Ungeordnete Gedanken zur Privatsphäre

Bei einem Ausflug nach Köln ging es gestern in eine elegante Einkaufspassage. Da hatte ich mehrmals das Gefühl: Hier werde ich gerade mittels Kamera beobachtet, hier werde ich gescannt.
Es war ein Donnerstag Nachmittag, kaum Kundinnen unterwegs und auch nur vereinzelt Verkäuferinnen. Die Verkäuferinnen hatten uns nicht im Auge. Irgendjemand anderer/anderes hatte uns aber sicher im Auge, denn mit so teuren Waren wird man heutzutage keine Sekunde mehr allein gelassen.

 

Zwei sind es, die uns beobachten: der Staat mit seinem Zensus und die Privatwirtschaft, die das zu kommerziellen Zwecken tut. Was beide wollen, sind Daten, der Rohstoff unserer Zeit. Der Staat soll uns nun einerseits schützen vor der Daten-Gier der Privatwirtschaft (mit regulierenden Gesetzen). Gleichzeitig fürchten wir die Daten-Gier des Staates. Der Staat als Heilsbringer, der die Privatwirtschaft im Zaum hält und ihr die Grenzen ihres Treibens aufzeigt. Und der Staat, der selber Daten erhebt, und das nicht zu knapp. Und der aufgrund dieser Daten, aufgrund der staatlichen Ausleuchtung meiner Privatsphäre dann eventuell zu dem Ergebnis kommt, dass ich ein gefährlicher/psychisch kranker Mensch bin, den man festsetzen muss.

 

Datenschutz und Privatsphäre. Wenn man alles, was ich seit vier Jahren twittere, was ich seit kurzem auf facebook einstelle, von wo ich wie oft telefoniere und sms schicke usw. nimmt, dann kann man sicher ermitteln, was für ein Mensch ich bin. Man kann meine Verhaltensweisen ablesen und auswerten. Unternehmen verknüpfen alles miteinander und sprechen mich als Konsumentin sehr effektiv an.

 

Das Netz ist öffentlicher Raum, so wie der normale öffentliche Raum auch. Wie auf der Straße und in den Kaufhäusern will ich im Netz anonym unterwegs sein. Ich möchte im Netz nicht mit einem Namensschildchen rumlaufen. Das tue ich ja im normalem Leben auch nicht. Ich verlange, dass ich mich im Netz anonym bewegen kann.

 

Eine idiotische Utopie ist, wenn jeder alles von allen weiß. Eine Gesellschaft, in der es keine Geheimnisse mehr gibt, ist totalitär. Das ist Honecker 2.0 und nicht etwa eine ideale Gesellschaft. Andererseits kann es der Anfang einer Revolution sein, wenn Menschen plötzlich das, was sie aus Scham geheim gehalten haben, sagen.

 

Die von Priestern Missbrauchten haben erst kürzlich den Mut gefunden. Es haben sich viele hundert Menschen offenbart, und man konnte endlich ein anderes Gesicht der Priesterschaft, insbesondere der katholischen Kirche sehen. Das war eine Art Revolution, die noch nicht abgeschlossen ist. “Ich bin als Kind missbraucht worden” oder “Ich habe abgetrieben”: Wenn derartige Infos massenhaft der Privatheit entrissen werden, ändert sich die Welt.

 

Wie weit soll die Offenheit gehen? Das wissen wir heute noch nicht. Menschen, die gegen ihren Willen als einsam, homosexuell, pervers, pleite oder was auch immer geoutet werden, darf es nicht geben.

Anderseits wollen wir, dass Wissen aus dem Hochschulbereich frei floatet.  Jeder soll es haben können, der Staat soll sich da total zurücknehmen. Man erhofft sich gesamtgesellschaftlich einen Wissensschub, wenn endlich alles, was z.B. an den Hochschulen erforscht wurde und wird, frei zur Verfügung steht.

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Literatur im Jahr der Katastrophe

“Unerwartet kam ein Anruf aus Osaka. Das ist die südlichste Stadt in Japan. Ein alter Bekannter, den ich seit sechs oder sieben Jahren nicht mehr gesehen habe, fragte, ob ich ihm einen Gefallen tun kann.
Zwei Mädchen, mit ihm verwandt, wollten nach München fliegen. Ob ich die abholen und zu einem sicheren und nicht sehr teuren Hotel bringen kann. Ich sagte “klar”, und ich sagte nicht, dass ich gerade in Nizza bin.
Diese Mädchen kamen sehr ängstlich in München an. Als Erkennungszeichen, hatte ich gesagt, habe ich eine rote Krawatte an. Die Mädchen habe ich nach dem Einchecken ins Hotel noch zu einem Münchener Ratskeller gebracht. Sie aßen Fisch, ich bestellte für mich aus Jux, damit sie lachen, eine Haxe vom Ochsen und aß das demonstrativ mit dem größten Appetit . . .  Und erzählte ihnen, dass jeder Deutsche pro Woche drei Ochsenhaxen isst und an den restlichen Tagen Schweinshaxe.
Ich fragte mit keinem Wort, wie es mit dem Atomreaktor ist . . .  Und sie sagten davon auch kein Wort.

Als ich sie zum Hotel brachte, lachten sie.

Meine Aufgabe ist erledigt.”

(Eine wahre Geschichte, Literatur im Jahr 2011, im Jahr der Katastrophe.)

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Wahlentscheidung aus dem Bauch heraus

Heute habe ich mir das neue Video von Alvar Freude angeschaut. Dort wird einem vorgeführt, wie tausende Stuttgarter und andere sich freuen, weil es in Baden-Württemberg den Regierungswechsel gegeben hat. Die Aufnahmen sind, und das darf man glauben, entstanden, als am Wahlabend die ersten Hochrechnungen bekannt gegeben wurden. Und danach, bis es dunkel wird. Zu sehen ist ein Freudenfest, ein wenig wie Karneval im Rheinland. Menschen machen auf der Straße Krach, tanzen, singen und freuen sich ganz doll. Also für Schwaben schon doll, finde ich. Welch ein Jubel. Auch außergewöhnlich: gemeinsam öffentlich die Wahlergebnisse zu schauen. “Wann gab es das schon?”, twitterte Alvar Freude.
Jetzt haben die einen grünen Ministerpräsidenten. Vor 18 Monaten, 2009, bei der Bundestagswahl, da haben die mit großer Mehrheit CDU und FDP gewählt. Da waren die mit der Politik der Konservativen zufrieden. Die Grünen landeten schlapp auf Platz vier. Und nur 18 Monate später, das ist der Hammer, sind die mit der Politik der Konservativen so unzufrieden, dass die Rot/Grün mehrheitlich ihre Stimme geben. Was bedeutet das?
In den 18 Monaten hat sich kein bisschen die Politik der Konservativen geändert. Die Kandidaten von CDU/FDP wurden im September 2009 gewählt und haben bis zum Wahltag ihre Richtung kein bisschen geändert. Was aber hat sich geändert? Nun, es sind die Bilder im Fernsehen, die sich geändert haben. Weil die Wähler im TV die Katastrophe von Japan gesehen haben, täglich, haben sie sich bei der Wahl mehrheitlich umentschieden. Das ist ein Wechsel des Abstimmungsverhaltens aus dem Bauch heraus. Nicht aufgrund rationaler Überlegungen, sondern aus Emotionalität.
Dass Leute so wählen, kann einem Angst machen. Sie vergessen, was fünf Jahre lang war, sehen ein paar grauenhafte Bilder im Fernsehen und schwupps, wählen sie eine Partei (die Grünen), die 18 Monate zuvor noch an vierter Stelle lag, hinter der FDP.
Natürlich haben viele auch der CDU den Rücken gekehrt, weil sie es satt haben, Irrsinns-Projekte wie Stuttgart 21 aufgebrummt zu bekommen. Aber ich bin sicher: Hätte es den Tzunami nicht gegeben, hätten wird jetzt immer noch eine schwarz/gelbe  Mehrheit im Landtag von Baden-Württemberg.
Wem der grüne Ministerpräsident also seinen neuen Job verdankt, das dürfte damit klar sein.

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Tanz geometrischer Formen

Heute, da in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen Wahlen sind, ist auch der Geburtstag eines bedeutenden Aacheners: Ludwig Mies, der sich später Ludwig Mies van der Rohe nannte. Das macht man in Aachen gern, dass man seinen Namen selbst verändert oder gleich ganz neu wählt.

Heute, da die radioaktive Strahlung am Unglücksreaktor in Japan millionenfach höher ist als normal, lenke ich mich mal ein bisschen ab und denke an den berühmten Architekten Mies van der Rohe, der in vielen, vielen Städten mit seinen Bauten vertreten ist, nur nicht in Aachen. Er war den Aachenern auch in den 60er und 70er Jahren noch zu modern. Den großen Sohn der Stadt einladen, hier etwas zu bauen? Ach nö, lieber nicht. So konservativ sind die Aachener (heute vielleicht nicht mehr).

Heute vor 125 Jahren wurde er geboren. Er wuchs an der Vaalser Straße zwischen Maurern und Steinmetzen auf, sein Vater hatte einen Steinmetzbetrieb. Mit 19 ging er von Aachen nach Berlin und lernte dort Bruno Paul kennen.
1938 musste er in die USA auswandern, weil die Nazis seine transparenten Bauten und seine Theorien hassten. Aber: Ich habe den Verdacht, dass Ludwig Mies van der Rohe damals sowieso nichts dagegen hatte, in die USA zu reisen. Dort konnte er seine Architektur sofort weiterentwickeln, was er auch tat, und war bald ein gefragter Mann, ein Star in der Architektur-Szene. Dass er sich so schnell akklimatisiert hatte und auch sonst gegen die Nazis, soweit ich zumindest weiß, nicht aktiv wurde, scheint mir (vorsichtig gesagt) darauf hinzuweisen, dass er dort nicht unfreiwillig war.
Es kann auch sein, dass die Aachener ihn nach dem Krieg nicht zum Bauen in die alte Kaiserstadt eingeladen haben, WEIL er 1938 auswanderte. Das müsste alles untersucht werden oder ist schon untersucht worden, aber ich weiß davon nichts.
Mies van der Rohe liebte die Einfachheit, die man nicht mit dem Simplen verwechseln darf. Einfachheit liebte er, wegen der Klarheit. Nicht Stuck und Beton bevorzugte er, sondern Stahl und Glas. Und er prägte den Slogan “less is more”. Das ist sehr wahr: Weniger ist definitiv mehr. Es kann aber auch sein, dass jemand in seinem Umkreis diese griffige Formel erfand. Es zeigt, dass es immer nützlich ist, wenn man seine noch so komplizierten Theorien in einen Slogan packen kann. Das muss wohl sein.
Mies ging es wie allen: Dinge werden im Kopf klarer und klarer und dann spricht man das eines Tages aus als eine Theorie. Das sagte er so ähnlich auch mal.
Jedenfalls setzte er beim Bauen dem überbordenden Zierrat, den historistischen und historisierenden Formen die klaren Linien durch. Flache Dächer, große Fenster, Bauten, bei denen das Wichtigste das Gerüst aus Stahl war. Die ganze Konstruktion eines Gebäudes wurde sichtbar, sie wurde nicht mehr versteckt und kaschiert. Und man konnte erkennen: Konstruktion kann schön sein. Mies war ein Architekt, der die Schönheit zum Vorschein brachte. Von mir wird er sehr verehrt und bewundert.
1928 baute er zur Weltausstellung den deutschen Pavillon in Barcelona. Und wenn ich in Kürze nach Berlin reise, werde ich mir dort auch ein prominentes Gebäude von Mies anschauen. Das habe ich bis jetzt noch nicht gemacht, aus Angst vor meiner eigenen gigantischen Begeisterung. In Krefeld und New York habe ich aber schon Bauten von Mies gesehen.
In seine Bauten passten auch die alten Möbel nicht wirklich rein. So erfand er für den Barcelona-Pavillon den Barcelona-Sessel. Ein Sessel, atemberaubend schön weil komplett einfach. Heute noch zu kaufen, aber sehr teuer.

Mies van der Rohe, Architektur wird Kunst. Eine Kunst, der es auf Schönheit ankommt.

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„Es gibt einen neuen Krieg“

Ich wache in der Nacht auf, mache das Radio an und der Sprecher sagt: „Es gibt einen neuen Krieg.“
Ja klar, denke ich, es ist der 19. März. Auch der Irak-Krieg hat an einem 19. März angefangen.

Erst umarmen Berlusconi und Sarkozy den Diktator, dann greifen sie ihn an. Das sieht gerade nicht besonders gut aus.

Aber: Hätte Gaddafi sein eigenes Volk nicht bombardiert, hätten sie beiden Staatschefs ihn weiter umarmt. Es gab wohl eine moralische Verpflichtung. Obwohl: Gerade bei diesen beiden von Moral zu sprechen, das ist paradox.

Klar ist, dass Gaddafi die Demonstranten jeden einzelnen samt Familie und Stamm grausam ermordet hätte.
Gaddafi sucht jetzt Verbündete im Namen des Islam und redet vom zweiten Kreuzzug. Dabei gab es vor 700 Jahren zwei Kreuzzüge, er müsste also eigentlich vom dritten Kreuzzug reden.
Also rettet die Demonstranten vor Gaddafis Rache! Das ist das Gebot der Stunde. Wenn man von seinem eigenen Staatschef angegriffen wird, ist man auf Hilfe von außen angewiesen.

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Reaktorunfall

Seit über einer Woche: traurig wegen dem Reaktorunfall in Japan. Dort werden tausende Menschen Gendefekte davontragen, genauso wie ihre Kinder, ihre Enkel und die Urenkeln noch betroffen sein werden. Das Elend fängt jetzt erst richtig an.

Und soweit ich weiß, ist kein einziger Reaktor sicher, wenn in Deutschland mal zufällig ein Flugzeug auf so ein Höllenteil drauffällt. Wohl gibt es viele, die sagen, so ein Unfall wäre ja sooo unwahrscheinlich. Und die werden danach auch sagen: „Das hat man wirklich nicht vorhersehen können“ oder ähnlichen Blödsinn.

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Münster stoppt Düsseldorfer Schuldenmacher

Diese Woche Dienstag war ein guter Tag. Da haben mutige Richter in Münster den Schuldenhaushalt von Rot/Grün in Nordrhein-Westenfalen für null und nichtig erklärt. Ja, mehr: Sie haben erklärt, dass es ein Haushalt ist, mit dem gegen  die Verfassung verstoßen wird.

Das war aber auch mal nötig. Um dem Kurzfristigkeits-Denken ein Ende zu bereiten, mussten Richter den Politikern das Heft aus der Hand nehmen. Schade, dass das nötig ist. Gut, dass es geschehen ist.

Wir können künftigen Generationen auf zwei Arten so richtig einen reinwürgen: Indem wir, erstens, uns was leisten und Schulden machen, bis wir nicht mehr gucken können. Und, zweitens, indem wir die Umwelt versauen, dass es nur so kracht. Also jede Menge Atommüll produzieren, das Klima tüchtig erwärmen und den Regenwald abholzen. Die in 100 Jahren geboren werden, können sich nicht wehren.

Mir geht es hier um die Schulden. Mit den Wohltaten auf Pump kann sich jeder, der gewählt werden will, einen Riesenvorteil verschaffen vor dem, der sagt, ich  bin sparsam und mache eine Politik, die finanziell in dem Rahmen bleibt, der ohne neue Schulden vorhanden ist. Der Seriöse wird nicht gewählt. Es wird der gewählt, der viel verspricht und das hält, auch wenn alles auf Kredit finanziert wird. Das ist ungerecht. Und dieses Treiben haben die Richter diese Woche gestoppt.

Es wäre gut, wenn jemand die Interessen derjenigen vertreten würde, die in den nächsten 100 Jahren geboren werden. Die künftigen Menschen können heute noch nicht wählen, sie können nicht demonstrieren. Sie sind ja noch nicht geboren. Es sollte Obleute im Parlament geben mit Veto-Recht, die die Anwälte der künftigen Generationen sind.

In den Gemeindeverwaltungen machen die das so: Die Gemeinderäte  dürfen sich selbst den Dispo erhöhen. Traumhaft, nicht wahr? Du hast kein Geld mehr? Du erhöhst dir selbst den Dispo. Und das tun die Gemeinderäte tatsächlich wieder und wieder. Das heißt: Die können in die Kasse greifen nach Belieben. Das nenne ich nicht seriöses Wirtschaften.

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Was ist denn hier Zensur?

“Ich bin ein Gegner von Zensur”, teilt mir ein begnadeter Blogger mit, der das Zeug zum Spiegel-Redakteur hat. Ja, ja. Ist ja gut. Wir sind doch alle gegen Zensur. 😉
Aber muss man sich deshalb seinen schönen Blog so zumüllen lassen? Da kotzen die allerletzten Spacken die hinterletzten Vorurteile aus. Was ist daran schön?  Nichts. Und vor allem: Was hat das mit Zensur zu tun?  Schwere Beleidigungen und Schläge unter die Gürtellinie machen doch nur, dass jeder denkt: Also mit der Pressefreiheit kann man es wirklich auch übertreiben.
Im Ernst: Ein gewisser minimaler Anstand sollte vorhanden sein wenn jemand für eine Öffentlichkeit schreibt. Und wenn der nicht vorhanden ist, dann sollte man eingreifen. Ein Blog ist doch kein im Netz reservierter Platz, wo jeder dahergelaufene Unterbelichtete den größten Blödsinn hinterlassen kann.
Aber okay. “Ich bin ein Gegner von Zensur.” lol. Meine Theorie ist, dass  von 1000 Menschen immer einer voll durchgeknallt ist und ziemlich böse. Böse ist, wer sich freut, wenn andere verletzt werden und leiden. Das Böse ist als Thema in der Philosophie, Soziologie und Politik schwer vernachlässig, nebenbei gesagt.
Wer also 20.000 Follower hat oder Leser oder wie auch immer…… Wer 20.000 Menschen erreicht, der hat es automatisch mit 20 von diesen Bösen zu tun. Mit Menschen, denen es Vergnügen bereitet, wenn andere leiden. Und da erhebt sich die Frage: Wie schaffe ich es, dass die mir nicht an den Hacken hängen?

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Wer schweigt zum Monsterplagiat?

Noch ein paar (letzte) Gedanken zum Monsterplagiat bzw Fragen zur Causa Guttenberg. Was sagt eigentlich Bildungsministerin Annette Schavan zum Skandal an der Uni Bayreuth? Sie ist doch selbst Wissenschaftlerin und müsste als Fachministerin ihr Ressort schützen und verteidigen. Und was sagt der Staatsminister im Wissenschaftsministerium Thomas Rachel? Bis heute: NICHTS, und das immer lauter.
Und wo ist eigentlich dieser Professor, der Doktorvater von zu Guttenberg, der die Note Summa vergeben hat, der hat sich wie die Ministerin bisher mit keinem Wort geäußert. Und wann kommt endlich der Ghostwriter mal aus der Deckung, wo doch schon etliche Journalisten in Berlin flüstern, sie seien ihm angeblich hart auf der Spur?
Für mich ist auch die Frage absolut nicht geklärt, warum zu Guttenberg unbedingt den Doktortitel haben wollte. Wenn man in Deutschland von Adel ist, hat man sowieso gewonnen. Es ist nun mal so. Da braucht man kein zweites Staatsexamen und auch keinen akademischen Titel, echt nicht. Warum also wollte er ihn unbedingt?
Diese Titel sind auch dazu da, sich vom übrigen Volk abzusetzen. Klar zu machen: Ich bin was Besonderes, ich bin was Besseres als ihr Normalos. Ja, das ist so. Bildung als Vehikel für Karriere und um hochnäsig über andere hinwegzusehen. Der Titel ist eigentlich nichts wert. Ich habe schon viele Menschen getroffen, mit Doktortitel, die waren so richtig volldoof. Aber so richtig. Man dachte sich immer: Dass der mal eine so anspruchsvolle Arbeit abgegeben hat, unglaublich.
“Bildung für alle” bedeutet etwas ganz anderes.
Dennoch: Wirklich schaden tut das Plagiieren der Wissenschaft nicht. Wirkliche Wissenschaft schafft Wissen, sonst nichts. Neues Wissen zu erschaffen, was vorher nicht existiert hat, das ist schön, übrigens. Der Plagiator wiederholt nur das Wissen, was schon existiert. Und er verbreitet das Wissen, was schon existiert. Damit schadet er der Wissenschaft nicht, er baut eine kleine Verzögerung, mehr nicht. Das neue Wissen ist das interessante Wissen.
Wenn der gegelte Adelige nicht zurücktritt, dann wird es in den Schulen ein bisschen schwerer zu erklären, warum man nicht bescheißen darf. Warten wir’s ab.

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Die Türen in Düren

In dem Rathaus, in dem ich gelegentlich sitze und notiere, was die Kommunalpolitiker dort diskutieren und entscheiden, ist der große Saal nur zugänglich durch eine ziemlich schwere und hohe Tür. Ich bleibe manchmal nicht bis zum Schluss der Sitzung, sondern bis alle  Punkte, die ich wichtig finde, abgehandelt wurden. Dann steh ich also auf, raff meinen Pullover, meinen Wintermantel, meinen Stift und den Block, mein iPhone und meinen Rucksack zusammen und versuche, so unauffällig wie möglich die Örtlichkeit zu verlassen.
Man möchte ja schließlich durch so einen Aufbruch nicht die ganze Versammlung aus dem Konzept bringen. Zu über 30 Personen in einer geordneten Abfolge komplizierte Sachen zu diskutieren und abzustimmen, das geht nicht ohne Konzentration. Da darf nicht alle Nase lang einer raus-  und wieder reinrennen.
Ich steh dann also vor der Türe  – mit meinen Sachen um mir und an mir – und dann kommt’s: Ich kann mir ums Verrecken nicht merken, ob die große schwere Türe nach außen oder nach innen aufgeht. Ich zerre dann also oder wenn ich gerade denke, sie geht nach außen auf, dann drücke ich mit aller Riesenkraft gegen die Türe. Wobei mir schon das erste Teil hinfällt.
Jeder wird aufmerksam und Verschiedene rufen: “ziehen, ziehen“. Der Bürgermeister als Vorsitzender sagt zum Nächstsitzenden: “Helfen Sie ihr doch mal!”  Und ich habe die Augen aller Anwesenden im Rücken. Und den Ehrgeiz, es allein zu schaffen. Na toll.

Besser geht es im Gericht, wo ich immer mehrere schwere Türen stemmen muss, um an meinen Platz zu gelangen. Aber  da gib es einen Kollegen, der vor mir herwetzt und eifrig alle Portale aufstößt. Alle. Jut wa?

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