Aachen: Die Verkehrswende lässt auf sich warten

Soll Fahrradstraße werden: die Lothringerstraße. Dafür müssten viele Parkplätze wegfallen. Mit der derzeitigen Mehrheit im Rathaus ist das, so denke ich, nicht zu machen, obwohl hier und da Beschlüsse gefasst werden, die bei naiven Menschen Hoffnung aufkommen lassen. Foto: Archiv

Vorige Woche habe ich mir drei Stunden lang angehört, was Aachens Mobilitäts-Politiker zur Mobilität in Aachen zu sagen und zu entscheiden haben. Es war phasenweise echt lustig. :-/

Die CDU ist in dem Ausschuss (wie überall in der Aachener Politik) recht stark vertreten, bildet zusammen mit vier Leuten von der SPD die GroKo (große Koalition) und hat die Mehrheit. Grüne, Linke, FDP und Piraten bilden die Opposition. Von allen ist da – ganz ehrlich – Pirat Matthias Achilles die souveränste Figur. Auch Jörg Lindemann (CDU) argumentiert vernünftig. Falls ihr das nicht glaubt, geht doch selbst hin und schaut euch die Sitzung an. Sie ist öffentlich.

Was man sonst sehen kann: eine Person, die einschläft; eine Person, die ständig und immer dazwischenredet; eine, die sich erbsenzählerisch an Kleinigkeiten hochzieht; eine Person, die außer Aachen gar nichts kennt, usw usw. ES IST ZUM HEULEN, bzw. zum Lachen. 

Das waren einige Themen: 

Dass die Luft in Aachen endlich mal sauberer werden muss, hat sich die Politik zuletzt von keinem Geringeren als dem Oberverwaltungsgericht in Münster sagen lassen müssen. Von allein ist man da seit 9 Jahren nicht drauf gekommen. Jetzt endlich werden Maßnahmen eingeleitet. Luftreinhalteplan usw hier.

Durch die engsten Straßen der Stadt, an Dom und Rathaus vorbei, sollen bald die „Marktliner“ kurven. Kleine Busse, die de facto die Fußgängerzonen (Großkölnstraße, Annastraße und Markt) zurückverwandeln werden in Straßen, wo man immer aufpassen muss, dass man nicht angefahren wird oder unter die Fahrzeuge gerät. Eine Idee der FDP . . . Schade, aber die Mehrheit hat’s beschlossen, nur Grüne und Piraten sind dagegen. Dieser Spaß wird Millionen Euro kosten. Hier Infos zum Beschluss.

Ich vermute, dass man mit dem Projekt auch Professor Günther Schuh (RWTH) einen Gefallen tun will, aber das ist Spekulation. Schuh möchte ein autonom fahrendes Auto entwickeln und probefahren lassen. Der „Marktliner“ soll dafür infrage kommen, denken sich unbedarfte Kommunalpolitiker.

Sodann ging es um den Umbau des kleinen Platzes an der Lothringerstraße. Was dort stattfinden soll, das ist nichts weniger als die sogenannte Verkehrswende. Diese Straße soll nämlich Fahrradstraße und Premiumfußweg werden, und dass in der Lothringerstraße 50 Parkplätze wegfallen, das  glaube ich erst, wenn ich das Werk vollendet sehe. Die Autofahrerparteien CDU, SPD und FDP waren natürlich dagegen, dass dort am Rande des neugestalteten Platzes weitere 11 Parkplätze entfallen könnten und verlangten (zur Rettung der 11 Pkw-Plätze) von der Stadtverwaltung: Neuplanung. Hier die Vorlage zu dem Thema.

Nächster Punkt: Umgestaltung der Bismarckstraße zwischen Drimbornstraße und Schlossstraße. Die Umgestaltung der Bismarckstraße als Rad-Vorrang-Route soll die Zügigkeit, den Komfort sowie die objektive und subjektive Sicherheit für RadfahrerInnen erhöhen. Um diese Ziele zu erreichen, ist in Tempo-30-Zonen eine Priorisierung des Radverkehrs auf der Fahrbahn erforderlich. Entlang der Rad-Vorrang-Route wurden daher bereits die angrenzenden Straßen (Schlossstraße / Lothringerstraße und Beverstraße) als Fahrradstraßen beschlossen.
Auch hier gilt für die FußgängerInen- und RadfahrerInnen-freundlichen Pläne (drei Varianten) der Stadtverwaltung: Erst mal alles untersuchen. Dass die Bismarckstraße – was sinnvoll wäre – mit den Stimmen der GroKo JEMALS wirklich fahrradfreundlich wird, das genau glaube ich persönlich NICHT. Dazu bedarf es anderer Mehrheiten im Rathaus. Hier die Vorlage.

Mobilitätsausschuss, 31. Oktober, die komplette Tagesordnung hier. Auch die örtliche Presse (in der Politik oft der Position der Grünen zugeneigt) berichtete. Hier.

Übrigens: Die nächste Sitzung findet statt am Donnerstag, 21. November. Beginn ist um 17 Uhr. Ort wird in AachenNews.org noch bekanntgegeben. Man sieht sich.  )))

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Nicht schlecht: „Entkräfter Pro Max“ gegen rechte Parolen

Das Moderatoren-Duo Joko & Klaas setzt ein Zeichen gegen RECHTS und die absurden Behauptungen voll verpeilter Rechtspopulisten, die übrigens nicht nur in Parteien wie NPD und AfD unterwegs sind.

Die beiden nutzten ihre 15 Minuten freie Sendezeit (auf ihrem Heimatsender ProSieben) für eine Aktion, die gefallen hat. Sie stellten ein Gerät vor, das rechtspopulistische Aussagen entkräften soll. Passend dazu heißt es „Entkräfter Pro Max“.

Per Knopfdruck soll eine Stimme Aussagen wie „Ausländer sind kriminell“ und „Seenotrettung fördert Schlepperei“  kontern. Das 10-Euro-Gadget heißt entsprechend Entkräfter Pro Max, sieht aus wie ein Yps-Gimmick und liefert – wie erwähnt – auf Knopfdruck gut recherchierte Argumente gegen populistische Parolen.

https://www.entkraefter.de

Wird alles hier etwas ausführlicher erklärt: Joko & Klaas gewinnen in diversen Spielen freie TV-Zeit, die sie in ihrem Sender gänzlich frei gestalten dürfen. Da macht ProSieben ihnen keine Vorschriften, und der Sender distanziert sich auch immer vorsichtshalber vorab von den beiden Moderatoren. Bei der Anti-Rechts-Aktion distanziert sich ProSieben allerdings nicht, unterstützt Joko & Klaas sogar:


presseportal.de

https://www.entkraefter.de

Leute von heute gegen die Parolen von gestern, äh . . . vorgestern.

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High-Tech-Asphalt, Kandidaten-Aufstellung und eine Aktion von Baumschützern

Wunder-Asphalt wurde hier aufgetragen. Ob sich eine entsprechende Wirkung einstellt, wird jetzt gemessen.

Noch lange nicht fertig, aber jetzt schon mal einseitig mit High-Tech-Asphalt bedeckt: der Adalbertsteinweg, der eine vierspurige Hauptverkehrsstraße in Aachens Osten ist. Angeblich ist Aachen die erste Stadt in NRW, die diesen Belag testet. Der soll die Stickoxid-Konzentration senken, und zwar dauerhaft. Und er soll einen lärmmindernden Effekt haben.

Hellgraue Krümel sind es, von denen die Wunderwirkung ausgehen soll. Entwickelt wurde alles von der Firma Strabag zusammen mit Hochschul-Leuten und finanziell gefördert von einem Bundesministerium. Jetzt wird erst mal gemessen (Lärm, Luftqualität), und sollte sich Erfolg einstellen, werden bestimmt noch weitere Aachener Straßen mit dem Belag bedeckt.

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Der Aachener Weihnachtsmarkt öffnet in diesem Jahr vom 22. November bis zum 23. Dezember seine Pforten rund um Dom und Rathaus. Wegen der entsprechenden Auf- und Abbauarbeiten werden der Biomarkt auf dem Münsterplatz ab dem 9. November und der Wochenmarkt vor dem Rathaus ab dem 12. November auf dem Platz vor dem Elisenbrunnen stattfinden. Über die Verschiebungen der Wochenmärkte (freuen sich die Händler) informiert die Stadt Aachen auch per Newsletter, den man auf www.aachen.de abonnieren kann (Suchbegriff: „Wochenmärkte“).

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Es dauet noch fast ein Jahr, aber schon jetzt überlegen die Parteien, wen sie im September 2020 als Oberbürgermeister-Kandidat ins Rennen schicken können. Die SPD scheint sich auf Mathias Dopatka, einen sympathischen Gewerkschaftsmann (Verdi), geeinigt zu haben. Die Grünen, so hört und liest man, wünschen sich (in Teilen) einen Parteilosen, der sich durch seine Arbeit an der RWTH qualifiziert hat, als Kandidaten. Die CDU bekommt sich derzeit gar nicht gekramt, kann sich jedenfalls noch nicht zur Nennung einer Kandidatin/eines Kandidaten durchringen, und die anderen Parteien (einschließlich Piraten) kommen wahrscheinlich auch erst Anfang 2020 mit ihren Favoriten raus.

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Die Lothringerstraße soll dermaleinst zu einer Radvorrangroute gehören, deshalb sollten diese Woche schon vier oder fünf Bäume gefällt werden. Aachener Baumschützer hatten was dagegen, stellten sich vor die Bäume, die Fällarbeiten fielen aus, die Einrichtung einer Radvorrangroute verzögert sich. Es wird zum Fällen nach einem neuen Termin gesucht.

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Der Platz zwischen Alfonsstraße und Friedrichstraße. Nach einem eventuellen Umbau gehen hier mehr als 20 Parkplätze verloren. Foto: Archiv

Nochmal Lothringerstraße, bzw. der Platz an der Lothringerstraße, zwischen Alfons- und Friedrichstraße. Der soll zu einem viel schöneren Fleckchen Aachen umgebaut werden. Allein, es müssen über 20 Parkplätze dran glauben. Und daran, so meine Prognose, scheitert dann auch der ganze Umbau. Klima schützen? Mehr Grün ins Viertel? Aufenthaltsqualität verbessern? . . . spielt alles keine Rolle, wenn es um Platz für Autos geht. Entschieden ist aber noch nichts. Das Thema wird am Donnerstag, 31. Oktober, um 17 Uhr im Mobilitätsausschuss (Sitzungssaal 170, Verwaltungsgebäudes Marschiertor, Lagerhausstraße) behandelt. Die Sitzung ist öffentlich.

Hier vier Bücher, die ich mit großem Vergnügen und ebenso großem Erkenntnisgewinn gelesen habe. Meine Bücher des Jahres 2019, besonders das von Edward Snowden, wie ich ja auch schon getwittert habe.

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Der Hass einiger weniger Männer, die hauptsächlich via Facebook auf sich aufmerksam machen, ist erschütternd. Die grausame und häßliche Grundstimmung dieser Menschen war auch schon vor Facebook vorhanden, hat nun aber Möglichkeiten bekommen, öffentlich zu werden und verbreitet zu werden. Sie hassen ein 16-jähriges Mädchen, das sich für Umweltschutz einsetzt, sie hassen überhaupt Frauen, die sich hervortun, allen voran Angela Merkel oder Renate Künast. Sie hassen jedwedes abweichende Verhalten. Deshalb: Wenn Sie/du in unguten Gefühlen gefangen bist, lies hier nicht mehr mit, schreib mir auch keine Mails mehr. Danke.

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„Was die Digitalpolitik angeht, sind wir halt nicht smart und strong.“

62 Minuten lang sagt hier Influencer Rezo wieder Erhellendes über Medien, über YouTube, und entscheidende Unterschiede zwischen den Generationen werden wieder offensichtlich. Rezo kritisiert in diesem Zapp-Interview den Begriff YouTuber als „dummen Ausdruck“, weil sich das Wort nur auf das Medium beziehe. Journalisten würden ja auch nicht Fernsehler oder Printler genannt. Der Blauhaarige aus Aachen befürwortet den Plan, eine europäische Alternative zu YouTube aufzubauen. Hätte man sich auch denken können.

ZAPP-Moderatorin Kathrin Drehkopf befragte Rezo in ihrer ersten Sendung am 23. Oktober u. a. nach seiner Wortwahl. Auch die spezielle Sprache der Politik ist Thema.

Gudrun Kipfel aus der „ZAPP“-Redaktion hat übrigens in diesem Video einen Auftritt bei den „Space Frogs“. Sehr sehenswert.

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Rezo schreibt ab sofort Kolumnen für ZEIT ONLINE. Seit erster Text ist hier. „Horst Seehofer ist kein drolliges Kleinkind“

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Das schreibt die New York Times über Rezo aus Aachen: https://www.nytimes.com/2019/10/18/world/europe/germany-rezo-youtube.html

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Aachen könnte mehr aus sich machen

Stadtentwicklung in Aachen: Seit gefühlt 10 Jahren ein unendlich trauriges Kapitel. Hier Alfonsstraße, wo preiswerter Wohnraum vernichtet wurde und teure Eigentumswohnungen geplant sind. Foto: Archiv

Wer in Aachen lebt, fühlt sich an vielen Stellen und in vielerlei Hinsichten geradezu behindert und als Teilnehmer am modernen Leben ausgebremst. Seit etwa 10 Jahren erleben wir eine Art Stillstand in der Entwicklung der Stadt. Aachen könnte mehr aus sich machen. Dabei haben wir vor Ort eine leistungsfähige Hochschule, die uns den Weg aus dem Stillstand weisen könnte. Das tut sie auch. Ab Dienstag, 5. November, geht es los. Und zwar mit einer Vortragsreihe, einem Städtebaulichen Kolloquium um es genau zu sagen. Das hört sich akademisch an, ist aber für jeden offen und verständlich. Geh doch mal hin, Links zu Terminen stehen unten.

Das Wissen wird zunehmend wichtiger: als „neuer Rohstoff“ für das Leben in den Städten. Universitäten, Bildungs- und Forschungseinrichtungen werden zu Magneten für Talente, zugleich befördern sie Kreativität und Innovation. Vor diesem Hintergrund richtet sich der Blick unwillkürlich auf die räumliche Allianz von Universität und Stadt: Die Universität ist seit ihrer Entstehung im Mittelalter untrennbar mit der Stadt verbunden, obwohl die Städte als auch die Universitäten seither gravierende Veränderungen durchlaufen haben.

Die Auffassung von Universität und Hochschule als Elfenbeinturm hat sich seit dem zweiten Weltkrieg und der Phase der „Bildungsexpansion“ und der Hochschulneugründungen in den 1960er und 1970er Jahren grundlegend verändert. Heute haben die Synergieeffekte zwischen Stadt und Universität längst Einzug in die vielfältigen Strategien der Stadtentwicklung erhalten.

Hochschulen können die Attraktivität einer Stadt und einer Region nachweisbar erhöhen. Diese Erkenntnis nutzen viele Städte bei der Erstellung von Masterplänen, um den Beitrag der Hochschulen zur Stadtidentität zu stärken.

Die Universitäten und Hochschulen spielen auch in Städten und Regionen eine große Rolle als Wirtschaftsfaktor: als Arbeitgeber aufgrund der Kaufkraft der Studierenden und Hochschulangehörigen oder weil sie hochqualifizierte Arbeitskräfte bereitstellen.

Das Städtebauliche Kolloquium will den Fokus auf die Rolle der Universität als Motor für Stadtentwicklung richten und damit einhergehende Fragen nach der Wechselwirkung von Wissen und Stadt stellen: Welche Synergieeffekte zwischen Bildungs- und Forschungseinrichtung lassen sich identifizieren? Wie lassen sich die gestiegene Lebensbedürfnisse von Studierenden, Forschenden und Lehrenden räumlich beantworten?

Mit diesen Fragen will sich das Städtebauliche Kolloquium auseinander setzen und Strategien zu neuen Allianzen aus Wissen und Stadt befördern.

Die Termine: Vom Elfenbeinturm zur Wissenschaft https://www.staedtebau.rwth-aachen.de/go/id/dgotd

Konzepte für die Stadt von morgen: https://www.staedtebau.rwth-aachen.de/go/id/dgpda

Wissensbasierte Stadtentwicklung: https://www.staedtebau.rwth-aachen.de/go/id/dgpgdBitte empfehlen Sie AachenNews.org weiter

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Neues Buch: „Briefe im Krieg. Aachen, das Englebert-Werk und die Familie Schmauser 1943-1945″

Aus Anlass des 75. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkriegs und der NS-Herrschaft in Aachen legt das Stadtarchiv Aachen jetzt den dritten Band seiner Quelleneditionen vor. Die Pressestelle der Stadt schreibt über das Buch:

Im Mittelpunkt steht ein Briefwechsel des Aacheners Theo R. Schmauser (1906-1987) aus den Jahren 1943 bis 1945. Schmauser war damals Technischer Direktor der Reifenfabrik Englebert in Rothe Erde und gehörte der bürgerlichen Oberschicht an. Später war er in leitenden Positionen für den in Lüttich ansässigen Englebert-Konzern (später Uniroyal) tätig.

Der Briefwechsel dokumentiert, wie Schmauser die zunehmenden Luftangriffe auf Aachen, das Näherkommen der Front, die anhaltende NS-Propaganda und schließlich die Situation nach Kriegsende erlebte, verarbeitete und reflektierte. Ein Teil der Briefe beinhaltet Diskussionen mit seinem Bruder Herbert über das erwartete Kriegsende, Persiflagen auf die Durchhaltepropaganda des Regimes und Schilderungen des privaten und beruflichen Alltags in Aachen. Andere Briefe spiegeln die Situation der Trennung von seiner Frau Elisabeth Schmauser und den gemeinsamen Kindern, die in den heute belgischen Ort Ouren bei Sankt Vith ausquartiert worden waren, sowie die Suche nach vermissten Angehörigen.

Weitere Zeugnisse der individuellen Verarbeitung der Umbruchsituation sind Gedichte Theo Schmausers, von denen einige dem Band beigefügt sind.

Die Briefe sind in einen kritischen Kommentar von Dirk Schmauser, dem jüngsten Sohn Theo Schmausers, eingebettet. Sein Kommentar spiegelt die Auseinandersetzung der nach Kriegsende sozialisierten Generation mit der Verstrickung ihrer Eltern und damit stellvertretend dieser Elterngeneration in das NS-System und ihr Verhalten während des Krieges. Dirk Schmauser war es auch, der dem Stadtarchiv Aachen die Briefe und einen zugehörigen Fotobestand als Schenkung überlassen hat.

Eine wissenschaftliche Einleitung der Herausgeber René Rohrkamp und Thomas Müller ordnet die Briefe, Gedichte und Fotos in ihren historischen Kontext ein. Sie gibt einen Überblick über das Kriegsende in Aachen und die Geschichte des Englebert-Werks und reflektiert die Rolle von Briefen als – bislang wenig genutzte – Geschichtsquellen.

Zum Buch:

Thomas Müller, René Rohrkamp (Hg.): Briefe im Krieg. Aachen, das Englebert-Werk und die Familie Schmauser 1943-1945 (Aus den Quellen des Stadtarchivs Aachen, Band 3), Aachen 2019, ISBN: 978-3-00-063200-6, Preis: 20 €

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Geplant, gebaut, zerstört – Mies van der Rohe in Aachen, Krefeld und Essen

Im Bauhaus-Jubiläumsjahr jährt sich der Todestag von Ludwig Mies van der Rohe zum 50. Mal. Im LVR-Haus gibt es jetzt dazu eine Ausstellung.

Wenn ihr anlässlich des Bauhaus-Jubiläumsjahres und mit Interesse an Ludwig Mies van der Rohe nur eine einzige Ausstellung sehen wollt/könnt, dann begebt euch nach Köln in das Gebäude des Landschaftsverband Rheinland (LVR). Dort wurde neulich die Schau „Mies im Westen“ eröffnet. Sie ist sehenswert.

An dem Gebäude selbst könnt ihr gleich von außen den Einfluss des berühmten Aacheners auf die Architektur der Nachkriegsmoderne erkennen. Innen sind im Foyer dann quasi drei Ausstellungen zu einer zusammengeführt. Mies’ Wirken in Aachen, Essen und Krefeld kann man anschaulich in Wort und Bild nachvollziehen.

Ganz alte Fotos und Briefe konnten offenbar im Stadtarchiv in Aachen gefunden werden. Viele sind es nicht, aber die Mitarbeit von Mies an den Zeichnungen der prächtigen, verzierten Fassade des Warenhauses Tietz am Markt von Aachen (1965 abgerissen) ist verbürgt. Daran arbeitete 1904/1905 der junge Mies, als er bei dem Aachener Architekten Albert Schneiders in der Ausbildung war.

Das Warenhaus war nach dem Weltkrieg gerade abgerissen, als Aachens Oberbürgermeister Hermann Heusch zu Mies Kontakt aufnahm wegen des Neubaus der Vegla-Zentrale (Vereinigten Glaswerke) im Frankenberger Viertel. Mies legte wunderbare, fertige Pläne vor, entworfen im Geiste des mittlerweile von ihm mitgeprägten International Styl, bekam den Auftrag allerdings leider nicht. Ansonsten wäre jetzt in Aachen Mies‘ erster und letzter Beweis seiner Baukunst zu finden gewesen.

Mies arbeitete nämlich als ganz junger Mann maßgeblich am sozialistischen Volkshaus „Zur Neuen Welt“ in der Aachener Alexanderstraße 109 mit. Das Gebäude wurde 1905 eröffnet und diente der Arbeiterbewegung und den Gewerkschaften als Gaststätte. Das Haus hat eine schlichte Granitfassade. Es gab und gibt heute noch eine Gaststätte und Wohnungen.

Mies van der Rohe wird interviewt.
Blick in die Ausstellung „Mies im Westen“ in Köln, vorne ein Stadtplan von Aachen.
Das Aachener Warenhaus Leonhard Tietz (l.) und das schmale Haus des Sozialdemokraten Oeben „Zur Neuen Welt“ (Mitte): An beidem zeichnete Ludwig Mies (wie er damals noch hieß) mit.

Die Ausstellung ist beim LVR zu sehen bis zum 14. November in Köln-Deutz, Kennedy-Ufer 2. Öffnungszeiten im LVR-Behördenhaus montags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.

atuesday.akoeln.de mai-nrw.de/mies bauhaus100-im-westen.de lvr.de/60-jahre-koeln

Blick aus einem Saal, in dem gewöhnlich PolitikerInnen tagen, hinaus auf den Innenhof des LVR-Gebäudes. In der Architektur des Gebäudes wird Mies Einfluss sichtbar. Vorne, im Freien, liegt ein Obdachloser und schläft. – Von dem, was zwei dieser Stühle, die ihr da seht, kosten könnte man einem Obdachlosen ein Tiny House kaufen.
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Heute: Krach-Parade ab 13.30 Uhr

„Bunt und friedlich“ will sie sein, die erste Krach-Parade des Jahres, die genau heute, Samstag, 19. Oktober, stattfindet. Man trifft sich um 13.30 Uhr am Super C, Templergraben, Aachen.

537 Leute hatten bei Facebook gestern ihr Kommen zugesagt. Mal sehen, wie viele es am Ende wirklich sind. Gegen 14 Uhr soll sich der Zug mit musikalisch beladenen Lkw und Autos in Bewegung setzen, tanzend. Stopps gibt es an verschiedenen Orten des Aachener Kulturlebens, wo Vereine und Kollektive Konzerte veranstalten. Unterwegs wird es Musik vom Musikbunker Aachen, dem KRACH-Kollektiv, dem Not Human Collective, von Digitales Aachen und dem NIEMANDSLAND geben.

Enden wird die Tanzdemo mit einer Abschlussveranstaltung im Moltkepark in Aachen. Und was soll das alles?

Die Parade will ausdrücklich FÜR etwas demonstrieren, für mehr Kultur, Subkultur, für mehr Freiräume, für Lebensfreude, Musik und Möglichkeiten. Wer Lust auf Krawall hat und auf Gewalt, soll zu Hause bleiben.

Eindeutig am Zustande-Kommen der Parade beteiligt sind:
Muna Musiknetzwerk Aachen
The Base e.V.
Not Human Collective
KingzCorner
Musikbunker Aachen
KRACH
Rhizom 115
NIEMANDSLAND
Spielräume Aachen
POEBEL
Digitales Aachen
Der Name Krach Parade steht nicht für das KRACH-Kollektiv

Es gibt auch eine Afterparty. Viel Spaß denn auch.
KRACH//Rhizom115//Digitac Afterparty & Chillout with free Food!

Update: Wie es war, könnt ihr hier nachlesen

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Polizei informiert: Riegel vor! Sicher ist sicherer.

Foto/Fotocollage: Polizei Aachen

Das Polizeipräsidium Aachen lädt ein zum landesweiten Aktionstag „Riegel vor! Sicher ist sicherer!“  Gerade Menschen, in deren Wohngegend in Häuser und Garagen vermehrt eingebrochen wird, sollten die Gelegenheit nutzen.

„Gerade mit Beginn der dunklen Jahreszeit möchten wir Bürgerinnen und Bürger zu unserem Informations- und Beratungstag einladen“, teilt die Pressestelle der Aachener Polizei mit. Und weiter: „Wir klären auf über Einbruchsphänomene und zeigen, wie Sie sich und ihr Zuhause besser vor Einbrechern schützen können.“ Die Polizei hat diesbezüglich erfahrungsgemäß brauchbare Tipps zur Hand.

Polizeiliche Fachberater*innen stehen an diesem Tag für sämtliche Fragen und auch weiterführende Gespräche zur Verfügung. Besuchen kann man die Kolleginnen und Kollegen des Kriminalkommissariats KP/O (Kriminalprävention/Opferschutz) am 

Sonntag, 27. Oktober, von 10 bis 16 Uhr im Präsentationsraum im Foyer des neuen Polizeipräsidium Aachen-Brand, Trierer Straße 501. 

Die Polizei schreibt: „Wir erwarten Sie mit anschaulichen Sicherungsexponaten und Informationsmaterial. Kommen Sie vorbei und informieren Sie sich oder nutzen Sie für diesen Tag unser Servicetelefon unter 0241/9577 34437.“ (am)

***

Und der Polizistensohn (Jan Böhmermann) hat auch gemerkt, dass die Polizei gelegentlich Humor hat. https://www.facebook.com/neomagazinroyale/

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Was ist dran an den ständigen Beschwerden über rücksichtslose Fahrradfahrer?

In Aachen sind immer mehr Menschen auf dem Fahrrad unterwegs. Sie werden in Leserbriefen und auf offener Straße von FußgängerInnen und AutofahrerInnen beschimpft. Gastautor Jonas Paul hat sich als Radfahrer mit den Vorwürfen befasst. Foto: Archiv

Von Jonas Paul*

Seit Langem wundere ich mich über den Begriff des Kampfradlers. Egal wo das Thema Radverkehr diskutiert wird, es dauert nicht lange und es ist die Rede von den Kampfradlern, Fahrradrowdies oder Rüpelradlern.

Der Kampfradler wird immer wieder als Hauptargument angeführt, wenn es darum geht, Verstöße von KFZ, die Radfahrer gefährden, zu rechtfertigen oder zu relativieren. Egal ob es um zugeparkte Radwege oder ausreichende Überholabstände geht, der Kampfradler, dem die Straßenverkehrsordnung (StVO) völlig egal sei, ist das pauschale „Totschlagargument“ gegen alle Radfahrer und deren Interessen.

Gerne werden dann subjektive Wahrnehmungen in Zahlen gegossen. Dann sind es 90 oder 70 Prozent der Radfahrer, zumindest aber der größte Teil, der sich nicht an die Regeln hält. Nun bin ich seit 38 Jahren Fußgänger und ÖPNV-Nutzer, seit ca. 33 Jahren Radfahrer und seit 13 Jahren Autofahrer. Immer wieder frage ich mich, ob ich in einem anderen Land am Verkehr teilnehme. Ich werde als Fußgänger nicht ständig fast überfahren und man reißt mir im Vorbeifahren auch nicht den Autospiegel ab.

Natürlich sehe ich Radfahrer, die sich nicht an die StVO halten, aber ich sehe auch ständig KFZ und Fußgänger, die gegen diese verstoßen. Woher kommen also diese ganzen Kampfradler, die unter meinem Radar hinwegtauchen?

Langsam dämmerte es mir, bis es mittlerweile zur Gewissheit geworden ist: Ich bin der Kampfradler!
• Ich bin der Radfahrer, der auf der Fahrbahn fährt, während da doch ein Radweg ist.
• Ich bin der Radfahrer, der Ihnen in der Einbahnstraße entgegenkommt.
• Ich bin der Radfahrer, der plötzlich aus dem Nichts angeschossen kommt.
• Ich bin der Radfahrer, der Sie an der roten Ampel rechts überholt.
• Ich bin der Radfahrer, der mitten auf der Fahrbahn fährt.
• Und ich bin der Radfahrer, der sich beschwert, wenn Sie ihn hupend mit einer Handbreit Abstand überholen, um ihn auf seine Vergehen hinzuweisen.

Aber ich bin nicht der Radfahrer, der bei Rot über die Ampel fährt und Ihnen nachts ohne Licht entgegenkommt. Das brauche ich auch nicht, denn das oben aufgeführte Verhalten reicht aus, um als Kampfradler eingestuft zu werden. Aber wie sieht es denn damit konkret aus?
Radwege sind nur benutzungspflichtig, wenn ihr Zustand zumutbar ist und sie durch ein entsprechendes Schild ausgewiesen sind. Das sind innerstädtisch nur noch sehr wenige, die ich dann natürlich auch nutze.
Die meisten Einbahnstraßen sind in Aachen für den Radverkehr in beide Richtungen freigegeben (andere nutze ich natürlich nicht gegen die Fahrtrichtung).
Geübte Radfahrer erreichen heute auch ohne Pedelec problemlos Geschwindigkeiten von 20 bis 30 km/h (bergab noch mehr) und dürfen im Rahmen der Geschwindigkeitsbegrenzungen auch in diesem Tempo fahren. Niemand taucht einfach aus dem Nichts auf, und auch geübte Radfahrer sind meist nicht schneller als KFZ. Das Problem ist, dass die Geschwindigkeit von Radfahrern oft unterschätzt wird.
Als Radfahrer darf ich laut StVO bei ausreichendem Platz wartende Autos rechts überholen. Hätten Sie dieses Recht, würden Sie es, wo es geht, auch nutzen und so auch vermeiden in den Abgasen zu stehen.
Als Fahrradfahrer muss man einen Sicherheitsabstand zu parkenden Autos einhalten, um sich vor Türen zu schützen, die plötzlich geöffnet werden. Dabei entsteht dann schnell der Eindruck, man führe „mitten auf der Fahrbahn“.
Wenn ich als Radfahrer geschnitten werde o.ä., dann geht es dabei nicht einfach darum, dass man mir mein Recht nimmt, sondern schlicht um die Gefährdung meiner Gesundheit und meines Lebens. Da darf man sich auch mal beschweren.

An den Reaktionen, die ich im Straßenverkehr regelmäßig erlebe, merke ich aber immer wieder, dass viele KFZ-Fahrer völlig regelkonformes Verhalten als Verstoß wahrnehmen. Immer wieder wird man zur „Maßregelung“ beschimpft, geschnitten und ausgebremst. Ich bin also offenbar der Kampfradler und das Feindbild.

Die Unkenntnis der Rechte und Pflichten, die in der StVO für den Radverkehr verankert sind, scheint weit verbreitet. Das Phänomen zeigt sich auch immer wieder in den sozialen Netzwerken. Beispiel ist die gemeinsame Kampagne der Polizei Aachen, der Stadt Aachen, der StädteRegion und des ADFC, die auf die Einhaltung der Überholabstände gegenüber Radfahrern hinweist. Vielen Kommentatoren ist offensichtlich nicht bewusst, dass sie einen solchen Abstand einhalten müssen.

Und hier schließt sich der Kreis: Während viele Verstöße von KFZ gar nicht wahrgenommen (z.B. Überholabstände) und andere bagatellisiert werden (z.B. überhöhte Geschwindigkeit Parken auf Geh- und Radwegen), werden Radfahrern Vergehen angelastet, die nach StVO gar keine sind. Hinzu kommt das Phänomen, dass man sich nicht die zehn Radfahrer merkt, die sich korrekt verhalten, sondern den einen, der sich falsch verhält. So wird plötzlich fast jeder Radfahrer zum Kampfradler, unter dem der KFZ-Fahrer zu leiden hat.

Als kleiner Nachtrag sei noch auf den urban myth des ewigen Rotfahrers auf zwei Rädern verwiese; die Polizei Hamburg führte 2017 eine sechzehnstündige Schwerpunktkontrolle mit 148 Beamten durch. Besonderes im Fokus waren dabei Rotlichtverstöße. Ergebnis: 226 Autofahrer und 22 Radfahrer wurden bei Rotlichtverstößen erwischt. Damit liegt der Anteil der Radfahrer sogar unter dem durchschnittlichen Anteil der Radfahrer am Hamburger Verkehrsaufkommen (Laut modal split ca. 12 %). (Quelle: https://www.stern.de/auto/news/bei-rot-ueber-die-ampel–das-ist-keine-spezialitaet-von-kampfradlern-7767444.html?fbclid=IwAR0WaMX6MtECqOArDkSoOAI4vEv1GOoZ8mLUL7DXpnJCS8S6dAYfQxbmfaU)

Viele Grüße vom (regelkonformen) Kampfradler.

*Offenlage: Gastautor Jonas Paul ist für die Grünen im Rat der Stadt Aachen. Sein Text ist zuerst auf Facebook erschienen und wurde mit freundlicher Erlaubnis von dort übernommen.

Bei den Grünen findet ihr den engagierten Aachener Ratsherrn hier.

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