Der lange Arm des türkisches Staates

Regelmäßig gelingt es den türkischen Behörden zu verhindern, dass ein bestimmtes Thema in Deutschland in Kultureinrichtungen und Universitäten zur Sprache kommt. Das jüngste Beispiel dieser Meinungs- und Fakten-Unterdrückung spielte sich vorgestern in Stuttgart ab. Jedenfalls, wenn man der Berichterstattung der FAZ glaubt. Es geht um den Völkermord der Türken an den Christen (Griechen, Armenier und Asyrer) von 1915ff , der im Schatten des 1. Weltkrieg stattfand und von der Türkei bis heute geleugnet wird.

http://www.faz.net/artikel/C30108/die-stuttgarter-unversitaet-kneift-parteilich-30387695.html

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in eigener sache

Nie hat dieses Blog hier mehr Klicks bekommen, als an dem Tag, als über einen Beitrag von Jörg Tauss bei einem Camp in Essen berichtet wurde. Die Leser und Leserinnen scheinen an Tauss und seinen Themen verstärkt interessiert zu sein.
Die Redaktion möchte das nicht ignorieren und hat sich vorgenommen, einem weiteren öffentlichen Auftritt dieses Herrn beizuwohnen (sofern noch mal einer bekannt wird) und danach zu berichten.
Noch was: Die Kommentarfunktion dieses Blogs ist zwar aktiviert. Aber das bedeutet nicht, dass hier jeder Kommentar freigeschaltet wird. Texte, die die Redaktion nicht mag, werden nicht freigeschaltet.

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Mit 16 und 17 wählen gehen

Heute ist Landtagswahl in Bremen. Erstmals dabei: 16- und 17-Jährige. Da soll offenbar im kleinen Rahmen mal ausprobiert werden, ob man das Wahlalter auch bei Landtagswahlen runtersetzen kann.

Ich kann das nur befürworten. Die Gruppe der Jugendlichen wird immer kleiner im Verhältnis zu der Gruppe der Alten und Uralten. Es wird Zeit, dass die Politik sich nach den jugendlichen Wählern richtet, dass sie auf ihre Wünsche, Bedürfnisse und Forderungen eingeht und nicht immer nur auf die der älteren Wähler. Politiker haben ja oft ihre Wähler im Auge und vernachlässigen die Interessen derjenigen, von denen sie sowieso nicht gewählt werden.

Wenn zum Beispiel jetzt diejenigen wählen könnten, die in 50 Jahren 50 Jahre alt sind, dann würden Parteien gewählt, die langfristig denken und nie aus den Augen verlieren, dass diese Welt auch in 50 und 100 Jahren noch einigermaßen bewohnbar sein muss und nicht vermüllt oder verstrahlt oder überflutet, weil an den Polen abgeschmolzen.

Das Argument, die Jugendlichen hätten den Durchblick noch nicht, zieht nicht. Auch viele Erwachsene haben keinerlei Durchblick in politischer Hinsicht, und wählen dürfen sie doch. Es gibt ja bei uns keinen Kriterienkatalog, den man erfüllen muss, wenn man als Erwachsener an einer Wahl teilnimmt.

Deshalb: Ran an die Urnen mit euch. Und ich bin auch der Meinung, dass vor Wahlen in den Schulen mit den Jugendlichen diskutiert werden sollte. Und dass Politiker aller demokratischen Parteien in die Schulen eingeladen werden sollten zu Podiumsdiskussionen. Schule ist kein Politik-freier Raum. Falls aber die Schulen das nicht hinkriegen, sollten sich andere finden (Journalisten, Betriebsräte, Verwaltungsbeamte usw.) die mit den Jugendlichen über das sprechen, was man wissen muss, bevor man bei einer Wahl eine fundierte Entscheidung treffen kann.

Nun wird immer eingewandt, die Jugendlichen würden kleine, extreme Parteien wählen und würden deshalb das “Bild” verzerren. Auch das halte ich für falsch. Die meisten Jugendlichen wählen, was ihre Eltern wählen. Weil das Elternhaus einen in langen Jahren – ohne dass man das bewusst mitbekommt – wissen lässt, was gut für einen ist.

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Heidenheim

In Heidenheim (auch #dings und #bings genannt) ist jetzt Sebastian Nerz zum Vorsitzenden der Piratenpartei gewählt worden.
“Die Baden-Würtemberger haben einen Baden-Würtemberger gewählt”, hieß es in meiner Timeline sofort. Damit wird gesagt, dass immer der die Wahl gewinnt, in dessen Bundesland der Bundesparteitag gerade stattfindet. Weil andere einfach zu weite Anreise-Wege haben. Und zweifellos: Hätte der Bundesparteitag in Berlin stattgefunden, wäre Christopher Lauer gewählt worden, und die Berliner Piraten hätten für ihre Wahl in vier Monaten eine Menge Rückenwind bekommen.

Die Frage ist auch, ob es eigentlich hingenommen werden kann, dass von 12.000 Piraten mal gerade 750 an einer Wahl teilnehmen, und von diesen 750 kommen 150 aus Baden-Württemberg. Das Ganze mal in Prozenten: Wenn 750 Leute von circa 12.000 wählen, dann liegt die Wahlbeteiligung bei 6,5 Prozent. Dann sind die 150 aus BaWü 20 Prozent . Das ist drei Mal mehr Potential als der Bundesdurchschnitt.

Hier geht es nicht um einen einzelnen Vorsitzenden, sondern darum, dass jeder die Möglichkeit hat, seine Stimme abzugeben, sei es durch Erteilung einer Vollmacht, sei es durch Liquid Demokracy oder was auch immer. Es geht hier nicht darum, die Wahl von Heidenheim in Zweifel zu ziehen. Es geht ums Grundsätzliche.

Es wurde auch die Meinung geäußert, dass immer nur die über den Vorstand abstimmen können, die so viel Geld haben, dass sie sich Reisekosten und Hotelübernachtung leisten können. Die Gegenposition ist: Es gibt immer kostenlose Mitfahrgelegenheiten. Es gibt Busse, die wenig kosten. Es gibt Übernachtungsmöglichkeiten in einer Jugendherberge und auf einem Zeltplatz in einem Massenzelt. Das ist alles sehr unbequem, aber ich muss zugeben: Wer mit aller Macht am bpt teilnehmen will und kein Geld hat, der kann auch teilnehmen.

Was ich hier schreibe, soll ein Denkanstoss sein, hin zu einem noch mehr fairen Wahlsystem. Man redet von Frustration, die fängt damit an, dass man Mitgliedern einer Partei keine Chance zum Wählen ihres Vorstandes gibt.

Nachtrag: Dieser etwas wirre Beitrag entstand in Heidenheim während des Parteitages. Das Thema wird hier die Blogmacher wohl noch weiter beschäftigen.

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. . . dass jemand das Recht hat, Fragen beantwortet zu bekommen. . .

Morgen beginnt auch in Nordrhein-Westfalen die Volkszählung, die Zensus11 heißt, und da kann es sein, dass mich ein „Erhebungsbeauftragter“ besucht. Da bin ich aber mal sehr gespannt.

Die Volkszählung wird gemacht, damit man weiß, wieviele Deutsche es gibt und wieviele Altenheime gebaut werden müssen. Ich glaube allerdings, es ist total egal, ob in Deutschland 81 oder 82 Millionen Menschen leben. Tatsache ist, dass ich nicht nur in Deutschland lebe, sondern auch in Frankreich. Aber immerhin in einem Teil von Frankreich, der mal Italien war.

Zensus11 ist brandgefährlich, aber das wird natürlich bestritten. Es besteht Auskunftspflicht. Eine Klage vor dem Verfassungsgericht, an der ich mich beteiligt hatte, ist aus formellen Gründen gescheitert. Blöd.
Bei der Volkszählung wird auch nach Migrationshintergrund gefragt. Wenn die Vorfahren väterlicherseits Hugenotten waren, gilt das dann als Migrationshintergrund?

Es gibt 46 Fragen zu den persönlichen Lebensumständen, es wird auch nach dem Lebenspartner gefragt. Ich werde „keinen“ ankreuzen, obwohl das gar nicht stimmt. Naja, das wirkliche Leben ist ein bisschen spannender, als so Statistik-Heinis sich das vorstellen.

Insgesamt finde ich es doch sonderbar, dass jemandem Fragen beantwortet werden müssen (andernfalls bis zu 5000 Euro Strafe), die ich nicht beantworten will. Gegen sowas bin ich ja so allergisch.

Vier Jahre werden die Daten aufbewahrt, und ich mach jede Wette, dass die Daten im Laufe der Zeit auftauchen werden in Zusammenhängen, wo sie nicht hingehören. So war es doch auch bei der Telekom, den Daten des US-Außenministeriums, der Deutschen Bank und, und, und. Überall, wo riesige Datenmengen gesammelt werden, passieren Fehler, und einer verdient sich mit der entsprechenden CD ein goldenes Näschen.

Aus aktuellem Anlass und weil heute Sonntag ist sei hier eine Passage aus dem Lukas-Evangelium zitiert:
„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger (sic) in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe. Einjeder in seiner Stadt.“

Damals wollten Augustus und die Verwaltung des Reiches in Rom einfach mehr Steuern kassieren.

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Ein Krieg sieht wie der andere aus

An diesem Wochenende werden in Amsterdam die “World Press Photo Awards” verliehen. Tja, die Pressefotos, die gehen uns schon seit 20 Jahren auf die Nerven. Beziehungsweise die standardisierte Ästhetik dieser Bilder.

Die Fotos aus Kriegs- und Krisengebieten die ähneln sich so sehr, dass ein Krieg wie der andere aussieht. Wie langweilig. Man kann wirklich die Lust am Fotografieren verlieren, wenn man mit so was dauernd zu tun hat. Dabei sind Bilder das erste, was man anschaut, wenn man auf eine Zeitungsseite blickt. Das weiß die Forschung: Zuerst schaut der Leser auf die Bilder, dann liest er die Bildunterschriften, auf die man deshalb nicht genug Sorgfalt verwenden kann, dann schaut sich der Leser die Überschriften an und zum Schluss liest er die Texte.

Die Bilder von Krisen sind hochgradig uniform. Es gibt nur zwei Perspektiven: Die der Soldaten vor Ort mit ihren Panzern und Geräten und die der Bevölkerung. Letztere Bilder zeigen immer die Folgen des Krieges.

Immer sehen wir nur einen ganz kleinen Ausschnitt des Konflikts. Und Fotos werden auch erst dann gemacht, wenn es knallt, wenn die Konfliktparteien sich gegenseitig töten wollen. Die Redaktionen bevorzugen ein sehr kleines Bilder-Repertoire. Sie denken, die Leser wollen genau die Bilder sehen. Sie denken, mit den Fotos lässt sich das Blatt am Kiosk verkaufen. Zum Nahost-Konflikt müssen wir dauernd die Steine werfenden Jugendlichen sehen.

Es wird von einem Konflikt immer nur ein Bild gebracht. Im Internet überwiegt längst das bewegte Bild.. Oder es gibt eine Galerie, die wegen der vielen Klicks eingerichtet wird. Aber bei den Galerien gibt es auch nur Standard-Fotos.

Sehr, sehr selten wird einmal ein Bildjournalist mit einer ganzen Fotoreportage beauftragt. Die New York Times soll für Foto-Reportagen ein eigenes Blog eingerichtete haben. Das würde ich mir mal gern ansehen. Wie man mir sagte, versteht man allein beim Anschauen der Foto-Serie aus Afghanistan das Vorgehen und die Mentalität der Amerikaner viel besser.

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Ein komischer Seliger

Es interessiert zwar keine Sau, soll aber nicht unerwähnt bleiben: Papst Johannes Paul II. ist selig gesprochen worden. Der war ein Mann, der die Menschenrechte nach außen vertrat. Nach innen, mit Blick in seine eigene Organisation, verweigerte er sie insbesondere den Frauen. Selbst Ex-CDU-Mann Heiner Geißler hat gesagt, dieser Papst hätte der Kirche in Lateinamerika sehr geschadet. Er habe die Armen dort regelrecht verraten.

Johannes Paul II. war immer auf der Seite der Diktatoren. Er hat den Theologen Boff als Kommunisten diffamiert.

Jetzt ist er also selig, was bedeutet, man kann sich als Beter an ihn wenden, er ist jetzt im Himmel ein offizieller Fürsprecher bei Gott. Ja, Leute, so stellte man sich das früher vor, dass es im Himmel zugeht. Ich hab mir das gewiss nicht ausgedacht.

Weiter mit dem Seligen: Noch nie wurde ein Seligsprechungsverfahren so schnell abgehandelt. Und weil niemand selig sein darf, der nicht ein oder mehrere Wunder getan hat, fand sich auch schnell eine Nonne, die durch den Verstorbenen spontan von ihrem Parkinson geheilt wurde. So kann’s gehen.

Der Papst hat viel zum Zusammenbruch des Kommunismus beigetragen, zweifellos. Doch war der Mann wirklich ein toleranter Vertreter seiner Zunft? Er hat Missbrauchsfälle zu vertuschen geholfen. Er hat Frauen für immer und alle Zeiten von Kirchenämtern ausgeschlossen. Er wollte nicht, dass Afrikaner Kondome benutzen. Und als das größte Übel sah er das demokratische System an, das nämlich in Wahrheit eine “Diktatur des Relativismus” sei.

Fast alles, was er schrieb, entstammte der Feder seines Kardinals Josef Ratzinger. So dass sich mit der flotten Seligsprechung auch Herr Ratzinger ein Denkmal gesetzt hat.

So, jetzt wende ich mich interessanteren Themen zu.

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Wir brauchen Augen und Ohren in Berlin

In Berlin gibt es bestimmt Heerscharen von Journalisten. Aber einer fehlt (mir): der Piratenpartei-Berlin-Journalist. Das wäre jemand, der dezidiert und professionell aus Piraten-Perspektive über die Themen berichtet, die in der Bundespolitik auf der Tagesordnung stehen und die einen Piraten interessieren.
Hier wird jetzt die Idee von einem Projekt entwickelt, das es so bestimmt noch nicht gegeben hat. Aber ich stelle mir vor, dass 100 Piraten jeden Monat 20 Euro geben, um ein Jahr lang (als Experiment, das verlängert werden kann) einen Arbeitsplatz zu finanzieren. Den Arbeitsplatz von einem Journalisten/Reporter/Redakteur, dem ich als Pirat vertrauen kann. Und der sich in Berlin in der Polit-Szene gezielt auf die Suche nach Vorgängen macht, die mich als Pirat interessieren. Und der auch (mit Presseausweis ausgestattet) an den Ereignissen teilnimmt, von denen die Piraten gern wüssten, wie sie genau abgelaufen sind.
Man kann sich viele Termine vorstellen, nicht nur bestimmte Sitzungen des Innenausschusses, Treffen der Enquete-Kommission und Demonstrationen. Derjenige müsste unbedingt auch ein guter, professioneller Schreiber sein. Der wirklich schnell auf den Punkt kommt. Er müsste tatsächlich arbeiten wie ein Profi: Sauber berichten, was passiert ist, was entschieden wurde, was wieder nicht entschieden wurde usw. Scheinbar Nebensächliches, das doch symbolisch ist für eine gewisse Haltung, erkennen. Er müsste Zusammenhänge sehen und am besten Mitglied der PP sein oder mit dieser heftig sympathisieren. Mit einfachen Worten komplizierte Sachen erklären können, an der richtigen Stelle ruhig mal polemisch werden. Ein Gespür haben für die Themen der “Netzgemeinde”. ………..
Jetzt könnte man sagen: Es gibt doch schon genug Journalisten, die aus Berlin berichten. Ja. Aber es ist immer noch so, dass ich mir die News, die mich wirklich interessieren, mühsam zusammensuchen muss. Wenn ich überhaupt etwas finde (über die Enquete-Kommission, die zuletzt zwei Stunden tagte, fand ich keinen Bericht. Auch wenn es langweilig war und nichts beschlossen wurde, wüsste ich doch gern, mit was man sich denn nun befasst hat und in welcher Atmosphäre).
Ich stelle mir vor, dass der PP-Reporter sich eine einfache Seite baut und jeden, der es lesen will, auf dem Laufenden hält. Wenn 2000 Euro (weniger auf keinen Fall) zusammenkommen, müsste man wahrscheinlich einen Verein gründen. Dazu braucht man sieben Personen. Die würden den Vorstand bilden, der den PP-Reporter aussucht und ihm dann (es ist ja ein Experiment) für ein Jahr freie Hand lässt. Man müsste also 100 Personen finden, die zusagen, dass sie ein Jahr lang jeden Monat 20 Euro zur Verfügung stellen. Lieber wäre mir, man müsste keinen Verein gründen. Und wie es mit Sozialabgaben und Einkommensteuer aussieht, weiß ich auch nicht.
Jetzt würde ich am besten die Thermenpalette beschreiben. Aber vorher noch: Wie stelle ich mir den Leser vor?
Der Leser hat keine Zeit, stundenlang Veranstaltungen, die gestreemt werden, anzuschauen. Er hat keine Zeit, die weitschweifigen, unprofessionell geschrieben Texte in den Blogs zu lesen. Er möchte seine Spezialthemen mundgerecht serviert bekommen und nicht selbst die Auswahl übernehmen, weil er dazu keine Zeit hat, weil er selbst schon 50 Stunden die Woche arbeitet, weil Berlin so weit weg ist und so weiter und so weiter.
Die Themen hier werden noch ergänzt: Datenbrief, Flughafensicherheit, Elena-Datenbank, anlasslose Speicherung von Telekommunikation, Enquete-Kommission, Netzneutralität, Netzpolitik überhaupt und Post-Privacy-Debatte, e-perso, staatl. Alimentierung von Presseverlagen. Wie verkauft sich eigentlich das neue Buch von Kurz/Rieger? Querbeet einfach alles an harten und weichen Themen, was zu den Piraten-Kernthemen gehört.
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Bei der re:publica

Was schrecklich startete, wurde am Ende doch noch gut: die re:publica in Berlin.
Der Eröffnungsvortrag in einem großen Theaterssaal wurde gut besucht, aber schlecht vorgetragen. Es ging um “Design Thinking”, und der Redner hatte keine Freude am Sprechen vor einem so großen Publikum, nur Stress. Dann wollte ich zu etwas mit “Open Government“, aber drei Säle waren so voll, dass ich nichts sehen, nichts hören konnte und frustriert abzog.
Wenn das so weitergeht . . . Aber so gegen 15 Uhr geriet ich zufällig in den Vortrag von Jürgen Ertelt, dessen Tweets mir immer wieder positiv auffallen. Und der Vortrag war gut. Ertelt sprach zur Medienkompetenz. Neues gab es nicht, aber man erhielt eine gute Zusammenfassung, einen Überbick, zum Thema. Und ich dachte, na ja.
“Blogs in Deutschland” wurden behandelt, wo mir klar wurde, dass die Blogger sich viel zu sehr an den Printmedien orientieren. Und Tim Pritlove sprach spannend über “Podcasts und Radio als Werkzeuge der Öffentlichkeit”. Doch diesen und die anderen Vorträge besuchte ich nur, weil sie in sehr großen Sälen stattfanden und ich nicht eingequetscht stehen musste.
Und klar: Sascha Lobos Vortrag über “jüngste Erkenntnisse der Trollforschung” war am Anfang sehr gut. Er meinte, er wird ständig vom Fernsehen angerufen für Interviews und Talkshows, nicht weil er so gut ist, sondern weil wir anderen netzaffinen Leute so blöd sind und uns dämlich anstellen, dass wir nie angerufen werden. Das meinte er ernst und beschimpfte das Publikum auf’s Feinste.
Dieses war der erste Tag, es folgten noch zwei weitere. Das absolut Allerbeste: Günter Dueck, “Das Internet als Gesellschaftssystem”. Alle Vorträge gibt es auch bei youtube.
Es war auch schön, die Leute, denen man im Netz hinterherläuft, mal lebendig vor sich zu sehen. Philipp Banse zum Beispiel und Mario Sixtus, Markus Beckedahl und Jakob Augstein (ein Bild seines Vaters hängt in meinem Arbeitszimmer). Constanze Kurz stellte, zahm und unkritisch befragt, ihr neues, umstrittenes Buch vor. Und Alvar Freude und seine Freunde berichteten tolle Geschichten vom Widerstand gegen Stuttgart 21. Lorenz Lorenz-Meyer (auch nur aufgesucht, weil da noch Platz war), war eine Offenbarung. Nie werde ich vergessen, wie er schilderte, wie sich die Menschen in China gegen die staatliche Kontrolle wehren und sich informieren.
Also, ich nenne hier nur die Vorträge, die ich besucht habe. Eingeschlagen wie eine Bombe hatte ein neu gegründeter Verein “Digitale Gesellschaft”, von dem aber noch nicht klar ist, wer dahintersteckt außer Markus Beckedahl und was die wollen und ob sich dahinter nicht Grüne verbergen. Falk Lüke macht wohl mit und hatte nichts Besseres zu tun, als auf Kritik am Verein (wegen Intransparenz und Arroganz) eine fiese, wirklich fiese Beleidigung gegen Jörg Tauss vom Stapel zu lassen. Sehr unsympathisch. Sehr. Insofern warte ich jetzt mal auf weitere Aktivitäten dieser Digiges, bisher war es noch nicht so überzeugend.
Gewohnt habe ich in Mitte in einem sehr guten Viertel in einer viel zu kleinen Wohnung. Demnächst werde ich wieder in Wedding wohnen. Dort ist es zwar nicht vornehm, aber die Wohnungen, die man für eine Woche mieten kann, sind viel preiswerter und größer.
Bevor es überhaupt losging mit der re:publica konnte ich noch an einer tollen Führung durch den Reichtag mit Jörg Tauss und vier anderen teilnehmen. Ich habe viele Fotos gemacht und werde die bald mal auf Flickr hochladen.
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Wahlkampf ist Kampf, das muss man merken

Wenn man Interviews liest, die Piraten den Journalisten geben, dann fällt immer wieder auf: Es finden sich in den Piraten-Antworten viele Allgemeinplätze und Phrasen. Sachen, die sowieso schon jeder weiß. Langweilige Beschreibungen von Selbstverständlichkeiten. Dabei will der Leser vom Pirat immer nur wissen: Was kannst du für mich tun? Warum soll ich dich wählen?

Typisches Beispiel: “Wir müssen es hinkriegen, die politisch interessierten und aktiven Menschen in XY auf unsere Seite zu ziehen”, sagt der Pirat. Ja, ich meine, das ist doch selbstverständlich, so was braucht man doch nicht noch mal zu sagen. Lieber gleich (zum Beispiel) sagen: Wir werden den Menschen erklären, wie sie heimlich von ihrem Arbeitgeber überwacht werden.
Peng, ein Schlag, der Leser reibt sich die Augen. Wie denn, wo denn? Der Leser ist betroffen und interessiert, liest weiter.

Noch ein Beispiel: “Parteien bestimmen unser Leben, unser politisches System ist auf Parteien ausgerichtet. Sie bestimmen unser Handeln und die Voraussetzungen, in denen wir leben” usw. blablabla. Warum erzählt der Pirat mir, was Parteien sind, verdammt?
Piraten fangen immer an, so selbstverständliche Sachen zu erklären. Seipenbusch erklärte mal lang und breit bei einer Diskussion auf Phönix, dass Google ein amerikanisches Unternehmen ist. (Es ging um Streetview).

Piraten müssen konkret sein, direkt sein, wenn es darum geht, wie man Wähler gewinnen will. Und darum geht es immer bei den ganzen Fragen vor Wahlen. Beispielsweise sagen: Musik, die man sich runterlädt, muss legal und kostenlos sein. Senioren, die ins Netz wollen, sollen kostenlose Kurse bekommen, und zwar alle.

Noch ein Beispiel für Laberlaberlaber gähn: “Ich halte es gerade für die Bürger, die ein konkretes Anliegen haben, für sinnvoll zu gucken, wo es Schnittstellen mit der Piratenpartei gibt”, sagt der Pirat. Zapperlot, ich soll nach Schnittstellen gucken? Völliges Wischiwaschi. Sag mir doch, Pirat, was du für mich tun kannst? Vielleicht interessiere ich mich dann für dich. Sag: Wir sorgen dafür, dass auch in ländlichen Gebieten schnelles Internet hin kommt. Aber erzähl mir nicht, dass ich Schnitte und Stellen suchen soll.

Nächstes Beispiel für Blabla: “Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal in der Parteienlandschaft ist das Thema Transparenz und zwar auf allen Ebenen, sowohl organisatorisch als auch im politischen Forderungskatalog”, sagt der Pirat. Was für’n Merkmal im Katalog? Sag doch lieber gleich: Bei uns können alle Mitglieder den Parteivorsitzenden mitwählen. Wir kungeln nicht, alles ist im Netz zu sehen.

Kurze Sätze, die wie Hiebe sind, die bleiben hängen, die fesseln das Interesse. Konkret sagen: Beim Wassertisch wird gekungelt, das wollen wir alles an die Öffentlichkeit zerren.

Weiteres Beispiel: ”Den grünen Höhenflug müssen wir sicherlich ernst nehmen.” Muss man das denn nun sagen? Ist das nicht sowieso klar? Wenn man nach der politischen Konkurrenz gefragt wird, muss man gleich die Mängel der Konkurrenten beschreiben, und gerne auch ein bisschen krass. Damit der Leser es auch mitbekommt, wenn er/sie die Zeitung noch halb schlafend am Frühstückstisch liest.

Weitere Beispiele: Bei der FDP “wird auch viel 1:1 bei den Piraten abgeguckt, das finden wir immer wieder”, sagt der Pirat. Dann lieber gleich einen Punkt nennen, den die FDP abgekupfert hat, wenn man schon nach der FDP gefragt wird. Druff, druff, auf sie mit Gebrüll. Nicht so zaghaft.

So, wie einige Piraten jetzt den Beckedahl in die Pfanne hauen, so lieber im Wahlkampf auf die anderen Parteien draufhauen. Es heißt nicht umsonst WahlKAMPF. Die haben uns doch lange genug geärgert mit ihrem Widerwillen, sich mit dem Internet zu beschäftigen.

Auch so schwurbelige Formulierungen wie diese sollte man vermeiden: “Wir müssen es schaffen, über unsere Themen ein Thema zu werden – und darüber wiederum Themen zu setzen.” Häää? Denkt der Leser. Dann nenn mir doch mal EIN Thema. Weiter geht es mit “…Themen über Twitter nach außen kommunizieren….”. Wie kann man nur so reden?
Die Piraten wollen doch eine treibende Kraft sein. Aber treibende Kräfte reden anders.
Wie gesagt: Das ist alles nur beispielhaft, auch die Interviews im NRW-Wahlkampf waren mehr Krampf als Kampf. Wirklich. Ich denke mit Schrecken daran.

Aber es muss auch gesagt werden, dass Piraten neu sind auf der politischen Bühne. Sooo schnell wird man nicht zum knackigen Interviewpartner, wo das Interview auch mal von online in die Printausgabe wandert. Ich möchte meine Kritik konstruktiv verstanden wissen. Nutzt jede Gelegenheit, mit der Presse zu sprechen. Aus Fehlern können wir nur alle lernen.

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