Das war anders geplant: Noch keine einzige Radvorrangroute ist fertig

Den Aktiven für den Radentscheid Aachen geht es zu langsam. Die Freund*innen des entspannten Radelns in Aachen veranstalten eine Demonstration und schicken deshalb folgende Mitteilung:

Mehr als drei Jahre nach dem mit großer Mehrheit gefassten Beschluss des Stadtrates, den Radentscheid umzusetzen, ist im Stadtbild noch viel zu wenig sichtbar.

Wir wollen Sofortradwege. Denn die
➔ sind schnell und preiswert zu verwirklichen,
➔ erhöhen die Sicherheit für Menschen auf Fahrrädern unmittelbar,
➔ motivieren zum Radfahren,
➔ bringen mehr Verkehr auf’s Fahrrad.

Sofortradwege können an vielen Stellen der Stadt Aachen ziemlich problemlos umgesetzt werden. Oft reichen Markierungen, Flexi-Poller und Schilder. Über Details kann man später diskutieren, wenn die Stadtverwaltung Planungskapazitäten frei hat. Bis dahin radeln wir schon mal sicher!

Auf Social Media erbrachte unsere Umfrage folgende Prioritäten:

  1. Theaterstraße,
  2. Jülicher Straße,
  3. Roermonder Straße,
  4. Turm- und Junkerstraße.

Offenbar wünschen sich viele auf der Theaterstraße auf beiden Seiten separate Fahrradstreifen; denn sie ist eine wichtige Achse für zügigen Fahrradverkehr in und durch die Innenstadt. Der Autoverkehr ist hier ohnehin so mäßig, dass es auch in Baustellenzeiten zu wenig Staus kommt.

Mit unserer Aktion möchten wir am kommenden Freitag, 27. Januar, demonstrieren, wie einfach es sein kann, Radfahrende zu schützen. Start ist ab Ecke Bahnhofstraße. Daher reservieren wir von 16:30 bis 19 Uhr stadtauswärts von der Bahnhofstraße bis zur Kreuzung Normaluhr den rechten Fahrstreifen für Radfahrende. Dann fahren wir mehrere Runden auf der Verbindung Theaterstraße, Vereinsstraße, Horngasse, Bahnhofstraße, Theaterstraße. Die Demonstration wird von der Polizei begleitet.

Sofortradwege sollen die Umsetzung des Radentscheids beschleunigen. Sie stellen
vorweggenommene dauerhafte Lösungen dar. Insbesondere ermöglichen sie die schnelle
Umsetzung der Ziele 1 und 3 des Radentscheids, die im November 2019 vom Stadtrat
beschlossen wurden:

  • Ziel 1: Durchgängiges, engmaschiges Radwegenetz erstellen!
  • Ziel 3: Sichere Radwege an Hauptstraßen!

Noch keine einzige Radvorrangroute ist fertig. Es gibt nur Teilstücke. Auch ein Ende der
Planungen ist nicht in Sicht, geschweige denn der Bau. Konkrete Planungen und realisierte Teilabschnitte gibt es an den Radvorrangrouten nach Brand, Eilendorf und zum Campus Melaten. Auf der Altstraße oder einem Teil der Lothringerstraße ist zu erleben, wie radfreundlich die Routen werden. Für die Radvorrangrouten nach Haaren und Verlautenheide beginnen jetzt die Planungen. Es bleiben noch fünf weitere Routen zu planen und umzusetzen.

An den Hauptstraßen gibt es bisher nur wenige Abschnitte, die fahrradgerecht umgestaltet wurden: z.B. Ludwigsallee mit Saarstraße sowie Pontwall. In der Planung sind außerdem z.B. Lütticher Straße, Hohenstaufenallee, Monheimsallee, Breslauer Straße und die Vaalser Straße an der Grenze. Ansonsten: noch große „Lücken“!

Die Aktiven beim Radentscheid loben die Planungen der Stadt Aachen und die gute Zusammenarbeit. Sie wissen, dass die Kolleg*innen in der Verwaltung engagiert arbeiten, und eine gute Bürgerbeteiligung sowie politische Entscheidungen ihre Zeit brauchen. Es zeigt sich aber, dass eine zusätzliche Strategie für eine schnellere Umsetzung des Radentscheids nötig ist.

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Alles neu: ein Bürgerrat, ein Cube-Store und eine Kita-Plattform

In Aachen kommt die Verkehrswende nicht voran. Woran liegt das? Am Stadtrat? Dort und in den Ausschüssen gibt es einfach zu wenig Klimaschützer – in der Lokalpolitik und in den Medien. Und es gibt zu wenig Diversität, zu wenig unterschiedliche Menschen in den politischen Gremien, zum Beispiel keine bekannten Künstler*innen/Musiker*innen aus der hiesigen Szene. Da ist übrigens auch niemand mit Akzent und schon gar keine Person mit einer anderen Hautfarbe. 

Bei jeder Fahrt mit der ASEAG sieht man ein etwas anderes Aachen, als wenn der Stadtrat tagt. Das mag eine Arbeitsgruppe bewogen haben, einen Bürgerrat zu gründen, bzw. korrekt: einen Bürger*innenrat

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Der Bürgerrat ist ein Gremium aus 56 zufällig ausgewählten Personen, die sich mit dem befassen werden, was die Menschen in Aachen „wirklich“ bewegt. Das geht so: Jede/r ab 16 Jahren kann eine Frage stellen oder ein Thema vorschlagen. Das Thema/die Frage könnt ihr hier mailen buerger_innenrat@mail.aachen.de und müsst dann warten, ob das Thema 125 Unterstützerinnen und Unterstützer findet. Auf dieser Seite könnt ihr (wenn technisch alles klappt) eure Unterstützung mitteilen: https://aachen.de/buerger_innenrat

Wie erwähnt: Das Thema, das mindestens 125 gleichfalls Interessierte findet, kommt in die engere Wahl. Aus dieser engeren Wahl werden die TOP-5-Themen ermittelt und aus den TOP 5 bestimmt wiederum das Bürgerforum das eine Thema, das der Bürgerrat ein Jahr lang beackern wird. Mit dem Ziel natürlich, dass sich in Aachen was zum Besseren wendet. 

Es sieht auf den ersten Blick kompliziert aus, ist in Wirklichkeit aber einfach. Mehr Infos gibt es hier: www.buergerrat-aachen.de


Wie werden die 56 Personen ausgewählt? 

Wenn ihr Mitte Juli (wie etwa 3000 andere Personen aus den ingesamt 14 Stadtvierteln) Post bekommt und gefragt werdet, ob ihr beim Bürgerrat mitmachen wollt, dann könnt ihr bei den 56 dabei sein. Die örtliche Presse hat die Angelegenheit ebenfalls erklärt: Hier klicken.

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Moderne Zeiten, die nächste: Die allermeisten Kinder nutzen mittags das Essensangebot ihres Kindergartens.  Das Bezahlen des Kita-Essens ist aber ein Riesen-Aufwand  für die Erzieherinnen. Es wird vereinfacht, wenn ab 1. April kitafino.de tatsächlich  funktioniert. 

Das Essen zu bestellen und zu bezahlen, das hat das ohnehin schon knappe Personal in den Kitas immer lange aufgehalten. Es soll bald über eine Plattform digital funktionieren, und zwar in allen 56 städtischen Kindergärten für etwa 3600 Jungen und Mädchen. Beruhigend: Es gibt schon Kitas, in denen das System funktioniert. 

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Fahrradfahren wird immer beliebter: Entsprechend können sich die Biker*innen in Aachen über mehrere neue Fahrradläden freuen. Am Gut Wolf Nr. 6 lohnt sich ein Besuch, dort gibt es einen neuen Laden (3000 Quadratmeter groß) mit rund 450 Fahrrädern. Es ist ein wunderbarer Cube-Store, der Betreiber ist ein Unternehmer aus Kalterherberg. In der Eifel hat er vor Jahren mit dem Fahrrad-Business begonnen. Jetzt also schräg gegenüber von Eurobike und in der Nähe von einem weiteren großen Fahrradladen an der Krefelder Straße. 

Da muss Aachen mit der Mobilitätswende nur noch in die Gänge kommen. Und eher nicht so viel auf die Teile der Geschäftswelt geben, die dem Privat-Pkw – komme was wolle – den Vorrang geben wollen.

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Das Bürgerforum lädt alle Bürger*innen morgen, Dienstag, 24. Januar, um 17 Uhr zu einem Ortstermin in den Wintergarten des Restaurants „Sieben Quellen Hof“ ein. Diskutiert wird das überaus umstrittene Thema „Einzäunung im Naturschutzgebiet Sieben Quellen in Seffent“.

Damit widmet sich das Bürgerforum vor Ort einem Thema, das seit Ende Dezember 2022 in Teilen der Bevölkerung Informations- und Klärungsbedarf hervorruft. Der Ortstermin soll den Bürger*innen ermöglichen, mit Politik, den zuständigen Behörden und anderen Beteiligten in den Dialog zu kommen.

Im Bürgerforum haben alle Bürger*innen die Möglichkeit, aktiv an dem Gespräch teilzunehmen. Jede Meinung ist im Bürgerforum wichtig.

Eine Straße in Aachen. Schwere Wagen parken da, wo sie nicht parken dürfen, stehen stundenlang auf dem Boden, unter dem sich die Wurzeln der Bäume befinden. Schöne, alte Bäume werden so kaputtgeparkt. Sehr ärgerlich.
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Kein Personal, aber Ende 2025 wird eine neue Kita eröffnet

Aachen hat zwar kein Personal für eine neue Kita. Aber das bedeutet nicht, dass man deshalb auf einen Kita-Neubau verzichtet. Gebaut wird trotz Personalnot. Und das ist auch gut so. Eine gegenwärtige Notlange sollte Kommunen nie daran hindern, einigermaßen positiv für die Zukunft zu planen.

In Eilendorf soll eine fünfgruppige Kindertagesstätte (Kita) errichtet werden. Der Planungsausschuss hat am gestrigen Donnerstag einstimmig den Baubeschluss gefasst. Zuvor hatte schon der Kinder- und Jugendausschuss eine entsprechende Empfehlung einstimmig ausgesprochen. 

So wird sie einmal aussehen: Die neue Kita in Breitbenden. Visualisierung: pbs architekten Planungsgesellschaft mbH

Das ist schon eine kleine Sensation: Mit der neuen Kita Breitbenden soll erstmalig eine Kindertagesstätte vollständig in massiver Holzbauweise entstehen. „Die Stadt vollzieht mit diesem Vorhaben einen Paradigmenwechsel hin zum Bauen mit Zukunft“,  sagen die Fachleute. Diese Kita ist nämlich die erste städtische, die als Nachhaltiger Bau zertifiziert wird.

Das bedeutet: Erstmals werde eine CO²- bzw. Öko-Bilanz und eine Lebenszykluskosten-Berechnung durchgeführt. Das Gebäude werde annähernd klimaneutral erstellt und betrieben. Zudem werde ein Material-Kataster erstellt, das als Grundlage einer Aktivierung von Materialwerten dient. Der Holzbau wird unter anderem mit begrünten Schrägdächern, mit der Installation von Photovoltaikanlagen und einer Minimierung von versiegelten Flächen auf dem Grundstück punkten.

Der Entwurf stammt vom Aachener Büro „pbs architekten“. Das Gebäude wird drei U3- und zwei Ü3-Gruppen umfassen und insgesamt Platz für rund 80 Kinder bieten. Die Stadt kalkuliert laut aktuellem Planungsstand mit Kosten in Höhe von knapp 11,4 Millionen Euro. Schon Ende 2025 soll alles fertig sein. Das ist sportlich und wohl nur möglich, weil vieles parallel erarbeitet wird.

Mehr Infos: im Ratsinformationssystem der Stadt Aachen, bitte auf Anlagen klicken: http://ratsinfo.aachen.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=26389.

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Etwas Musik: Auf „auf YouTube ansehen“ klicken

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Es gibt wieder Jazz in der Nadelfabrik

Die Reihe „Jazz in der Nadelfabrik“ geht in ihre nächste Runde und bietet mit „Christine Corvisier 5tet – Chansons de Cologne“ wieder eine hochkarätige Besetzung. Das Konzert beginnt am Sonntag, 22. Januar, um 18 Uhr in der Nadelfabrik.

Die alte Nadelfabrik im Aachener Ostviertel, innen und außen schön.. Foto: AachenNews Archiv

Christine Corvisier 5tet hat aktuell ihr neues Album „Chansons de Cologne“ aufgenommen, in dem die Saxophonistin die Mischung der Kulturen, die sie repräsentiert, zum Ausdruck bringt: Frankreich, Deutschland und der amerikanische Jazz aus USA.

Sie beschloss, die Lieder ihrer Kindheit in einem Jazzregister neu zu erfinden, mit einer modernen, für Köln repräsentativen Ästhetik. Die vier Musiker ihrer Band kommen alle aus der Kölner Jazzszene. Die Ästhetik und das Konzept des „Christine Corvisier Quintetts“ basieren auf einem natürlichen akustischen Klang mit viel Raum für Improvisation und der Betonung der solistischen Qualitäten aller Bandmitglieder.

Bei jedem Solo wird die Kreativität durch die Interaktion zwischen den Musikern aufrechterhalten, was sie bei Konzerten oft in unerwartete Richtungen oder Atmosphären führt.

Einlass: 17.15 Uhr; Zutritt über den Haupteingang am Reichsweg 30. Eintritt: 12,00 € / 6,00 € ermäßigt. Tickets: https://ticketree.de/event/jazz-in-der-nadelfabrik-christine-corvisier-quintett-chansons-de-cologne/ Leider keine Abendkasse.

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In den Kitas: Land in Sicht. Politik beschließt das Aachener Modell

Wie groß der Mangel an Personal in den Aachener Kitas ist, das wurde den zuständigen Politiker*innen jetzt zu Beginn einer Sitzung vor Augen geführt. Es wurde lebensnah geschildert, welche Katastrophen Eltern und Kinder erleben, die immer wieder vor verschlossenen Kita-Türen stehen. Für Berufstätige ist es das Ende der Karriere bzw. Ende der Berufstätigkeit. Frauen hängen ihren Job an den Nagel, weil sie sich nicht darauf verlassen können, dass ihr Kind versorgt ist. Berufstätige Alleinerziehende verzweifeln. 

So wie bisher geht es in den Aachener Kitas nicht weiter. Foto: Mataréstraße, AachenNews Archiv


Die Politik in Aachen musste handeln. Ein Arbeitskreis hat sich das – etwas hochtrabend – „Aachener Modell“ genannte Projekt ausgedacht. Das sieht so aus: Pädagogisch ungelerntes Personal soll eingestellt werden. Eine Frisörin, eine Verkäuferin, jemand dem sein Bürojob nicht mehr gefällt und viele andere sollen eingestellt werden. Die Ungelernten werden eine Woche lang angelernt und sollen dann im laufenden Betrieb von der jeweiligen Erzieherin in den Kitas Zug und Zug erklärt bekommen, wie mit Kindern umzugehen ist.

Das muss von der Landesregierung genehmigt werden. Falls dieses „Modell“ aber nicht genehmigt wird, könnte man es trotzdem realisieren. So groß ist die Not, dass sogar das überlegt wurde! In Aachen ein einmaliger Vorgang, wo man eigentlich immer nur das tut, was ausdrücklich erlaubt ist. 

Im eiskalten Ersatz-Tagungsraum und ohne Mikro war allen Anwesenden (Verwaltung, Politik, Träger-Vertreter, Gewerkschaft, Elternvertreter, andere Sachverständige) klar: Alles ist besser als nichts zu tun. Die Lage ist dramatisch. Eltern und Erzieherinnen beschweren sich seit Monaten – nichts ändert sich. 

Bedenken wurden angesprochen, auf die die Vorsitzende Hilde Scheidt (Grüne) leicht angepisst (warum eigentlich?) reagierte: 

1. Es ist immer viel Arbeit, Praktikanten oder Helfer zur Anleitung aufzunehmen. Wenn man gerade viel zu tun hat, dann sagt man doch: Nein, für einen Praktikanten habe ich jetzt gerade nicht die Zeit. So wurde die Befürchtung geäußert, dass die Erzieherinnen durch das pädagogisch ungelernte Personal noch mehr belastet werden als sie es sowieso schon sind. Dass man also das Gegenteil von dem erreichen könnte, was man eigentlich will. 

2. Das Modell wurde „Notfallplan“ genannt. Aber: Nichts besteht so lange wie ein Provisorium. Man muss darauf achten, dass das Model eine befristete Sache ist und nicht dauerhaft existiert. Manch einer befürchtet, dass wir in 5 Jahren immer noch viel pädagogisch ungelerntes Personal in den Kitas haben.

3. Zur Fachlichkeit. In den Kitas soll die Arbeit zwischen Erzieherinnen und ungelernten Personal quasi aufgeteilt werden. Die Ungelernten sind für Arbeiten wie ankleiden, händewaschen, beim Essen helfen usw. zuständig und die Erzieherinnen schauen dann Bilderbücher mit den Kleinen und machen Bildung. Diese Trennung ist in der Realität schwer möglich. In den Kitas ist alles Bildung. Kinder lernen, wenn Essen verteilt wird, sie lernen, wie ein Reißverschluss funktioniert, wie man sie für draußen ankleidet usw. Alles ist lernen und sollte von qualifiziertem Personal „unterrichtet“ werden. 

Denn: „Was pädagogische Fachkräfte können, können nur pädagogische Fachkräfte.“ (ver.di)

4. Es gibt weitere Unklarheiten, z. B. was die Bezahlung der Ungelernten betrifft und warum die Tagesmütter bzw. Kindertagespflegepersonen nicht einbezogen wurden bei der Suche nach Lösungen für das Personaldefizit. Besonders was diese letztgenannte Personengruppe betrifft, die mit viel Erfahrung in der Betreuung von Kleinkindern aufwarten kann, wurde eine wichtige Ressource ungenutzt gelassen. 

Das Aachener Modell wurde einstimmig beschlossen, nachdem der Vertreter der CDU betont hatte, dass alle „Bauchmerzen“, die man bei dem Beschluss hat, unbedingt geäußert werden müssen, damit das Projekt ein Erfolg wird.

Jetzt wird versucht, die Erlaubnis von der Landesregierung zu bekommen.

Offenlage: Ich bin selbst für die Fraktion Die Zukunft sachkundige Bürgerin in dem Gremium, um das es hier geht.


s. dazu auch den Bericht auf der Online-Seite der örtlichen Tageszeitung. 

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Schon wieder: Vandalismus auf dem Ostfriedhof

Irgendjemand ist hier anscheinend sehr wütend gewesen. Warum? Auf dem Ostfriedhof von Aachen befinden sich die Gräber von Franz Oppenhoff (Oberbürgermeister), Felix Kreusch (Dombaumeister), aber auch das Grab vom Nazi-Oberbürgermeister Quirin Jansen. Beide Fotos: Stadt Aachen

Der ganze Ostfriedhof steht seit 1988 unter Denkmalschutz. Er ist in letzter Zeit seltsamerweise Zielobjekt von Vandalismus und Zerstörungswut. Was macht einen an einem Friedhof wütend? Missfällt der Blumenschmuck? Die Beleuchtung oder die altmodische Einfassung der Gräber? Die Mitarbeiter*innen des Aachener Stadtbetriebs stehen vor einem Rätsel.

„Erneut ist ein historisches Grabdenkmal auf dem Ostfriedhof zerstört worden“, so wurde jetzt mitgeteilt. Der Stadtbetrieb habe das verwüstete Grab am Montagnachmittag bei einem Kontrollgang entdeckt. „Es macht uns fassungslos, mit welcher brachialen Gewalt diese Schandtaten verübt werden“, sagt Wolfgang Berg, Bereichsleiter Friedhofwesen und Krematorium des Stadtbetriebs. 

Mehr als 100 Jahre war das historische Denkmal, das jetzt so herb beschädigt wurde, alt. Der Grabstein war mit einem Aufsatz und einem Hochkreuz versehen und insgesamt rund vier Meter hoch. Das Kreuz muss mit entsprechendem Kraftaufwand umgestoßen worden sein, sodass es auf die Gruftplatte fiel, die, wie auch der Grabstein, in viele Teile zersprang. Haben vielleicht Heranwachsende ihre Kräfte gemessen? Wäre da nicht ein Fitness-Center der passendere Ort?

Schon vor einigen Tagen hatte die Polizei mitgeteilt: Insgesamt wurden nach derzeitigem Kenntnisstand im Zeitraum vom 23. Dezember 2022 bis 9. Januar 2023 genau 17 Gräber „offensichtlich unter Einsatz massiver Gewalt“ beschädigt sowie mehrere Grabtafeln zerschlagen.

In den letzten drei Jahren waren über Fördermittel des Landes NRW und Eigenaufwendungen der Friedhofsverwaltung knapp 80.000 Euro in die Restaurierung auf dem Ostfriedhof geflossen. Zeugen, die sachdienliche Hinweise auf die Täter*innen geben können, werden gebeten, sich bei der Polizei unter der Rufnummer 0241/ 9577-33201 oder unter 0241/ 9577-34210 zu melden.

Es kommentiert unser Mitarbeiter Johann Gottfried Seume mal ganz generell: „Privilegien aller Art sind das Grab von Freiheit und Gerechtigkeit.“
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Lieber heute an der Demo teilnehmen als den Grünen die Scheiben einzuschlagen

Nachts schlugen Unbekannte Löcher in die Glasscheibe der Geschäftsstelle der Grünen. Es wollte anscheinend jemand seiner Wut über die Räumung des Dorfes Lützerath Ausdruck verleihen. Ein emotionaler Ausbruch, den man sich verbieten sollte. Die Kosten übernimmt aber bestimmt eine Versicherung.

„Grüße aus Lützi“ stand – in blauer Schrift – quer über den Scheiben, als jüngst nachts eine grüne Landtagsabgeordnete und die Polizei zur grünen Geschäftsstelle in die Franzstraße gerufen wurden. Es hatte mindestens vier schwere Hammerschläge gegen die Scheiben gegeben, die Anwohner müssen etwas gehört haben. Die Scheibe hat jetzt Löcher.

Die Grünen sind entsprechend not amused. Sie haben im Landtag zusammen mit der CDU für das völlig überflüssige Abbaggern des Dorfes Lützerath gestimmt. Unter dem Dorf befindet sich jede Menge Braunkohle, pures Gift für das Klima (wenn die Kohle in Strom umgewandelt wird). Bei der CDU in Aachen in der Martinstraße gab es ebenfalls Schmierereien. „Lützi lebt“, steht dort – in blauer Schrift – auf der Wand.

Ein Tipp: Statt eine Glasfront zu beschädigen kann man auch am heutigen Samstag, 14. Januar, ab 12 Uhr mittags an einer Demonstration teilnehmen. Es wird allerdings ziemlich kalt sein, windig, und mit Regen muss auch noch gerechnet werden. Man hat schon unter besseren Umständen demonstriert.

Die Demonstration wird veranstaltet von „Alle Dörfer Bleiben“, dem BUND, Greenpeace und weiteren NGOs sowie diversen Aktivist*innen. Die Bundesvorsitzende der Piratenpartei, Anne Herpertz, wird gemeinsam mit weiteren Pirat*innen um 12 Uhr an der Demonstration teilnehmen. Treffpunkt ist vor der Bäckerei Laumanns (An St. Kreuz 7) in Erkelenz-Keyenberg (4 km von Lützerath entfernt). Dort startet auch die Demo.

Hier wurde mehrmals kräftig zugeschlagen. Es kommentiert unser Mitarbeiter Friedrich Schiller: Wo rohe Kräfte sinnlos . . . usw.


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Froh über viele Kinder, traurig über fehlende Kitas und kein Personal

Tja, das haben die Wissenschaftler*innen mal wieder nicht kommen sehen: Deutschland wächst, man muss derzeit bereits von 84 Millionen Menschen ausgehen. Dabei hieß es vor ein paar Jahren noch, die Bevölkerungszahl gehe langsam zurück, es werde speziell immer weniger Kinder geben. Man machte sich Sorgen und Zeitschriften formulierten 2015 solche Fragen: Sind die Deutschen in 400 Jahren ausgestorben? und Sterben die Deutschen wirklich aus?

Alles Quatsch, wie jetzt herauskommt. Auch Aachen wächst, derzeit freut man sich über steigende Kinderzahlen. Und diese Kleinen stehen mit ihren Eltern vor den Kitas und wollen/sollen rein. Aachen müsste jetzt den ein oder anderen Kindergarten bauen, doch die aus allen Fugen geratene Baubranche lädt dazu überhaupt nicht ein. Die Preise sind praktisch nicht mehr kalkulierbar.

Wenn aber eine Kita mal eröffnet wird, ist es immer sehr die Frage, ob der Betrieb auch umfassend stattfinden kann. Es fehlt an Personal. In 56 städtischen Kitas sind derzeit 60 Vollzeitstellen nicht besetzt. In den Kitas der anderen Träger (Kirche, AWO) sieht es nicht besser aus.

Das wurde hier alles mehrfach berichtet. Für die, die am Thema besonders interessiert sind, s. unten zwei Weiterleitungen zu interessanten Zusatzinfos.

Am Europaplatz gesehen. (Mehr davon hier)
  • Umfassende Berichterstattung in der örtlichen Presse. Dort gibt es allerdings oft eine Bezahlschranke. Verständlich, denn von irgendwas müssen die Blattmacher*innen auch leben.

Aachen möchte eigentlich allen Kindern (konkret: 97 Prozent) zwischen 3 und 6 Jahren einen Kita-Platz anbieten. In manchen Stadtvierteln klappt das auch beinah schon, in anderen aber nicht. Ein Beispiel: In Rothe Erde/Ostviertel gibt es nur für 74,4 Prozent der Kinder (über 3) einen Platz in einer Kita. Der Rest muss irgendwie anders betreut werden und hat entsprechend – weil ohne professionelle Förderung in einer Kita – von Anfang an schlechte Karten im Leben.

In den Grundschulen setzt sich die Benachteiligung fort: zu wenig Lehrer*innen, zu wenig Platz in Gebäuden aus den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts usw. Kein Wunder, dass diese Kids als junge Erwachsene bisweilen wütend sind und die Gesellschaft diese Wut auch spüren lassen.

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Neulich am Europaplatz gesehen

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Kindergärten in Not. Es fehlt massiv an Personal

Die Ferien sind zu Ende und schon fordert wieder die Personalnot in den Kitas unsere ganze Aufmerksamkeit. Zur Erinnerung: Es gibt zu wenig Erzieherinnen, zu wenig Kinderpflegerinnen, zu wenig Alltagshelferinnen in den Kitas. Etliche Einrichtungen können den Kleinen deshalb das volle Programm nicht mehr bieten.

Viele Erzieherinnen orientieren sich beruflich neu, andere werden pensioniert, wieder andere werden krank oder schwanger. Kräfte aus Spanien konnten nicht gehalten werden, wollten nicht in Deutschland bleiben. Berufsrückkehrer zeigten bisher wenig Neigung, die Arbeit in einer Kita wieder aufzunehmen. Lehrer*innen, Logopäd*innen usw. wollen sich dem Stress mit den Kids erst recht nicht aussetzen. Hinzu kommt, dass bei uns ausländische Abschlüsse in dem Bereich oft nicht anerkannt werden.

Es leiden die Erzieherinnen/das Personal, die (berufstätigen) Eltern, die sich nicht mehr darauf verlassen können, dass ihr Nachwuchs betreut wird und natürlich die Kinder, die ein Recht auf eine qualitätsolle Betreuung haben.

Ob städtische Kita oder kirchliche oder die eines anderen Trägers (AWO): Überall ist das Personal unvorstellbar knapp, das verbliebene Personal macht darauf aufmerksam. Hier: Kita Mataréstraße

Das sieht alles nicht gut aus. Und wenn ihr, liebe Leserinnen und Leser ein paar Stunden die Woche Zeit habt, geht doch mal in den nächstgelegenen Kindergarten und bietet eure Mitwirkung an. Als Vorleser*innen zum Beispiel oder Helfer*innen beim Lernen (Zähneputzen und Händewaschen).

Die Stadtverwaltung, die diesen schlimmen Zustand nicht verschuldet hat, reißt sich derzeit ein Bein nach dem anderen aus um an Personal zu kommen. Jetzt hat man sich entschlossen, pädagogisch-ungelerntes Personal einzustellen, und zwar sowohl solche Personen, die in den Beruf reinkommen wollen als auch solche, die keine Karriereambitionen (mehr) haben. Ob das die Lösung ist . . .?

Das Verfahren muss von der Kommunalpolitik und von der Bezirksverwaltung in Köln erlaubt werden. Am Dienstag, 17. Januar, findet deshalb in Aachen eine Sondersitzung des zuständigen Ausschuss statt.

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Falls ihr als ausgebildete Erzieherin vielleicht doch einen Wiedereinstieg in den Beruf versuchen möchtet: Im März soll im Rahmen des Konzepts „Zurück in den Beruf“ ein dreimonatiges Praktikum starten, das Wiedereinsteiger*innen anwerben und ihnen wieder Lust auf den Beruf machen soll.

Bei Interesse ist die Stellenanzeige unter https://karriere.aachen.de/stellenangebot/11-230-2022-001679/ einsehbar. Bewerbungen können an kinderbetreuung@mail.aachen.de geschickt werden.

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