Und über allem schwebt ein Glühweinduft

Nougat aus Frankreich wird beim Aachener Weihnachtsmarkt angeboten. Und das ist längst noch nicht alles.

Nougat aus Frankreich wird beim Aachener Weihnachtsmarkt angeboten. Und das ist längst noch nicht alles.

Es ist Samstagnachmittag, und hell scheint die Sonne auf den Weihnachtsmarkt. Ungefähr 100.000 Menschen sind jetzt da und schieben sich rund um Dom und Rathaus von Bude zu Bude. Über allem schwebt der Duft von leckerem Glühwein, sehr angenehm. Der Weihnachtsmarkt hat wieder ein exquisites Warenangebot, vielfältiger als letztes Jahr, so will mir scheinen. Klar, Printen gibt es sowieso. Aber auch Nougatspezialitäten, intensiv schmeckendes Früchtebrot, Maronen, Waffeln, Mandeln, Aachener Domliqueur und Pilgerhonig. Es gibt ein McHirsch und jede Menge Kunsthandwerk und Kränze, die duften wie ein orientalischer Gewürzbasar. Das Gedränge ist entsprechend groß.

Täglich von 11 bis 21 Uhr müssen jetzt Weihnachtsmarkt-Hasser den Bereich mit den 130 Händlern, Handwerkern, Künstlern und Fresstischen meiden, da ist der Markt geöffnet. Der Münsterplatz ist in einen Hexenhof umgestaltet worden. Allerlei Puppen sind dort dekoriert. Ziemlich aufwendig.
Wer gelegentlich Freude am Kitsch hat, kommt auch gut auf seine Kosten. Und: Praktisch jeden Tag bis zum 22. Dezember treten Musiker auf: von Gospel und a-capella-Ensembles, über eine Swingband, ein Blechbläserseptett bis hin zur irischen Volksmusik reicht das Spektrum. Musik gibt es meist erst ab 17 Uhr.

Einige Hektoliter Glühwein warten auf fröhliche Trinker. An den Theken treffen sich jetzt schon die Freundeskreise.

Einige Hektoliter Glühwein warten auf fröhliche Trinker. An den Theken treffen sich jetzt schon die Freundeskreise.

Wer es gern besinnlich mag, begebe sich in die Kirche St. Nikolaus (meditativer Tanz und Konzerte) oder in den Dom. Im Dom  gibt es jeden Adventssonntag um 17 Uhr das Advents- und Weihnachtssingen der Domsingschule. Am Sonntag, 14. Dezember, um 17 Uhr gibt es ein Weihnachtskonzert des Aachener Domchors im Krönungssaal des Rathauses. Alles bei freiem Eintritt. Speziell Kindern wird natürlich auch allerhand geboten. Hier wird nur erwähnt, dass mittwochs (vom 26. November bis zum 17. Dezember) meist von 16 bis 17 Uhr das Puppentheater „Walter und der Frosch“ zu sehen ist.
Programm, Warenangebot und was man sonst noch wissen muss über den Weihnachtsmarkt kann man alles einem Flyer entnehmen, der überall ausliegt.

Den Weihnachtsmarkt kann nur genießen, wer mit Gelassenheit hinnimmt, dass der Kommerz – Arm in Arm mit Kitsch und Romantik – sich fröhlich austobt, dass sich Leute am Glühweinstand auch mal ein Tässchen zu viel reinschütten und dass Kolonnen von Holländern und Belgiern dir den Zugang zu deiner Lieblingsbude verstellen. Das ist nicht für jeden schön. Aber bedenkt: In wenigen Wochen ist alles vorbei.

Die Hauptattraktion auf dem Weihnachtsmarkt: der Aachener Dom.    Ach heute wieder ein Steingebirge  im Sonnenlicht.

Die Hauptattraktion auf dem Weihnachtsmarkt: der Aachener Dom. Auch heute wieder ein Steingebirge im Sonnenlicht.

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Ein Preisträger erzählt eine uralte Geschichte

Im Ballsaal des Alten Kurhaus in Aachen (hier ein altes Foto aus der Wikipedia) hat heute der Schriftsteller Michael Köhlmeier den Walter-Hasenclever-Preis der Stadt Aachen erhalten.

Im Ballsaal des Alten Kurhaus in Aachen (hier ein altes Foto, aus der Wikipedia entnommen) hat heute der Schriftsteller Michael Köhlmeier den Walter-Hasenclever-Preis der Stadt Aachen erhalten.

Heute hat der österreichische Schriftsteller Michael Köhlmeier den Walter-Hasenclever-Preis der Stadt Aachen bekommen. Die Preisverleihung fand im Alten Kurhaus statt und zwar in festlichem Rahmen. Man bekam gleich Lust, in die Walter-Hasenclever-Gesellschaft Aachen einzutreten. Wer solche vorzüglichen Künstler auszeichnet und nach Aachen holt, das müssen interessante Menschen sein.

Oberbürgermeister Philipp sagte in seiner Begrüßungsrede schon viel. Aber unter anderem auch das: Was Europa ausmacht und konstituiert, das sei nicht der Euro, das sei auch nicht dass es keine Grenzen mehr gebe zwischen den Ländern usw. Es seien die gemeinsamen Werte und die gemeinsamen guten und schlimmen Erfahrungen dieses Kontinents. Von diesen würden die Bücher des Preisträgers handeln.

Statt einer Laudatio gab es etwas anderes. Michael Köhlmeier erzählte eine Geschichte, und ein befreundeter Professor aus Wien (Name entfallen) interpretierte die Geschichte. Das war wirklich toll, denn wie sich schon nach den ersten frei vorgetragenen Sätzen herausstellte, ist Michael Köhlmeier ein guter Geschichtenerzähler. 300 Festgäste klebten an seinen Lippen.

Es war eine lange, uralte Geschichte aus der griechischen Mythologie, sie handelte von zwei Wettkämpfen. Von Medusa, die die schönste von drei sehr schönen Schwestern war. Und die eines Tages meint, sie sei fast so schön wie die Göttin Athene. Wenig später denkt sie, sie sei eigentlich genau so schön wie Athene und schließlich sagt sie sogar, sie sei doch wohl sogar noch ein bisschen schöner als Athene.

Zweiter Hauptdarsteller in der Geschichte ist der Satyr Marsyas, sehr hässlich, der wunderbar auf einer Flöte spielen kann. Er denkt auf einmal, er kann schon fast so schön spielen wie Apollon auf seiner Lyra. Dann meint er, er kann genau so schön spielen wie Apoll, und schließlich denk er, er  kann sogar noch ein bisschen besser spielen als Apoll.

Beide Größenwahnsinnigen werden von den Göttern grausam bestraft. In ihrer Hybris haben sie sich mit den Göttern verglichen und sich sogar besser gefunden. Das, so will die Geschichte erzählen, geht niemals gut. Der Wahn, man sei in irgendetwas geradezu überirdisch gut, befällt ja nicht nur Musiker und andere Künstler, sondern heutzutage ganze Firmen, s. Apple.

Im Alten Kurhaus befand sich viele Jahre lang die Neue Galerie -Sammlung Ludwig. Signaturen auf Kunstwerken verweisen auf diese Einrichtung.

Im Alten Kurhaus befand sich viele Jahre lang die Neue Galerie -Sammlung Ludwig. Signaturen auf Kunstwerken verweisen auf diese Einrichtung.

Diese doch recht schlichte Geschichte von zwei Abgehobenen, die sich selbst ganz toll finden, erzählte Michael Köhlmeier. Wie er erzählte, das war ungeheuer spannend, er schmückte den Gang der Handlung auch mit allerhand witzigen Nebenbemerkungen aus. Die Interpretation des Professors hingegen befasste sich nur mit der einen Hauptperson, dem Satyr, der ja ein Künstler ist. Und merkwürdigerweise las der Wiener aus der Geschichte auch noch heraus, dass diejenigen, die schwer leiden, deshalb zu großer Kunst fähig sind. Durch Leid zur Kunst. Na ja. Das ist ein weit verbreiteter Irrtum.

Grauenvolles Leid hindert Menschen daran, künstlerisch tätig zu sein. Und dass jemand, trotz Not und Pein ein großer Künstler wurde, das ist etwas so Außergewöhnliches, dass man diese Lebensgeschichte nicht vergisst und immer wieder und wieder erzählt. 95 Prozent aller Künstler wurden aktiv, als es ihnen einigermaßen gut ging. Sie hatten genug zu essen, hatten ein Dach über dem Kopf, jemand, der sie mit dem Nötigsten versorgte und erlebten gute Zeiten.

Dass ein Sich-Messen hinsichtlich der Schönheit (Frauen) etwa ganz anderes ist, als ein Sich-Messen bezüglich des kunstfertigen Musizierens, das erwähnte der Professor nicht. Schönheit ist eine Frage der Gene, es ist passiv. Kunst ist möglich, wenn jemand aktiv wird, viel übt, sich große Mühe gibt. So kann man sagen: Es wurde eine Geschichte erzählt, die die Vorurteile von Frauen als lediglich schön und sonst nichts, und den Männern als aktive, (Kunst) produzierende Wesen wiederspiegelt.

Stimmungsvoll unterbrochen wurde die Veranstaltung durch die Musik von Heribert Leuchter, der auf dem Saxophon spielte. – Zum Schluss sprach der Preisträger selbst. Eindrucksvoll verglich er die Zeit, in der er seine 64 Lebensjahre verbringen durfte mit jenen Jahren, in denen Walter Hasenclever lebte. Er kam zu dem Schluss, dass er und wir alle in einer guten Zeit leben, wo man nicht durch Schweigen, durch Wegschauen, durch Mitlaufen, Verrat und Kriegshandlungen zum Verbrecher werden musste.

—- * —–

Bezüglich Apple rate ich, folgenden Beitrag von Richard Gutjahr zu lesen. Es lohnt sich. https://krautreporter.de/85–der-apfel-fallt-nicht-weit-vom-bann

 

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Ziemlich bürgerfreundlich: der neue Recyclinghof

Eindrucksvolle Anlage: der neue Recyclinghof von Aachen in der Kellerhausstraße. Foto: Presseamt der Stadt Aachen

Eindrucksvolle Anlage: der neue Recyclinghof von Aachen in der Kellerhausstraße 10. Foto: Presseamt der Stadt Aachen

Es gibt einen neuen Müllabladeplatz, genauer: einen Recyclinghof, der auch wirklich diesen Namen verdient hat. Dieser Tage war Einweihung, und man konnte die Anlage besichtigen. Beeindruckend.

Wer in Zukunft irgendwelchen Müll/Abfall/Schrott oder sonstwie Unbrauchbares loswerden will, ist in der Kellerhausstraße 10 richtig. Das ist in Rothe Erde, man kommt über die Debyestraße ganz gut hin. (update: es ist wohl doch schon Eilendorf und nicht mehr Rothe Erde)

Zehn Monate lang wurde geplant, sechs Monate lang gebaut „in Zusammenarbeit mit Marco Horsch, Bauherr und Eigentümer des Geländes, und dem Architekten Dirk Zweering“, so schreibt das Presseamt freundlicherweise und schickt auch gleich ein Foto mit.

Der Recyclinghof umfasst eine Fläche von 5.500 Quadratmetern, wird vom Aachener Stadtbetrieb betrieben und bietet Platz für 14 verschiedene Abfallarten, die kostenlos von Bürgerinnen und Bürger der Stadt Aachen angeliefert werden können. Vom Metall über Holz oder Papier bis hin zum Bauschutt kann man alles loswerden. Die Öffnungszeiten: montags bis freitags von 8.30 Uhr bis 18 Uhr und samstags von 8.30 bis 14 Uhr.

Folgendes wurde noch mitgeteilt: Auf den städtischen Recyclinghöfen erwartet der Aachener Stadtbetrieb täglich ca. 700 Kunden, rund 4.000 Anlieferungen in der Woche und somit fast 200.000 Kunden im gesamten Jahr. „Wir könnten uns durchaus vorstellen demnächst einen zweiten Recyclinghof in dieser Form anzubieten“, sagte der Oberbürgermeister.

Was genau abgegeben werden kann, ist auf der Webseite des Stadtbetriebs www.aachener-stadtbetrieb.de und dem Suchbegriff „Recyclinghöfe“ zu finden.

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Sparzwang: Schwere Entscheidungen stehen an

Das Haus der Städteregion in der Zollernstraße in Aachen.

Das Haus der Städteregion in der Zollernstraße in Aachen. „What’s going on behind those walls?“, fragt sich mancher bisweilen.

Die Städtregion, das sind 10 Kommunen von Monschau bis hinauf nach Baesweiler. Und die haben (außer Baesweiler) kein Geld, insbesondere nicht, um die Städteregion mit zu finanzieren. Dabei kommt ihnen das Geld, das sie der Städteregion überweisen, mindestens zum Teil wieder zu, denn die Städteregion hat Aufgaben für die Gemeinden übernommen.
Gleichwohl haben alle Räte außer Baesweiler dagegen protestiert, die kräftig erhöhte Umlage zu zahlen. Darauf reagiert Städteregionsrat Helmut Etschenberg als Chef der Behörde mit Sparvorschlägen. Er formulierte bei der jüngsten Sitzung in der Zollernstraße etliche Fragen, die schon ahnen lassen, in welche Richtung die Sparmaßnahmen gehen werden.

Laut Etschenberg soll übrigens NICHT gespart werden in den Bereichen Bildung, Wirtschaftsförderung und Serviceleistungen für die Bürgerinnen und Bürger. Der Verwaltungschef sagte zu den anwesenden Politikern, der Presse und etwa 30 interessierten Bürgerinnen und Bürgern:
„Damit Sie einen ersten Eindruck von meinen Vorstellungen erhalten, über die wir ernsthaft diskutieren müssen, nenne ich für die Ebene der StädteRegion folgende Themen:
• brauchen wir sowohl ein Abendgymnasium, eine Abendrealschule und ein Euregiokolleg oder kann das zu einer Bildungseinrichtung (oder anders) zusammengefasst werden?

Flur im Altbau des Städteregionshauses.

Flur im Altbau des Städteregionshauses. Die Ausschuss-Sitzungen finden im Neubau statt, doch der Altbau ist auch sehenswert.

• ist es unsere Aufgabe, die Ausbildung der Altenpflege wie bisher zu betreiben und in absehbarer Zeit einen Neubau mit einem Volumen von bis zu 10 Mio Euro zu errichten?
• müssen wir die zahlreichen, freiwilligen Dienstleistungen für unsere Kommunen weiter erbringen oder können wir durch das Reduzieren Geld einsparen (Beispiel: das große wissenschaftliche Werk zum demografischen Wandel – oder der Familien- oder der Armutsbericht, Begleitung bei den Anstregungen zum Klimaschutz usw.)?
• müssen wir zahlreiche Konferenzen zu allen möglichen Themenbereichen mit der Bindung von enorm vielen personellen Ressourcen durchführen oder müssen wir uns zukünftig noch stärker als bisher auf besondere Schwerpunkte konzentrieren? (Stichwort: Aufgabenkritik)
• muss das Job-Center intensiver die Frage klären, ob, angesichts von 137 Mio. Euro Kosten der Unterkunft,  die Angemessenheit der Mieten eingehalten wird oder müssen wir bei Unangemessenheit konsequenter Veränderungen einfordern?
• kann die Unterstützung der zahlreichen Träger der freien     Wohlfahrtspflege trotz der unbestrittenen Notwendigkeit ihres Tätigwerdens, in dem bisherigen Umfang und in der bisherigen Höhe beibehalten werden?
• müssen wir den sehr hohen Aufwand für die Schuldnerberatung auf ein Maß zurückführen, wie es bei anderen Aufgabenträgern der Fall ist?
• müssen wir langfristig Organisationen wie den VABW oder den Schulverband in der Eifel mit erheblichen freiwilligen Mitteln unterstützen?
• sollten wir das Angebot der neuen Mehrheit beim Landschaftsverband annehmen, sich mit der Frage der Übertragung aller Förderschulen in die Trägerschaft des Landschaftsverbandes zu befassen?
• sollten wir einen Standort eines Berufskollegs aufgeben und in diesem Gebäude eine kostengünstige Nutzung für eine ausgelagerte Dienststelle mit erheblichen Kosteneinsparungen finden?
• können wir im Bereich der Versorgungswirtschaft durch intelligente Kooperationen zwischen STAWAG und enwor positive wirtschaftliche Effekte erzielen?“

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Stadt Aachen stellt Daten digital zur Verfügung

Aachen hat ein neues Internet-Portal. Eine super Sache, die beim 3. Open Data Day vorgestellt wurde. Aber Vorsicht. Weiterlesen sollten hier nur Menschen, die sich für Transparenz in Politik und Verwaltung interessieren und für die die Möglichkeiten des Internet, sofern sie über Facebook hinausgehen, nicht reines Teufelswerk sind.

Das Presseamt der Stadt hat eigens eine Mitteilung verfasst. Aus dieser wird hier zitiert.

Es wird mitgeteilt, dass die Stadtverwaltung bestimmte Datenbestände im Rahmen der Open Data-Initiative der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Die Adresse des Portals lautet opendata.aachen.de . Es ist  eine Internetseite, auf der Daten aus bislang sieben Bereichen verfügbar sind.  Unter anderem sind Baustellen zu sehen, Denkmalbereiche, der amtliche Stadtplan und das Solarkataster. Das Solarkataster ist eine Karte, die alle Dächer Aachens zeigt, die für Solaranlagen geeignet sind und wo man ausrechnen lassen kann, wie lange die Solaranlage Strom produzieren muss, bis sich die Anschaffung rechnet.

„Es ist eine neue Art der Partizipation“, erklärte Dr. Lothar Barth, Dezernent für Personal und Organisation der Stadt Aachen. „Open Data wird das kommunale Politikverständnis prägen.“ Ins Netz gestellt werden können alle Daten, die keine Rückschlüsse auf bestimmte Personen zulassen.

„Es stellt auch eine neue Art der politischen Kommunikation dar“, so Barth am Donnerstagabend auf dem „3. Open Data Day“, der von der regio it gemeinsam mit der Stadt Aachen in der Nadelfabrik veranstaltet wurde.

Die bereitgestellten Daten können für private und gewerbliche Zwecke frei verwendet und auch weitergegeben und verändert werden, wobei der Urheber bei Nutzung der Aachener Daten genannt werden muss. Sie tragen zu einer besseren Transparenz bei und gelten als Vorstufe für das „Open Government“-Konzept. Personengebundene Daten sind, wie schon angedeutet, von der Bereitstellung ausgeschlossen.

Zahlreiche weitere Städte in Deutschland haben ebenfalls begonnen, Daten öffentlich zur Verfügung zu stellen. Als Vorreiter in Nordrhein-Westfalen gelten die Städte Bonn, Köln und Moers. Vertreter dieser Städte waren in Aachen beim Open Data Day anwesend und berichteten von ihren positiven Erfahrungen.

Weitere Informationen unter

opendata.aachen.de

Ist zwar aus Österreich, aber informiert gut über den großen Komplex Open Government:  https://www.open3.at

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LVR: Und noch ein Dezernat

Moderne Kunst vor dem Gebäude des Landschaftsverbands (LVR) in Köln. Der Landschaftsverband bekommt sein Geld ausschließlich von den Kreisen und kreisfreien Städten und von der Städteregion. Per Umlage.

Moderne Kunst vor dem Gebäude des Landschaftsverband (LVR) in Köln. Der Landschaftsverband bekommt sein Geld von den Kreisen und kreisfreien Städten und von der Städteregion. Per Umlage. Ab sofort leistet er sich nicht acht, sondern neun Dezernate.

Drei Stunden dauerte die erste Sitzung des Landschaftsausschusses in Köln. Und der Vollständigkeit halber möchte ich doch hier einige Punkte erwähnen, die beschlossen worden sind.

Ich war bei der Sitzung als Gast dabei, alle meine Fragen wurden vor Beginn und in einer Pause von unserem Fraktionsgeschäftsführer Schmitz beantwortet. Das war wieder ein Riesen-Vorteil. Solche Sitzungen zu erleben, das ist ja nur ein Gewinn, wenn man zu jeder Minute versteht, was genau gerade passiert.

Um es kurz zu machen: Es ging phasenweise drunter und drüber. Die über-, über-, übermächtige Große Koalition (CDU/SPD) setzte letztlich alles durch, was sie auf dem Zettel hatte. Aber die Opposition schlug sich auch hervorragend. Grüne, Linke, FDP, Freie Wähler/Piraten hielten zusammen wie man es sich schöner nicht wünschen kann. Kurzfristig sah es sogar so aus, als hätte die Opposition einen Coup gelandet. Es war spannend, ist aber hier zu kompliziert, um es auseinander zu dröseln. Es wurde nur eines klar: Soooooo

Blick in den Flur vor dem Sitzungssaal.

Blick in den Flur vor dem Sitzungssaal.

leicht wird die Groko es mit der Opposition nicht haben. Die kleinen Parteien zeigten Kampfeswillen und Raffinesse. Das wird noch lustig. Dabei hatte ich zuvor schon gedacht: „Na ja, bei der Übermacht kann man ja sowieso nichts machen.“ Seufz. Gähn. War aber ein Irrtum.

Von wegen sparen: Die Struktur der Dezernate des Landschaftsverbands (LVR) wird neu geordnet. Das hat schon für viel Unruhe unter den Mitarbeitern gesorgt. Gegen die Neuordnung stimmte die Opposition. Die wollte lediglich, dass die ungleichen Dezernate ein wenig gerechter zugeschnitten werden. Ein Dezernat hat nur einen Umfang von 60 Millionen Euro, ein anderes ist dick und fett und umfasst 2,3 Milliarden.

Die LVR-Pressestelle schreibt: „Ein zentraler Aspekt  der Neustrukturierung ist es, dass das LVR-Integrationsamt sowie die Kriegsopferversorgung und das soziale Entschädigungsrecht zukünftig mit den Bereichen des bisherigen LVR-Schuldezernats eine neue Organisationseinheit mit dem Namen LVR-Dezernat Schulen und Integration bilden sollen. Energetische Fragen und solche des Umweltschutzes sowie der Gebäudeservice sollen im neu zu schaffenden LVR-Dezernat Umwelt, Energie und Gebäudeservice angesiedelt sein.“

Kurz gesagt: Drei Chefstellen werden neu ausgeschrieben. Ein Dezernat wird gänzlich neu und zusätzlich eingerichtet. Und da die CDU in der Groko der stärkere Teil ist, kann man sich leicht ausmalen, welche mindestens zwei Dezernate mit welchen Parteimitgliedern besetzt werden.

Zum Aufmacher-Bild ist noch folgendes wichtig (danke Bernd Groten): Das Denkmal “ Grauer Bus “ vor der LVR in Köln Deutz hat Geschichte!

http://www.denkmalplatz.de/grauer-bus-denkmal-in-deutz/

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Patenprojekt für junge Flüchtlinge, Folge II

Wer ehrenamtlicher Pate eines jugendlichen Flüchtlings sein will, wie sie zur zeit in großer zahl in Aachen ankommen, der wird geschult. Es gibt einiges zu lesen.

Wer ehrenamtlicher Pate eines jugendlichen Flüchtlings, wie sie zur Zeit in großer Zahl in Aachen ankommen, werden will, der wird geschult. Es gibt einiges zu lesen und zu lernen.

„Paten für junge Flüchtlinge gesucht“ hieß es an dieser Stelle am 27. August. Paten-Kandidaten meldeten sich, wie berichtet, in großer Zahl beim SKM in der Heinrichsallee in Aachen. Sie wurden in drei Gruppen aufgeteilt und haben nun eine erste Infoveranstaltung erlebt.

Die Sozialpädagoginnen vom SKM lassen die Paten nämlich nicht völlig unvorbereitet mit den jungen Erwachsenen allein. Die Aachener wurden informiert über die Herkunftsländer der Flüchtlinge und über die Fluchtwege. Außerdem über die verschiedenen bürokratischen Prüf-Prozesse, die die Flüchtlinge durchlaufen müssen.

Jeder künftige Pate muss ein erweitertes Führungszeugnis beibringen und noch an drei weiteren Fortbildungsveranstaltungen teilnehmen. Außerdem wurde ein Paten-Stammtisch eingerichtet, wegen der Gemütlichkeit und dem allgemeinen Austausch von Erfahrungen. Man kann wirklich sagen, dass das Projekt vom SKM ziemlich gut durchorganisiert ist. Bis hin zu Versicherungsfragen ist alles geregelt. Der SKM ist übrigens ein Sozialdienst der katholischen Kirche.

Wird aus Mitteln des Europäischen Flüchtlingsfonds kofinanziert: Das Patenprojekt für junge Flüchtlinge.

Wird aus Mitteln des Europäischen Flüchtlingsfonds kofinanziert: Das Patenprojekt für junge Flüchtlinge.

Bei einer Schulung war sogar eine Patin mit ihren „Patenkind“ dabei, die von ihren langjährigen regelmäßigen Kontakten berichteten. Die beiden haben sich kennengelernt, als von dem Paten-Projekt noch nicht die Rede war. Die Dame hat dem Jungen geholfen, der hat längst eine eigene Wohnung und  macht eine Ausbildung. Neulich habe er sich einmal die Stadt Brüssel ansehen wollen, erzählte der Junge. Mit Patin sei das möglich gewesen.
Unter anderem steht bei der Schulung der Paten ein „Interkulturelles Training“ auf dem Programm.  Und weil die Jugendlichen, alles Jungen, auf ihrer Flucht schreckliche Dinge erlebt haben, wird auch über Themen gesprochen, die man als Pate besser nicht ansprechen sollte. Einzelheiten zur Familie oder zur Flucht etwa, die den Flüchtlingen ohnehin Albträume verschaffen und die sie gern mal ein paar Stunden vergessen möchten.

Grundsätzlich kann man wohl sagen, dass alle Flüchtlinge Hilfe bekommen möchten beim Einleben in die hiesige Kultur. Sie müssen außerdem allein eine Wohnung oder ein Zimmer finden und sich Möbel und einen Haushalt organisieren. Da tut Hilfe not.

Alle jungen Flüchtlinge, die in Aachen ankommen, so wurde mitgeteilt, werden medizinisch untersucht, manche sind krank. Eine Flucht ist eben keine Reise, sondern eine Flucht, die manchmal bis zu 2 Jahre lang dauerte und den Körper schindet, mehr als ihm zuträglich ist. Die Jugendlichen werden aufgegriffen und müssen, bevor sie an Paten vermittelt werden, gesund werden. Auch haben sie vor der Vermittlung schon eine Weile Deutsch gelernt, damit überhaupt ein Gespräch zustandekommen kann. Viele sind aber noch nicht mal ein Jahr lang in Deutschland und bekommen schon einen Paten.

Schließlich wird dem Paten von drei Flüchtlingen erzählt, von denen er sich einen aussuchen kann. Und zuletzt wird das persönliche Kennenlernen organisiert, wo am Anfang die SKM-Sozialarbeiterin noch dabei ist, später aber nicht mehr.

(wird fortgesetzt)

Den 1. Bericht zu dem Thema (Folge I) findet ihr hier. Und wer Folge III lesen will: hier klicken

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Verwaltung auf den ersten Blick: gigantisch

Hier verwaltet der Landschaftsverband in prominentester Lage die Kliniken und Schulen usw, die sich sowieso auch selbst verwalten.

In Köln am Rhein verwaltet der Landschaftsverband in prominentester Lage die Kliniken und Schulen usw, die sich sowieso auch selbst verwalten.

Der Landschaftsverband „ist ein schlafender Riese“, sagte man mir, als ich zum ersten Mal in Köln an einer Sitzung teilnahm. Dass er ein Riese ist (18.000 Beschäftigte, 40 Schulen, 10 Kliniken, 19 Museen und Kultureinrichtungen und dergleichen mehr), das ist schon klar. Aber ob er schläft?

Wie auch immer: Die Piraten dürfen dank der Wählerinnen und Wähler dort Politik machen, und zwar in einer Koalition mit der Partei „Freie Wähler“. Ich habe die Koalitionäre jetzt kennengelernt und war überrascht von ihren politischen Ansichten, die mir doch sehr vernünftig vorkamen. Der Landschaftsverband Rheinland scheint wirklich fett Geld zu haben. „Sie werden sich noch wundern, was hier noch alles möglich ist, was in den Gemeinden schon lange nicht mehr geht“, raunte man mir gleich zu Beginn zu. Huch.

Ich hatte schon bei der Ankunft in Köln zwei riesenhafte Gebäude bestaunt und mich gefragt, was da drin wohl stattfindet. Und war schon – typisch Margret aus Monschau – ins falsche hochglänzende, lichtdurchflutete Foyer hineinspaziert. Ein Foyer, groß wie ein halbes Eifeldorf.

Großzügig: Das Foyer des Gebäudes, in dem die Sitzungen des Landschaftsausschusses stattfinden und in dem sich  auch die Büros der Fraktionen befinden. Platz satt.

Großzügig: Blick ins Foyer des Gebäudes, in dem die Sitzungen des Landschaftsausschusses stattfinden und in dem sich auch die Büros der Fraktionen befinden. Platz satt.

Der Landschaftsverband hat es gut: Sein Geld zum Ausgeben hat er aus einer Umlage, an der sich 12 Kreise, 13 kreisfreie Städte und die Städteregion Aachen beteiligen MÜSSEN. Bequemerweise darf der Landschaftsverband jeweils GANZ ALLEIN bestimmen, wie hoch jeweils die Umlage ist. Toll, ne? Die Umlage wird erstaunlicherweise jedes Jahr höher. Tja.

Freie Wähler/Piraten haben 5 Abgeordnete in dem dortigen Parlament, das LandschaftsVERSAMMLUNG heißt. Dazu sind noch 12 sachkundige Bürger dabei, davon sind 5 Piraten. Insgesamt sind wir also 7 Piraten wenn es darum geht, gegen TTIP zu stimmen, für mehr Transparenz und Bürgerrechte und gegen jede überflüssige Geldausgabe usw.

Die sachkundige Bürgerin und Autorin dieser Zeilen staunt: wahrlich endlose Flure.

Die sachkundige Bürgerin und Autorin dieser Zeilen staunt: wahrlich endlose Flure.

In diesem Landschaftsverband-Parlament sitzen 124 Mitglieder. 85 davon sind für CDU und SPD dabei, die bilden eine Große Koalition. Und da deutet sich schon das erste Riesenproblem an, denn die Opposition (38) ist so klein, dass einem wirklich Angst und Bange werden kann. Und die Große Koalition (GroKo) hat auch schon Sitze im alles bestimmenden LandschaftsAUSSCHUSS unter sich verteilt, so dass die Opposition von klein auf winzig schrumpft. Das kann man sich nicht gefallen lassen, die Grünen sind entsprechend auf der Palme. Die anderen auch.

Noch dazu gibt es so viele Aufsichtratsposten zu verteilen, wo man auch nicht für umsonst drin rumsitzt – da möchte die Opposition auch ein gutes Stück vom Kuchen abhaben. Und auch Einfluss haben.

So wird es vorerst spannend, wenn sich der Landschaftsausschuss am morgigen Freitag zum ersten Mal trifft. Die Tagesordnung steht. Aber sollte die Zusammensetzung dieses Ausschusses tatsächlich illegal sein, dann werden wohl morgen keine Entschlüsse gefasst. Ich werde mal als Zuschauerin dort sein, Augen und Ohren offen halten und berichten.

Direkt in der Nähe ein weiteres Gebäude des Landschaftsverbandes.

Direkt in der Nähe: ein weiteres Gebäude des Landschaftsverbandes.

Sehr sonderbar finde ich auch, dass CDU und SPD in der sowieso schon groß erscheinenden Verwaltung die Zahl der Dezernenten jetzt noch um einen erhöhen will. Immerhin bekommt so ein Dezernent 160.000 Euro im Jahr, schätze ich mal. Und ob man davon jetzt 8 oder 9 beschäftigt, das macht schon einen Unterschied. So würde man jetzt reden, wenn es um ein Unternehmen ginge.

Fraktionsgeschäftsführer der CDU ist übrigens der Aachener Rechtsanwalt Rolf Einmahl. Da weisse Bescheid. Da wird nicht lange gefackelt und nach Kompromissen gesucht, wenn ich mich recht erinnere. Aber vielleicht hat er sich ja verändert.

www.lvr.de

http://de.wikipedia.org/wiki/Landschaftsverband_Rheinland

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Sondersitzung wegen Gewalt. Polizei: Wir haben alles im Griff.

Vor der Sondersitzung: Polizeipräsident Dirk Weidsprech wird von einem WDR-Team interviewt. Oberbürgermeister Philipp (vorne) hört zu.

Vor der Sondersitzung: Polizeipräsident Dirk Weinsprach wird von einem WDR-Team interviewt. Oberbürgermeister Philipp (vorne) hört zu.

„Soooooo schlimm ist es alles doch gar nicht.“  Diese Worte wählte Aachens neuer Polizeipräsident (PP) Dirk Weinsprach zwar nicht wörtlich. Aber gemeint hat er es – mit all seinen Erklärungen.

Am heutigen Dienstag gab es „erstmals in Aachen“, so Oberbürgermeister Marcel Philipp, eine Sondersitzung im Rathaus wegen Gewalt in Aachen und Bildung einer Bürgerwehr. In der Tat: Das hatten wir so noch nie.

Eine Serie von Raubüberfällen ging mitten im August los und wurde danach immer schwächer „mit einzelnen Ausschlägen nach oben“, so der Polizeipräsident nebulös. Im Ganzen seien aber in diesem Jahr – was die Raubüberfälle betrifft – noch nicht mal die Zahlen von 2013 erreicht worden.

Zwei Dutzend Zuschauer hatten sich im Ratssaal eingefunden, um mal genau zu hören, wie die Lage eigentlich ist und was überhaupt Sache ist. Es gibt ja Bürgerinnen und Bürger, die sich in Aachen nachts  gar nicht mehr auf die Straße trauen. Und eine Bürgerwehr hat in Windeseile einen großen Zulauf bekommen. Gut 40 Männer und Frauen machen da jetzt schon mit.

Von Seiten der Politiker gab es bei der Sitzung viele Wortmeldungen. Man drückte sich freundlich aus, aber durch die Blume bekam der PP gründlich sein Fett weg. Redner der CDU kritisierten als erste die Presseveröffentlichungen, die aus der Krefelder Straße kamen. Die Situation sei als ganz ungewöhnlich gefährlich geschildert worden, und der PP habe sich nicht eindeutig von der Bürgerwehr distanziert. Deshalb seien die Bürger in Angst. Gaby Breuer (CDU) hatte besonders viel Angst bekommen: „Das war ja eine Horrorvorstellung.“.

Die von der SPD haben ebenfalls Angst bekommen, sagten sie. Aber die Aktionen der Polizei in den letzten Tagen hätten schon ihre Wirkung getan, und der Polizeipräsident möge doch bitte demnächst die Verbrechen in der Presse anders darstellen.

Zwei Mal aufgefordert, sich von der Bürgerwehr zu distanzieren, sagte der PP: „Die Bürgerwehr ist nur Show.“ Sie behindere die Arbeit der Polizei und mache alles nur noch schlimmer.

Der Oberbürgermeister stellte dann aber doch die Frage in den Raum, warum eigentlich so viele Menschen bei einer Bürgerwehr mitmachen? Darüber müsse mal gründlich nachgedacht werden. (Kommentar meinerseits: Recht hat der Mann.) Die Grünen meinten, der PP hätte sich früher und stärker und eindeutiger in seinen Stellungnahmen von der Bürgerwehr distanzieren müssen. Und die Flugblatt-Aktion sei besonders bescheuert gewesen. Gut, es wurde, wie ich oben erwähnt habe, eine freundliche Ausdrucksweise gewählt, aber so war es gemeint.

Das Flugblatt war ja wirklich der Gipfel. Die Polizei teilte darauf mit, man solle nicht mehr allein in dunklen Straßen gehen und das Handy nicht zeigen, nachts, beim Gehen, usw. Man konnte meinen, in der Stadt sei der blanke Notstand ausgebrochen. Der PP meinte, man habe ganz normal mit dem Flugblatt gewarnt, man könne aber aus jeder Aktion nur lernen. Und es sei wohl einiges von der Bevölkerung falsch aufgefasst worden. Die Presse hätte es womöglich nicht so ganz korrekt rübergebracht.

Ich hätte da fast laut aufgelacht und gerufen: Ja, ja, die Presse ist schuld, wie immer. Konnte mich aber gerade noch beherrschen. Auch CDU-Fraktionschef Baal meinte sinngemäß, das sei jetzt aber nicht besonders okay. Und: „Manche Ihrer Pressemitteilungen waren einfach suboptimal.“

Pirat Udo Pütz sagte, es sei ja wohl alles ein Kommunikationsproblem, und nicht nur ein einziges Kommunikationsproblem. Er wollte wissen, wie denn nun das Gewaltpotential genau sei: Werden die Opfer brutal krankenhausreif niedergeschlagen oder nur abgezockt mit einem Spruch wie „He, gib das Geld her.“? Ziemlich viele Kommunikationsprobleme sah Pütz, ausgehend von der Polizei.

Einen konstruktiven Vorschlag machte gegen Ende die grüne Bürgermeisterin Hilde Scheidt. Sie meinte, man möge doch wieder in den Stadtteilen die Sicherheits-Konferenzen aufleben lassen. Das sind Gespräche, wo man sich trifft und über das Viertel spricht, was gut ist, was nicht gut ist und was man ändern kann. Außerdem sollte man sich vornehmen, dass man einander hilft, wenn man Menschen in Bedrängnis sieht.

Update: Hier nachträglich noch was dazu geschrieben.

http://aachennews.wordpress.com

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Kulturgut auf Abwegen

Westspiel will zwei Bilder von Andy Warhol versteigern lassen. Bilder, wie Andy Warhol sie reihenweise produziert hat. Der Vorgang (Versteigerung) ist umstritten.

Westspiel will zwei Bilder von Andy Warhol versteigern lassen. Bilder, wie Andy Warhol sie reihenweise produziert hat. Der Vorgang (Versteigerung) ist umstritten. Im Bild: das Aachener Spielcasino.

Hier ein Text von Michael Sahm aka @navelbrush zu einem Vorgang, der weit über Aachen hinaus Wellen schlägt: Kunst soll versteigert werden. Der Text gibt in fast allen Teilen auch meine Meinung wieder.

Von Michael Sahm

„Die West­deut­sche Spiel­ban­ken GmbH & Co. KG (kurz: West­spiel), der Betrei­ber diver­ser Spiel­ca­si­nos in Deutsch­land und Eigen­tum des Lan­desNRW, besitzt unter ande­rem zwei Warhol-Werke im geschätz­ten Wert von 130 Mil­lio­nen Euro. Das weckt Begehr­lich­kei­ten ange­sichts klam­mer Kas­sen und maro­der Zocker­tem­pel. So ent­schloss man sich die­ser Tage, den “Triple Elvis” und die “Four Mar­lons” dem Auk­ti­ons­haus Chris­ties zur Ver­stei­ge­rung anzutragen.

Abge­se­hen davon, dass ich die­sem per­ver­sen Wer­te­ge­füge nichts abge­win­nen kann, in dem mas­sen­taug­li­che Werke eines gera­de­nach neu­lich ver­stor­be­nen Künst­lers scham­los hohe Preise erzie­len, stehe ich die­sem Ver­kauf doch eher posi­tiv gegenüber.

Seit 2009 lagert das Aache­ner Casino die bei­den Werke vor aller Augen geschützt im Tre­sor. Die Bür­ger, deren Steu­er­gel­der den Kauf gegen Ende der 1970er Jahre finan­zier­ten, hat­ten also in den letz­ten fünf Jah­ren gar keine Mög­lich­keit, sich daran zu erfreuen. Ver­mut­lich wuss­ten sogar nur die wenigs­ten, was da im Kel­ler des Casi­nos an Wer­ten schlum­mert. Inso­fern dürfte man die bei­den Werke durch­aus als Wert­an­lage und “Ver­fü­gungs­masse” anse­hen. Warum sonst sollte man Kunst kau­fen, die man nicht prä­sen­tie­ren möchte? Um sie der Nach­welt zu erhal­ten? Ver­mut­lich wird der zukünf­tige Besit­zer die Din­ger nicht in Säure auf­lö­sen… und würde er sie eben­falls weg­schlie­ßen: Wo genau läge der Unter­schied zu jetzt?

Es geht mir genau genom­men nicht um diese bei­den Werke. War­hols Werke waren mei­ner Mei­nung nach nicht seine “Kunst”, son­dern seine Ideen und die sozia­len, paw­low­schen Mecha­nis­men drum­herum waren es.

Es geht mir eher darum, was mit dem Erlös gesche­hen soll. Und es geht mir darum, wel­che Besitz­tü­mer von Stadt und Land als nächs­tes zur Dis­po­si­tion stehen.

Erlös

Laut Zei­tungs­mel­dun­gen möchte West­spiel den Erlös nut­zen, um die Casi­nos zu sanie­ren. Alleine in Aachen würde es nach Exper­ten­mei­nun­gen etwa 25 Mil­lio­nen Euro kos­ten, das Gebäude an der Mon­heim­sal­lee zu sanie­ren. Blei­ben also noch etwa 105 Mil­lio­nen Euro, die in die Zocker­tem­pel in Bad Oeyn­hau­sen, Bre­men, Bre­mer­ha­ven, Dortmund-Hohensyburg, Duis­burg und Erfurt flie­ßen könn­ten. Und der Neu­bau eines Spiel­ca­si­nos in Köln taucht auch immer mal wie­der in der Dis­kus­sion auf.

Ich könnte mir sinn­vol­lere Inves­ti­tio­nen vor­stel­len, als Haus­halts­lö­cher damit zu stop­fen oder einem ster­ben­den Gewerbe zig Mil­lio­nen Euro hin­ter­her­zu­wer­fen. Mei­ner Mei­nung nach sollte das Geld ent­we­der in die kul­tu­relle Bil­dung in NRW flie­ßen, oder man stockt damit das Bud­get der Lan­des­re­gie­rung für ihre soge­nann­ten För­der­käufe auf: Sie erwirbt schon jahr­zehn­te­lang aktu­elle Werke noch unbe­kann­ter Künst­ler aus NRW und stellt sie in der Reichs­ab­tei in Kor­neli­müns­ter aus.

Dis­po­si­tion

Wenn es eng wird, ver­scher­belt man auch gerne das Tafel­sil­ber. Das bewei­sen die Ver­wal­tun­gen mit dem Ver­kauf von Wohn­ei­gen­tum oder Län­de­reien und der Pri­va­ti­sie­rung von kom­mu­na­len Unter­neh­men und z. B. Kran­ken­häu­sern immer wie­der. Kul­tur­gü­ter schie­nen bis­her hei­lig. Wenn aber Lei­dens­fä­hig­keit und Dul­dungs­starre über­reizt sind und man fest­stel­len kann, dass es beim ers­ten Mal ja gar nicht so schlimm war, was mag dann als nächs­tes kom­men? Wie­viele Schätze schlum­mern noch in den Archi­ven der Museen, die man zu Geld machen kann? Wel­che kul­tur­his­to­risch unschätz­bar wert­vol­len Werke würde man, und sei es nur ver­se­hent­lich, auf den freien Markt wer­fen? Und ganz am Ende ist des Kai­sers Krone dran; nur, um sie dann viel­leicht anschlie­ßend im Rah­men eines geschickt aus­ge­han­del­ten Miet­ver­tra­ges wie­der teuer aus­stel­len zu kön­nen… Haupt­sa­che, der Haus­halt ist erst­mal ausgeglichen!

Weg damit

Die bei­den War­hols? Man will oder kann sie offen­sicht­lich nicht ein­träg­lich der Öffent­lich­keit prä­sen­tie­ren. Schrö­din­gers War­hols nut­zen nie­man­dem und dür­fen ent­spre­chend nur als Spe­ku­la­ti­ons­ob­jekte ange­se­hen wer­den. Ange­sichts der vie­len Spe­ku­la­ti­ons­ver­luste durch unfä­hige Bör­sen­zo­cker in der öffent­li­chen Ver­wal­tung wäre das tat­säch­lich mal ein gelun­ge­ner Deal.

Wenn es Dep­pen gibt, die bereit sind, so unan­stän­dig viel Geld für Gegen­warts­kunst zu bezah­len, dann sollte man die bei­den Werke ent­we­der ange­mes­sen lukra­tiv aus­stel­len oder die Gele­gen­heit beim Schopfe packen und sie ver­sil­bern. Der kul­tur­his­to­ri­sche Scha­den für NRW dabei wäre mei­ner unfach­män­ni­schen Mei­nung nach eher gering. Aber den Erlös sollte man dann auch zwin­gend zukunfts­si­cher wie­der in Kul­tur inves­tie­ren. Und man sollte den Ent­schei­dern gehö­rig auf die Fin­ger schauen, damit die Grenze zwi­schen Kul­tur­gut und Spe­ku­la­ti­ons­ob­jekt zukünf­tig nicht zuguns­ten aus­ge­gli­che­ner Haus­halte mehr und mehr aufweicht.

Und es wäre auch mal inter­es­sant, zu wis­sen, wel­che Kunst­schätz­chen das Land NRW noch so im Kel­ler für schlechte Zei­ten zurückhält.“

 

Den Originaltext und weitere interessante Texte dieses Autors findet ihr hier:

http://msahm.piraten.ac/kulturgut-auf-abwegen/

Und hier ein weitere Text zum Thema (danke Heinz):

http://www.heise.de/tp/artikel/43/43106/1.html

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