Ein paar Fragen

Wieso heißt WikiLeaks eigentlich WikiLeaks, es ist doch gar kein Wiki und hat auch mit anderen Wikis nichts zu tun? Warum hat die Presse bisher die Leaks nur sehr zögerlich aufgegriffen?

Welche Intention haben Menschen, etwas Geheimes zu veröffentlichen? Warum ist der „Spiegel“ pro Vorratsdatenspeicherung, wo die doch die ganzen Depeschen veröffentlichen? Mittels Vorratsdatenspeicherung könnten deren Informaten enttarnt werden, da meldet sich doch dann niemand mehr beim „Spiegel“.

Was ist Openleaks? Wie leakt man vernünftig? Welche Geheimnisse sollten an die Öffentlichkeit kommen, welche nicht? Leitet die Wau-Holland-Stiftung das gespendete Geld direkt weiter, an wen genau?

Ist Julian Assange eitel und extrovertiert, ein Egozentriker, der gern in der Öffentlichkeit steht? Oder stellt er sich als Blitzableiter hin? Als das Gesicht, der Name, den die Presse und die Verfolger brauchen wie auch die Unterstützer? Geht es nicht ohne ein „Aushängeschild“, wenn man eine Idee publik machen will?

Wie gehen die Regierungen damit um, dass die Anzahl der Geheimnisse, die wirklich geheim sein können, geringer wird? Wie wollen sie unter diesen neuen Umständen regieren?

Warum hatte Assange sein WikiLeaks ausgerechnet bei Amazon gehostet? Infos gegen die US-Regierung bei einer US-Firma hosten, das konnte doch nie klappen.

Warum ist die Presse in der Einschätzung der WikiLeaks-Idee so gespalten?? Was ist mit dem Leyendecker und der guten alten „Süddeutsche“ los? Warum bringt der „Spiegel“ die Dokumente nicht in Originalsprache, sondern in teils komischen Übersetzungen? Waum linkt er nicht zu den anderen Zeitungen, die auch veröffentlicht haben?

Hat der „Spiegel“ an WikiLeaks Geld gezahlt für die Dokumente? Wurde die Privatshäre der Diplomaten verletzt? Wonach würde ich in den Dokumenten suchen? Rüstungskonzerne, EADS, Boing, Bosch Stiftung?

Was ist eigentlich dieses Krypto? Sind wir in einer Entscheidungsschlacht um das freie Internet? Sind die Dosser der Schwarze Block des Internet? Soll man den Online-Protest unterstützen? Wie? Wie groß ist das Risiko, bestraft zu werden, wenn man in Deutschland einen Mirror aufsetzt?

Diese und weitere Fragen diskutieren Fefe und Frank in alternativlos.org  🙂

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Cyberwar oder Wirtshausschlägerei?

Im Netz wird munter und kontrovers diskutiert, ob die ganzen DDos-Angriffe auf Firmen moralisch legitim sind, oder nicht. Und ob man schon von Cyberwar sprechen kann, oder nicht.

Leute, die sich damit auskennen, was ein Cyberwar sein könnte, die meinen, was jetzt im Gange ist, das sei eine Wirtshausschlägerei. Wenn PayPal mal ein paar Stunden nicht zu erreichen ist, wenn die mal kein Geld transferieren können, dann geht die Welt nicht unter. Die DDos-Attacken richten sich gegen Firmen, aber mir scheint, da sind Jugendliche am Werk, die sind das, was die Polizei hierzulande „erlebnisorientierte Jugendliche“ nennt. Die wollen ein Abenteuer.

Ich will die Sache nicht pauschal verdammen, zumal es immer einen Reiz hat, wenn ein Kleiner einen angeblich Riesengroßen platt macht. Wenn aber so ein DDos-Angriff Kommunikation unterbindet, dann ist das scheiße.
So etwa äußerte sich Fefe mal bei http://www.alternativlos.org : Wenn wir diese Welt aus dem ganzen Schlamassel mal jemals rauskriegen sollen, dann ist Kommunikation ein wichtiges Mittel.

Die DDos-Attacken könnten aber auch Ausdruck eines Online-Protests sein, vergleichbar einer Sitzblockade. Wie wenn sich Menschen vor eine Bank setzen, und dann kann morgens keiner rein.

Offensichtlich wird mit einem Mal, dass es eine Generation gibt, die das Dossen als das Mittel ihres legitimen Protest betrachtet. Sie haben WikiLeaks als eine Möglichkeit erkannt, um ein paar Schweinereien auf dieser Welt zu stoppen. Und die Möglichkeit wollen ihnen jetzt PayPal und Amazon, Mastercard und Visa nehmen.
Die sind so wütend, dass sie tatsächlich bereit sind, anderen Leuten etwas kaputt zu machen.

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Ziemlich lustig ;-)

http://www.yapfiles.ru/show/157462/1a5bb9641a4330de77565a3951cf9ec5.flv.html

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Assange in Haft – und jetzt?

Das ging doch ein bisschen schneller, als ich dachte. Julian Assange ist in Haft, der Mann, der WikiLeaks als Gesicht dient. Der sozusagen das Aushängeschild spielt.

Kommt er jetzt nach Guantanamo? Wird ihm etwas zustoßen? Wird er sich umbringen? Viele Fragen. Klar ist, dass seine Hatz und seine Festnahme viele Leute wütend machen werden. Und die Menschen werden wütend auf die Firmen, die mit ihren Mitteln dabei helfen, Assange das Leben unerträglich schwer zu machen.

Unterdessen streiten sich Piraten über einen Vorgang, der natürlich von noch viel weltbewegenderer Bedeutung ist, als alles, was mit WikiLeaks zu tun hat: Einer war von einer Burschenschaft gebeten worden, dort einen Vortrag zu halten. Ein anderer Pirat meinte: Tu das nicht. Und wie das so immer ist, und wie das von den Burschenschaftlern auch gewünscht und gewollt ist, gab es schlimmen Streit.  Ja und jetzt fetzen sich die Kombatanten öffentlich. Es sieht aus, als säßen zwei Jungen im Sandkasten und werfen sich gegenseitig die Förmchen an den Kopf und auch noch den Sand. „Kann bitte mal eine Erzieherin hinzueilen und die beiden Bubis aus dem Sandkasten entfernen?“ möchte man ausrufen.

Es ist schon manchmal peinlich, was die Piraten veranstalten. Einige ältere Piraten scheinen eine Menge Frust zu schieben.

Ich bin gespannt auf den CCC-Kongress zwischen Weihnachten und Neujahr. Mittels Stream hoffe ich, an allen interessanten Diskussionen beteiligt zu sein.

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Weniger Geheimnisse, mehr Transparenz

Jetzt wissen wir also, dass in der arabischen Welt über einen möglichen Angriff auf den Iran diskutiert wird. Und dass die Saudis insbesondere am liebsten hätten, dass die Amerikaner den iranischen Mullas sofort den Kopf abhauen. Ich zumindest hätte das nicht vermutet.

Wir wissen auch plötzlich, wie wichtig es dem europäischen politischen Personal ist, was die Amerikaner über sie denken. Wirklich alle europäischen Zeitungen haben über WikiLeaks und die Depeschen berichtet. Mannomann, so wichtig ist allen die Einschätzung durch die Amerikaner. Sagenhaft.

Und: Wir wissen, dass die Amerikaner offenbar davon überzeugt sind, dass Premier Erdogan in der Türkei sein Land in einen islamischen Gottesstaat verwandeln will. Und dass sie ihn für korrupt halten. DuliebeGüte, mir bleibt jetzt noch fast das Herz stehen vor Aufregung. Obwohl alles schon eine Woche lang öffentlich ist und heute der “Spiegel” wohl wieder neue Informationen bringt.

Überhaupt der “Spiegel“. Das ehemalige Nachrichtenmagazin enttäuscht mal wieder. Sie haben den Klatsch und Tratsch groß rausgebracht, während der “Guardian” in England deutlich mehr davon gebracht hat, was POLITISCH relevant ist.

WikiLeaks hat Rohmaterial geliefert, und zwar an die seriösesten Zeitungen in Europa. WikiLeaks hat sich nicht die Herkules-Aufgabe angetan, das Material zu sortieren und zu bewerten. Das haben sie Profi-Journalisten überlassen, und das ist gut so. Der “Spiegel” musste nachgedruckt werden, so viele wollten ihn kaufen. Der ganze Vorgang zeigt, wie die hiesige Presse von WikiLeaks profitieren könnte.

Wir wissen nun auch, dass die USA ein großes Informationsnetz ausgebreitet haben, das Ergebnisse bringt wie ein Geheimdienst. Das ist Spionagetätigkeit, was die Diplomaten und ihre Mitarbeiter machen. Bis hin zu biometrischen Daten sollen sie alles melden. Wenn erst mehr Dokumente kommen, werden wir sehen, dass es astrein geheimdienstliche Tätigkeiten sind, für die Diplomaten eigentlich nicht zuständig sind. Hillary Clinton will, dass Leute ausspioniert werden.

Wir wissen, das der König von Bahrain die Amerikaner aufgefordert hat, einen finalen Schlag gegen das iranische Regime zu tätigen. Das ist wissenswert. Es ist gut zu wissen, auf welcher Seite die Araber stehen. Mir war das bis dato gar nicht klar. Wobei natürlich immer berücksichtigt werden muss, dass auch die Diplomaten irren können, wie im Falle der Einschätzung von Erdogan, wo sie vermutlich in einigen Punkten schwer daneben liegen.

Wissen ist besser als Nichtwissen. Wissen macht das Leben besser, es macht unsere Welt letztlich besser. Auch wenn im ersten Moment peinliche Situationen entstehen, weil das Wissen erst mal verdaut werden will. Man sollte jetzt nicht alle Kanäle verstopfen, sondern überlegen, wie man gut mit dem Wissen umgeht. Es wird sich künftig nicht verhindern lassen, dass das rauskommt, was mächtige Menschen (in Politik und Bankenwesen) geheim halten möchten. Damit wird man leben müssen. Es ist zu begrüßen, wenn mehr offen kommuniziert wird, wenn alle mitdenken.

Und die Frage vor der Veröffentlichung muss immer lauten: Ist es politisch relevant? Ist es relevanter politischer Stoff? Ich erinnere daran, dass nach der Veröffentlichung der Steuergelder-CDs in Lichtenstein und der Schweiz die Gesetze in Richtung Doppelbesteuerung geändert wurden. Die Veröffentlichung hat etwas Gutes bewirkt, da vorher etwas sehr schlecht geregelt war.

Wir werden nicht mehr auf die Macht des vernetzten Wissens verzichten wollen.

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Die Schuld tilgen, geht das?

Hier wurde schon lange nichts mehr über eine Erzählung von Heinrich von Kleist niedergeschrieben. Also los. Heute geht es um eine Geschichte, wo Kleist die Frage von Schuld erörtert. Von großer, großer Schuld –  und ob es die Möglichkeit gibt, sich von dieser Schuld reinzuwaschen. Dazu erzählt Kleist die Geschichte von einer Dame, Mutter von zwei Kindern, die Witwe geworden ist und nach einer Zeit der Trauer beschlossen hat, nicht wieder zu heiraten. Obwohl es Interessenten gibt.
Hier muss ich zwischenschalten, dass im weiteren das Thema “Vergewaltigung” behandelt wird. Denn das ist das Verbrechen, dessen sich in Kleists Geschichte ein Mann schuldig macht. Eingedenk der Diskussion um das nicht immer jugendfreie Internet mache ich also hier darauf aufmerksam, dass ich über ein Thema bei Kleist schreibe, das für Kinder nicht geeignet ist.  – Wie eigentlich der ganze Kleist nicht für Kinder und Jugendliche unter 14 geeignet ist. Man denke nur an die Szene, wo der rasende Mopp auf ein junges Elternpaar mit Kind zurennt, und wie dann einer den Säugling bei den Beinen packt und an die Wand der Kirche schleudert, so dass das Gehirn aus dem Kopf spritzt.

Ja, Leute, Kleist ist nichts für Menschen mit schwachen Nerven.
So, jetzt also die Geschichte von der jungen Witwe, die bei ihren Eltern in einem wirklich großen Gebäude lebt und sich ziemlich wohl in ihrem Leben fühlt. Ihre Eltern sind echt froh, dass mit den Kindern Leben in die Bude gekommen ist, und so ist alles ganz gut geregelt.
Bis . .  ja bis ein Krieg ausbricht und Soldaten das Haus der Familie stürmen. Die junge Mutter rennt in Panik in einen kleinen Gartenpavillon, wo sie vor lauter Angst in Ohnmacht fällt. Hier findet sie ein Offizier. Na ja . . . . Als sie wieder zu sich kommt,  streicht sich der Mann die Klamotten glatt und setzt sich den Hut auf. Das steht da so unprätentiös bei Kleist.

Die schöne Frau meint, sie sei  von dem Offizier vor einer Meute mordlustiger Soldaten gerettet worden, und bald ist der Krieg aus und alles kommt in die gewohnte Ordnung zurück. Da regt sich beim Offizier das Gewissen. Er hat eine verdammte Tat begangen, kommt damit nicht zurecht und will die Schuld na ja  . . .  irgendwie wohl tilgen. Bei der Dame stellen sich unterdessen körperliche Symptome ein, die sie doch etwas an die Zeit erinnern, als sie mal schwanger war. Und sie kann sich und ihren Eltern verdammt noch mal nicht erklären, wie es dazu gekommen sein soll. Die Eltern sind entsprechend not amused und wissen nicht mehr, was sie von ihrer Tochter halten sollen.

Die Familie hat jetzt ein Problem der Extraklasse. Und zwar jeder mit jedem: Mutter hält zur Tochter, Vater fühlt sich von Tochter verarscht. Mutter zofft sich mit Vater, Tochter wird fast verrückt, muss sich aber um die beiden Kinder kümmern uswuswusw.
Und dann taucht auch noch der Offizier auf und macht der jungen Frau sofort einen Heiratsantrag. Die lehnt ab. Und weil er so insistiert, sagt sie ihm, sie wüsste auch nicht wie es kommt  und er soll sie nicht für verrückt halten, aber sie wäre schwanger.  Der Mann will jetzt nur noch dringlicher heiraten. Die Folge: Noch mehr Turbulenzen in der Familie. Was Kleist jetzt erzählt, ist dann der Versuch des Offiziers, seine Schuld abzutragen. Ob es ihm gelingt, muss jeder selbst nachlesen.
So, ich geh jetzt mit meinen Ski in den Westpark, in Aachen hat es nämlich geschneit, und ich habe Resturlaub. Und morgen sehen wir uns in Nizza, wo die Sonne scheint. 😉

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Nur Dumme halten Erdogan für dumm

Ich muss staunen, wenn ich lese, wie bar aller Kenntnisse  über die Mentalität der Menschen im Vorderen Orient die US-Diplomaten sind. Mein lieber Herr Gesangsverein, die meinen doch tatsächlich, der türkische Premierminister Erdogan habe “Probleme, den Kontext zu verstehen“.
Was im “Spiegel“, Seite 116 und 117, zu lesen ist, macht eher den Eindruck, als würden die Amis den Kontext nicht verstehen. Erdogan ist sehr schlau und wird  noch mehr Macht bekommen und die Wahlen im nächsten Jahr gewinnen.
Erdogan sei “ein machtgieriger Islamist”, seine Minister seien “unfähig, ungebildet und korrupt”.  Die Regierung sei insgesamt zerstritten und die Opposition sei “lächerlich”. Das letzte stimmt.
Erdogan habe “noch nie ein realistisches Weltbild gehabt” lautet eine Einschätzung von Mai 2005. Was für ein Stuss. Erdogan glaube, “Gott habe ihn auserkoren, die Türkei zu führen”. Das wird einem in der Türkei womöglich erzählt, aber man muss auch wissen, was solche Sprüche bedeuten. Sie sind durchaus nicht wörtlich zu nehmen.
So steht das alles im Spiegel, und ich höre jetzt mal lieber auf mit dem Zitieren, sonst krieg ich noch Ärger mit dem ehemaligen Nachrichtenmagazin wegen Kontent-Klau oder Urheberrechten. Ich such mir lieber gleich mal das Bild von der vollbusigen, blonden Ukrainerin raus, in die sich der lybische Staatschef Gaddafi verknallt hat, und die ihn im Krankenschwester-Outfit immer begleitet, laut US-Cablegate. Hihihihihihihi.
Telefon-, Handy- und Faxnummern sollen die Diplomaten in die USA übermitteln, dazu E-Mail-Adressen und Internet-Zugangscodes, Nummern von Kreditkarten, Vielflieger-Konten, Dienstpläne und biografische Informationen. Tja, das hätten die Amis gern alles von uns und unseren Politikern und diesen Datenhunger, den finde ich richtig gefährlich. Denn die Frage ist doch,  wozu verwenden die dieses Daten, die sowieso eines Tages alle bei Wikileaks auftauchen werden?

Alles in allem : Wikileaks hat einen Riesencoup gelandet. Und verhindert, dass ich mich heute wieder mit der Gewerkschaft (Ver.di) und mit jener unheimlichen Organisation befasse, die sich “Innocence in Danger” nennt.  Ein Adelsverein, vor dem es einen nur grausen kann.

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Mit heruntergelassenen Hosen

Mit heruntergelassenen Hosen stehen jetzt die US-Regierung und die US-Diplomaten sowie deren ausländische Gesprächspartner vor der Weltöffentlichkeit da. Und: Heute stürzt sich noch mal, wie in alten Zeiten, eine ganze Nation in ein Nachrichten-Magazin.
Aber es muss noch nicht, wie angekündigt wurde, die jüngste Geschichte neu geschrieben werden. Dass Deutsche und insbesondere deutsche Politiker bis auf wenige Ausnahmen im Ausland nicht gerade beliebt und hochangesehen sind, das ist ein alter Hut. Na ja, dass die Geringschätzung so groß war, hätte ich jetzt auch wieder nicht gedacht.
Alle die Wähler, die vor den Mitgliedern der politischen Klasse in Deutschland noch einen gewissen Respekt hatten, sind verunsichert. Die Menschen werden weiter den Respekt und das Vertrauen zu den Regierenden und zu den Mitarbeitern in den Ministerien verlieren. Nicht gerade eine gute Entwicklung.
Aber auf Dokumente, die etwa die Rolle der USA oder der Türkei im Krieg gegen den Irak neu darstellen, warte ich noch. Ich zumindest bin zuversichtlich, dass die noch kommen werden. Aber vier Wochen wird es wohl noch dauern,  250 000 Dokumente sind kein Pappenstiel.
Wer denkt übrigens bei dem Vorgang nicht an die Nackt-Scanner, die in Hamburg schon ausprobiert werden und demnächst an allen Flughäfen aufgebaut werden? Das Zeitalter der allgemeinen Durchleuchtung und Offenlage scheint angebrochen.
Eins ist sicher: Daraus, dass vertrauliche Dokumente jetzt der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden sind, folgt NICHT, dass man auf riesige Datensammlungen verzichten wird.  So schlau sind die Herrschaften leider nicht. Aber letztlich besteht der einzige Schutz gegen Enthüllungen darin, dass die Daten erst gar nicht gesammelt werden. Dass erst gar nicht aufgezeichnet wird, mit wem ich wann wo und wie lange telefoniert habe, Mails geschrieben oder SMS verschickt habe.

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Prominente Kunstsammlerin tot

Die Kunstsammlerin Irene Ludwig ist tot. Sie und ihr Mann waren viele Jahre lang die bedeutendsten Kunstsammler Deutschlands.
Sie haben amerikanische Popart gekauft und diese dadurch erst richtig berühmt und teuer gemacht. Auch zeitgenössische Kunst aus Russland haben sie gekauft, diese Kunst wurde nicht berühmt, sie war nicht innovativ.
Irene Ludwig wurde 83 Jahre alt. Sie stammt aus der alten Aachener Familie Monheim und studierte in Mainz Kunstgeschichte. Dort lernte sie auch ihren Mann, Peter Ludwig kennen. Mit ihm zusammen befasste sie sich in jeder freien Minute mit Kunst. Die beiden sammelten und “verschenkten” die Kunst an Städte, wobei oft die Bedingung war, dass die Städte für die kostbaren Arbeiten Museen bauen mussten, die dann Ludwig-Museum heißen mussten. So gibt es heute in 12 Städten je ein Museum Ludwig. Unter anderem in Köln, Aachen, Basel und Peking. Manche Stadt hatte ihre liebe Mühe, das viele Geld für den Bau und den Unterhalt eines Museums zur Verfügung zu stellen. Es gab Proteste. Heute sind die Städte vermutlich stolz auf die Bauten, die Kunstszene und die Kunst in den Gebäuden.
Irene Ludwig und ihr vor über zehn Jahren verstorbener Mann Peter hatten keine Kinder, und so hat man stets angenommen, dass sie – wenn schon nicht mittels Nachkommen – so doch mit den Museen in der Zukunft präsent sein möchten. Das dürfte ihnen gelungen sein.
Die Verstorbene war eine Frau, die lieber im Hintergrund blieb. Sie vermachte ihr Vermögen einer Stiftung, die jetzt Kunst fördert. Als Aachenerin besuchte sie solange es nur ging das Reitturnier, wo sie aber nie als Promi anwesend war, sondern immer als eine ganz normale, vom Springturnier begeisterte Aachenerin. Das war nicht unsympathisch.

 

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Der Verlierer ist manchmal der Gewinner

In seiner Geschichte “Der Zweikampf” schildert Heinrich von Kleist ziemlich wortgewaltig ein Phänomen, was ich gerade auch beobachte. Die Geschichte spielt “am Ende des 14. Jahrhunderts”,  ist also ins Mittelalter verlegt worden: Da wird eines nachts ein edler Ritter von einem kunstvoll gestalteten Pfeil getroffen und getötet. Kein Mensch weiß, wer der Mörder ist. So weit, so Tatort.

Die Gattin des Ermordeten lässt in den entsprechenden Werkstätten ganz Deutschlands nachfragen, wer denn den Pfeil angefertigt hat und ob derjenige Handwerker noch weiß, wem er ihn verkauft hat. Und es findet sich der Handwerker und der sagt, ein ganzes Schock Pfeile dieser Art hat er dem Bruder des Ermordeten, dem Grafen Jakob dem Rotbart verkauft.
Der Graf Jakob der Rotbart sagt: Er sei nicht der Mörder, er hätte zwar ständig Streit mit seinem Bruder gehabt, wie jeder weiß, aber soweit wäre er nie gegangen. Vor Gericht erklärt der Mann, er sei in der fraglichen Nacht heimlich bei einer Frau gewesen. Stundenlang. Und er nennt auch den Namen der Dame.
Und die (Witwe, Mutter zweier kleiner Kinder, prominent, sehr reich und hochangesehen) mochte den Grafen Jakob noch nie. Sie kriegt aber zuhause den Ärger ihres Lebens, denn im familiären Umkreis war man davon ausgegangen, dass sie sich nicht heimlich nachts mit einem Typ wie dem Grafen Jakob trifft und mit dem rumvögelt.
Sie wird bei Nacht und Nebel zuhause rausgeworfen und rennt – völlig fertig – wegen der gemeinen Anschuldigung und dem Zoff, den sie jetzt mit ihren Leuten hat – zu einem Vertrauten, zum Grafen von Trota, der sie schon immer gut leiden mochte.  Dieser Gentleman nimmt sie auf und glaubt ihr, dass sie noch nie im Leben mal eine Nacht mit dem Grafen Jakob dem Rotbart verbracht hat. Nie.
Die Geschichte ist an dieser Stelle juristisch schön verwickelt und Aussage steht gegen Aussage. Wegen der Prominenz der Protagonisten wird das höchste deutsche Gericht bemüht, es wird alles schön dramatisch geschildert. Und ich muss schon weit ausholen, um das Phänomen sichtbar zu machen, was jetzt geschildert wird.
Man verständigt sich nämlich, wie im Mittelalter bei nicht klärbaren Rechtsfällen üblich, auf ein Gottesurteil. Das wurde als Zweikampf ermittelt. Der Sieger im Zweikampf galt als derjenige, der die Wahrheit gesagt hatte. Das funktionierte damals sehr gut, wohl weil derjenige, der im Besitz der Wahrheit ist, härter und besser kämpft als der Lügner, der große Angst vor der Strafe Gottes hatte. In dem Bewusstsein, unschuldig zu sein oder auf der richtigen Seite zu stehen, kämpft es sich besser und erfolgreicher.
Jakob der Rotbart und der Graf von Trota wollen gegeneinander antreten. Der Jakob: weil er sagt, ich habe mit der Frau geschlafen und kann der Mörder meines Bruders nicht sein. Der Graf von Trota: weil er sagt, du hast mit der Dame nie geschlafen, du bist ein mieser Typ, der die Ehre einer Frau in den Dreck zieht.
In dem Kampf, der von hunderten Menschen auf extra aufgerichteten Tribünen beobachtet wird, geschieht folgendes: Der Graf von Trota verletzt den Rotbart mit dem Schwert nur ein bisschen am Arm. Der Rotbart aber bricht dem Grafen alle Knochen, fügt ihm noch Stiche in den Leib zu und setzt am Ende den Fuß auf den am Boden liegenden Mann. Der Sieger ist klar.
Doch der am Boden liegende Mann wird von seinen Schwestern und seiner Mutter gepflegt und erholt sich von Tag zu Tag. Während gleichzeitig die kleine Ritzwunde am Arm des Rotbart sich böse entzündet, zu eitern beginnt, immer mehr eitert, der Arm muss amputiert werden und die Entzündung und Vereiterung wird nur immer noch größer.
Das ist es, was man erleben kann: Der Sieger ist am Ende der Verlierer, und wer zunächst der Verlierer zu sein schien, ist in Wirklichkeit der Gewinner. Und das, nachdem beide Positionen  sonnenklar zu sein schienen. Wie krass hat man nicht schon “Verlierer” (Personen oder ganze Völker) am Boden liegen sehen, abgeurteilt, fertig gemacht von und vor der Öffentlichkeit, ihres guten Rufs beraubt und enteignet. Und dann wendet sich das Blatt. Was kein Mensch mehr angenommen hätte, geschieht. Der “Sieger” im Streit verliert alles, der “Verlierer” erholt sich und feiert ein Comeback.

Bei Wikipedia:
Ein Gottesurteil (lat. ordalium) oder Ordal ist eine durch ein übernatürliches Zeichen herbeigeführte Entscheidung in einem Rechtsstreit. Dabei liegt die Vorstellung zugrunde, ein höheres Wesen greife im Zusammenhang eines Rechtsfindungsprozesses ein, um den Sieg der Gerechtigkeit zu garantieren.
Der Gerichtskampf oder gerichtliche Zweikampf (lat. duellum) war ein Rechtsinstitut im Mittelalter und diente zur Klärung von in anderer Form nicht lösbaren Streitigkeiten, vorrangig unter Rittern und freien Bürgern.

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