Was bleibt für immer geheim?

Wer nicht hustend und schniefend mit Erkältung im Bett liegt, hat vielleicht Lust, etwas über Vorgänge in der Aachener Kommunalpolitik zu lesen. Alles ganz subjektiv dargestellt für die Freundinnen und Freunde von AachenNews.

Nichts bleibt geheim

Zunächst: Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen ist wütend. Es sind nämlich Kenntnisse über Unregelmäßigkeiten im Stadtbetrieb an die Öffentlichkeit gelangt, von denen die Frau Oberbürgermeisterin lieber nichts in der Zeitung lesen wollte. Wie hier ebenfalls berichtet hatte ein Mitarbeiter des Stadtbetriebs trickreich in die eigene Tasche gewirtschaftet. Er wurde fristlos gekündigt und wird wohl etliche tausend Euro zurückzahlen müssen. 

Das passiert regelmäßig in jeder Kommune, dass Infos über Unregelmäßigkeiten – in einem vertraulichen Gespräch – an die Presse weitergeleitet werden. Nichts wird besser dadurch, dass nach angeblichen „Verrätern“ gesucht wird, die den Casus der Presse gesteckt haben könnten. Oder Anzeige wegen Geheimnisverrat zu erstatten. Man ärgert sich dann in den Rathäusern sehr, sagt sich aber: So krass ist Demokratie!!! Transparenz und Pressefreiheit und Whistleblowerschutz schön und gut, manchmal aber schwer auszuhalten. (Am Ende müsste man sich doch eigentlich auf die Schulter klopfen, weil der Betrug ja aufgedeckt wurde und nicht ewig so weitergelaufen ist.)

Ganz schlecht ist es, Anzeige wegen Geheimnisverrat zu erstatten oder – wie es jetzt Keupen vorhat (TOP 4) – neue Regeln einzuführen, um die Fehler, die überall (in jeder Verwaltung) mal passieren (es gibt schwarze Schafe), total diskret zu bearbeiten.

Vollkatastrophe wegen Vollsperrung?

Nachdem der Abriss der Brücke Turmstraße doch nicht – wie von einigen vorausgesagt – in einem totalen Verkehrschaos geendet ist, sondern alle munter und reibungslos die Umleitung benutzen, droht jetzt angeblich Ende 2023 der absolute, finale Verkehrskollaps über Aachen hereinzubrechen: Die Haarbachtalbrücke muss erneuert werden. 

Einige Aachener*innen sind in Panik. Es muss nämlich deshalb ein Stück Autobahn (A 544) für zwei Jahre gesperrt werden. Und wenn das Stück gesperrt ist, darf es angeblich keine (!) weitere Großbaustelle in Aachen geben, schon mal gar keinen Umbau der Kreuzung Bastei, weil sonst ein Chaos entsteht, dagegen ist das Durcheinander bei den Bauarbeiten am Turmbau zu Babel ein Witz. 

Keine einzige weitere Baustelle? In Aachen? Wir werden denken, wir sind in einer fremden Stadt.

Scherz beiseite: Wie sollen denn die Ziele des Radentscheid umgesetzt werden, in dem ein fußgänger- und fahrradfreundlicher Umbau von drei Kreuzungen pro Jahr festgelegt ist? Die Fraktionen von Grünen, SPD und Zukunft halten die Probleme für lösbar, CDU und FDP wollen offenbar, dass möglichst wenig fahrradfreundlich umgebaut wird, haben aber keine Mehrheit im Rat. Die Stadtverwaltung wird die Umleitungsverkehre prüfen, danach sieht man weiter.

Sollte eigentlich 2023 fahrradfreundlich umgebaut werden: Die Kreuzung Bastei.


Auf dem Gelände von Continental 

Was wird aus dem Firmengelände von Continental (30 Hektar groß) in Rothe Erde? Hochleistungsreifen wurden dort produziert, jetzt erfolgen nur noch Aufräumarbeiten und der Abbau der Produktionsanlagen. 

In Aachen gibt es einen Mangel an Gewerbeflächen: Es ist kein Platz da für all die Firmen mit umweltfreundlichen Produktionsstätten, die sich in Aachen ansiedeln wollen. Da bietet sich das Conti-Gelände doch an. Die Stadt will es kaufen, ist allerdings bei weitem nicht der einzige Interessent.

Lässt sich der Fall über das Vorkaufsrecht zugunsten der Stadt regeln? Geklärt ist diesbezüglich noch nichts. Aber es muss z. B. damit gerechnet werden, dass sich Altlasten im Boden befinden (teilweise aus der Zeit, als in Rothe Erde noch Stahl produziert wurde), die alle abgeräumt werden müssen. Das kann teuer werden. Haben Unternehmen Kasse gemacht und der/die Steuerzahler*in muss jetzt die Entsorgung der Altlasten bezahlen?

Erfreulich: Über die Hälfte der 1800 Conti-Beschäftigten hat schon neue Jobs oder wird gerade qualifiziert und bei Bewerbungen unterstützt. Dass die Beschäftigten massenhaft arbeitslos werden, ist dort nicht das Problem.

Pussy Riot in Aachen

Im Musikbunker im Frankenberger Viertel läuft zur Zeit das Festival „Beat the System“, das Musik und politischen Aktivismus verbindet. Insgesamt sind neun Veranstaltungen geplant. Eröffnet wurde das Festival schon am 1. Dezember. 

Zum Finale treten am Freitag, 30. Dezember, Pussy Riot auf. Das ist eine Moskauer Punkrock Band, berühmt geworden durch ihr „Punk-Gebet“ gegen Putin, in einer Moskauer Kathedrale präsentiert. Ein Mitglied der Band ist erst kürzlich aus Russland geflüchtet. Sie hatte sich verkleidet und konnte ihre Bewacher überlisten. Nach kritischen Posts auf einer Plattform im Internet war die Aktivistin zum Hausarrest verdonnert worden. s. Video: Begreifen, wer Putin wirklich ist.

Das  komplette Programm vom Festival, mehr Infos und Tickets gibt es unter beatthesystem.de

Demokratie-Projekt

Nach so viel Text ein Blick auf das Gelände am Büchel: Dort soll der „Platz für Demokratie“ entstehen, die passenden Buchstaben in Beton sind schon mal da. Die 18 Buchstaben dieses Begriffs – 60 Zentimeter hoch – liegen in einer Böschung auf dem neugestalteten Büchelgelände. Mit dem Projekt soll zur Stärkung unserer Demokratie, die Gefährdungen von außen und innen ausgesetzt ist, beigetragen werden.

Genau hier stand einst ein kaputtes, stinkendes Parkhaus. Jetzt – der Baudezernentin Frauke Burgdorff sei Dank – nicht mehr.

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Das Buch zur Flut: Augenzeugen berichten von unfassbarer Zerstörung

Wer gute Nerven hat, kann sich in diesen Tagen in ein Buch vertiefen, das sich mit einer Katastrophe befasst. Eine Katastrophe, die sich quasi vor den Toren unserer Stadt im Juli 2021 abgespielt hat. „Hochwasserkatastrophe“ lautet der Titel, in dem in kurzen und packenden Texten von Augenzeugen aus Eschweiler, Stolberg und Vicht, aus Mulartshütte und Kornelimünster berichtet wird. 

Fünf Journalist*innen des Medienhaus Aachen lassen Männer und Frauen schildern, wie diese die beiden Fluttage, bzw. die Nacht vom 14. auf den 15. Juli erlebt haben. Auch, wie sie – nichts ahnend – die Stunden und Tage vor der großen Katastrophe ihrer Arbeit nachgingen oder Urlaub machten. Wenn sich in einem durchgeplanten und geregelten Leben schlagartig ALLES ändert, das hinterlässt Spuren. So schildern die 16 Porträtierten auch die Zeit nach der Katastrophe, als das Ringen um „Normalität“ im Mittelpunkt stand. 

Im Buch: Berichte über Menschen, die die Flutkatastrophe aus unterschiedlichen Perspektiven erlebt haben.

Weltuntergang. „Ich werde jetzt sterben“ hat plötzlich jemand gedacht und gesagt. Andere schildern, wie sie nichts mehr dachten, nur noch funktionierten. Das war kein normales Hochwasser, das Wasser stieg bis in die 1. Etage hinein, überschwemmte und verdreckte alles, zerstörte Wände, Böden und Fenster, ganze Häuser und Brücken und alles, was tausenden Menschen lieb und teuer war. In dem Buch bekommen auf der einen Seite Menschen eine Stimme, die sehen, wie das eigene Haus gerade zerstört wird. Auf der anderen Seite berichten diejenigen, die lediglich geholfen haben – oft bis zur vollständigen Erschöpfung. Beide haben mit schlimmen Erinnerungen zu kämpfen.

Erstaunlich: Niemand in dem Buch sieht eine Verbindung zwischen dem erlebten Naturereignis samt Schicksalsschlag und der galoppierenden Klimakrise. Wieso erlebte die Region gerade jetzt eine Katastrophe, wie es sie in unseren Landen seit 1000 Jahren nicht gegeben hat?

Groß ist dagegen bei allen das Erstaunen darüber, wie sehr man sich gegenseitig geholfen hat. Fremde seien in Gruppen aufgetaucht und hätten tagelang den Müll aus den Häusern getragen und ihn manchmal sogar noch abtransportiert. Große Dankbarkeit wird da sichtbar und eine gewisse Verwunderung darüber, dass Menschen – ohne je nach Lohn zu fragen – anpackten, trösteten, den Blick auf die Zukunft richteten und das ansprachen, was schon repariert werden konnte.

Wer das Buch liest und die vielen Fotos anschaut, der wird eines nicht vergessen: Menschen helfen einander. Dass jede/r immer nur an sich selbst denkt, wie es oft gesagt wird, das stimmt nicht. Ungeheuer viele Menschen haben auch in unserer materialistischen Zeit Mitgefühl, sie handeln mit Empathie. Das ist wirklich tröstlich.

Die Überschwemmungs-Fotos sind nicht reißerisch oder voyeuristisch, aber trotzdem sehr eindrucksvoll. Sie dokumentieren die zerstörerische Kraft des Wassers und transportieren eine düstere Stimmung. Im Vorwort äußern sich die Bürgermeister der Region, die Oberbürgermeisterin von Aachen  und Städteregionsrat Tim Grüttemeier. Außerdem gibt es noch eine kleine Chronologie der Ereignisse, die den eigenen Erinnerungen auf die Sprünge hilft. 

Hochwasserkatastrophe in der Städteregion, Städteregion Aachen (Hrsg.) in Zusammenarbeit mit dem Medienhaus Aachen, 114 Seiten, 15 Euro. Wo man das Buch kaufen kann, ist hier nachzusehen. 

Eine Szene aus Kornelimünster. Noch Tage nach der Überschwemmung stand das Wasser in der Kirche.

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Blick zurück in die Geschichte: Als in Aachen rheinische Separatisten putschten

Die Gegendwart: Krieg in der Ukraine, Aufstand in China, Bürgerkrieg im Iran. Dazu Elon Musk, der die geliebte Plattform Twitter ruiniert, Donald Trump, der womöglich der nächste US-Präsident sein wird, unglaublich viele schwer erkrankte Kleinkinder in Deutschland, Inflation, Klimakrise, Energiekrise, Deutschlands Ausscheiden aus der WM und die Unfähigkeit zu Abschreckung und Verteidigung (im Fußball wie im Land). Alles nicht miteinander zu vergleichen. Aber: Weit und breit nichts, was uns einen Funken Freude bescheren könnte.

Da wenden wir uns mal kurz der Historie zu, (die allerdings im hier vorliegenden Fall auch katastrophal geendet hat, nämlich mit der in Deutschland über Jahrhunderte gemachten Erfahrung, dass sich Protest, Aufstand und ähnliches nicht lohnen, immer niedergeschlagen werden). Die Stadtverwaltung, Fachbereich Kommunikation und Stadtmarketing, hat uns freundlicherweise folgende Mitteilung zu einem interessanten Termin zukommen lassen:

Separatistische Aktivist*innen proklamierten am 21. Oktober 1923 in Aachen einen neuen Staat: die Rheinische Republik. Dieser Aachener Putsch markiert den Beginn mehrmonatiger politischer Unruhen im gesamten Rheinland. Auch in Aachen kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, bevor die belgischen Besatzungsbehörden den Putsch nach knapp zwei Wochen beendeten.

In der Reihe „Europa am Dienstag“ werden am Dienstag, 6. Dezember, um 19 Uhr die Ereignisse auf der Basis neuer Forschungen beleuchtet und in den Kontext des Jahres 1923 gestellt, in dem die Weimarer Demokratie eine ihrer schwersten Krisen erlebte. Als Experten stehen der Leiter des Aachener Stadtarchivs Dr. René Rohrkamp und der wissenschaftliche Mitarbeiter Dr. Thomas Müller zur Verfügung.

Die beiden Geschichtswissenschaftler haben zusammen mit anderen bereits etliche Bücher und Aufsätze über die Geschichte der Region Aachen veröffentlicht, so zum Beispiel über das Warenhaus Tietz und über das Kriegsende 1918. Die Moderation übernimmt Professor Dr. Frank Pohle, Leiter der Route Charlemagne und Juniorprofessor für Geschichte und Kultur der Region Maas/Rhein an der RWTH Aachen.

Der Vortrag findet im Grashaus am Fischmarkt 3 sowie als Online-Übertragung statt. Im Grashaus gilt eine Maskenpflicht. Die Anmeldung für die kostenlose Veranstaltung erfolgt auf der Website von „Europa am Dienstag“ unter www.europa-dienstag.de . Direkter Link zur Anmeldung: https://ogy.de/Aachen-1923

Facebook: https://www.facebook.com/events/476245151201188

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Der Theaterplatz in Aachen vor 100 Jahren

Foto: Stadtarchiv Aachen, BAU 3-3489, fol. 190, Fotograf unbekannt.

Das Aachener Stadtarchiv zeigt aus seinen Magazinen regelmäßig interessante Stücke als Archivale des Monats. Das Archivale des Monats Dezember 2022 zeigt eine aus drei Teilen zusammengesetzten Panoramaaufnahme des Theaterplatzes, die einen Blick über die bauliche Situation vor 100 Jahren erlaubt.

Vor dem Theater steht das 1901 eingeweihte, von einem Rund eingefasste Kaiser-Wilhelm-Denkmal, das 1942 demontiert und dessen Bronzefigur 1943 zugunsten der Kriegswirtschaft abgegeben sowie eingeschmolzen wurde. Links an der Ecke Kapuzinergraben lässt sich das Café Bristol in dem damaligen, wuchtigen Eckbau erkennen. Rechts vom Theater ist als hinteres Gebäude in der Straßenflucht das damalige Telegraphenamt zu sehen, das direkt neben dem nicht mehr abgebildeten Regierungsgebäude lag. Rechts vom Telegraphenamt lag das Karlshaus, ein Hotel mit Restaurationsbetrieb und großem Saal, der vom Theaterplatz bis zum Kapuzinergraben neben dem Hauptpostgebäude reichte.

Zwei Häuser weiter in Richtung Kapuzinergraben ist eine Baustelle zu erkennen: Der Barmer Bankverein stockte einen ursprünglich eingeschossigen, neben dem Haupthaus im Eckgebäude Theaterplatz 2 liegenden Gebäudeteil auf. Diese Arbeiten waren von der städtischen Baupolizei bereits genehmigt worden. Im Umbau wurde ein weiterer Bauantrag bei der städtischen Bauverwaltung eingereicht: Das Bankhaus sollte in diesem überarbeiteten Bauvorhaben auf fünf Stockwerke gebracht werden. Die Stadt verweigerte die Genehmigung unter Hinweis auf eine formale Überschreitung der an dieser Stelle zulässigen Geschosszahl sowie die durch den Bau hervorgerufene Beeinträchtigung des Theaterplatzes, des Theaters und des davorstehenden Denkmals.

Das Architekturbüro legt Beschwerde ein

Das beauftragte Architekturbüro Moritz und Betten aus Köln legte Beschwerde gegen diesen Beschluss ein. Die oben gezeigte winterliche Panoramaaufnahme aus einer städtischen Bauakte zum Theaterplatz 2 sollte der Verwaltung vor Augen führen, dass „das dem Barmer Bank-Verein gerade gegenüber liegende Eckhaus fünf volle, ausgebaute Stockwerke aufweist“. Baurechtlich, so die Argumentation, sei eine formale Ablehnung deshalb zwar korrekt, es sei aber zu bedenken, dass es die bauliche Situation, die durch die Ablehnung der Baugenehmigung verhindert werden sollte, bereits gab. 

Nach einigem Hin und Her wurde die Baugenehmigung erteilt, der Bau kam aber wegen der wirtschaftlichen Verhältnisse nicht wie geplant zur Ausführung.

Quelle: Stadtarchiv Aachen

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Bekommt Aachen ein „Haus der Neugier“?

Soll man überhaupt darüber berichten? Hat das Projekt nicht sowieso null Chance, verwirklicht zu werden? Die Rede ist von der Zusammenlegung von Volkshochschule (VHS) und Stadtbibliothek im ehemaligen Horten-Kaufhaus. Gut 100 Millionen Euro würde das kosten, ergaben vorsichtige Schätzungen.

Und diese Summe ist auch der Grund, warum aus der – an sich – wunderbaren Idee vermutlich nichts wird. Allerdings: Phantasievolle Gemüter in Aachen können sich in dem Gebäude in der Komphausbadstraße tatsächlich ein „Haus der Neugier“ vorstellen.

Ein Bau aus den 1960er Jahren: das „Lust for Life“-Kaufhaus, es steht seit mehreren Jahren leer.

VHS und Stadtbibliothek sind zur Zeit noch in der Peterstraße und in der Couvenstraße mehr schlecht als recht untergebracht. Insbesondere die VHS ist in dem alten Bushof-Gebäude (Peterstraße) praktisch nicht mehr zu akzeptieren, so heruntergekommen ist der Bau in jeder Hinsicht. Eigentümer ist übrigens zur Hälfte die Stadt und zur anderen Hälfte Aachens Investor Gerd Sauren.

Das „Haus der Neugier“ können sich manche Politiker auch in einem vollständig sanierten Bushof in der Peterstraße vorstellen. Zwei Kölner Planungsbüros (Startklar und Raumwerk) untersuchen derzeit schon mal die Vor- und Nachteile der beiden Standorte.

Ein attraktiver und moderner Lernort soll das „Haus der Neugier“ am Ende sein. Die Leiterinnen von VHS und Stadtbibliothek, Beate Blüggel und Doris Reinwald, sollen sich im ehemalige Horten-Kaufhaus schon umgesehen haben. Beide sind dem Vernehmen nach von Umbau und Umzug total begeistert. Etwa 20.000 Quadratmeter braucht man angeblich für ein „Haus der Neugier“. Ob das ehemalige Lust for Life das hergibt?

Der Bau ist seit 2013 Eigentum der Landmarken AG. Die Planungsbüros wollen im März kommenden Jahres mit ihren Machbarkeitsstudien im Rathaus vorstellig werden. Und trotz aller Zweifel wegen der Finanzierbarkeit: AachenNews wird weiter berichten.

Was ist los in der Stadtbibliothek?

Das aktuelle Programm der VHS Aachen

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Prima Idee: 5 Euro pro Spiel an Amnesty zahlen

Der Aachener Journalist Bernd Müllender hat zusammen mit dem Hamburger Oliver Domzalski in der Berliner Tageszeitung „taz“ vor einigen Tagen eine kleine Kampagne gestartet. WM im Schurkenstaat Katar – nur gucken gegen Zahlungen an Amnesty International.

Viele machen schon mit, sogar international: Es gibt Überweisungen und Zusagen aus Neuseeland, Japan, Belgien und Holland.

„Schauen mit Gewissen“ ist der TAZ-Artikel (erschienen 19.11. 22) überschrieben. Und die rettende Idee wird wie folgt begründet: „Nichts spricht für diese WM. Eine frauen- und schwulenfeindliche Ausbeuter-Diktatur als Gastgeber, das Ereignis vergeben durch die Mafifa. Jede Tribüne könnte man, Sitz für Sitz, mit Gedenktafeln für die Todesopfer unter den Bauarbeitern füllen.“

Wohl wahr. Nicht wenige Fußball-Fans schauen schuldbewusst und freudlos. (Na ja, nach dem gestrigen Spiel geht es wieder.) Müllender und Oliver Domzalski kommen erst mal Zweifel. Sie haben mit dem Boykott so ihre Probleme und fragen sich: „Ist es politisch überhaupt sinnvoll, das Erlebnis WM von einer Diktatur vermiesen zu lassen? Wertet man das Regime so nicht eher auf? Und überhaupt: Wer kriegt denn mit, dass ich nicht gucke? Was bewirkt das überhaupt?“

Tja, gute Fragen. Und dann entwickeln sie ihre Idee, die bis jetzt schon Erfolge verzeichnet:

„Wir gucken! Und zahlen 5 Euro „Eintritt“ pro Spiel an Amnesty International. Jugendliche bis 18 die Hälfte; man kann das gern auch sozial weiter staffeln, auch nach oben: also FDP-Wähler*innen und andere Gut­ver­die­ne­r*in­nen zahlen 10 Euro oder mehr – freiwillig. Ersatzweise gibt es eine Flatrate für die vollends Fußballsüchtigen: Ganze WM 150 Euro, Thema abgehakt.“

Da jubelt das betäubte Gewissen. Ja, aber Amnesty eben auch, weiß Müllender und freut sich. Er rät: „Lasst Twitter und Facebook glühen von der Idee.“

Das Finale soll übrigens zahlungsfrei sein, (…) „weil ein Endspiel allgemein historische Bedeutung hat“. Zudem helfe die Ausnahme auch aus organisatorischen Gründen: „So kann bitte jede Gruppe, jedeR Ein­zel­spen­de­r*in uns bis Samstagabend vor dem Endspiel die gesammelte Summe mitteilen – an eintritt@taz.de. “

Bernd Müllender und Oliver Domzalski addieren am Schluss und versprechen: Sie geben das stattliche Ergebnis nach dem Finale bekannt. 

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Erinnerung: Als Al Jazeera erfunden wurde

Die Weltmeisterschaft im Wüsten-Winter kommt jetzt richtig in Fahrt. Und auch wenn Katar ein autoritärer Staat ist und die Herrscherfamilie komplett das Sagen hat, dürfen wir uns doch erinnern an eine Stimme aus Katar, die rund um den ganzen Globus zu hören ist: Al Jazeera.

Es ist der einzige arabische Nachrichten-Sender, der uns phasenweise beeindruckt hat. Mitte der 90er Jahre fingen sie an, aus Doha (Hauptstadt von Katar) zu senden. Das war damals eine gigantische Sensation, die die Presseleute in den demokratischen Ländern aufhorchen ließ. „Was? Wo? In Katar? Wer oder was ist Katar?“, hieß es, die Älteren werden sich erinnern. 

Das hatte es in der gesamten arabischen Welt bis dahin noch nie gegeben und hatte es auch nicht geben dürfen. Zum ersten Mal ließ man in der medialen Öffentlichkeit Menschen miteinander streiten, die total konträre Meinungen vertraten. Al Jazeera schlug ein wie eine Bombe. Man sah Israelis und Palestinenser in EINER Talkshow. Vorher: Un.vor.stellbar. 

In einer Welt, die daran gar nicht gewöhnt war, wurden plötzlich im TV die Tabuthemen behandelt. Es wurde leidenschaftlich diskutiert, manchmal brüllte man sich an. Einmal konnte man sogar Gaddafi in der Sendung anrufen und ihm Fragen stellen. Und das taten dann einfache Menschen und fragten los. „Der Blick und der andere Blick“ hieß eine Sendung, das soll noch heute in den arabisch-sprechenden Ländern eine Redewendung sein. 

Leute bekamen Sachen zu hören, die sie vorher nicht hören sollten. Die Menschen waren dankbar und werden wohl nie vergessen, dass das alles ihnen möglich wurde durch Katar, das den Sender zuließ und finanzierte. Bis heute.

Auch heute mag man als Journalist*in die Hoffnung nicht aufgeben, dass die Kataris auf ihrem sehr eigenen Weg in die Zivilisation uns noch überraschen werden. Die damaligen Journalistinnen und Journalisten – es wurde ein weltweites Netz von Korrespondent*innen aufgebaut – waren oftmals ebenfalls Araber, sie hatten in England bei der BBC ihr Handwerk gelernt. Es waren Top-Leute, die aber aufgrund von Diskriminierungen (so geht das Gerücht) an die wirklich heißen Themen nicht rangelassen wurden. So haben sie ihren eigen Sender eröffnet und wollten „Voice of the Voiceless“ sein. 

So war das in den 1990er Jahren, als die Medien in der arabischen Welt eigentlich nur Propaganda-Sprachrohr für die Regierenden waren, sonst nichts. Heute gibt es weitere Sender, es gibt das Internet mit Blogs und YouTube, Twitter und anderen Plattformen. Die Situation hat sich komplett geändert. Al Jazeera ist – aus welchem Grund auch immer – zweigeteilt, 2006 ging Al-Jazeera-English an den Start, berichtete aber weiter „aus der Region über die Region“. 

In Gaza, in Afghanistan, zum arabischen Frühling und auch sonst hatten Al-Jazeera-Journalisten Zugänge zu Informanten, von denen man in Europa nur träumen kann. Vielleicht erinnert ihr euch daran, wie Tony Blair und George W. Bush den Sender Al Jazeera gehasst haben. Mittlerweile ist Aj Jazeera die Stimme Katars in der Welt, einige islamistische Journalisten wurden eingestellt, wie berichtet wird. Oft nicht unabhängig, manchmal wird unwidersprochen gegen Juden gehetzt. 

***

Der Sender Al Jazeera wird bei Wikipedia dargestellt. Wer mehr wissen will: https://de.wikipedia.org/wiki/Al_Jazeera

Und der Podcast „Geld, Macht, Katar“ ist absolut hörenswert. In mehreren Folgen wird informiert. Auch über die Geschichte den Senders Al Jazeera. https://www.ardaudiothek.de/sendung/geld-macht-katar/10800757/ Unbedingt anhören.

Vor 20 Jahren: Al Jazeera geht auf Sendung. https://www.deutschlandfunk.de/vor-20-jahren-al-jazeera-geht-auf-sendung-100.html

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Der immergrüne Baum ist ein Symbol des Lebens

Alte Schriften verzeichnen einen ersten geschmückten Weihnachtsbaum nicht in Aachen, sondern in Freiburg im 15. Jahrhundert. Bekannt und weltweit beliebt wurde der Weihnachtsbaum erst viel später, nämlich ab dem 19. Jahrhundert.

In Aachen hat als erster das Warenhaus Leonhard Tietz den Rat der Stadt gebeten, auf dem Marktplatz einen Baum – auf eigene Kosten – aufstellen zu dürfen. Ihm wurde die Erlaubnis erteilt (s. hier). Ob sich heute die Bewunderer dieses prachtvollen Baumes daran erinnern?

Der Weihnachtsbaum ist keine christliche Erfindung. Aber die Christen nahmen wie so vieles den eigentlich heidnischen Brauch in ihre religiöse Symbolik auf. Denn wie Wacholder- und Mistelzweige (immergrün) standen Tanne oder Fichte für ewiges Leben, Ausdauer und Überleben. 

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Mal eine – vermutlich – einsame Einzelmeinung zu Katar

Mich erstaunt das Ausmaß an Kritik, das an Katar und seiner Fußball-Weltmeisterschaft geübt wird. Die ganze Aufregung finde ich etwas übertrieben. Meine Güte, gehts noch? 

Die Menschen dort waren vor wenigen Jahrzehnten noch bettelarm und versuchen, auf sich aufmerksam zu machen. Sie wollen sich in die moderne Zeit reinschrauben, in eine Zukunft, die ihre und nicht unsere ist, klar. Es ist ein kleines Land, auf dem wird rumgetrampelt, was man sich bei China und Rußland nicht getraut hat. 

Als die Olympischen Spiele in Peking stattfanden, war die Kritik längst nicht so krass. Dabei ist China ein Land, wo es nicht einen Funken politische Freiheit gibt. Die Kataris geben sich wenigstens Mühe. Die wissen auch, dass sie noch viel aufzuholen haben an politischen Freiheiten usw. Als alles nach Rußland blickte, nach Sotschi, 2014, olympische Winterspiele, hatte Russland schon Teile der Ukraine besetzt. Oppositionelle landeten in Straflagern. Im Zuge der Bauarbeiten für die Olympischen Winterspiele 2014 wurden in Sotschi tausende Bürger zwangsenteignet und umgesiedelt. 

12 Prozent der Einwohner in Katar sind Einheimische, alle anderen sind sog. Gastarbeiter, die schuften für wenig Geld. Viele Menschen sind beim Bau der Stadien gestorben, alles wahre Katastrophen. Mehrere 100.000 Menschen haben zugleich dort ihren Lebensunterhalt verdient, haben ihre Existenz gesichert, ihren Familien Geld geschickt. Man möchte sich gar nicht vorstellen, was in Deutschland los wäre, wenn es hier so viele ausländische Arbeiter gäbe. 

Erstaunlich auch, wie häufig bei Katar die Diskriminierung der LGBTQ-Personen angesprochen wird. Aber es werden in jedem muslimischen Land Menschen mit abweichendem sexuellen Verhalten verfolgt. Auch in Ägypten zum Beispiel, wo jetzt die Staatschefs der Welt sich zur Weltklimakonferenz getroffen haben. Was meint ihr, was die dort mit Homosexuellen machen? 

Gekaufte Fußball-Weltmeisterschaft? Da kann man in Deutschland ja mitreden. Diese Spiele werden immer gekauft, nehme ich stark an. Wie auch die Fußballspieler. Warum spielen sie in den Vereinen? Weil sie gekauft wurden. Fußball ist Kommerz und Entertainment, sonst nichts.

Wenn es nur in den Ländern sportliche Großereignisse von Weltrang gäbe, wo es keine Menschenrechtsverletzungen gibt, wäre die Auswahl ziemlich klein. Korrupte Vergabe, geknechtete Arbeiter, sinnlose Bauten . . . (alles wie immer) sollen auf einmal bewirken, dass man sich die Spiele und die Berichterstattung im TV nicht mehr ansieht. Hallo? Hinsehen ist angesagt, nicht wegsehen.

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In Aachen fehlt es an Wohnungen. Ist ein Umzug in die Region die Lösung?

Kommt nach der Mobilitätswende und der Wärmewende jetzt die Wohnwende? Liegt die Lösung für den städtischen Wohnraummangel in der Region? Wie können Stadt und Region sich gemeinsam den Herausforderungen stellen? Diese Fragen werden bei einem Zukunftsforum aufgegriffen und zu beantworten versucht.

In Aachen gibt es einen großen Mangel an Wohnungen, sowohl für Einzelpersonen als auch für Familien mit wenig Geld. Dem stimmt zwar die zuständige NRW-Ministerin in Düsseldorf sonderbarerweise nicht zu, aber es ist eine Tatsache: In Aachen herrscht Wohnungsnot. Was ist zu tun?

Sollte man den Menschen raten, einen Umzug in die Region zu erwägen? Bleibt eigentlich noch etwas anderes übrig? In Aachen fehlt es nämlich nicht nur an sofort beziehbaren Wohnungen, es fehlt auch massiv an Grundstücken. Es ist praktisch alles voll.

Wohnanlage „Guter Freund“ in Rothe Erde Foto: AachenNews Archiv.

Um über die aktuellen Herausforderungen zu sprechen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, diskutieren auf Einladung der Aachener Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen am Donnerstag, 24. November, ab 18 Uhr im Krönungssaal des Aachener Rathauses Bürgermeister Dr. Benjamin Fadavian (Herzogenrath), Bürgermeisterin Nadine Leonhardt (Eschweiler), Bürgermeisterin Dr. Carmen Krämer (Monschau) sowie Jean-Paul Kompier (Vaals) und Mario Pitz (Schöffe Gemeinde Raeren) mit Expert*innen aus Politik, Wissenschaft und Verwaltung zum Thema „Wohnen für alle – ist die Region die Lösung?“

„Städtischer Wohnraum ist knapp, und bezahlbare Wohnungen in den Großstädten sind absolute Mangelware“, weiß die Pressestelle der Stadtverwaltung. Und weiter: Die Mieten entwickelten sich immer weiter nach oben. Vor diesem Hintergrund komme der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Wohnraumentwicklung in Zukunft eine neue Bedeutung zu.

Bundesweit leben 30,7 Prozent der Familien mit drei oder mehr Kindern in zu kleinen Wohnungen.

Bei diesem ersten Aachener Zukunftsforum zum Thema Wohnen werden Zahlen, Daten, Fakten und Diskussionsrunden geboten. Zudem gibt es viel Raum für Anregungen aus dem Publikum. Highlight sind das Fachgespräch mit Norbert Plum, Vorsitzender des Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss, Helena Schulte, Lehrstuhl für Planungstheorie RWTH Aachen, Friederike Schweer von der Initiative Aachen sowie die Podiumsdiskussion der Bürgermeister*innen und Beigeordneten der Region.

Die Stadt Aachen lädt ein, der Eintritt ist frei. Eine formlose Anmeldung ist unter handlungskonzeptwohnen@mail.aachen.de möglich.

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Etwas Musik

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