Warten und spekulieren

Seit gestern, gegen 22 Uhr, warte ich auf den neuen Coup von Wikileaks. Es sollen ja 400 000 Dokumente veröffentlicht werden, deren Inhalt es erforderlich macht, dass gewisse Teile der jüngeren Geschichte neu geschrieben werden müssen. Das hört sich nach Hitler-Tagebüchern, nach Henry Nannen und dem “Stern” an. Es hört sich so an, tatsächlich gehe ich aber mal davon aus, dass was dran ist am Riesencoup.

Und nach allem, was angekündigt wurde, kann es sich ja nur um El Qaida und die USA handeln. Einen bedeutenderen Streitfall, der der Aufklärung/Enthüllung fähig wäre, gibt es ja nicht. Wenn die jüngere Geschichte neu geschrieben werden muss, kann es ja nur so sein, dass die Terrororganisation El Qaida und die USA in einem anderen Verhältnis zueinander standen, als bisher angenommen wurde. Dass es womöglich nur so ausgesehen hat, als bekämpften sich die Organisation und die USA in einzelnen Ländern.

Wir werden warten müssen, bis die Presse in Ägypten etwas herausbringt, denn die soll merkwürdigerweise diesmal die Erstveröffentlichung machen dürfen. Dann wird in Israel berichtet und danach in jedem Land, dessen Presse möchte. Die Türkei zeigt sich übrigens (nebenbei erwähnt) wegen der angekündigten Veröffentlichung und nach Gesprächen mit hochrangigen US-Diplomaten aktuell auch extrem erregt. Das könnte mit dem Irak und der kurdischen PKK zu tun haben.

Unterdessen ist der Wikileaks-Mitgründer und Chef Julian A. verschwunden. Mich wundert übrigens gar nichts, was in Bezug auf die Person veröffentlicht wird. Und wenn der Mann zufällig einen Autounfall haben sollte oder wegen eines Sexualdelikts für die nächsten 20 Jahre im Knast landet, das würde mich kein bisschen wundern. Klar.

Ich bin gespannt, ob beim Treffen des CCC zwischen Weihnachten und Neujahr wieder ein Vertreter von Wikileaks auftreten wird. Das war ja im letzten Jahr der Fall. Dass es Wikileaks gibt, finde ich mal einen tolle Sache. Enthüllungen und Plattformen für Enthüllungen sollte es auch auf Länderebene geben, bis hinunter ins Lokale wünscht man sich Wikileaks. Was da alles darauf wartet, ans Licht der Welt gezerrt zu werden. . . da wird der jetzt kommende Leak auch nur ein Witz gegen sein.

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In Chemnitz beim bpt 10.2

Bei so einem Parteitag gibt es Momente, da fühlt man sich wie vom Blitz getroffen. Man hat zuhause über etwas nachgedacht, und darüber kommt es zur Debatte. Plötzlich werden die eigenen diffusen Gedanken von fremden Menschen ausgesprochen, der nächste formuliert es wieder anders. Und plötzlich wird einem selbst klar, was man will und warum das so schwer herauszufinden war.
Das liegt auch daran, dass bei der PP nicht schon vorab alles geregelt ist. Man wusste in Bingen nicht, wer in den Vorstand gewählt werden würde. Man wusste in Chemnitz nicht, welche Anträge durchkommen würden. Es kommen einfach mal 1000 wie in Bingen, oder 550 wie in Chemnitz zusammen und überlegen, wie sie das, was sie alle denken und erkannt haben, in vernünftige Sätze bringen können. Dabei ist man sich am Anfang gar nicht sicher, dass man sich wird einigen können.

So war es schlimm, dass es in Chemnitz anfangs zu Handgreiflichkeiten zwischen zwei Piraten kam. Am Ende denke ich, gut dass das gleich zu Beginn passierte. Es wurde ein lange schwelender Konflikt vorerst abgehakt und man konnte sehen: Der Vorstand bekommt sogar diese Extremsituationen in den Griff. Wobei: Bei Lichte besehen geht es bei einer Veranstaltung, wo die meisten Teilnehmen um die 30 und jünger sind eben anders zu, als bei einer Rentnerversammlung.

Lange hat man gerungen wegen des Bedingungslosen Grundeinkommens. Das BGE haben wir nicht beschlossen, “sondern . . . . etwas anderes”, so hat es einer ausgedrückt und damit den Nagel auf den Kopf getroffen.

Bei so einem Parteitag gibt es Sätze, die man nicht mehr vergisst. Und wenn es nur eine banale Bemerkung ist wie: “Kaffee ist oben billiger als unten” ins Mikro gebrüllt. Jemand möchte, dass du nicht überflüssigerweise zu viel Geld ausgibst. Jemand sorgt sich um dich, das ist sehr sympathisch.

Erstmals habe ich auch etwas anderes erlebt und verstanden. Die Piraten aus Thüringen haben sich mächtig aufgeregt, weil Christopher Lauer angeblich im DPA-Interview gesagt hat, die Piraten würden sich zwar nicht gern in das Rechts-Links-Schema einordnen lassen, aber das BGE sei eine linksliberale Angelegenheit. Das hat ihnen fast die Sprache verschlagen, als sie das gelesen haben. Gerade so, als hätte Lauer uns in die ultrarechte Ecke gestellt. Ich war schon drauf und dran zu sagen: na so was Gottverboten-Schreckliches ist das Linksliberal-Sein ja nun auch wieder nicht. Da hörte ich, wie sie sich gegen jegliche Einordnung äußerten. Sie mögen einfach das Einordnen nicht, selbst wenn das Ergebnis zutrifft. Und das geht mir ja genauso.

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Raketenabwehrschirm

Nun soll es den Raketenabwehrschirm also doch noch geben. Und die Russen machen mit. Die westliche Welt will gegen einen Angriff aus dem Iran, wie man hört, einen Schirm (!) aufspannen. Man mag es kaum glauben.

Das Ganze hört sich für mich sehr so an wie das Gerede, seinerzeit, als in den 30er Jahren der Westwall gebaut werden musste. So eine hunderte Kilometer lange Linie aus Betonhöckern, im Westen von Deutsachland. Von dieser Höckerline sollte Schutz ausgehen. Den Leuten wurde eingeredet, die Beton-Drachenzähne könnte der Feind mit Panzern nicht überwindenden. Dabei hat „der Feind“ am Ende nur ein paar Stunden gebraucht, um Steine und Erde zwischen die Höcker zu füllen und dann wie über eine Brücke, darüber nach Deuschland reinzurollen. Zum Glück, möchte man sagen.

Jetzt also ein „Westwall“ am Himmel. In Wirklichkeit weiß jeder dieser NATO-Chefs, dass der Schirm eine Schimäre ist, und dass er nur erfunden und konstruiert wird, damit die NATO mir Russlandf zu einer Einheit findet. Ein gemeinsames Projekt muss her. Das ist alles. Schade dass es nicht was mit Umweltschutz sein kann. Aber die Herren brauchen wohl das Gefühl, dass man „vereint“ an einem Projekt gegen einen Gegner arbeitet. Und den Gegner muss nun mal der Iran abgeben.  Toll ist das alles nicht.

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„Das Erdbeben in Chile“

Ach wie haben mit immer die Texte von Heinrich von Kleist imponiert. Wie er den jungen Mann schildert, im Gefängnis, von seiner schwangeren Freundin getrennt, völlig verzweifelt und am Ende, weil er gerade erfahren hat, dass seine Freundin von bigotten Priestern zum Tode verurteilt worden ist.
Er will sich in der Gefängniszelle aufhängen, hat den Strick schon in der Hand. Da setzt ein Erdbeben ein, die Wände wackeln. Der Mann hält sich fest. Eben wollte er noch sterben, und nur einen Moment später hält er sich fest, weil er nicht mal umfallen möchte, nicht mal hinfallen.
Welche krasse Wendung des Schicksals. Und so kann es wirklich gehen im Leben. Innerhalb von Augenblicken ändert sich alles. Und was man zuvor wusste und wollte, ist schlagartig absolut bedeutungslos.
Wie dann bei Kleist die Geschichte weitergeht: Das Erdbeben lässt Häuser einstürzen, Menschen sterben oder werden verletzt. Niemand kümmert sich um die Verurteilten, sie rennen raus, suchen sich und finden einander. Und obwohl das Erdbeben eine Menge Leid geschaffen hat, setzt jetzt eine Hilfsbereitschaft ein, die man zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Jeder hilft jedem. Es zeigt sich, wie vollkommen gut Menschen sein können. So schildert es jedenfalls Kleist, und man kann sich sehr gut vorstellen, dass alles so gewesen ist.
Die Geschichte wogt hin und her, das Kind kommt zur Welt und die Eltern freuen sich unendlich. Doch dann kommen sie auf die schlechte Idee, Gott wegen ihrer Rettung zu danken und an einem Dank-Gottesdienst teilzunehmen. Bei dem Gottesdienst erzählt der Priester, das Erdbeben sei eine Strafe Gottes, insbesondere eine Strafe wegen der schändlichen Handlungen (das Kind wurde im Kloster gezeugt) des jungen Paares. Was dann passierte, erzähle ich hier nicht. Es steht in Kleists Geschichte „Das Erdbeben in Chile“.

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burnout und proaktiv

Bei Nacht und Nebel bin ich nach Köln gefahren, an einem Freitag, abends. Dort war in der Innenstadt und am Bahnhof so viel los, als wäre beispielsweise in Aachen Heiligtumsfahrt, Weihnachtsmarkt und Bend an einem Tag. Es war wie in Istanbul: Viele Leute, viele Autos, toll was los.
Es sollte einen Vortrag geben von einem Professor über „Die Auswirkungen von Überwachung: Zur Psychologie des Sich-verantworten-müssens“.
Tja, das zu diskutieren, da geht unsereiner meilenweit. Ist ja klar.

Als es dann losging mit dem Vortrag, stellte sich raus: Es ging komplett um „soziale Kompetenz im Arbeitsleben“.
Ist gar nicht mein Thema, war aber trotzdem interessant.

Der Professor war keine 30 Jahre alt, nach meiner Einschätzung, und er ging davon aus, dass die meisten Menschen in dem Bewusstsein arbeiten, erstens beurteilt zu werden, zweitens Rechenschaft geben zu müssen über ihre Arbeit und dass sie drittens belohnt oder bestraft werden, jenachdem mit wieviel Erfolg sie arbeiten. Das nannte dieser sympathische Mensch Rechenschaftsverpflichtung. Er hat erforscht,was die Rechenschaftsverpflichtung mit den verschiedenen Typen von Menschen macht.

Nun gut: Es ging darum, was passiert, wenn ich weiß, dass jemand auf meine Arbeit schaut und mich sanktioniert. Das kann einen fertig machen. Es kann aber auch schön sein, man fühlt sich herausgefordert, dem Beobachter mal zu zeigen, wie fähig, innovativ, fleißig, souverän, geduldig, cool man ist. Man könnte denken: Pass auf Bürschlein, ich zeig dir mal, wie man richtig arbeitet und schöne Erfolge fabriziert. Dann vergisst man bei der Arbeit Zeit und Raum. Man kommt, und das Wort habe ich dann tatsächlich neu gelernt, in einen Zustand, den Psychologen „flow“ nennen. Da musste ich bei dem Vortrag lachen, weil ich dachte: So ein schönes kurzes Wort für einen Zustand, der mir bei mir selbst immer unheimlich vorkam. („Huch, es ist ja schon 8 Uhr, ich müsste seit zwei Stunden zuhause sein, jetzt aber nichts wie weg.“)

Ziemlich erschütternd war, was die erleben, die die Rechenschaftsverpflichtung als Bedrohung erleben. Sie versuchen krampfhaft, Fehler zu vermeiden, sind extrem vorsichtig, irritiert, nervös. Wenn das immer so weiter geht, werden sie erschöpft, immer weiter erschöpft und zwangsläufig depressiv oder es gibt ein Burnout. Sie können sich nach der Arbeit nur noch hinlegen und Chips essen. Sonst nichts. Kein politisches Engagement, keine Betriebsratsarbeit, kein Sport, keine Freunde und kein Kontakt zu Nachbarn.

Bei der Arbeit depressiv werden diejenigen Menschen, so wurde erklärt, die Impulse kontrollieren müssen. Die also freundlich sein müssen, obwohl sie tierisch sauer und wütend sind. Und das jeden und jeden Tag. Eine Weile kann man das machen, aber nicht jeden Tag, wie in einem Call-Center, wo sich ständig Leute frech beschweren. Aber das Impulse-Kontrollieren ist nicht alles. Hinzu kommt: Menschen werden krank, wenn sie innere Widerstände überwinden müssen. Wenn sie also die Arbeit hassen, hassen wie die Pest, es aber machen müssen. Wenn das hin und wieder vorkommt, ist das zu schaffen, wenn das jeden Tag vorkommt, wird man krank. Als letztes muss man im Arbeitsleben Ablenkungen widerstehen können. Also wenn ganz toll die Sonne scheint, dann darf man nicht einfach aufstehen und spazieren gehen.

Das Wichtigste ist jetzt, dass die Menschen, die die Rechenschaftsverpflichtung als Bedrohung (sie versuchen nur eins: Fehler zu vermeiden) empfinden, dem Arbeitgeber/der Firma nur von geringem Nutzen sind.
Die anderen, die Proaktive genannt werden, sind insofern gefährlich, als sie dazu neigen, mehr zu machen, als erforderlich ist. Die bekommen eigene Ideen und machen plötzlich was Unabgesprochenes. Sie schießen über das Ziel hinaus. Das kann schief gehen, kann aber auch echt gutgehen. Proaktiv bin ich schon mehrfach über das Ziel hinausgeschossen, und einmal wurde es richtig gefährlich. Aber es ist dann nochmal gut gegangen. Insgesamt muss ich aber sagen, dass ich mich lieber nicht bremse und lieber das Risiko eingehe, denn sonst werde ich krank 😉

Dieser Text ist auch proaktiv echt zu lang. Aber: Ich hab im Netz j e d e M en g e Platz. hihihihihi

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Auf Kosten der kleinen Leute

Es gibt die offizielle Kunst, die in den Museen hängt, und die Kunst der Bürger. Dazu gehören z.B. die Graffiti, allgemein das, was Menschen machen ohne Unterstützung der öffentlichen Hand. Das können Theater und Kabarett, Ausstellungen und Performances sein, Kunstvereine meist sowieso.
Die Piraten der Stadt Düren wollen sich mittelfristig in die Kommunalpolitik der Stadt Düren einmischen. Wie auch immer. Um Kommunalpolitik zu machen, sollte man seine Stadt kennen, zumindest die wichtigsten Einrichtungen.
So lag es nahe, dass die Piraten sich mal das sanierte und erweiterte Leopold-Hoesch-Museum anschauen. Es wurde eine Führung organisiert. Jeder war eingeladen. Neun  Personen haben sich schließlich führen lassen. Gezeigt wurden die Werke des weltberühmten Otto Piene und die  von Andreas Schulze. http://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Schulze
Andreas Schulze malt große, farbige Bilder. Darauf stellt er dar, womit einfache Menschen sich gern umgeben, was ihnen Wohlbefinden verursacht, wie sie sich einrichten. Er malt Lampenschirme, die heute in jedem Sekretariat stehenden Palmen, Gärten mit langweiligen Gartenbänken, komisches altmodisches Porzellan, Fachwerk-Dekoration, eben alles ganz einfache 0815-Gegenstände, die die 0815-Menschen schön finden und sich kaufen. Auch eine Sonnenbank und so allerlei Krempel.
Damit macht er sich über die Leute lustig, die keinen erlesenen Geschmack haben. Er stellt das übergroß raus, was sie an Pröll mögen. Er erhebt sich über den Geschmack der Massen, was eine gewisse unschöne Arroganz aufblitzen lässt.
Sehr sonderbar ist es, wenn jemand Menschen, die ganz wenig Geld haben und wegen des schlechten Bildungssystems so wenig exquisiten Geschmack ausbilden konnten, so an den Pranger stellt und von oben herab auf sie blickt. Es ist aber eine Haltung, die man bei Künstlern nicht selten antrifft. Und es ist schon sehenswert und gut, dass ein Museum sowas zeigt. Allerdings sollten die Betrachter sich nicht dazu verleiten lassen, jetzt ebenfalls auf Menschen herabzusehen.
Die Kunst von Andreas Schulze ist gut darin, die dämlichen Heiligtümer gewisser Ungebildeter rauszustellen. Die gemalten Teile künden von einem beschränkten geistigen Horizont. Das Anliegen, das so rauszustellen, ist aber im Grunde wenig edel. Kaum was ist einfacher, als sich über „Spießbürger“ lustig zu machen. Es ist bescheuert, hochnäsig und  . . .  na ja.
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Zwei im Ringkampf

Die Kontroverse Stefan Niggemeier/Konstantin Neven DuMont will und will nicht enden. Die beiden haben sich hoffnungslos ineinander verkeilt, fast hätte ich geschrieben: verliebt. Aber das ist Quatsch. Sie streiten sich ja wie bekloppt.

Der eine hat einen prominenten Verleger-Vater, der andere nicht. Der eine ist ein ausgefuchster Medienjournalist, der andere nicht.  Schade, wenn sie sich zusammentun würden und gemeinsam für etwas kämpfen würden, da möchte ich nicht der Gegner sein. Zusammen könnten sie die deutsche Presselandschaft auf den Kopf stellen.

Jetzt haben sie sich ineinander verkeilt, und ein Streitschlichter ist nicht in Sicht. Mir scheint, man beneidet sich unterschwellig gegenseitig. Ich habe aber den Durchblick noch nicht.

Mit den Vätern ist es jedenfalls so: Wenn sie zuhause oft ganz spannende Geschichten von ihrem Job erzählen, dann begeisterst du dich spätestens mit 12, aber manche auch schon mit acht für den Job von deinem Vater. Du hörst zu und es ist interessant, macht Spaß, du kapierst, wie das so geht in dem Job, was wichtig ist, was unwichtig, wer was macht und wer was falschmacht.

Mit 18 hast du schon – ohne es richtig zu merken – so viel mitbekommen von dem Job deines Vaters, dass du, wenn du beispielsweise jetzt anfängst, Medizin zu studieren, schon einen Vorsprung hast von vier Semestern. Gegenüber denen, die in ihrer Kindheit und Jugend nichts vom Arztberuf miterlebt haben.

Oder du bist Kind eines Juweliers, der zuhause oft begeistert von den neuen Modellen, von Farben,  Steinen, Diamanten, von den verschiedenen Schliffen und den namhaften Designern erzählt. Der immer mal wieder die Konkurrenz beobachtet und sich tierisch freut, wenn er besser ist als die usw usw

Oder du bist Kind eines Journalisten. Da kriegst du täglich mit, dass Zeitung wichtig ist, dass man mutig sein muss, audiatur et altera pars, wie eine gute Zeitung aussehen muss, was die Ansprüche sind und wie man sie verwirklicht. Und alles, alles, alles und mehr. Und wenn dein Volontariat anfängt, hast du einen Vorsprung, der wird immer bleiben, auch in 20 Jahren noch. Das holt keiner mehr auf.

Und so ist es auch mit Konstantin Neven DuMont. Er hat das Verlagswesen am Familientisch gelernt, das kann er niemals abschütteln.

Man sollte ihn nicht beschimpfen und ihm übelwollen, nur weil sein Vater ein mächtiger Verleger ist.

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In der Therme

Ja, auch Blogger wollen sich mal erholen. Und das kann man in der Therme. Wenn an einem Ort 72 Grad heißes Wasser aus der Erde kommt, bietet sich der Bau einer Therme an.

Man schwimmt ganz ruhig im warmen Thermalwasser, das tut der Haut gut. Weil das Wasser warm ist, kann man auch draußen schwimmen, wo es kalt ist. Draußen kann man sich unter schwere Wasserfälle stellen, die stürzen einem auf den Rücken, der vom vielen Schreiben und Mausschieben manchmal schmerzt. Der dicke Wasserstrahl massiert die Schultern wunderbar.

Dann geht man in einen Raum, dessen Boden mit Sand bedeckt ist. Dort liegt man ruhig im Sand und schaut zu, wie  die Sonne langsam aufgeht und  wie sie nach einer Weile untergeht. Richtig: Es wird ein Sonnenaufgang simuliert. Eine Licht-Erlebnis für die Augen, das unsere Vorfahren zeitweise täglich hatten. Wir nie.  Außer im Urlaub vielleicht.

Weiter geht es ins türkische Dampfbad. Man legt sich in die Mitte auf einen großen, flachen, warmen Stein und liest ein bisschen. Von dem Stein aus geht man in Zellen, wo der heiße Dampf die Sicht vernebelt. Man sitzt im Dampf und fühlt sich wohl und wohler. Da fängt man schon ganz schön an zu schwitzen, duscht fröhlich und reibt sich mit Salz ein. Die Haut ist ein großes Organ, wenn man ihr was Gutes tut, macht sie sich richtig schön.

Nach etwas liegen und plaudern begibt man sich in eine Sauna, entweder eine der ganz heißen, wo man einfach daliegt und die Schweißperlen an sich runterrinnen fühlt. Oder in die etwas wenger heißen, die nach Brot duften oder Kräutern oder Apfelsinen und Zitonen oder mit langsam wechselndem Licht das Gemüt besänftigen.

Nach dem Schwitzen taucht man in ein Becken mit eiskaltem Wasser. Bis zum Hals im eiskalten Wasser, man schreit und fühlt sich sehr lebendig. Dann wickelt man sich in sein riesengroßes Badetuch und geht ein bisschen an der frischen Luft spazieren. Draußen ist es auch eiskalt, aber diese Kälte spürt man nicht. Später setzt man sich – die Umgebung ist abenteuerlich schön – und taucht die Füße in heißes Wasser. Sehr angenehm. Draußen gibt es auch ein Schwimmbecken mit warmem Wasser.

Jetzt plaudert man wieder ein wenig und geht in dem Restaurant ein Glas frisch gepressten Apfelsinensaft trinken, denn ein gewaltiger Durst meldet sich. Klar, aus allen Poren ist ja zuvor die Flüssigkeit geschossen gekommen.

Später sucht man sich eine maximal heiße Sauna aus, legt sich auf sein Badetuch und schwitzt nochmal 20 Minuten. Das Wasser rinnt den Nacken, die Seiten, die Arme und Beine  runter, wie Perlen, das kitzelt.

Ins eiskalte Wasser stürzt man sich dann und macht das alles so oft, bis man nur noch glücklich ist. Das dauert alles in allem mindestens viereinhalb Stunden. Besser ist, man  nimmt sich sechs Stunden Zeit.

Jeder, der zuhause mit einer sogenannten Nasszelle auskommen muss, vier Quadratmter, darf einmal pro Woche in die Therme. 😉 Als Ausgleich.

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Wissen und Informationen gnadenlos entfernt

Mit dem 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag ist bis heute dafür gesorgt, dass seit 2008 bis zu 80 Prozent der  Inhalte der ARD-Gemeinschafts-Telemedienangebote gelöscht werden mussten. Dies gilt zum Beispiel für das Angebot von tagesschau.de .   

 Und falls die Piraten eines Tages, also sagen wir mal in nur fünf Jährchen, nachvollziehen wollen, wie es mit ihnen anfing, wie sie in den dritten Programmen, in ARD und ZDF anfangs vorkamen, dann gibt es nix zu gucken und zu hören. Und man kann nur hoffen, dass sie dann ihre eigenen Aufzeichnungen finden.

Also keine Piraten auf tagesschau.de ? Dort wurden bis Ende August 2010 bereits rund 26.000 Audios, 270.000 Videos und 250.000 Meldungen “depubliziert”. So nennt man das, wenn Meldungen, die älter als ein Jahr sind, unerreichbar für die Gebührenzahler auf alle Zeiten entfernt werden müssen. Dabei wären sie für zeitgeschichtliche Recherchen zu einzelnen Themen – wie erwähnt – durchaus spannend. 

Konkret:  Fast alle Tagesschau-Sendungen oder das Nachtmagazin sind seit 2008 als komplette Sendung nur noch sieben Tage im Netz abrufbar.

Beim Gemeinschaftsangebot „DasErste.de“ wurden und werden viele Seiten gelöscht. Bei laufenden Sendereihen wie „Druckfrisch“, „Weltspiegel“ und „Plusminus“ müssen die Seiten zum Beispiel nach spätestens einem Jahr gelöscht sein.

Beim Gemeinschaftsangebot sportschau.dewurden nach bisherigen Schätzungen (ARD) mindestens 60 Prozent der Inhalte entfernt. So mussten aufgrund so genannter Verweildauerkonzepte nicht nur Berichte und Dossiers zu großen Sportereignissen der vergangenen Jahre wie Weltmeisterschaften oder Tour de France aus dem Netz genommen werden. Selbst ein preisgekröntes Format wie eine Multimedia-Reportage zu einem Rollstuhl-Rugby-Turnier ist nicht mehr verfügbar.

Blickt man auf die Onlineangebote der einzelnen Landesrundfunkanstalten, liegen die Prozentsätze ebenfalls bei bis zu 80 Prozent Entfernung. Beim rbb mussten zum Beispiel auf den Seiten von kulturradio.de rund 80 Prozent der Rezensionen von Filmen, Büchern, CDs und Theateraufführungen vom Netz genommen werden. Beim Politikmagazin „Klartext“ werden die Beiträge aus zehn Jahren nicht mehr verfügbar sein, die einen Überblick über politisch relevante Themen dieser Jahre ermöglichten.

Freien Zugang zu Information und Bildung, so lautet eine Forderung der Piraten. Die durch die Verlage gewünschten und durch die Rundfunkreferenten ermöglichten flächendeckenden Löschungen verhöhnen diese Forderung geradezu.

Weitere Beispiele müssen hier folgen: Beim SWR mussten unter anderem 60 Prozent der Dokumente zur „Teleakademie“ aus dem Angebot genommen werden. Bei WDR.de  gingen und gehen unter anderem die WDR-Sendung „Servicezeit“ mit vielen tausend Tipps zu Gesundheit, Familie, Mobilität und Ernährung verloren.

Auch zehntausende Beiträge der Hörfunkberichterstattung, deren journalistische Bedeutung weit über die Zeitspanne von zwölf Monaten hinaus geht, werden aus dem Netz entfernt. Das ist bei Themen von landesweiter oder bundesweiter Bedeutung bedauerlich und schränkt Recherchemöglichkeiten erheblich ein.

Beim NDR.de sind allein im Bereich Nachrichten und Wirtschaft ebenfalls rund 80 Prozent der Inhalte entfernt worden. Von der umfangreichen Berichterstattung über die Unregelmäßigkeiten bei UNICEF (wie praktisch bei diesen Zensursula- Befürwortern) oder den Folgen des Jahrhundertsturms Kyrill ist kaum noch etwas zu finden.

Der SR muss Unpolitisches, wie etwa das Archiv von „Leas Kochlust“, komplett aus dem Netz nehmen. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von regionaltypischen Rezepten. Näher als saarländisches Essen liegt mir das gesamte Comedy-Archiv von 103.7 UnserDing – weg damit!

Auch ein Thema wie Krebs liegt nicht mehr im öffentlich-rechlichen Interesse und musste entfernt werden: Eine Anfrage an die ARD wurde wie folgt beantwortet:

…..Dossiers zur Themenwoche Krebs aus dem Jahr 2006 sind wegen Ablaufs der maximal zulässigen Verweildauerfrist… nicht mehr verfügbar…

Diese Angaben kann man – zumal als Ex-Bundestagsabgeordneter – alle auf Nachfrage bei der ARD erhalten. Für das ZDF liegen noch keine vergleichbaren Zahlen vor. Die dortige Pressestelle schweigt gegenüber Tauss traditionsgemäß beharrlich. Doch dort sieht es nach internen Informationen genau so aus. Muss also erst wieder das Bundesverfassungsgericht den offenkundigen Skandal in unserer vermeintlichen “Informationsgesellschaft” stoppen? Offensichtlich!

 
Diese Fakten wurde alle von Jörg Tauss recherchiert und  zusammengestellt. Der Text ist Teil eines sehr viel längeren Werkes von Jörg Tauss, er wurde ganz wenig verändert und redigiert.
Weitere Infos auf   www.tauss-gezwitscher.de

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Du solltest am leben sein, um das dann noch zu sehen.

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