Straßen werden umbenannt, Denkmäler gestürzt

In Aachen-Burtscheid soll eine kleine Stichstraße einen neuen Namen bekommen. Die Straße ist nach dem Nazi-Künstler und Nazi-Kunstprofessor Arthur Kampf benannt. Den wollen etliche Leute in Aachen ab sofort nicht mehr ehren. Seit anderthalb Jahren zieht sich die Entscheidung zur Umbenennung jetzt schon hin.

Auch in den USA werden jetzt Straßen und Plätze umbenannt. Man will dort ebenfalls keine Menschen mehr ehren, die das absolut nicht verdient haben.

Jana Hensel, 11.880 Follower bei Twitter, in der DDR aufgewachsen, hat uns in ihren Büchern („Wer wir sind“, 2018 // „Wie alles anders bleibt“, 2019) und in ihren Texten u. a. in der ZEIT die Befindlichkeit/das Empfinden, Gefühl, Denken und Handeln der Ostdeutschen erklärt.


Am 1. Juli setzte sie 6 Tweets ab. Sie twitterte:

Und noch zu dieser rewriting history-Frage der vergangenen Wochen: die Debatte, ob man Strassen umbenennen, Denkmäler stürzen und über Kunstwerke neu nachdenken müsste, lässt sich aus ostdeutscher Perspektive freilich mit einiger Verwunderung betrachten. Nach 1990 hat die ostdt.

Gesellschaft einen solchen Prozess ganz grundlegend erlebt und dabei die Erfahrung gemacht, dass es durchaus möglich ist, Geschichte neu zu betrachten und anders zu schreiben. Das war ein befreiender wie schmerzhafter Prozess zugleich, der noch lange nicht abgeschlossen ist.

Will sagen: solche Prozesse finden also ohnehin permanent statt, an ihnen ist gar nicht soviel Ungeheuerliches, wie es manchen erscheinen mag. Und: Gab es eigentlich Verweise auch auf diesen Erfahrungsvorsprung der Ostdeutschen in den vergangenen Tagen? Oder habe ich sie

übersehen, weil dieser Prozess an der Mehrheitsgesellschaft mehr oder weniger vorbei ging? Ich jedenfalls kann mich noch gut daran erinnern, was Sigmund Jähn einmal zu mir gesagt hat, nachdem er in eine neu nach ihm benannte Grundschule eingeladen wurde. Er sagte: „Ich habe

einmal in meinem Leben erfahren, wie die Schilder mit meinem Namen über Nacht abgehängt wurden, nun will ich mir nicht noch einmal ansehen, wie sie wieder aufgehängt werden.“ Geschichte also wird eigentlich jeden Tag neu verhandelt und neu gemacht. Zum Glück ist das so, wir

erfahren dadurch, wer wir wirklich sind.

***

Von ihr und einer weiteren Autorin gibt es bald ein neues Buch: Naika Foroutan und Jana Hensel erzählen Germany neu. Erstere aus migrantischer Perspektive, Hensel mit dem Blick einer Ostdeutschen. Beide als Frauen. Entstanden ist dabei vor allem ein Buch für die Westdeutschen. Hallelujah! Titel:

„Die Gesellschaft der anderen“

***

Ja die anderen, die setzen sich bräsig in die “Cafés zum Mohren“ und sagen zu denen, denen der Name Schmerzen zufügt: Jetzt habt euch doch nicht so, das Café ist benannt nach einem Dunkelhäutigen, der im Neuen Testament vorkommt, den wird man ja wohl noch Mohr nennen dürfen.

Nein Leute, auch dieser Heilige Drei König darf nicht mit einem extra häßlichen Schimpfwort erniedrigt werden.

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