Die Machenschaften der Banken

Die Machenschaften der Banken sind Gegenstand eines Stückes im Stadttheater in Aachen. In dieses Stück bin ich am Wochenende reingeraten und habe mich insbesondere über den lang anhaltenden Beifall gewundert. Das Stück heißt „Himbeerreich“ und kritisiert die Banken und auch insbesondere die Politik – rückhaltlos. Volle Breitseiten werden auch gegen Angela Merkel gefeuert. Dass diese Dame den Karlspreis für Verdienste um Europa bekommen hat, kann einen da nur fassungslos machen.
Aber wie gesagt: Man wundert sich am meisten über das gutbürgerliche Publikum, das die Leistungen von Stückeschreiber, Regisseur und Schauspielern so mit Applaus bedacht, als hätte keiner von denen Angela Merkel gewählt. Dabei haben die alle die CDU gewählt, also vermute ich jetzt mal.
Das Stück wird im Aachener Stadttheater weiter aufgeführt am 12., 19. und 31. Januar sowie am 15. Februar. Einzelheiten unter http://www.theater-aachen.de

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Sie wollen so gern mitmachen. Wird man sie auch lassen?

In den Städten und Gemeinden von NRW treffe ich in den letzten Monaten viele eher junge Frauen und Männer, die gern mitmachen würden in der Kommunalpolitik. Das ist wirklich erstaunlich. In Aachen natürlich und in Düren und Jülich gibt es sie. Aber auch in Köln und Düsseldorf, in Bonn und Neuß, in Kerpen sogar: Wohin man kommt, überall kümmern sie sich um die Kommunalpolitik und versuchen, die Vorgänge und Abläufe zu verstehen.

Wer hilft ihnen? Eigentlich keiner. Und entsprechend langsam kommen sie rein in die Politik.

Es sind Piraten, und nicht etwa Jusos oder Leute von der Jungen Union. Bei SPD und CDU hör ich von den im Rat seit ewigen Zeiten aktiven Leuten, dass es bei ihnen kaum Nachwuchs gibt und man nicht weiß, wer in zehn Jahren eigentlich mal Kommunalpolitik machen wird, wenn die Älteren nicht mehr können.

Sie haben den Nachwuchs vor der Nase, der allerdings in der Piratenpartei mitmacht. Da frag ich mich mit Blick auf den Mai, wenn die Gemeindeparlamente gewählt werden: Schaffen die Jungen es? Werden die Wähler ihnen Chancen geben? Das ist alles noch sehr offen.

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Denk ich an Europa in der Nacht . . .

Europa. Wir sind der Kontinent der Kriege, aber seit 60 Jahren wollen wir ein Kontinent des Friedens sein. Nur: Blauhelme auf Zypern, das bedeutet nicht Frieden, das bedeutet Krieg. Und auch, was sich auf dem Balkan abgespielt hat und abspielt, zeugt  nicht davon, dass die EU für ein friedliches Europa gesorgt hätte. Wirklich nicht.

Die europäischen Staaten haben festgesetzt, dass jeder in der Europäischen Union Mitglied werden kann, der gewisse definierte Bedingungen zum Beitritt erfüllt. So wie bei einem Club oder Verein: Jeder wird aufgenommen, der bestimmte Bedingungen erfüllt. Und was ist? 
Es wurden Griechenland, Bulgarien, Rumänien und zuletzt auch Kroatien aufgenommen, von denen man vorher ganz genau wusste, dass sie die erforderlichen Bedingungen GAR NICHT erfüllen. Hohe Inflation, Korruption auf allen Ebenen, keine funktionierende Verwaltung, kein intaktes Rechtssystem, kein Minderheitenschutz – alles Ausschlussgründe. Diese Länder erfüllten nicht die Beitrittskriterien und wurden trotzdem Mitglied. Das kann nicht gutgehen. 

Was Griechenland betrifft, so lagen vor dem Beitritt dicken Studien und Gutachten vor, dass Griechenland überhaupt nicht bereit ist, Mitglied zu werden. Da muss man sich heute nicht wundern. Griechenland hatte damals kein Grundbuch, erhielt dann via EU viele Millionen um ein Grundbuch anzuschaffen und hat heute noch kein Grundbuch. 

Was oft erzählt wird, ist folgendes: Weil China und Indien mit ihren jeweils über eine Milliarde Einwohnern und Brasilien wirtschaftlich immer stärker und einflussreicher werden, müsse Europa sich ebenfalls erweitern und von den jetzt etwa 500 Millionen Einwohnern auf mindestens 800 Millionen kommen. Ansonsten säßen „wir“ (Europäer) in 10, 20 Jahren bei den G 7 demnächst nicht mehr dabei und hätten auch sonst wegen Bedeutungslosigkeit nichts mehr zu sagen. 
Also aus Angst vor den neuen Großen dieser Welt müsste Europa zusammenhalten und sich vergrößern. Das ist Werben für Europa durch Angstmachen. Sehr schade und der völlig falsche Weg. Wer weiß, in wie viele Länder China und auch Indien dereinst einmal zerfallen sein werden. Auch kann Europa in  der Gemeinschaft der Weltmächte einflussreich sein, wie heute Luxemburg in der EU. 
Schließlich möge man sich einmal anschauen, wie viele Nobelpreisträger aus China und Indien kommen. Sehr, sehr wenige. Und wie viele aus Europa und den USA. Es sieht doch so aus, als werde bis auf weiteres in China das produziert und nachgebaut, was Europäer und Amerikaner erfinden. Insofern kann Europa bei seinen „nur“ 500 Millionen bleiben und trotzdem eine wichtige Rolle unter den Weltmächten einnehmen. 
Das ist hier alles vorerst ziemlich salopp aufgeschrieben und wird bis zur Europawahl im Mai 2014 weitergedacht und diskutiert.

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Verschuldet, nicht durch eigene Schuld.

Jetzt ist er beschlossen, der „Kommunal-Soli“. Es handelt sich um eine Zwangsabgabe, die Pleite-Städte und -Gemeinden aus ihrem Finanz-Elend rausholen soll. „Kommunal-Soli“ bedeutet, dass in Nordrhein-Westfalen bestimmte Städte und Gemeinden den anderen Geld geben müssen. 
Okay, Städte wie Düsseldorf oder – in seiner Nähe – Monheim, die haben natürlich prall gefüllte Kassen. Weil dort schon immer tolle Firmen ansässig sind, die gute Gewinne machen und entsprechend Steuern zahlen. Die Kommunen (wie Stolberg, Nideggen, Nörvenich und Aldenhoven), die jetzt von den Wohlhabenden etwas bekommen werden, sind zwar möglicherweise durch eigene Schuld hochverschuldet. Die zahlen sich übrigens allein schon an den Zinsen dumm und dämlich. Aber die Pleite-Kommunen haben auch oft wirklich Pech: In Städten wie Düren und Stolberg wohnen einfach überproportional viele Alleinerziehende, Arbeitslose, bedürftige Alte. In einem Eifeldorf als Alleinerziehende oder Arbeitsloser zu wohnen, das ist extra-schwer. 
Diese Leute ziehen dann in die Mittelstädte, wo sie keine Autos brauchen, um alles (Arzt, Apotheke, Schulen, Discounter usw) zu erreichen, wo die Ämter sind, mit denen sie viel kooperieren müssen, wo auch etwas Anonymität vor nervigem Dorf-Gequatsche schützt und wo dann auch schneller weitere Betroffene sind, mit denen man sich zusammentun kann.
 
59 wirtschaftlich Starke gibt es in Nordrhein-Westfalen, hat das NRW-Innenministerium ermittelt. Die halten sich natürlich selber nicht für stark, sie hätten eben nur sparsam gewirtschaftet und sich sogar von Grundstücken, Wald, Gebäuden und was nicht allem getrennt, um der Überschuldung zu entgehen. Der Düsseldorfer Oberbürgermeister gibt sogar an, seine Stadt müsse angeblich, um den „Kommunal-Soli“ zu zahlen, einen Kredit aufnehmen. Müsse sich also nun ihrerseits verschulden.
 
61 Städte und Gemeinden brauchen die Hilfe, damit sie innerhalb von sieben Jahren ihre Haushalte konsolidieren können. Ich nehme an, dass Aachen in den Soli einzahlen muss, ich weiß aber noch nicht wie viel und wie lange. 
Im NRW-Landtag haben Piraten, CDU und FDP gegen den Soli gestimmt. Die Starken sind wild entschlossen, gegen den „Kommunal-Soli“ zu klagen. Das wird spannend. 
 
Zum NRW-Stärkungspakt. http://t.co/S2LI7Qk2hv
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Eva Menasse

Eva Menasse 2007: Die nichtjüdischen Deutschen im Alter von ungefähr 50 Jahren sind aufgewachsen mit dem Fanal: „Wir sind Deutsche, und wir müssen der Welt zeigen, dass wir nicht alle Schwerverbrecher sind.“ Das ist heute vorbei.

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=11706

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Wie man sich Bürgerinnen und Bürger zu Feinden macht

In Aachen wird ein Bauwerk abgerissen, von dem ein bekannter Architektur-Professor sagt, es sei nicht nur für Aachen wichtig, sondern es sei wichtig für ganz Deutschland. 
Es geht – wer hier mitliest, kann es sich denken – um den Bunker in der Rütscher Straße. Und der Professor ist Christoph Schulten (Aachen/Dresden). Im Rathaus machte er sich jüngst öffentlich und mit Verve für den Erhalt des Bunkers stark. Ohne jeden Erfolg. 

Dass der Bunker abgerissen wird, ist schon länger klar. Seit wann genau, wissen aber wohl nur die Herren im Rathaus und der Investor, der dort Luxuswohnungen errichten will. Die komplette Nachbarschaft von dem Bunker wurde jedenfalls kurzfristig über den Abriss informiert und fühlt sich jetzt (in Teilen) krass über den Tisch gezogen. Diese Menschen sind wütend, sie wurden nicht gefragt, kaum informiert, sie wurden vor vollendete Tatsachen gestellt.

Und das ist genau der Nährboden, auf dem die katastrophalen Bürgerentscheide wachsen und gedeihen. Wütende Bürgerinnen und Bürger werden sich revanchieren. Sie werden, wenn mal wieder über ein anderes Bauprojekt abgestimmt werden darf, mit „nein“ stimmen. Allein um den ignoranten Stadtoberen aus Politik und Verwaltung in die Suppe zu spucken. Als hilfloser Protest.

Dass die das in der Stadtverwaltung nicht kapieren!? Wie sonderbar. Man kann über ein Projekt (wie die Campusbahn oder das Bauhaus) die Bürger früh informieren. Wenn man sie aber in den Jahren zuvor dauernd ins Kreuz getreten hat, wieder und wieder, werden sie ihrer Wut und Enttäuschung Luft machen und sich blindwütig wehren. 

Alte Aachener erinnern in diesem Zusammenhang an die fatale Begradigung einer Straße, der die damalige Szene-Kneipe „Theos Pinte“ zum Opfer fiel. Es hagelte – so etwa 1975 soll das gewesen sein – Proteste, und es gab Demos. Noch und noch. Allein: Die Häuser wurden abgerissen, die Straße begradigt, die Kneipe funktionierte nicht mehr. So alles einfach entschieden über die Köpfe der Leute hinweg.  

In der Rütscher Straße haben wird es mit einem Bunker zu tun. Hässlich, groß, dunkel. Eine vielköpfige Initiative möchte ihn erhalten, wegen der Erinnerung. Ein Professor möchte ihn als bauhistorisches Kleinod erhalten. 

Ich bin persönlich nicht gegen den Bau von Luxuswohnungen. Und ich mag Bunker nicht gern ansehen. Meine Mutter und ihre Schwester haben noch heute den Horror in den Augen, wenn man sie was zu irgendeinem Bunker in Aachen fragt. Was sie dort als Kinder erlebten, hat sie traumatisiert. 
Auch als Architektur finde ich Bunkerbauten hässlich. Sie wurden zur Nazizeit errichtet, und wir hängen uns ja auch nicht die Bilder auf und stellen uns die Skulpturen auf, die von Nazi-Künstlern damals produziert wurden. Diese Scheiße müssen wir nicht ständig vor Augen haben. Auch nicht zur Abschreckung oder Erinnerung. Aber hier sollte mal erklärt werden, wie man sich in Aachen seit Jahren die Bürgerinnen und Bürger zu Feinden macht. 

Auch für Stadtverwaltung und Politik gilt: Wer andere glücklich macht, der wird glücklich.

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Alles nur noch viertklassig?

Jetzt reicht es aber bald. 
 
Nicht nur, dass die Alemannia, was der hiesige vaterstädtische Fußballverein ist, viertklassig (!) spielt. Und in der 4. Liga auf einem hinteren Platz rangiert. Nein, jetzt hat auch Ex-WDR-Intendant Fritz Pleitgen Aachens Viertklassigkeit entdeckt und angeprangert. 
 
Im Rathaus wurde irgendein Preis verliehen. Pleitgen rückte als Festredner aus Köln an und äußerte sich zur Überraschung der Festgesellschaft zum Karlspreis. Und zwar zu den Preisträgern (langweilig, kommen alle aus dem gleichen Milieu) und zur Zeremonie (langweilig, immer dasselbe). Der Ex-Intendant haute ganz schön auf die Kacke. Super. Tja, das  Publikum applaudierte wie bekloppt. Ratsherren von CDU und SPD haben unterdessen schon öffentlich kundgetan, dass sie nichts von Pleitgens Einschätzungen halten. Etwas anderes hatte ich von denen aber auch nicht erwartet. 
 
Der Ex-WDR-Mann nahm sich, einmal in Aachen am Rednerpult, auch den „Orden wider den tierischen Ernst“ vor, eine Veranstaltung, für die sich viele Aachener schämen. Etwa wenn sie im Urlaub gefragt werden: „Wo kommen Sie her?“ – „Aus Aachen.“ – „Ist das nicht die Stadt, von wo immer diese schreckliche Karnevalssitzung übertragen wird?“ – „…“
Die Ordensträger bringt kein Mensch mit Humor in Verbindung, ist Pleitgen aufgefallen. Tja, und das seit 20 Jahren. Kein schöner Schwachsinn, kein jeckes Ausflippen, gar nichts, im Sinne von GAR NICHTS. 
 
Ist Aachens Polizei etwa auch viertklassig? Eine Hotel-Betreiberin glaubt das und klagt wegen eines Übergriffs. Sie fand sich im Juli 2012 in Handschellen gefesselt in einem Polizeiauto wieder, wurde angeblich ein paar Straßen weiter wieder freigelassen. Jetzt sind erst mal ihre Akten verschwunden.
Vor ein paar Tagen versuchten 15 Polizisten im Ostviertel für Ruhe und Ordnung zu sorgen, sie sahen sich aber plötzlich einer Überzahl von jungen Männern gegenüber und zogen sich zurück. 
 
Auf jeden Fall nicht erstklassig ist Aachens Stargeiger David Garrett in dem Film „Der Teufelsgeiger“. Von „eingesülzter Soundsoße“ und „in Klangmarmelade absaufen“ schrieb ein Filmkritiker. Er bezieht deshalb gerade Prügel via Leserbriefen. 
Und wie sieht es mit der neuesten Produktion des Stadttheaters aus? Auch viertklassig. Die Märchenoper „Rusalka“ fiel jedenfalls beim Kritiker mit Karacho durch. (Das Publikum applaudierte übrigens heftig und war begeistert.)
 
Die Alemannia, der Karlspreis, der Orden wider den tierischen Ernst, die Polizei, der Stargeiger, die Dvorak-Oper… es reicht. Aachen sollte mal wieder mit was Positivem rauskommen. 
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Bloß nicht anecken

Dieser Tage weilte der Journalist Peter Zudeick auf Einladung der hiesigen SPD und der Friedrich-Ebert-Stiftung in Aachen. Im Theater K. sollte es aus seinem Mund eine gepfefferte „Journalistenbeschimpfung“ geben. So war es jedenfalls angekündigt worden, und weil ich vor nichts zurückschrecke, dachte ich: „Na gut, lässt du dich halt mal von Peter Zudeick beschimpfen.“ Es beschimpft mich als Journalistin ja auch sonst alle Welt. 

Peter Zudeick kommt sehr sympathisch rüber, viele kennen ihn ja von seinen samstäglichen satirischen Glossen im WDR. Er hat vier Fächer studiert, promoviert, schreibt des öfteren in der TAZ und in anderen wichtigen Zeitungen. Seine Kommentare und Analysen gehören zum Besten, was es gibt in dieser Bundesrepublik. 

In Aachen schilderte er äußerst freundlich und charmant die missliche Lage und die Fehlleistungen der Journaille in Deutschland. Und brachte viele Beispiele, wo die Kollegen bei Themen einfach versagen. Wie sie auf Themen springen, nur weil sie die BILD einfach mal anleiert, wie sie halb-recherchierte Sachen verbreiten und mit Politikern kungeln. Wie sie nach Bedarf einen hochgejubelten Mann in der Öffentlichkeit plötzlich alt aussehen lassen, wie sie die blödesten Themen mit Feuereifer aufgreifen und die wichtigen nicht anpacken, nicht in den Griff bekommen. Wie sie sich in hochnäsigen Kommentaren aufschwingen und immer alles besser wissen. 

Das alles wurde so nett und freundlich präsentiert, dass man denken konnte: Die Redakteure in Funk, Fernsehen und in den Verlagen sind ein lustiges, eigenwilliges Völkchen, wo sich die Mitglieder ab und zu selbst ein Bein stellen, aber sonst sind sie ganz in Ordnung und die Lage ist nicht dramatisch. 

Dieser Ton wurde dem Thema nicht gerecht. Die vierte Gewalt im Staat kommt ihren Aufgaben nicht mehr ausreichend nach. Es gibt viel zu viel Verlautbarungsjournalismus, zu wenig freche Kommentare und Biss. Zu wenig Nachbohren und Misstrauen gegenüber den Mächtigen, seien es nun Bürgermeister in der Provinz, die Kirche und die Gewerkschaften, die Parteien oder die Angeordneten in Berlin.  Aus irgendwelchen Ängsten heraus versucht die schreibende Zunft bloß nicht anzuecken. 

Wie gesagt: Es war recht unterhaltsam, Zudeick zuzuhören, er wurde aber der Brisanz der Lage in keine Weise gerecht. Die vierte Gewalt im Staate muss  leider viel ungeduldiger, krasser und grundsätzlicher kritisiert werden. Wegen grandioser Fehlleistungen. 

Zudeick wurde in der Diskussion auf die NSA-Affäre angesprochen. Und da stimme ich ihm zu: Die Presse hat DIESES Thema bisher erfreulich umfassend abgehandelt. Wer will, findet dazu viele gute Beiträge in den Zeitungen. 

Die rund 150 Gäste bei der Veranstaltung meinten auch, die SPD sei bezüglich der Überwachung durch ausländische und inländische Geheimdienste auf dem falschen Pferd. Es gab, als diese Meinung geäußert wurde Beifall (von mir).

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Barbara Vinken zum Thema: Männer und Mode

1. Körperbedeckend

 
Die Berufskleidung der Männer, das ist der Anzug. Man begebe sich in eine Versicherung, eine Bank oder ein Verwaltung, in ein Parlament, eine Firma . . . immer haben dort die Männer das Gleiche an: eher schmal geschnittene Anzüge. Bis auf die Hände und das Gesicht sieht man vom Körper nichts. Kein Körper,  nirgends, die Jacke bedeckt den Po.

 
Und das alles seit fast 200 Jahren: ein Stil, den man getrost „zeitlos“ nennen kann. Dazu immer kurze Haare und ein glatt rasiertes Gesicht. Darüber schreibt Barbara Vinken in ihrem neuen Buch „Angezogen“, aus dem hier referiert wird.
 
Als Zeichen größtmöglicher Anpassung im Äußeren tragen Männer ihre Anzüge, ihre Berufsuniform, in Uni-Optik, dazu gehören für alle – völlig uniform – Halbschuhe und eine teils teure Uhr am Handgelenk. Für restlos alle, die ich je gesehen habe, ist die Uhr der einzige Schmuck, den man sieht.
 
In der Freizeit jedoch tragen die Männer alle keine Anzüge. Sondern Jeans oder Cordhosen, dazu Turnschuhe. Die Jeans erlaubt es ihnen, ein bisschen Po zu zeigen, aber nur in der Freizeit. Der Anzug ist die Berufskleidung.
 
 
2. Körperbetont
 
Frauen haben keine Berufskleidung, selbst hart arbeitende Frauen sind niemals einheitlich gekleidet, meint Vinken. Sie tragen bei der Arbeit Röcke mit Blusen und Pullis, Kleider lang und kurz, Hosen und lange Pullover mit LeggingsBallerinas, Stiefel, Pumps, Halbschuhe mit spitzem oder breitem  Absatz. In den letzten 200 Jahren zeigte die Mode der Frauen rasante Wechsel.
 
Frauen sind immer so gekleidet, als befänden sie sich in den Ferien. Das krasse Gegenteil von Berufskleidung und Uniformierung – die Individualität wird betont. Auch wenn sie arbeiten, sehen sie aus, als hätten sie gerade Freizeit. Das ist bei den Männern völlig anders: Man sieht an ihrer Kleidung auf den ersten Blick, dass sie arbeiten, und zwar in verantwortungsvollen Positionen, das signalisiert der Anzug.
 
Zum Nachlesen:
Roland Barthes: „Die Sprache der Mode“.
Paul Morand: „Die Kunst, Chanel zu sein“.
Sara Gay Forden: „Mode, Mord und Business“.
Francois Baudot: „Die Mode im 20. Jahrhundert“.
Barbara Vinken: „Das Geheimnis der Mode“.
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Wenn man sich fast nie mit Kunst und Kultur beschäftigt, sondern immer nur mit Politik, dann braucht man, um die Produktionen der Kreativen zu verstehen, Erklärungen und Informationen. 
Das wissen die Leute im Aachener Stadttheater und bieten zu jedem Stück eine kostenlose Vorfeld-Veranstaltung an. Da wird dann erklärt, worum es in dem Stück geht, warum es aufgeführt wird, was das Besondere ist und auch, was an den alten Sachen aktuell ist usw. Und nach den Erklärungen darf man auch ein bisschen was vom Stück sehen. Während die Proben noch laufen.
 
Jüngst kamen also wieder mal rund 200 Leute ins Aachener Stadttheater, hörten Erklärungen und sahen eine Szene aus einer Oper. Ich konnte am Ende eine Bemerkung von einem Teilnehmer aufschnappen: „Alles gut und schön, aber das ist ja mal wieder eine Spar-Kulisse 😦 …..!“ Die Leute sind nicht begeistert, wenn sie im Theater an jeder Ecke sehen, dass gespart wird wie verrückt. 
 
Jetzt muss man wissen, dass in kulturfernen Kreisen wegen der Ebbe in der Kasse der Stadt darüber diskutiert wird, dem Theater in Aachen die Bezüge zu kürzen. Man will statt der über 17 Millionen Euro pro Jahr mal ein paar 100.000 Euros weniger geben. Okay, das kann man fordern. Aber man muss dann auch wissen, dass man Leute arbeitslos macht. (Deren Lebensunterhalt zahlt die Öffentliche Hand danach über Arbeitsagentur und Sozialamt.) 
 
Denn nicht die Kulissen sind der Posten, der am meisten Geld kostet, sondern die Gehälter. Dabei bekommen Schauspielerinnen und Schauspieler, Sänger und Sängerinnen nicht selten lediglich die Mindestgage von 1600 Euro brutto im Monat und das auch nur im Rahmen kurzfristiger Verträge. 
Und: Im Theater arbeiten nicht nur ein Generalintendant, ein Verwaltungsdirektor und ein Generalmusikdirektor mitsamt Kapellmeister. Es arbeiten dort auch Auszubildende in mehreren Berufen (Schreiner, Schlosser, Schneider), es gibt dort Jobs als Tontechniker, Lichttechniker und Veranstaltungstechniker. Ein Souffleur verdient sich dort sein Brot genau so wie die Garderobenfrauen, die Öffentlichkeitsarbeiter und die Theaterpädagogen. Es gibt Schülerpraktika, und einen Chor muss so ein Theater auch auf die Beine stellen. 
Drei Dutzend Sänger und Schauspieler beschäftigt das Stadttheater und kann sich über mangelnden Zuspruch beim Publikum nicht beschweren. Ich wette: Wenn jetzt das Weihnachtsstück „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler aufgeführt wird, dann wird JEDE Vorstellung restlos ausverkauft sein, jede. 
 
Aber jeder Platz in jeder Vorstellung ist auch mit über 100 Euro subventioniert. 
Erstellt am von AachenNews.org | 2 Kommentare