordnete und Pirat Nico Kern.

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„. . . nach bestem Wissen und Können“

verpflichtung_14Jetzt bin ich ganz offiziell „sachkundige Bürgerin“, und als solche aktiv im Ausschuss für Tourismus und Kultur des Städteregionstages. Die wahrscheinlich weltweit einzige Partei, die mich in ein politisches Gremium schickt, die Piratenpartei, hat mich in diesen Ausschuss entsandt.

Ich freu mich sehr, dass man mir vertraut und wurde freundlich aufgenommen. Was alle wissen: Seit mehreren Jahren bin ich schon Mitglied der Piratenpartei und  habe da viele interessante Menschen kennengelernt. Dass ich meine Pflichten zum Wohle der Städteregion erfüllen werde, dazu habe ich mich verpflichtet. Ziemlich gern sogar.

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Löschwasserbassin, Shedhalle und ein Wasserturm

Mit meinem intergalaktischen Kommunikationswürfel bin ich (aus Gründen) zur Charlottenstraße gewandert und da auf das Gelände der Tuchfabrik Aachen spaziert. Kaum war ich auf dem Gelände, wurde hinter mir die Tür verriegelt.

Eine breite Straße führt auf das Gelände der Tuchfabrik Aachen, errichtet 1874 ff. Das alte Pflaster ist erhalten.

Eine breite Straße führt auf das Gelände der Tuchfabrik Aachen, errichtet 1874 ff. Das alte Pflaster ist erhalten.

Selbstverständlich kenne ich dort einen Geheimausgang. So schaute ich mir ausführlich das ganze Bauensemble an und freute mich an dem original über 100 Jahre alten Pflaster. Dann sah ich mir das Gebäude an, vor dem sich ein Löschwasserbassin befindet. Das Bassin ist trockengelegt, ist aber in voller Größe noch erhalten. Im 19. Jahrhundert hat man aus diesem Becken in den Turm hinein Löschwasser gepumpt. Das Wasser soll aus dem Beverbach gekommen sein.

Wie viele Fabriken hat auch die Aachener Tuchfabrik mehrere Shedhallen.

Wie viele Fabriken hat auch die Aachener Tuchfabrik mehrere Shedhallen.

Die ganze Tuchfabrik-Anlage soll 1873/74 erbaut worden sein. Später wurde sie erweitert. Jetzt sind dort Unternehmen ansässig, doch die haben die Bausubstanz nicht wesentlich verändert oder gar beschädigt. Der Turm ist das einzige Gebäude auf dem großen Gelände, das unter Denkmalschutz steht. Alles andere kann abgerissen werden. Dabei gibt der Turm für sich allein gar keinen Sinn. Der Turm braucht für seinen Denkmalcharakter die historische Umgebung.

Im Vordergrund: das Löschwasserbassin.

Im Vordergrund: das Löschwasserbassin.

Die Anlage wurde geplant von dem berühmten Otto Intze, der damals Hochschullehrer und Rektor der TH Aachen war. Die Intze-Türme wurden später berühmt und patentiert. Der Turm auf dem Gelände an der Charlottenstraße ist ein Vorläufer.

Von diesem Turm aus waren drei Gebäude zugänglich und  oben befand sich ein Löschwasserbecken.

Von diesem Turm aus waren drei Gebäude zugänglich und oben befand sich ein Löschwasserbecken.

Die Anlage ist wertvoll, denn sie informiert über die Produktionsverhältnisse des 19. Jahrhunderts. Über die Sophienstraße bin ich gut wieder hinaus gekommen.

Wer mehr wissen will über Pförtnerhaus, Tuchlager, Maschinenhaus, Bürogebäude, Lager und Preßhaus, muss unten klicken. Studierende haben die Anlage erforscht und für das Internet einen Text geschrieben.

http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Intze

http://www.rheinische-industriekultur.de/objekte/aachen/Aachener%20Tuchfabrik/aachener_tuchfabrik.html

 

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Nennt sie wie ihr wollt

Wandbilder, Wandgemälde, Graffiti, Wilde Bilder, Straßenkunst, streetart, zeitgenössische Kunst.

Nach all den Gesprächen, die ich in den letzten Wochen über die Bilder von Klaus Paier führen durfte mit Menschen, die sich mit seiner Kunst viel besser auskennen als ich, meine ich jetzt auch, dass es sich nicht um Graffiti, sondern um Wandbilder handelt.

Nennt sie wie ihr wollt, aber sorgt dafür, dass sie nicht verloren gehen.

 

Teilansicht, derzeit verdeckt.

Teilansicht, derzeit verdeckt.

Für mich ist wichtig: Es ist eine Form von politischem Engagement. Die Form weicht ab von dem, was wir normalerweise für politisches Engagement halten. Mich interessieren politische Äußerungen, die klar und deutlich sind. Zur Zeit besonders diejenigen politischen Äußerungen, die nicht auf die übliche, akzeptierte und gewünschte Form daherkommen.

Es ist zunächst wichtig, dass jemand sich in Aachen herausgenommen hat, den öffentlichen Raum gestalten zu dürfen. Und zwar mit etwas anderem als Werbung. Welche Anmaßung. Da, wo wir gehen, stehen, fahren werden wir ständig mit den kommerziellen Interessen der Geschäftswelt konfrontiert. Was einer zu verkaufen hat (Kosmetik, Versicherungen, Kleidung, Reisen), das muss ich mir ständig anschauen. Es wird unübersehbar sogar so

"Für Claudio", die Schrift gehört zum Bild und muss ebenfalls erhalten bleiben.

„Für Claudio“, die Schrift gehört zum Bild und muss ebenfalls erhalten bleiben.

präsentiert, dass es mir möglichst lange im Gedächtnis bleibt. Hallo? Gibt es auch noch Bilder von was anderem als Sachen, die man kaufen kann?

Interessant ist auch, dass es Kunst gibt, die nicht vorrangig eins im Sinn hat: Schnell auf allen Vieren ins Museum hinein. Oder in andere Ausstellungshallen. Wie schrecklich: Ich werde den Verdacht nicht los, dass die Museen Friedhöfe für Kunstwerke sind. Jedenfalls ist die Kunst in den Museen gut weggehängt und weggestellt und eines großen Teils ihrer Sprengkraft beraubt.

Kunst, die sich dem Blick der Straßenpassanten stellt, nötigt mir mehr Respekt ab.

Hier gibt es einen neuen Kommentar https://www.unserac.de/initiativen/i/initiative/219.html

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Die Zeichen an der Wand. Rettung scheint möglich.

Mittlerweile hoffen ziemlich viele Leute, dass das Bild hinter dem Vorhang ihnen eines Tages in frischen Farben entgegenleuchtet. Foto: Maximilian Render

Mittlerweile hoffen ziemlich viele Leute, dass das Bild hinter dem Vorhang ihnen eines Tages in frischen Farben entgegen leuchtet.     Foto: M. Render

Die Rettung des Bildes „Zwischen den Tagen“ schreitet munter voran. Und das allein deshalb, weil sich viele Menschen wirklich sehr viel Mühe gegeben haben und immer noch geben. Alle Achtung.

Behördenvertreter, Politiker, Kunstfreunde, Hochschulangehörige, die Kathy-Beys-Stiftung und die Arbeiter vor Ort haben die Ärmel hochgekrempelt. Gestern war sogar der ganze Stadtrat von Aachen mit dem Bild befasst. Acht Paier-Fans hatten sich deshalb eigens im Ratssaal in die Zuschauerbänke gequetscht.

Einstimmig (!) appellierte der Stadtrat an den Rektor der RWTH, an den Bau und Liegenschaftsbetrieb NRW und an das Land Nordrhein-Westfalen, das Bild zu erhalten und unter Schutz zu stellen. Vertreter von FDP, Die Linke und den Grünen sprachen teils bewegende Worte zur Kunst im öffentlichen Raum und zu den Bildern von Klaus Paier im Besonderen.

Dabei ist der Zustand des Bildes „Zwischen den Tagen“ kritisch. Es wurde nicht unmittelbar auf Mauerwerk aufgetragen, sondern auf eine sandige Putzfläche, die sich wiederum auf dem Mauerwerk befindet. Das Bild zu konservieren, das ist sehr aufwendig. Allerdings sind jetzt Experten vor Ort. Auch das Wandbild „Der große Krieg“, ein paar Meter weiter, ist noch nicht verloren. Für dieses Bild werden in Kürze ebenfalls Anstrengungen unternommen. Hier soll aber jetzt nicht vollmundig rumtrompetet werden. Besser wäre es, es würden sich noch mehr Mitstreiter finden. Die sollten sich regelmäßig um die Bilder kümmern: um die zwei vom Augustinerbach, das vom Café Kittel und ein weiteres sehr gut erhaltenes in der Mörgensstraße.

Aachen war nach Berlin eine der ersten Städte in Deutschland, die Graffiti unter Denkmalschutz gestellt hat, weiß Aachens oberste Denkmalschützerin Monika Krücken. Sie hat auch einen wunderbaren Aufsatz über Klaus Paier geschrieben. Irgendwo müssen auch noch die zahlreichen Skizzen sein, die Klaus Paier zu jedem Bild (als Vorbereitung) anfertigte. Wenn die (zum Beispiel) dem Archiv der Stadt, das seit heute mit einem neuen Chef-Archivar am Start ist, überlassen würden, könnten sich Ehrenamtliche an die Aufarbeitung machen.

Jedenfalls haben wir Bürgerinnen und Bürger es mit einer Stadt zu tun, die vor 30 Jahren schwere Fehler machte und gute Kunst vernichtete, die dies aber als Fehler erkannt hat, es bedauert und in Grenzen Wiedergutmachung leisten will.

Aufsatz Monika Krücken

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Unausgegorener Kooperationsvertrag zum freien WLAN? Piraten sagen: stopp

Aachen soll, hurra, endlich auch freies WLAN bekommen. Ja, so haben wir uns gefreut . . . in der RWTH-Stadt im Westen der Republik. Und ein Kooperationsvertrag soll auch schon unter Dach und Fach, also abschlussreif sein.

Aber, Moment mal, von dem Vertrag hat man zuvor nie was gehört. Und was sind denn so die Einzelheiten von dem Vertrag? Bei genauerem Hinschauen erweist sich die Sache als reichlich mysteriös.  Die Kollegen von der Aachener Piratenpartei haben auch gleich mit der (Nach-)Fragerei begonnen und schicken nun folgende Mitteilung, die hier im Wortlaut veröffentlicht wird.

Motto: Lasst doch endlich mal Leute ran, die was von der Sache verstehen. Für die Piraten im Rat der Stadt schreiben der Fraktionsvorsitzende Udo Pütz und  Fraktionsgeschäftsführer Rahu Ehanantharajah:

Internetstadt Aachen!?

Am letzten Freitag erreichte uns eine kurze Mail mit der Ankündigung eines Vortrages vor dem Personal- und Verwaltungsausschuss und einer Unterzeichnung eines Kooperationsvertrages unter der Überschrift „öffentliches WLAN in Aachen“. Die Mail war ansonsten spärlich und noch nicht mal an die Ratsvertreter gerichtet, sondern an die Presse.

Sofortiges Nachfragen ergab leider wenig Ergiebiges, und das Wenige war sehr unerfreulich. Da dieses Thema den Aachener Piraten extrem wichtig ist und eines unserer Wahlkampfthemen war, haben wir unsererseits sofort versucht, sämtliche Informationen einzufordern und sind gleichermaßen entsetzt, dass es völlig an den politischen Entscheidungsträgern vorbei geschleust werden sollte. Der vorgesehene Vortrag im Personalausschuss ist nur zur Kenntnisnahme, eine Einflussnahme der demokratisch gewählten Vertreter ist nicht gewünscht und auch zeitlich gar nicht mehr möglich.

Grundsätzlich fordert die Piratenpartei einen demokratischen Prozess über Entscheidungen dieser Art ein.

Wir sehen in der jetzigen Vorgehensweise zwei wesentliche Probleme:

1. Man hat niemanden gefragt, der sich technisch damit auskennt und sich wohl ziemlich vollständig auf den Auftragsnehmer verlassen. Das Ergebnis ist dementsprechend möglicherweise für diesen angenehm, aber nicht für die Nutzer oder die Stadt Aachen.

2. Die Vertragsgestaltung droht eine weiteres Negativbeispiel für Public Private Partnership zu werden. Sämtliche Kosten und jegliches Risiko blieben unserer Kenntnis nach in der öffentlichen Hand, die Möglichkeit Geld zu verdienen wird aber privatisiert. Es wäre wohl auch ein Nutzungsmonopol entstanden, die von der Stadt Aachen bezahlte Infrastruktur (weitgehend) kostenlos an den privaten Vertragspartner gegeben.

Liebe Freunde, das ist nicht das Internet. Das Bild ist vom Wandmaler  Klaus Paier, befindet sich in der Nähe vom Piratenbüro in Aachen und soll hier ausnahmsweise nur den Text auflockern.

Liebe Freunde, das ist nicht das Internet. Das Bild ist vom Wandmaler Klaus Paier, 30 Jahre alt, befindet sich in der Nähe vom Piratenbüro in Aachen und soll hier ausnahmsweise nur den Text auflockern.

Die Details, die wir bis jetzt herausbekommen konnten, haben sich aber interessanterweise im Laufe eines Tages, nach unseren konkreten Fragen hierzu, entscheidend verändert:

Vorher: Die Stadt Aachen bezahlt die Errichtung der Infrastruktur.

Nachher: Aachen hat mit der Infrastruktur nichts zu tun und stellt nur die Standorte zur Verfügung.

Vorher: Der Auftragsnehmer „mietet“ sie, vermutlich aber unentgeltlich.

Nachher: Siehe oben, es ist nichts mehr zu vermieten.

Vorher: Eine Bürgschaft war im Rahmen des Kooperationsvertrages vorgesehen.

Nachher: Ist keine Rede mehr von einer Bürgschaft.

Vorher: Der Vertrag läuft über mehrere Jahre, solange hat der Vertragspartner alleinigen Zugriff auf die Infrastruktur und damit ein Gebietsmonopol.

Nachher: Es ist nur eine Kooperation, andere Anbieter können ebenfalls auf die Standorte zugreifen und dort ihre Dienste anbieten.

Vorher: Die Verwaltung sagte, sie habe mit anderen Anbietern geredet.

Nachher: Das stellte sich als unzutreffend heraus. Andere Alternativen, wie Freifunk oder auch andere Dienstleister, wurden überhaupt nicht in Erwägung gezogen.

Vorher: Wir vermuten, der Internetzugang ist  mitnichten „frei“, sondern nur für eine begrenzte Zeit kostenlos. Danach ist eine Bezahloption vorgesehen. Das führt zu der Notwendigkeit einer Registrierung und verschiedenen datenschutzrechtlichen Problematiken.

Nachher: Wahrscheinlich bleibt es so, aber im Prinzip können die Anbieter machen, was sie wollen. Auch Freifunk wäre möglich.

Begrenzte technische Kompetenz

Die Vertragsverantwortlichen bei der Stadt und auch den Initiatoren bei den anderen Parteien besitzen offensichtlich begrenzte technische Kompetenz (Stichwort auch „Mobile Access“), so dass zu befürchten ist, einen für die Stadt sehr ungünstigen Vertrag bzw. Installation zu bekommen. Eine Einsicht in den Vertrag wurde uns zuerst zugesichert und dann doch wieder abgelehnt.

Udo Pütz, Fraktionsvorsitzender der Piraten im Rat  der Stadt Aachen. Das Bild entstand im Frühjahr.

Udo Pütz, Fraktionsvorsitzender der Piraten im Rat der Stadt Aachen. Foto: Archiv

Die uns heute bekanntgewordenen Änderungen zeigen alle in eine sehr positive Richtung und wir begrüßen sie sehr. Augenscheinlich wurden diese aber erst durch unsere Nachfragen herbeigeführt.

Wenn allerdings so grundlegende Änderungen noch so kurz vor einem Vertragabschluss gemacht werden, ist das Projekt offensichtlich nicht ausreichend vorbereitet worden. Wir halten den Abschluss der Kooperation am Mittwoch für verfrüht, auch wenn das Projekt ganz bestimmt wichtig ist und von uns prinzipiell unterstützt wird.

Wir Piraten fordern, den Kooperationsvertrag einem demokratischen Entscheidungsprozess zu unterwerfen und dabei technisch versierte Sachverständige einzubeziehen. Ein Projekt dieser Größenordnung sollte nicht, wegen einer Veranstaltung und PR Gerummel, übers Knie gebrochen werden.

Da uns dieses Thema sehr am Herzen liegt, werden wir weiterhin versuchen, alle Informationen zu bekommen und sie der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

* Wenn sie nicht wissen, was mit Freifunk gemeint ist: https://freifunk-rheinland.net

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Paten für junge Flüchtlinge gesucht, Folge 1

Minderjährige Flüchtlinge kommen zur Zeit in relativ großer Zahl in Aachen an. Man liest davon, man hört davon, man schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und kann nicht ruhig bleiben.

Fünf Jugendliche werden durchschnittlich täglich in Aachen aufgegriffen. Die bekommen eine Unterkunft (Heim oder Hotel), einen Vormund, sie können eventuell zur Schule gehen und müssen nicht verhungern. Es sind sehr selbstständige Jugendliche, fast alles Jungen. Sie sind durch Kriegserlebnisse traumatisiert, sind traurig und vermissen ihre Angehörigen.

Wird aus Mitteln des Europäischen Flüchtlingsfonds kofinanziert: Das Projekt "Aachener Hände".

Wird aus Mitteln des Europäischen Flüchtlingsfonds kofinanziert: Das Projekt „Aachener Hände“.

Als Minderjährige sind sie in Aachen in festen Strukturen aufgehoben. Doch wenn sie 18 Jahre alt und damit volljährig werden, sind sie gänzlich auf sich selbst gestellt. Diese Not hat man beim katholischen Sozialdienst (SKM) in der Heinrichsallee 56 gesehen und sich etwas überlegt. Die Sozialhelfer haben das bundesweit einzigartige Projekt „Aachener Hände“ ins Leben gerufen und nach langen Bemühungen und vielen Anträgen auch etwas Geld dafür von der Europäischen Union (EU) bekommen.

Die „Hände“, die den jungen Leuten gereicht werden, kommen von ehrenamtlichen Paten. Bei einem ersten Treffen mit Menschen, die sich vorstellen können, als Paten mit einem jungen Flüchtling einmal die Woche etwas zu unternehmen, ein Gespräch zu führen oder eine Behörde aufzusuchen, hatte man mit vielleicht fünf Interessenten gerechnet.

Was kam, war eine Flut von Menschen, fast alle schon ein wenig älter und mit Lebenserfahrung. Es kamen nicht 5, es kamen mindestens 80, der Zustrom hörte nicht auf, die Info-Veranstaltung musste in zwei Räumen stattfinden. Die veranstaltenden Damen vom SKM freuten sich sehr.

Es gibt in Aachen viele Menschen, die das Leid anderer rührt, die aktiv werden möchten und ihre Freizeit opfern. Man ist dabei über den SKM versichert, und was genau man zusammen mit dem jungen Flüchtling unternimmt, kann man mit diesem ganz allein entscheiden: Kino, Tierpark, Hangeweiher, Theater, Sport oder einfach eine Tasse Kaffee trinken gehen.

Zugeteilt werden den Paten nur junge Erwachsene, die schon eine Weile in Aachen sind und ausreichend Deutsch sprechen. Alle jungen Flüchtlinge sind sehr ehrgeizig und lernen die deutsche Sprache in rasender Eile. Viele sind gute und sehr gute Schüler. Doch oft wissen sie nicht, wie unsere Bürokratie funktioniert, und sehr oft wollen sie einfach mal mit einem Menschen sprechen oder nach langer Zeit noch mal erleben, wie es in einer Familie ist. Sie dürfen Aachen nicht verlassen, weswegen Paten, die beispielsweise in Vaals (Holland) oder Gemmenich (Belgien) wohnen nicht infrage kommen.

An dem Info-Abend wurden noch viele Fragen besprochen. Es gibt Weiterbildung und Treffen für die Paten, die Mitarbeiter vom SKM stehen als Anlaufstelle zur Verfügung. Es wird in mehreren Treffen geprüft, ob Flüchtling und Pate überhaupt zueinander passen und, und, und. Resümee: Alles weit weniger schwierig, als es auf den ersten Blick schien.

Mehr unter: www.aachener-haende.de

Zu Folge 2 geht es hier

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Aachen: Eine Stadt will ihre Bilder behalten

Regina Weinkauf hat die Bilder jeweils kurz nach der Entstehung fotografiert, Dieter Einkauf hat Fotos, Dokumente, Reden, Skizzen und Medienberichte in einem Buch zusammengefasst.

Regina Weinkauf hat die Bilder jeweils kurz nach der Entstehung fotografiert, Dieter Weinkauf hat Fotos, Dokumente, Reden, Skizzen und Medienberichte in einem Buch zusammengefasst.

Was die Rettung der Paier-Graffitis betrifft, stellt sich mir die Sache jetzt so dar: Das Interesse am Erhalt der Arbeiten von Klaus Paier ist erfreulich groß und wird noch immer größer. Und es haben sich schon seit vielen Jahren Privatleute darum bemüht, die einzigartige Kunst des Aachener Wandmalers in die Zukunft hinein zu retten.

Es wurden von Privatleuten, nicht von Mitarbeitern der Kulturverwaltung, Anträge gestellt, Briefe geschrieben und Mails, Kontakte wurden geknüpft, es wurde fotografiert, dokumentiert, es gab eine Foto-Ausstellung mit Dutzenden Interessierten bei der Eröffnung, es gab Führungen zu den Bildern, Presseberichte, und der WDR machte Filme. Denkmalschützer und ein Alt-

Drei große Berichte mobilisieren die Paier-Fans.

Drei große Berichte mobilisieren jetzt die Paier-Fans.

Oberbürgermeister engagierten sich, mit Worten, konnten aber nichts erreichen. Die Fan-Gemeinde von Klaus Paier ist nicht klein, aber leider ohne Einfluss. Ihr gehören übrigens auch Graffiti-Künstler an, die heutzutage sehr aktiv sind.

Viele haben nach den jüngsten Berichten in den Aachener Zeitungen Mails geschrieben, und Regina und Dieter Weinkauf – absolute Experten in Sachen Streetart und Kunst von Klaus Paier – haben sich die Zeit genommen, mir ein wenig aus den letzten Jahren zu berichten. Da stand mir wirklich der Mund offen vor Staunen. Am Ende zeigten sie mir noch eine Arbeit von Klaus Paier, die ich noch nie gesehen hatte. Mitten in Aachen befindet sich diese, aber so versteckt, dass sie die letzten 30 Jahre in einem recht guten Zustand überstanden hat.

Befindet sich sehr versteckt mitten in Aachen. Es geht um Menschen, auf deren Neigungen durch Operationen im Gehirn Einfluss genommen wird. In der Mitte sind ein Kopf, eine Spritze und eine Hand zu erkennen.

Befindet sich sehr versteckt mitten in Aachen: Es geht um Menschen, auf deren Neigungen durch Operationen im Gehirn Einfluss genommen wird. Gut  sind ein Kopf, eine Spritze und eine Hand zu erkennen.

Geschieht jetzt mit den letzten noch vorhandenen Bildern das, was Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre in Aachen in großem Stil geschah? Dass nämlich die Graffitis von Klaus Paier verschwinden?

Die Grünen in Gestalt von Hermann Josef Pilgram werden die Angelegenheit vor den Rat der Stadt bringen. Der Termin wird hier und auf verschiedenen anderen Info-Kanälen mitgeteilt. Vielleicht ist es ja sinnvoll, im Rat aufzulaufen und durch die Anwesenheit zu dokumentieren, dass ein massives Interesse am Erhalt der Bilder besteht. Für „Zwischen den Tagen“ und „Der große Krieg“ sieht sich entsprechend mündlichen Zusagen der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) in der Verantwortung. Hoffentlich sind das nicht nur leeren Worte gewesen.

Nebenbei gesagt ist es doch beachtlich, dass ein Mann wie Ex-Oberbürgermeister Kurt Malangré (CDU) quasi vom Saulus zum Paulus geworden ist und sich auch nicht zu fein ist, das zuzugeben. Er war einst mit der Vernichtung der Bilder sehr einverstanden. Hat sich im Ruhestand mit der Thematik nochmals intensiv befasst und ist zu der Erkenntnis gelangt, dass es ein Fehler war. Dass es sich um Kunst handelt, die erhalten werden muss.

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Schludriger Umgang mit den Werken heimischer Künstler

Das sieht alles gar nicht gut aus. Auch Klaus Papiers Arbeit "Es eilt" ist in einem erbärmlichen Zustand.

Das sieht alles gar nicht gut aus. Auch Klaus Paiers Arbeit „es eilt“ ist in einem erbärmlichen Zustand.

Ein weiteres, nachgerade berühmtes Paier-Graffiti ist in einem erbärmlichen Zustand, wie ich gestern wirklich zufällig, weil ich die Kaiserplatz-Baustelle besichtigen wollte, gesehen habe. Den Originalzustand seht ihr hier. Zum Glück hat Regina Weinkauf  vor vielen Jahren auch dieses Bild fotografiert. Ich schlage sie für das Bundesverdienstkreuz vor.

Ob die oben gezeigte Arbeit unter Denkmalschutz steht oder nicht und wem genau die Wand gehört, das weiß ich nicht. Und ich halte auch gar nichts davon, sich vorzunehmen, einfach Wände zu versetzen. Ich bin auch gar keine Graffiti- oder Kunstsachverständige. Ich interessiere mich für Politik und frage mich, was mit einer Kunstszene und einer Stadt los ist, die derart schludrig mit den Werken ihrer besten Künstler umgeht. Und: Interessieren sich die hiesigen Museumsleute nicht für Aachen und seine Kunst und Kultur? Der Umgang mit den Paier-Graffitis und die Nachlässigkeit im Fall K.O. Götz – das passt zusammen.

Das Presseamt teilt unterdessen mit: „Ein Abenteuerspielplatz wird (am 19. August. d. Verf.) zum Schauplatz für eine Fassadengestaltung der besonderen Art. Die bisher unansehnlichen Fassaden werden in einem offenen Workshop für Kinder und Jugendliche sowie erfahrene Sprayer gestaltet. Der Workshop und die Gestaltung werden vom Aachener Graffiti-Künstler „Lake13“ alias Lars Kessler geleitet.“ Schön.

Schön, dass neue Graffitis möglich sind und für Qualität gesorgt wird. Aber das heißt noch lange nicht, dass die „alten“ Graffitis vernachlässigt werden dürfen, zumal wenn sie denkmalswürdig sind. Auch das Alte gilt es sorgfältig zu pflegen. Ja sogar: Nur wer auch die alten Kunstwerke in Ehren hält, darf sich als  Förderer von Kunst und Kultur darstellen.

Beachtet auch den neuen Kommentar auf unserAC.de, https://www.unserac.de/initiativen/i/initiative/219.html

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