Gar nicht so ungewöhnlich: Straßen hießen früher mal anders

Der Alexianergraben hieß früher mal Bejaadejrav.

Straßen, die früher mal anders hießen, sind in Aachen keine Seltenheit. Mit dem Namens-Switch hatte – soweit bekannt – kaum jemand je ein Problem. Von Bajaadejrav ging es zu Alexianergraben. Da hat nicht nur der Name, sondern auch die Sprache gewechselt. Man stelle sich das mal beim „Café zum Mohren“ vor.

Kürzlich hat man bei einigen Straßenschildern die alten Namen hinzugefügt, in schwarzer Schrift auf gelbem Grund. Freude.

Auf einen neuen Namen wartet auch eine Straße, die nach einer Nazi-Größe benannt ist. Die Arthur-Kampf-Straße in Burtscheid . . .

Den Hohenzollernplatz möchten ebenfalls einige Menschen in Aachen umbenannt wissen. Es mutet merkwürdig an, dass man sich gerade bei diesen Umbenennungen so schwer tut und viele Argumente anführt, weshalb es besser nicht zu einer Neufirmierung kommen sollte.

Auch die Menschen in der ehemaligen DDR mussten sich ratzfatz an viele neue Straßennamen gewöhnen. Mir ist keine Diskussion bekannt, in der man sich darüber bewusst war, was man den Menschen im Osten damit zugemutet hat. Obwohl es wegen der Masse der Umbenennungen bestimmt nicht einfach war. Hier weiterlesen.

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2 Antworten zu Gar nicht so ungewöhnlich: Straßen hießen früher mal anders

  1. Heijo Eck schreibt:

    Die böse Vergangenheit soll entsorgt werden, die gute Vergangenheit darf wieder hervorgekramt werden… Aber ganz so einfach ist es nicht, daher ein paar kurze Anmerkungen.
    Der Bejaadejrav ist nicht der frühere Name des Alexianergrabens, sondern einfach nur die Öcher-Platt-Version dieser Straße. Bei Christian Quix (Beschreibung der Stadt Aachen, 1829) kann man nachlesen, dass der Alexianergraben früher Düppengraben (von den Töpfen, die hier produziert wurden) geheißen hat. Der Ausdruck Bejaade kommt von den Begarden (das sind Laienmönche, aus deren Reihen die Alexianer hervorgegangen sind). Bemerkenswert ist also in diesem Falle, dass das Öcher-Kollektiv-Gedächtnis durchaus interessante historische Informationen aufbewahrt. Aber nochmal: Bejaadejrav hat der Alexianergraben offiziell nie geheißen.

    Zu Arthur Kampf hat der Kommentator Aachener Grau vom 20.1.2019 eigentlich schon alles Wichtige gesagt, aber dennoch erlaube ich mir die Bemerkung: Kampf hat sich möglicherweise vereinnahmen lassen, aber das macht ihn keineswegs zu einer „Nazigröße“ (wie Sie ihn nennen): Diesen Ausdruck sollte man doch anderen Typen vorenthalten, die handfeste Verbrechen begangen haben. Über eine Änderung des Straßennamens kann man im Falle Kampf aber durchaus streiten.

    Vielleicht noch eine kleine Anmerkung: Nach dem Krieg sind in Aachen mehrere nach Nazigrößen benannte Straßen (wieder)umbenannt worden; dabei fällt allerdings positiv auf, dass es in Aachen keine Adolf-Hitler-Straße gab und dementsprechend auch nicht umbenannt werden musste. Vielleicht sollte man diesen kleinen Akt der Verweigerung der Aachener auch einmal gebührend hervorheben.

    Was den Hohenzollernplatz angeht, so sehe ich keinen Grund, diesen Namen zu ändern. Man muss nun wahrlich kein Fan des Adels sein, und da gibt es viele dunkle Flecken, aber waren die Hohenzollern eine Verbrecherbande? Oder sollen wir gleich die Feudalepoche aus den Geschichtsbüchern streichen?

    Zum Mohrencafé ist nun wirklich alles gesagt, interessant ist allerdings der Kommentar der Betroffenen Beda, die als PoC (= Person of colour!) anlässlich des letzten Artikels in AachenNews vom 12. Juni 2020 sich jegliche paternalistische Bevormundung verbittet, nach dem Motto: „Ich, Weißer, weiß besser als du, Schwarzer, was dir Schmerzen bereitet!“ Noch Fragen??

    Ich wünsche mir ein bisschen mehr Nachdenklichkeit statt des einfachen: WEG DAMIT!!

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    • F schreibt:

      Ich denke, das hängt davon ab, ob man in Straßennamen einen dokumentarischen oder ehrenden Charakter sieht und Sie scheinen in dieser Frage noch unentschlossen zu sein. Mit Geschichtsbüchern hat dies überhaupt nichts zu tun.
      Political Correctness-Kritik kann (!) sinnvoll und gut sein, hat in vielen Fällen aber einen rechtspopulistischen Beigeschmack.

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