Als Christ in Ankara

Bundespräsident Wulff in Ankara vor der türklischen Nationalversammlung, 19.10.2010

Auszug: „Mit Respekt und Sympathie betrachtet Deutschland die Schritte, die die Türkei unternimmt, um die Beziehungen zu ihren Nachbarn positiv zu gestalten. Für die Annäherung zwischen Ihrem Land und Armenien haben Sie unsere volle Unterstützung. Die Normalisierung der Beziehungen wäre ein Schritt in eine gemeinsame Zukunft – mit einer offenen Grenze, die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Austausch ermöglicht, bei dem auch umstrittene Themen nicht mehr ausgeblendet werden. Dies wäre auch ein wichtiger Beitrag zur Stabilisierung der Region. Ich möchte Sie bitten und ermutigen, auf diesem Weg voranzuschreiten.

Die Bundesrepublik Deutschland hatte das Glück, dass ihr nach dem Zweiten Weltkrieg die ehemaligen Gegner die Hand reichten. Die NATO-Partner standen uns beim Aufbau einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaftsordnung zur Seite und bezogen unser Land in das Geflecht europäischer Sicherheit und Zusammenarbeit ein. Die Verankerung in der NATO und die europäische Integration schufen die Voraussetzungen dafür, einen Aussöhnungsprozess mit unseren Nachbarn zu beginnen. Zuerst im Westen, insbesondere mit Frankreich. Dann, vor allem nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, auch mit unseren Nachbarn Polen und Tschechien im Osten.

Mut und politischer Wille waren dazu nötig. Die Überwindung historischer Gegensätze ist nicht möglich, ohne sich mit der eigenen Verantwortung auseinanderzusetzen. Dabei haben wir eins gelernt: Auch wenn es ein mühsamer und manchmal schmerzhafter Prozess ist, es lohnt sich! Nur durch Versöhnung kann eine neue Basis des Vertrauens entstehen. Unsere Nationen gehören schon seit langem gemeinsam dem Europarat an. Seine Prinzipien, Menschenrechte, Demokratie und Rechtstaatlichkeit, wie sie in der Europäischen Menschenrechtskonvention niedergelegt sind, binden uns. Dazu gehört auch der Schutz der Minderheiten sowie religiöser und kultureller Pluralismus. Muslime können in Deutschland ihren Glauben in würdigem Rahmen praktizieren. Die zunehmende Zahl der Moscheen zeugt hiervon. Gleichzeitig erwarten wir, dass Christen in islamischen Ländern das gleiche Recht haben, ihren Glauben öffentlich zu leben, theologischen Nachwuchs auszubilden und Kirchen zu bauen. In allen Ländern müssen Menschen die gleichen Rechte und Chancen genießen, unabhängig von ihrer Religion.

Hier in der Türkei hat auch das Christentum eine lange Tradition. Das Christentum gehört zweifelsfrei zur Türkei. Ich freue mich, an diesem Donnerstag in Tarsus einen ökumenischen Gottesdienst mitfeiern zu können. Ich höre mit großer Begeisterung, dass in der Türkei Stimmen zu hören sind, die mehr Kirchen für Gottesdienste öffnen wollen. Zu dieser Entwicklung möchte ich Sie nachhaltig ermutigen: Die Religionsfreiheit ist Teil unseres Verständnisses von Europa als Wertegemeinschaft. Wir müssen religiösen Minderheiten die freie Ausübung ihres Glaubens ermöglichen. Das ist nicht unumstritten, aber es ist notwendig. Das friedliche Miteinander der verschiedenen Religionen ist eine der großen Zukunftsaufgaben dieser Welt im 21. Jahrhundert. Sie ist bei gutem Willen und Respekt vor der Würde eines jeden Menschen lösbar.“

 Wow. Gut gebrüllt, Löwe.

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nie mehr anonym

Das hat mir immer sehr gefallen, mir Pseudonyme zuzulegen! Und unter diesen Namen Kommentare und Berichte im Netz zu verfassen. Jetzt gefällt es mir gar nicht mehr, ich möchte weg von allen Screennamen, aber es geht nicht. Die Verwirrung bei den Lesern wäre komplett. Bin ich jetzt an meine Pseudonyme so gefesselt wie einst an meinen Klarnamen?

Zunehmend erinnere ich mich daran, dass es schön ist, mit offenem Visier für etwas zu kämpfen und zu streiten. Zunehmend stört es mich, dass es aussieht, als würde ich mich hinter einem Witznamen verstecken. Ääääääätzend. Jemand, der sich versteckt, bin ich nicht. Will ich nicht sein. Bin ich im Moment aber noch.

Die schönsten und passendsten Pseudonyme hat sich ein Freund ausgedacht. Und so drei bis vier sind mir auch selbst eingefallen. Insgesamt in den letzten 12 Jahren so sieben, acht Pseudonyme. Auf das Wort „Übergangshymne“ bin ich  übrigens widerum nicht selbst gekommen.

Generell bestimmen Eltern den Namen eines Menschen, und damit gewissermaßen seine Identität. Wer sich selbst einen Namen gibt, sagt damit, dass er sich selbst neu/anders definiert, als die Familie, die Herkunft oder die Umgebung das gemacht haben. Von manchen Menschen kenne ich den „richtigen“ Namen gar nicht. Bei manchen wiederum ist der Nachname der Vorname geworden. Kommt – besonders bei Männern –  auch nicht schlecht. Manche nennen Frauen in Texten nur mit dem Vornamen. Stephanie zu Guttenberg wird gleich nur Steffi genannt, was sehr respektlos ist. Na gut, die Dame hat es wohl nicht besser verdient, ihr Buch muss gruselig schlecht sein. Werde ich es lesen? Nein.

Jemand nur bei seinem Nachnamen zu nennen, bedeutet Respekt. Jemand nur bei seinem Vornamen zu nennen, bedeutet Respektlosigkeit.

Sich selbst zu definieren, zu benennen, das hat natürlich was. Selbst zu bestimmen, wie ich heiße und wer ich bin. Ich  bin Uebergangshymne. So. Punkt. Und was sich hinter diesem Namen  für eine Person befindet, bestimme ich. Selbst. Könnte man schön finden.

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Falschparker

Hier in Nizza ist es jetzt so, dass die Falschparker, also auch ich, von Kameras gefilmt werden.  Also die Autos werden gefilmt und insbesonder die Nummerntafeln. Die Elektronik in der Kamera erkennt automatisch, wenn einer falsch parkt und wer es ist und schickt automatisch ein Protokoll mit Zahlungsaufforderung. Jetzt wird Kasse gemacht. Wer auf die Idee käme, die Kamera zu beschädigen, wird nicht erfolgreich sein. Man kann mit einer Axt drauf rumhacken und nichts passiert.

Man kann wirklich sagen, dass auf der vierspurig befahrbaren Straße, zwei Spuren IMMER zugeparkt sind. Auch ich stelle mein Auto oft dort ab. Es sind Zustände, die nicht mehr zu ertragen sind.

Jetzt werden alle gefilmt. Und automatisch bestraft. Schrecklich, nicht wahr?

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Geldbunker

An diesem Wochenende kann man in Cochem an der Mosel erstmals einen Bunker besichtigen, von innen natürlich. Dieser Bunker wurde nicht für Menschen gebaut, und es haben ihn auch nie Menschen bewohnt. Dieser Bunker wurde zum Aufbewahren von Geldscheinen gebaut.

Dort lagerte bis 1988 eine deutsche Ersatzwährung. Tausende und abertausende Scheine wurden  dort seit der Nachkriegszeit deponiert, bei gleichbleibender Temperatur, bestrahlt von Infrarotlicht, unter komfortablen Bedingungen, wie sie Menschen nicht immer haben.

Die Ersatzwährung galt als fälschungssicher und sollte auf einen Schlag die D-Mark ersetzen. Tutto completto. Wann? Wenn der Feind (?!) versucht, durch Verbreitung von massenweise D-Mark eine Hyperinflation in Deutschland zu bewirken und so eine Destabilisierung der Verhältnisse erreichen will.

Als der Bunker für die Ersatzwährung gebaut wurde, haben sich auch Menschen beschwert und protestiert. Es wurde schließlich täglich von 7 bis 22 Uhr gearbeitet, und es gab viel Krach und Dreck. Und da kommen die Zeitungen ins Spiel, die verbreiteten, es werde ein Schutzbunker für Menschen gebaut und im Ernstfall könnte die Bevölkerung aus der Nachbarschaft ganz sicher auch da rein. Die Menschen glaubten den Zeitungen und gaben Ruhe. Die Frage ist, wusste man bei den Zeitungen Bescheid und hat die Leser wissentlich belogen? Oder nicht? Was meinst du?



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Rundfunkänderungsstaatsvertrag

Dieser Tage habe ich einen Text gelesen, zweimal gelesen, da geht es um Enteignung. Soweit ich erkennen konnte, werden die Gebührenzahler (zu denen ich nicht gehöre) enteignet, indem TV-Beiträge verschwinden, die einmal entstanden sind, dadurch, dass die Gebührenzahler so fleißig ihre Gebühren bezahlt haben.
Na und jetzt sind die Sachen also weg, sozusagen ein Stück Geschichte/Zeitgeschichte ist nicht mehr auffindbar im Netz. Bei manchen Themenbereichen sind 80 Prozent der TV-Sachen verschwunden. Ob gelöscht oder nur aus dem Netz genommen oder wie, das wurde mir nicht klar. Dort waren die Sachen bis vor zwei Jahren jedenfalls noch alle abgelegt, sagt der Schreiber des Textes und er hat Recht, ich weiß es genau.
In dem ganzen Enteignung genannten Vorgang spielt ein Herr Martin Stadelmaier (SPD) wohl eine entscheidende Rolle. Der ist zwar nur im kleinen Rheinland-Pfalz eine große Nummer. Aber was soll’s? Der zieht offenbar die Fäden und ist denen immer gern zu Willen, die die Enteignung hauptsächlich betreiben. Warum ist er den Verlegern zu Willen? Antwort: Es könnte, könnte, könnte eventuell sein, dass der SPD etwas gespendet wird. In die Kasse von der SPD in Rheinland-Pfalz.
Das wird in dem Text angedeutet. Der Stadelmaier ist, wenn ich das richtig verstanden habe, Rundfunkreferent, Chef der Staatskanzlei und Staatssekretär in Rheinland-Pfalz. Aber das werde ich bei Wikipedia nochmal nachschauen. Sein Kumpel ist ein gewisser Herr Eumann (SPD), und beide zusammen haben sie ein Werk gebastelt, das hört auf den wahnwitzigen Namen „Rundfunkänderungsstaatsvertrag“. (Jetzt nicht an Planfeststellungsverfahren denken, das hat damit gar nichts zu tun, echt nicht.)
Der Rundfunkänderungsstaatsvertrag  jedenfalls schreibt das ganze Löschen vor, und wie das bei einem Vertrag so ist, haben diesen Blödsinn alle Ministerpräsidenten unterschrieben und die ganzen Länderparlamente haben den Quatsch abgenickt, also dafür gestimmt. Alles geschickt eingefädelt von dem Martin Stadelmaier. Wieviel Scheiß doch ein einzelner Mann anrichten kann. Donnerwetter.
Also ich schreibe hier nur auf, was ich dem Text entnehme.
Der Eumann, der ist auch Staatssekretär, Vorsitzender einer SPD-Medienkommission und Chef der Staatskanzlei von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in NRW. Weiß die Dame, was sie sich da angelacht hat?
Bei dem Ganzen spielt auch noch ein verklemmter Professor eine Rolle, eine ungute Rolle. Der zieht angeblich die Drähte von einer Jugendschutzmedienkommission aus und muss mit jugendschutz.net zu tun haben.

Tja, es sieht so aus, also ob hinter unser aller Rücken, oder besser: hinter meinem Rücken in den letzten zwei Jahren Sachen abgegangen sind, um die ich mich mal besser gekümmert hätte. Aber was nicht war, das ist jetzt und kann noch weiter werden.

(Dieser Text wurde nachträglich geringfügig korrigiert. Bei dem erwähnten Text handelt es sich um einen auf der Seite  www.tauss-gezwitscher.de)

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Stuttgart

Heute, am 9. Oktober, hat das ZDF in seinen späten Nachrichten mitgeteilt: „Es werden immer mehr“.  Gemeint sind natürlich Demonstranten gegen Stuttgart 21, den unterirdischen Bahnhof.  Ja wer hätte das gedacht, dass eine Protestbewegung mal ihren Anfang in Stuttgart nehmen würde? Ich nicht.

Dass die Leute gegen den Bahnhof was haben, kann ich verstehen. Zehn Jahre Baustelle, Milliarden sollen ausgegeben werden, und dann wurde noch im Verfahren sehr über die Köpfe der Menschen hinweg gehandelt.

Andererseits war es beim Münchener Flughafen genauso: irre Proteste, dann wurde gebaut, heute ist jeder froh. Andere Länder bauen sich noch viel größere Großprojekte. Und: Warum das Geld nach Griechenland und Portugal oder Irrland schaufeln oder den Bankern geben. Da kann man es auch behalten und sich dafür einen gigantischen Bahnhof bauen.

Gut, wirklich nötig scheint niemand den Bahnhof zu haben. Ich hatte jedenfalls noch nie gehört, dass jemand die Strecke von Stuttgart nach Ulm schlecht findet. Ich meine von jemand, der früher gelegentlich von Aachen aus nach Stuttgart und dann nach Ulm weiterfuhr.

Soll ich also nach Stuttgart fahren und mitdemonstrieren? Eigentlich nicht. Ich war erst einmal in meinem Leben in Stuttgart, und dann in der Therme und abends im Musical. Es war alles recht schwäbisch dort, man vermisst auf Anhieb die rheinländische Deftigkeit und den Humor, das viele Lachen und fröhlich sein. Das ist dort nicht so wirklich zu finden.

Trotzdem möchte ich mir so eine S21-Demo natürlich mal ansehen. Um zu wissen, wie es da genau ist. Wie ich ja gern alles selbst in Augenschein nehme, was bedeutungsvoll ist. Und wenn ich das richtig sehe, tut sich derzeit in Suttgart wirklich Bedeutungsvolles für Deutschland. Deshalb: Kommenden Samstag bin ich in Stuttgart. Hin und zurück gehts per Bahn natürlich ;->))

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Sport

Zweimal die Woche geh ich ins Fitness-Studio, und das ist so teuer, dass ich mir jetzt doch etwas Sorgen mache.

Weil ich so viel sitze und nicht viel Bewegung habe, brauche ich das Training. Und wenn ich damit mal vier Wochen aufhöre, geht es mir nicht mehr so gut. So. Werde ich also bis ans Ende meines Lebens jedes Jahr 500 Euro zahlen müssen, nur damit es mir gut geht?

Obwohl: Wofür könnte man sein Geld besser ausgeben als für so viel Wohlbefinden?

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Lüge

Ein schwieriges Thema: Die Kinderporno-Lüge. Damit ist gemeint, dass manche Leute Gefahren im Internet vorgeben zu sehen, die mit Kindern und Sex zu tun haben. Gefahren, die es so in Wirklichkeit nicht gibt.

Ich bin immer dafür, dass solche Lügen aufgedeckt werden. Wer lügt sich hier was zusammen und  mit welchem Interesse? Insbesondere das Bundeskriminalamt und konservative Politiker in fast allen Parteien in Europa sind der Ansicht, dass man das Anschauen von sexuellem Missbrauch an Kindern im Netz durch Sperren und Zensurmaßnahmen sowie Aufzeichnungen von Internet-Nutzung  in den Griff bekommen kann. Dass man es verhindern kann.

Kritiker sind der Ansicht, dass es verhältnismäßig gar nicht so viele Bilder von Kinderpornografie im Netz gibt, und dass die vom BKA vorgeschlagenen Maßnahmen nicht dazu führen, dass weniger Leute derartige  Bilder anschauen können. Dass vielmehr das BKA und konservative Politiker in Wirklichkeit die rechtlichen und finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt bekommen wollen, um mehr Kontrollen jeglicher Art im Netz vornehmen zu können.

Ich habe die Argumente der Kritiker ein wenig überprüft und halte sie für zutreffend.  Sie geben die Realität korrekt wider. Wer ist also in der Lage, massenwirksam dieser Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen?  Immer der, der fragt.

Dazu ist zu sagen, dass ich echt nicht die Nerven und die psychische Konstitution habe, mir Kinderporno-Bilder anzuschauen. Ganz davon abgesehen, dass ich diese Recherche nicht machen darf. Aber letzteres wäre kein Hinderungsgrund. Dass jemand, der wegen Recherche im Kinderporno-Bereich zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, die Aufgabe übernehmen sollte, halte ich allerdings auch nicht auf Anhieb für eine ideale Lösung. Nicht aus Mangel an Sachkenntnis, sondern aus Vorsicht vor weiterer Verfolgung des Delikts.

So bin ich mit der Frage noch nicht weitergekommen.

(Zu dem Thema hatte ich einen schönen, langen  Text geschrieben. Der ist aber wegen Totalabsturz des Rechners weggekommen. Dieser Text ist jetzt ein notdürftig zusammengeflicktes Werk)

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ai

Nächste Woche erscheint, sofern wir Platz haben, ein Textchen von mir, das befasst sich mit amnesty international (ai).  Die Gruppe, die ich kontaktiert habe, ist nämlich der Ansicht, dass ai seit etwa einem Jahr etwas falsch macht bzw von seinen Grundsätzen abweicht, obwohl gerade die Einhaltung der Grundsätze die Organisation so erfolgreich gemacht hat.

Es ist ja nämlich so, dass ai-Deutschland sich zu Vorgängen in Deutschland äußert (Polizeigewalt in Berlin und Stuttgart) und das war bisher nicht usus, dass die zu Vorgängen im eigenen Land Stellung genommen haben.  Außerdem: ai hat Armut und Kindersterblichkeit zum Thema gemacht, und das ist  im konservativen Sinne nicht unbedingt ein Menschenrechtsthema. ai hat sich aber 50 Jahre lang  streng nur um die Einhaltung der bürgerlichen Rechte gekümmert, und davon weichen die jetzt bedauerlicherweise ab. Wobei das zu einer Schwächung der Schlagkräftigkeit der Organisation führen könnte.

Nicht zuletzt ist natürlich zu bedauern, dass ai jetzt immer Israel- und USA- feindlicher geworden ist.

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Reise nach Berlin

Die beste Ferienwoche von allen war jüngst die Woche in Berlin. Ich bin ganz allein nach Berlin gefahren, im Zug, was sehr bequem war, zumal ich von hier aus nur in Köln umsteigen musste. Erste Klasse fahren ist ganz gut, man hat viel Platz, aber die Leute!!!!! Doch leider weitgehend unsympathisch.

In Berlin angekommen ging es weiter zum Hotel, das hatte ich leider so zwischen Tür und Angel irgendwann mal gebucht, und es war kein Hotel, sondern – Überraschung – eine kleine Wohnung. Nachteil: Kein Frühstücksbuffett. Vorteil: Man kann morgens in Pantoffeln in die Küche schlurfen und gemütlich Kaffee machen, spaziert dann ins geräumige Bad, während nebenan das tv Nachrichten bringt usw.

Am ersten Tag in Berlin ging es gleich in die Pflugstraße, und ich konnte sehen: Die Piraten-Zentrale gibt es wirklich. Es sind zwei Büros und eine Küche. Die Toiletten sind getrennt nach „Mit Pinkelbecken“ und „Ohne Pinkelbecken“ oder so ähnlich stand es auf den Türen. Fand ich schon mal cool.
Weil Jörg Tauss getwittert hatte, er wäre abends in seiner Stammkneipe, ebenfalls Pflugstraße, verfügte ich mich später dahin. Von Tauss keine Spur. Ich so zum Wirt: „Ist der Jörg Tausss schon wieder weg?“ Der Wirt so: „Der Tauss ist heute beim SPD-Fest.“ Langes Schweigen. Dann: „Das SPD-Fest ist im Konrad-Adenauer-Haus, da ist der Tauss bestimmt heute.“ Ich so: „Das kann nicht sein.“ Wirt: „Na, in dem Haus, wie hieß denn der andere, nicht Adenauer, sondern . . .“ Ich so: „Willy Brandt?“. Der Wirt: „Ja genau, da ist heute Sommerfest.“
So plauderten wir, ich hab erst Tage später gemerkt, dass der Wirt im Osten aufgewachsen ist und sich mit unseren Promi-Politikern der 60er, 70er, 80er Jahre nicht auskennt. Verständlicherweise.
Aber ich dachte schon: „Allerhand, Stammkneipe mit so einem unpolitischen Wirt . . . .“
Später kam Jörg Tauss vorbei, wir unterhielten uns prima, und er fragte, ob ich zwei Tage später den Bundestag mit besichtigen gehen will. Ich sagte „ja“ und ab mit Taxi in die Wohnung.

Am nächsten Tag gab es ein „Pressefrühstück“ in der Piraten-Geschäftstelle, ich bin schließlich außer Pirat auch Journalistin und nahm also an der Frühstückstafel Platz. Stunden später konnte ich schon den TAZ-Bericht lesen. War mal sehr erhellend, weil ich wußte: Was gesagt worden war, war nicht ganz deckungsgleich mit dem, was später zu lesen war. Auffallend: Die Spiegel-Journalistin hatte nicht den Hauch einer Ahnung, was Liquid Feedback ist oder sein könnte und zu was es gut ist. Nicht den Hauch einer Ahnung. Dabei ist es ein Experiment, das so oder so für demokratische Entscheidungs-Prozesse einmal wichtig sein wird.

Bei dem Pressefrühstück habe ich auch Maha ganz kurz kennengelernt, wie überhaupt einige Leute, deren Stimmen ich bis dato nur von Podkasts kannte. Das war spannend. Nachmittags in die Galerie LaFayette, ein riesiger Glaskasten mit allem, was das Herz einer ubergangshymne erfreut. Klamotten, Kosmetik, Schuhe, Parfüm, Unterwäsche, Taschen . . . . alles zum Niederknien schön designed, ein Tempel.

Tags drauf um 18 Uhr ging die Führung durch den Bundestag los. Und das mit einem so kritischen Ex-Abgeordneten, der 15 Jahre dort ein- und ausgegangen ist. Alle Fragen wurden beantwortet. Auffallend: Ganz viel moderne Kunst befindet sich in dem Gebäude. Also nicht die klassische Moderne, die ja noch zu verstehen ist, sondern Gegenwartskunst, das Schwerste (und Beste) vom Schwersten. Das beeindruckt mich noch jetzt. So progressiv hätte ich mir die Deko nicht vorgestellt. Im Andachtsraum die Arbeiten von meinem Lieblingskünstler Günter Uecker. Kunst und Politik satt, ich war und bin davon extrem begeistert (habe in jungen Jahren Politik studiert und auch etwas Kunstgeschichte).
Mit bei der Besichtigung, an der ich unverhofft teilnehmen konnte: Freiburger Piraten, die alle sehr sympathisch rüberkamen. Im Bundestag stießen wir auf einem Flur auf eine Gruppe von Grünen. Wir schauen uns an, was die machen, und eine von denen sagt: „Uns kann man auch wählen.“
Jetzt kommt mir angesichts der Grünen sowieso gelegentlich der Kaffee hoch, aber da schoss es aus mir heraus: „Ich will lieber im Kosovo tot übern Zaun hängen als nochmal Grüne zu wählen.“ Du liebe Güte. Wie immer, wenig, zu wenig diplomatisch. „Wie bitte??“ fragte etwas streng die grüne Dame. ZUM GLÜCK sprach Jörg Tauss flott ein paar verbindliche Worte und das Thema Kosovo wurde nicht weiter vertieft. Ich fragte mich aber noch abends, warum das immer sein muss, dass ich so unfreundliche Bemerkungen mache. (Obwohl die Aussage von mir inhaltlich genau stimmt.)

Nach der zweistündigen Besichtigung, die mir wie eine halbe Stunde vorkam, gings zum ARD-Studio-Haus, wo wir im Freien Suppe aßen und ich Bierchen trinken konnte. Dann mit U-Bahn in die Wohnung.

Tags drauf sammelte sich alles um 13 Uhr auf dem Potsdamer Platz zur „Freiheit statt Angst“ – Demo. Ich kam etwas zu spät, die Wohnung hatte schon ein Gesicht bekommen und war gemütlich. 7500 sollen es gewesen sein. Ich meine, es waren 10 000 ganz sicher. Wie 7000 aussehen, das weiß ich, die passen genau in Aachen auf den Katschhof. Und was sich da in Marsch setzte, das war zweimal Katschhof. Na gut. Ich ging mit den Piraten und traf auch gleich zwei Aachener.
Das war eine tolle Demo, mit vielen Piratenfahnen, das hat echt Spaß gemacht. Mitten durch die Innenstadt gings, vorbei an Sehenswürdigkeiten wie dem Stelenfeld, das ich noch nie gesehen hatte. Viele Transparente gabs und Sprüche und Musik. Am Ende war ich müde, hatte die Aachener verloren und
spazierte nochmal zu dem Stelenfeld. Immerhin ist es von Peter Eisenman, der auch in Aachen eine Arbeit im öffentlichen Raum hat und den ich in dieser Angelegenheit mal via Redaktion fernmündlich in New York interviewt habe.

Es ist nicht zu leugnen, dass die Demo in den gängigen Medien wenig Aufmerksamkeit erregte. Es gibt aber im Netz viele tolle Fotos und Videos. Abend in der Wohnung verbracht.

Tags drauf gab es einen „Tag der offenen Tür“ im Bundestag und ein öffentliches Meeting mit Mitgliedern des Enquete-Kommission (neue Medien und Internet, oder so ähnlich) in einem Reichstags-Nebengebäude (Paul-Löbe-Haus). Dabei drei oder vier Piraten und Jörg Tauss, der die Frage stellte, wie das denn zu machen ist, dass im Justizministerium gerade das Urheberrecht neu geordnet wird, wobei die Enquete-Kommission komplett nicht einbezogen wird.
Man konnte aber kaum diskutieren, und mir ist immer noch nicht klar, wieso diese Kommission sich viermal getroffen hat und noch nicht das geringste Ergebnis vorweisen kann, außer dass man sich in Projektgruppen aufgeteilt hat, wo aber erst nach dem dritten Treffen die inhaltliche Arbeit beginnt (vielleicht), weil so viel Formalkram erledigt werden muss.

Einmal im Bundestag, hab ich mir nochmal sehr genau die Uecker-Kunst angeschaut.

Tags drauf gab es dann die fünfte Sitzung der Enquete-Kommission. Ich saß mit den Aachenern auf der Empore. Ich muss sagen: Die Räumlichkeiten sind sehr schön, man kann sich dort wohlfühlen, alles macht mit viel Glas den Eindruck von Transparenz. Der alte Reichstag ist ein Kasten, für den man sich nicht zu schämen braucht, ein prima Parlamentsgebäude mit spektakulärer Kuppel.

So eine Enquete-Sitzung mal mitzuerleben, das ist schon eine Reise nach Berlin wert. Die ganze Kommission bekommt bestimmt kein einziges Problem in den Griff, das mit dem Internet auf den Nägeln brennt. Aber mal zu sehen, wie dort gearbeitet wird, das muss man gesehen haben. 😉 Zum Glück konnte ich von meinem Sitzplatz den SPD-Abgeordneten Dörmann nicht sehen, den ich als charakterlich nicht gerade fair erlebt habe.

Nachmittags viele Gebäude angeschaut, Bahn-Rückfahrkarte gekauft, Rückfahrt, sehr ermüdend. Abends zuhause, 20.30 Uhr beim Piratenstammtisch dabei.

Ja, so war das ;-)))

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