Wer planen will, braucht Zahlen

Zur Einstimmung auf die bevorstehende Kommunalwahl, die ja zusammen mit der Europawahl am 25. Mai stattfindet, hier ein paar Daten:

2009 hatten wir in Aachen bei der Kommunalwahl 187.618 Wahlberechtigte. Zur Wahl gingen aber nur 100.321 Wählerinnen und Wähler. Die gaben zusammen 98.736 gültige Stimmen ab.

Die offizielle Statistik für Aachen spricht von einer Wahlbeteiligung von 53,5 Prozent bei der letzten Kommunalwahl 2009. Von all diesen Aachenern entschieden sich nur 37.261 für die CDU. Die Christdemokraten sind aber trotzdem die größte und einflussreichste Fraktion im Rat der Stadt. 26.110 wählten übrigens die SPD. Und: 1680 Menschen gaben 2009 zur Überraschung aller politisch Interessierten den Piraten ihre Stimme. Seitdem versuchen diese Newcomer im Rat der Stadt durchzublicken und Fuß zu fassen.

Das war die Kommunalwahl 2009, die Wahlbeteiligung wird dieses Mal sicher nicht steigen, eher noch weiter fallen. 53,5 Prozent sind, meiner Meinung nach, sogar erstaunlich viele.

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Kommen wir zur Landtagswahl 2012. Da haben plötzlich in Aachen 10.387 Personen die Piraten gewählt. Die neue politische Formation war bekannt geworden, war ein Hoffnungsträger, und die Erwartungen waren riesengroß. Die Menschen sollten herbe enttäuscht werden.
Bei der Landtagswahl 2012 lag die Wahlbeteiligung bei 62,7 Prozent. Der Himmel weiß, warum so eine Landtagswahl deutlich mehr Menschen an die Urnen treibt als eine Kommunalwahl. Ich weiß es nicht.

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Hier soll noch nachgetragen werden, dass 2009 auch eine Bundestagswahl stattfand. 4837 Menschen gaben damals in Aachen den Piraten ihre Stimme.

Und es gab 2009 auch eine Europawahl. Mit einer Wahlbeteiligung von sagenhaften 48 Prozent. Wenn die Europawahl diese Prozentzahl im kommenden Mai ebenfalls erreicht, können wir uns freuen. Die Wahl ist wichtig, doch wer hat das kapiert? Kaum einer. Leider hatte ja in der Vergangenheit die EU-Politiker die Großmannssucht gepackt, und die EU wurde erweitert, dass es kracht. Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Griechenland: Wahllos wurde aufgenommen, was noch gar nicht bereit war und die Bedingungen nicht erfüllte. Bürger wurden nicht gefragt, und die haben jetzt oft auch keine Lust mehr, zur Wahl zu gehen.

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Wenn man sieht, wie relativ wenige Stimmen bei der letzten Kommunalwahl auf die beiden großen Parteien (CDU und SPD) entfielen, dann interessiert es, von wie vielen Bürgerinnen und Bürgern man in Aachen insgesamt ausgehen muss. 236.420 Menschen sollen in Aachen leben, so hat angeblich die jüngste Volkszählung ergeben. Die Stadtverwaltung zählt auch selbst und kommt auf 5302 mehr Menschen. Welche Zahl richtig ist, weiß ich nicht.

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Hier noch ein paar allgemeine Zahlen: Aachens gemeinsame Grenze mit den Niederlanden beträgt 21,8 km. Mit Belgien 23,8 km. Brüssel ist von hier nur 143 km entfernt, Lüttich nur 55 km und Maastricht sogar nur 39 km.

Die Stadt geht von insgesamt 241.722 Einwohnern aus, und da sollen etwa 85.000 schon 50 Jahre alt sein und älter. 122.002 Aachenerinnen und Aachener sind laut Statistik ledig. Die anderen sind entweder geschieden, verheiratet oder verwitwet. Ältere Leute leben eindeutig eher an den Rändern des Stadtgebiets. Die meisten jüngeren Menschen leben in der Innenstadt.

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Ungewöhnlich: In Aachen haben 25,2 Personen einen Hochschulabschluss (Deutschlandweit sind es im Durchschnitt 15,1 Personen).

So. Statistik auswerten ist langweilig, deshalb ist jetzt hier Schluss. Möge jeder selbst nachschauen, was ihn interessiert. Die Links befinden sich unten.

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Das Statistische Jahrbuch der Stadt Aachen

Wer in Aachen planen will, braucht Zahlen.

Hier findet ihr sie :

http://www.aachen.de/DE/stadt_buerger/aachen_profil/statistische_daten/index.html

Klicke, um auf statistisches_jahrbuch2010_2011.pdf zuzugreifen

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Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Konsequenzen der Überwachungsprogramme

Am kommenden Donnerstag, 20. Februar, sitzt Michael Sahm als Aachener Mitglied der Piratenpartei zusammen mit Referenten von Attac
Aachen und dem CCC Aachen auf dem Podium zum Thema: Prism, Tempora & Co.

http://www.vhs-aachen.de/vhs/vhs/kurse/AK01033.detail.htm?sucheNummer=%2501033

Der Eintritt ist frei. Und ich denke, es gibt in Aachen wohl keinen, der über dieses Thema und seine Brisanz besser Auskunft geben könnte als Michael Sahm. Also jedenfalls kenne ich keinen.
Michael teilte jetzt mit, dass zu der Veranstaltung auch ein Nachfolgetermin geplant ist. Und zwar am 6. März in der Aachener Volkshochschule. Der soll in Form einer Kryptoparty stattfinden.
Wer von den sachkundigen Menschen in Aachen und außerhalb Lust und Zeit hat, sich als Tutor zu beteiligen, „ist herzlich eingeladen“, so schreibt Michael.

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Stadtmöblierung: Info-Säulen für Aachens Plätze

Noch stehen die Stahlschränke nicht, und man soll Neuerungen nicht niederschreiben, bevor man sie gesehen hat. Also geht es hier lediglich um eine Ankündigung von etwas, das kommen wird. Ein weiteres Stück Aachener Stadtmöblierung nämlich.

Info-Stahlschränke, Stelen, Chronoskope: Gemeint sind Säulen, die mit Bildern, kurzen Filmen und Texten über die Geschichte bestimmter Teile von Aachen informieren. Im öffentlichen Raum. Die Säulen, angeblich 250 Zentimeter hoch und 60 Zentimeter breit und 50 Zentimeter tief, werden mitten in der Innenstadt – also rund um Dom und Rathaus – aufgestellt. Sie werden, so war bei der jüngsten Sitzung des Planungsausschuss zu erfahren, 226.000 Euro kosten. Bezahlt von uns Steuerzahlern natürlich. 

Wer spätestens am 30. April auf dem Markt herumläuft, auf dem Katschhof, dem Münsterplatz, Hühnermarkt und im Hof, der wird sie sehen. An jeder Säule kann man sich in drei verschiedenen Höhen informieren. Die Teile, so zeigte es die  Präsentation diese Woche im Planungsausschuss, sind schwarz und leuchten oben ein bisschen. 

So, wie die da rumstehen, werden sie eine echte Herausforderung für aggressive Nachtschwärmer darstellen. Und man kann nur hoffen, dass sie im Boden gut verankert sein werden. Irgendwelche Bekloppte werden nämlich bestimmt versuchen, die Teile umzulegen. Hunde werden sie bepinkeln und Jugendliche sie beschmieren. Na ja. Paten sollen noch gefunden werden, die sich ehrenamtlich um die Pflege der Objekte kümmern.

Im Planungsausschuss hat die Münchener Ausstellungsmacherin Monika Müller-Rieger die Objekte vorgestellt. Dort stimmten nur zwei Ratsmitglieder gegen das Projekt, zwei enthielten sich. Jetzt muss das Projekt noch im Stadtrat eine Mehrheit finden. Davon kann allerdings ausgegangen werden. 

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Stadtmöblierung
sehr informativ:
https://ratsinfo.aachen.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=11949&options=4

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Ankündigung: Europa-Veranstaltung im Krönungssaal

Ich bin diese Woche Samstag in Aachen im Krönungssaal, um mir da eine Veranstaltung mit dem Präsidenten des Europaparlaments und dem FAZ-Journalisten Frank Schirrmacher anzuschauen: http://www.fes.de/aktuell/documents%202014/140215_EU_Aachen.pdf
Anmeldung nur noch bis morgen, vielleicht mag eine/r von euch ja auch.

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Klaus Dauven stellt in Aachen aus

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„Raum für Kunst“ in der Elisen-Galerie in Aachen

Raum für Kunst

Da kommt Freude auf: Eine bessere Leiterin für den wunderschönen „Raum für Kunst“ in der Aachener Elisen-Galerie hätten die leitenden Herren der Sparkasse Aachen kaum finden können. Helga Scholl (Foto) ist eine kompetente Kunsthistorikerin, Kuratorin, Kunstkritikerin und privat ein sehr umgänglicher Mensch.
Mit einem Knaller beginnt sie ihre Zeit im „Raum für Kunst“, dessen Programm sie künftig maßgeblich mitbestimmen wird. Ausgestellt sind noch bis zum 21. März Arbeiten des Künstlers Klaus Dauven.
Dauvens Leinwände sind Mauern, meistens sehr, sehr große, wie die Mauern von Talsperren. Dort „malt“ er, indem er mit einem Reinigungsgerät den Dreck wegnimmt. Es entstehen helle Bereiche auf den behandelten Flächen, die von weitem betrachtet werden müssen und dann ein Bild ergeben. Seine Methode ist „wegnehmen statt auftragen“. In der hiesigen Region gibt es von ihm eine Arbeit auf der Staumauer der Oleftalsperre.
Das Verfahren hat er im Prinzip auch bei den Bildern angewendet, die jetzt in Aachen zu sehen sind. Vorlage ist hier eine mit schwarzem Staub bedeckte Fläche, in die er mit dem Staubsauger helle Linien gezogen hat. Es entstehen Bilder, die ganz düster sind. Alles Architekturen, die ganz das Gegenteil von dem vermitteln, was die Freunde von bunten Blumenwiesen in der Kunst suchen. Klar geometrisch sind die Kunstwerke angelegt.

Wer sich die Sachen ansehen möchte, kann das dienstags, donnerstags, freitags und samstags machen, jeweils von 12 bis 17 Uhr. Klaus Dauven wird am Donnerstag, 20. Februar, um 19 Uhr über seine Kunst und seine weiteren Projekte sprechen.

Hier gibt es weitere Infos, und man kann sich zu ein paar tollen Fotos klicken. http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Dauven

http://www.heimat.de/raum_fuer_kunst/

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Baulücken füllen. Innenstadt als Wohnraum.

Die Tendenz ist klar und belegt: Immer mehr Menschen wollen in den Innenstädten wohnen – wegen der guten Infrastruktur, der kurzen Wege und vielen Kontakte. So auch in Aachen.

Macht es da wirklich noch Sinn, große Neubaugebiete zu planen? Wie dies in Aachen derzeit im Norden Richterichs vorgesehen ist? Wohnraum für 3000 Menschen soll dort ja angeblich in den nächsten 15 Jahren entstehen. Heute ist dort ein ländliches Idyll.

Die Verfasserin dieser Zeilen ist Fan von Neubauprojekten aller Art. Sei es eine neue Autobahn, Brücke, Wohngebiet, Talsperre oder ein Einkaufszentrum: Wenn die Bagger kommen wird Neues langsam Wirklichkeit und lässt sich im Entstehen beobachten. Hach.

Aber jenseits vom positiven Bauchgefühl muss auch der Verstand befragt werden. Und da kommen doch Zweifel auf. Wer sich einmal in Aachen auf Baulücken konzentriert, dem wird noch so einiges auffallen. Die Menschen, die in die Innenstadt ziehen wollen, sind meistens ältere Leute. Würde man nun die Baulücken füllen mit altengerechten Wohnungen, so ließe sich dieser Bedarf bestimmt befriedigen.

In der StädteRegion stehen dann die Häuser der in die Innenstadt verzogenen Senioren leer. Sollte man die nicht den jungen Familien anbieten, mitsamt einem für die Sanierung überaus günstigen Kredit von unser aller Sparkasse? Ich meine, das sollte man mal durchrechnen.

Um die Existenz von Baulücken zu beweisen, könnte man in der Innenstadt leicht innerhalb von zwei Stunden 50 Areale fotografieren, Lücken zwischen zwei Gebäuden. Meist ist dort außer einem flachen Geschäft nach dem Krieg nichts hochgezogen worden. Als Beispiel sehe man sich die Großkölnstraße an, wo auch noch das unsägliche Pfeiffer-Gebäude (leer) eine Hässlichkeit allererster Güte darstellt.

Statt Wohnghettos anzulegen und den ohnehin schon massiven Flächenverbrauch in NRW zu fördern: Freiflächen schonen. Und auf ein „Preuswald Nummer 2“ verzichten.

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Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik sind es die Angehörigen der gehobenen Mittelschicht, die es stark in die Innenstädte zieht. Diese Menschen leiten damit einen Image-Wandel des Innenstadtwohnens ein.

http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Institut_für_Urbanistik
http://www.difu.de/presse/2013-12-17/neuigkeiten-aus-der-forschung-rund-um-die-stadt.html

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Was es in Aachen geben sollte. Folge 4: Shareeconomy

Tja, ich muss zugeben, dass mir zu „Shareeconomy“ kein deutsches Wort einfällt. Es ist aber etwas, das wohl alle, die mit dem Internet aufgewachsen sind, kennen und schon praktizieren.

Manche gehen davon aus, dass sich der Wohlstand einer Gesellschaft erhöht, je mehr geteilt wird. Aber auch, wenn sich der Wohlstand nicht erhöht, wenn er also gleich bleibt, plädiere ich für eine Gesellschaft, in der das Teilen und Mitbenutzen wichtig sind und gefördert werden. Da sollte Aachen die Initiative ergreifen und Vorreiter werden.

Man kann Gegenstände mit anderen teilen, außerdem Wissen, Ideen und Erfahrungen. Wie auch immer: Das Teilen-Können gehört zu einer postmaterialistischen Welt.

Das Ford-Forschungsinstitut in Aachen ist insofern dabei, als es zusammen mit möglichst vielen Menschen seine Produkte verbessern will. Zusammen darüber nachdenken, was einem Auto fehlt und die Umsetzung den Ingenieuren überlassen. Die Idee wird prämiert. . . das machen die bei Ford in Aachen. Die Idee ist wichtig, aber allein die Umsetzung schafft den Wert.

Online-Verleihsysteme müssten eingerichtet werden. Aber auch Gebäude, beispielsweise das leerstehende ehemalige Arbeitsamt mitten in der Aachener Innenstadt (Adresse: An den Frauenbrüdern) müssten zu Tauschbörsen umgestaltet werden. Dabei sollen dort NICHT Teile abgeladen werden, die ein Haushalt vielleicht nicht mehr braucht und bequem entsorgen will. Nein, die Teile müssten eine Prüfung überstehen und dann zum Ausleihen zur Verfügung gestellt werden. Wer ausleiht und einen Gegenstand in sehr gutem Zustand wieder zurückbringt, sollte (wie bei ebay) eine Bewertung erhalten, für jeden einsehbar.

Das ist alles sehr einfach: Musik kann man teilen, Texte, Links sich zuschicken. Aber was ist mit den anderen Sachen, die die meiste Zeit zuhause ungenutzt herumliegen oder stehen? Gemeint sind hier nicht die Erinnerungsstücke, heißgeliebte Einzelteile, die man unbedingt immer bei sich haben möchte. Kamera und Auto kann auch kaum einer teilen. Geschenkt. Aber all der andere Krempel bis hin zum teuren Armreifen.

„Sharing is caring“ lautet die Devise. Es geht um die Entwicklung in Richtung „Teil- und Tauschgesellschaft“. Digitale Inhalte und Gegenstände aller Art kann man mit anderen teilen. Motto: „Nutzen statt besitzen“. Dazu gehört auch die Einrichtung von Coworking-Büros, also Gemeinschaftsbüros mit mehreren Arbeitsplätzen, die leicht von Menschen genutzt werden können, die gleichwohl nicht in einer gemeinsamen Firma arbeiten. Warum nicht einen Coworking-Raum in der Jakobstraße einrichten? Und einen in Burtscheid. Diejenigen, die solche Büros kennen und nutzen (in Berlin) schwärmen davon.

Ich möchte mich jetzt nicht darüber auslassen, ob der Impuls, etwas mit anderen zu teilen, angeboren ist. Aber die in Berlin lebende Maike Gossen könnte da bestimmt helfen und der Shareeconomie in ihrer alten Heimatstadt beispielhaft zum Durchbruch verhelfen. Sie hat zu dem Thema wissenschaftliche Erkenntnisse geschaffen und gesammelt.

Nachbarschaftshilfe war gerade unseren Vorfahren nichts Fremdes. Auch nach den beiden Weltkriegen muss es zu so etwas wie Shareeconomie schon gekommen sein. Diese Angewohnheiten der Alten kennen wir aus Erzählungen, es ist aber – wie so vieles – verloren gegangen.

siehe auch http://www.nachbarschaftsauto.de
http://www.frends.de
http://www.kleiderkreisel.de

Achtung: Hier geht es nicht um Ökologie. Eine schöne Handtasche oder ein Buch von München nach Aachen und zurück zu schicken, zwecks dem Ausleihen für kurze Zeit, das belastet die Umwelt. Es geht um Gemeinschaftssinn, um Nachbarschaftshilfe.

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Was es in Aachen geben sollte. Folge 3: Willkommenskultur

Aachen ist im Grunde eine gastfreundliche Stadt. Hier sei an die hunderte Springreiter, Pferdeknechte, Wagenlenker, Dressurreiter aus aller Herren Länder, die zumindest früher allesamt während der Reitturnier-Woche in privaten Haushalten untergebracht wurden, erinnert. Es waren viele.

Außerdem hat die Stadt als Ziel einer der größeren Heiligtumsfahrten eine lange Tradition darin, Fremde zu empfangen. Man ist hier ein wenig mehr daran gewöhnt, Fremde bei sich aufzunehmen als anderswo. An diese Tradition sollte angeknüpft werden.

Aachen sollte ein Programm auflegen: „Offenheit gegenüber Migranten“. Das sollte alles ehrenamtlich geschehen, und ich glaube, die Bereitschaft dazu ist vorhanden. Es sollte Gruppen geben, die unter dem Motto „Wir gehen mit“ die Migranten beim Gang zu den Ämtern und Behörden begleiten (die Idee ist bei der Piratenpartei abgeschaut). Einige Aachener haben als Studenten im niederländischen Vaals gelebt und wissen, wie es ist, wenn man in Bank und Behörde kein Wort versteht. Überhaupt hat ja Aachen allein schon als Grenzstadt Erfahrungen mit „Fremden“.

In den Ämtern müssten dann Zug um Zug mehr Menschen mit Migrationshintergrund eingestellt werden. Also nicht nur bei der Müllabfuhr. Auch die Schulen und die Medien müsste die Kampagne erreichen. Denn an eine ausgewachsene Kampagne, die Aachen über Deutschland hinaus bekannt machen kann, denke ich.

Die Willkommendkultur, die man übrigens auch aufbauen kann, wenn noch gar nichts vorhanden ist, signalisiert Migranten, dass sie erwünscht sind und dass es für sie in Aachen Perspektiven gibt. Es muss in den Familien zum guten Ton gehören, dass mehrfach im Jahr eine ausländische Familie eingeladen wird.

Um die Kampagne zu starten, müssen sich die „Einheimischen“ in Arbeitsgruppen treffen. Sie müssen sich gut informieren über die Gewohnheiten, Sitten und Gebräuche der Ankömmlinge. Ankömmlinge meint Asylbewerber, Flüchtlinge, noch gar nicht integrierte Ausländer genauso wie hochqualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland.
Es muss eine Wertschätzung dessen erarbeitet werden, was Ankömmlinge für die Stadt leisten können. Es muss Freude an einem Zuwachs an Internationalität entstehen. Viel mehr Hilfen beim Sprachenlernen und beim Einleben in die hiesige Gesellschaft muss es geben.

Die Kampagne muss die Bürgerinnen und Bürger packen, sie muss Freude machen und selbstverständlich von allen ganz und gar freiwillig mitgetragen werden. Sie muss von ernsthaften Menschen professionell geplant werden und bei der Polizei, in Kitas und Schulen, in den Bereichen Kultur, Medien und Behörden einen starken Widerhall finden.

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