Bloß nicht anecken

Dieser Tage weilte der Journalist Peter Zudeick auf Einladung der hiesigen SPD und der Friedrich-Ebert-Stiftung in Aachen. Im Theater K. sollte es aus seinem Mund eine gepfefferte „Journalistenbeschimpfung“ geben. So war es jedenfalls angekündigt worden, und weil ich vor nichts zurückschrecke, dachte ich: „Na gut, lässt du dich halt mal von Peter Zudeick beschimpfen.“ Es beschimpft mich als Journalistin ja auch sonst alle Welt. 

Peter Zudeick kommt sehr sympathisch rüber, viele kennen ihn ja von seinen samstäglichen satirischen Glossen im WDR. Er hat vier Fächer studiert, promoviert, schreibt des öfteren in der TAZ und in anderen wichtigen Zeitungen. Seine Kommentare und Analysen gehören zum Besten, was es gibt in dieser Bundesrepublik. 

In Aachen schilderte er äußerst freundlich und charmant die missliche Lage und die Fehlleistungen der Journaille in Deutschland. Und brachte viele Beispiele, wo die Kollegen bei Themen einfach versagen. Wie sie auf Themen springen, nur weil sie die BILD einfach mal anleiert, wie sie halb-recherchierte Sachen verbreiten und mit Politikern kungeln. Wie sie nach Bedarf einen hochgejubelten Mann in der Öffentlichkeit plötzlich alt aussehen lassen, wie sie die blödesten Themen mit Feuereifer aufgreifen und die wichtigen nicht anpacken, nicht in den Griff bekommen. Wie sie sich in hochnäsigen Kommentaren aufschwingen und immer alles besser wissen. 

Das alles wurde so nett und freundlich präsentiert, dass man denken konnte: Die Redakteure in Funk, Fernsehen und in den Verlagen sind ein lustiges, eigenwilliges Völkchen, wo sich die Mitglieder ab und zu selbst ein Bein stellen, aber sonst sind sie ganz in Ordnung und die Lage ist nicht dramatisch. 

Dieser Ton wurde dem Thema nicht gerecht. Die vierte Gewalt im Staat kommt ihren Aufgaben nicht mehr ausreichend nach. Es gibt viel zu viel Verlautbarungsjournalismus, zu wenig freche Kommentare und Biss. Zu wenig Nachbohren und Misstrauen gegenüber den Mächtigen, seien es nun Bürgermeister in der Provinz, die Kirche und die Gewerkschaften, die Parteien oder die Angeordneten in Berlin.  Aus irgendwelchen Ängsten heraus versucht die schreibende Zunft bloß nicht anzuecken. 

Wie gesagt: Es war recht unterhaltsam, Zudeick zuzuhören, er wurde aber der Brisanz der Lage in keine Weise gerecht. Die vierte Gewalt im Staate muss  leider viel ungeduldiger, krasser und grundsätzlicher kritisiert werden. Wegen grandioser Fehlleistungen. 

Zudeick wurde in der Diskussion auf die NSA-Affäre angesprochen. Und da stimme ich ihm zu: Die Presse hat DIESES Thema bisher erfreulich umfassend abgehandelt. Wer will, findet dazu viele gute Beiträge in den Zeitungen. 

Die rund 150 Gäste bei der Veranstaltung meinten auch, die SPD sei bezüglich der Überwachung durch ausländische und inländische Geheimdienste auf dem falschen Pferd. Es gab, als diese Meinung geäußert wurde Beifall (von mir).

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Barbara Vinken zum Thema: Männer und Mode

1. Körperbedeckend

 
Die Berufskleidung der Männer, das ist der Anzug. Man begebe sich in eine Versicherung, eine Bank oder ein Verwaltung, in ein Parlament, eine Firma . . . immer haben dort die Männer das Gleiche an: eher schmal geschnittene Anzüge. Bis auf die Hände und das Gesicht sieht man vom Körper nichts. Kein Körper,  nirgends, die Jacke bedeckt den Po.

 
Und das alles seit fast 200 Jahren: ein Stil, den man getrost „zeitlos“ nennen kann. Dazu immer kurze Haare und ein glatt rasiertes Gesicht. Darüber schreibt Barbara Vinken in ihrem neuen Buch „Angezogen“, aus dem hier referiert wird.
 
Als Zeichen größtmöglicher Anpassung im Äußeren tragen Männer ihre Anzüge, ihre Berufsuniform, in Uni-Optik, dazu gehören für alle – völlig uniform – Halbschuhe und eine teils teure Uhr am Handgelenk. Für restlos alle, die ich je gesehen habe, ist die Uhr der einzige Schmuck, den man sieht.
 
In der Freizeit jedoch tragen die Männer alle keine Anzüge. Sondern Jeans oder Cordhosen, dazu Turnschuhe. Die Jeans erlaubt es ihnen, ein bisschen Po zu zeigen, aber nur in der Freizeit. Der Anzug ist die Berufskleidung.
 
 
2. Körperbetont
 
Frauen haben keine Berufskleidung, selbst hart arbeitende Frauen sind niemals einheitlich gekleidet, meint Vinken. Sie tragen bei der Arbeit Röcke mit Blusen und Pullis, Kleider lang und kurz, Hosen und lange Pullover mit LeggingsBallerinas, Stiefel, Pumps, Halbschuhe mit spitzem oder breitem  Absatz. In den letzten 200 Jahren zeigte die Mode der Frauen rasante Wechsel.
 
Frauen sind immer so gekleidet, als befänden sie sich in den Ferien. Das krasse Gegenteil von Berufskleidung und Uniformierung – die Individualität wird betont. Auch wenn sie arbeiten, sehen sie aus, als hätten sie gerade Freizeit. Das ist bei den Männern völlig anders: Man sieht an ihrer Kleidung auf den ersten Blick, dass sie arbeiten, und zwar in verantwortungsvollen Positionen, das signalisiert der Anzug.
 
Zum Nachlesen:
Roland Barthes: „Die Sprache der Mode“.
Paul Morand: „Die Kunst, Chanel zu sein“.
Sara Gay Forden: „Mode, Mord und Business“.
Francois Baudot: „Die Mode im 20. Jahrhundert“.
Barbara Vinken: „Das Geheimnis der Mode“.
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Wenn man sich fast nie mit Kunst und Kultur beschäftigt, sondern immer nur mit Politik, dann braucht man, um die Produktionen der Kreativen zu verstehen, Erklärungen und Informationen. 
Das wissen die Leute im Aachener Stadttheater und bieten zu jedem Stück eine kostenlose Vorfeld-Veranstaltung an. Da wird dann erklärt, worum es in dem Stück geht, warum es aufgeführt wird, was das Besondere ist und auch, was an den alten Sachen aktuell ist usw. Und nach den Erklärungen darf man auch ein bisschen was vom Stück sehen. Während die Proben noch laufen.
 
Jüngst kamen also wieder mal rund 200 Leute ins Aachener Stadttheater, hörten Erklärungen und sahen eine Szene aus einer Oper. Ich konnte am Ende eine Bemerkung von einem Teilnehmer aufschnappen: „Alles gut und schön, aber das ist ja mal wieder eine Spar-Kulisse 😦 …..!“ Die Leute sind nicht begeistert, wenn sie im Theater an jeder Ecke sehen, dass gespart wird wie verrückt. 
 
Jetzt muss man wissen, dass in kulturfernen Kreisen wegen der Ebbe in der Kasse der Stadt darüber diskutiert wird, dem Theater in Aachen die Bezüge zu kürzen. Man will statt der über 17 Millionen Euro pro Jahr mal ein paar 100.000 Euros weniger geben. Okay, das kann man fordern. Aber man muss dann auch wissen, dass man Leute arbeitslos macht. (Deren Lebensunterhalt zahlt die Öffentliche Hand danach über Arbeitsagentur und Sozialamt.) 
 
Denn nicht die Kulissen sind der Posten, der am meisten Geld kostet, sondern die Gehälter. Dabei bekommen Schauspielerinnen und Schauspieler, Sänger und Sängerinnen nicht selten lediglich die Mindestgage von 1600 Euro brutto im Monat und das auch nur im Rahmen kurzfristiger Verträge. 
Und: Im Theater arbeiten nicht nur ein Generalintendant, ein Verwaltungsdirektor und ein Generalmusikdirektor mitsamt Kapellmeister. Es arbeiten dort auch Auszubildende in mehreren Berufen (Schreiner, Schlosser, Schneider), es gibt dort Jobs als Tontechniker, Lichttechniker und Veranstaltungstechniker. Ein Souffleur verdient sich dort sein Brot genau so wie die Garderobenfrauen, die Öffentlichkeitsarbeiter und die Theaterpädagogen. Es gibt Schülerpraktika, und einen Chor muss so ein Theater auch auf die Beine stellen. 
Drei Dutzend Sänger und Schauspieler beschäftigt das Stadttheater und kann sich über mangelnden Zuspruch beim Publikum nicht beschweren. Ich wette: Wenn jetzt das Weihnachtsstück „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler aufgeführt wird, dann wird JEDE Vorstellung restlos ausverkauft sein, jede. 
 
Aber jeder Platz in jeder Vorstellung ist auch mit über 100 Euro subventioniert. 
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Der Anzug, die Uniform der Leistungsträger

Was nun die Damen- und Herrenmode betrifft, so habe ich es bei allen größeren öffentlichen Ereignissen immer so erlebt, dass die Herren alle (also wirklich ALLE) in dunklen Anzügen erschienen, die sehr ähnlich aussahen. Auch bei der Arbeit in Firmen, Banken und Rathäusern habe ich reihenweise Männer gesehen, die alle gleich angezogen waren: Anzug, Anzug, Anzug. Wie man sonst nur Zwillinge gleich anzieht.

Der Anzug ist in England erfunden worden und hat seinen Siegeszug über die ganze Erde angetreten. Männer tragen ihn auf der ganzen Welt, besonders aber in Europa und Nordamerika. Manche Männer haben fünf oder sehr Anzüge in ihrem Schrank. Die sehen sich sehr ähnlich.

Ein Anzug ist eine Hose in einer dunklen, gedeckten Farbe, Jacke in derselben Farbe, zu dem man ein weißes Hemd, oder mal ein hellblaues Hemd, trägt. Sehr, sehr uniform. Der Anzug ist ein Kleidungsstück, das nicht schmücken soll, das den Körper hauptsächlich verhüllt, das sehr zweckmäßig ist, wenn man am Schreibtisch arbeitet, wenn man also kein Arbeiter ist.

Dass alle Männer Anzüge tragen bewirkt, dass niemand durch besondere Individualität hervorsticht. Es soll vermieden werden, dass jemand sich rein optisch absetzt von den anderen. Indem einer einen Anzug anzieht, reiht er sich (weltweit) in eine Gruppe ein, in das Heer der schwer arbeitenden Leistungsträger. Ein Anzugträger geht auf im Kollektiv. Nur Arbeiter und Handwerker tragen bei der Arbeit keinen Anzug.

Wer Anzug (manchmal mit T-Shirt oder Rollkragenpullover) trägt, gehört zu denen dazu, auf die gehört wird. Wer zu bestimmten Gelegenheiten nicht im Anzug erscheint, wird komisch angeschaut und isoliert.

Frauen sehen dagegen bei Versammlungen und bei der Arbeit immer individuell aus. Manche tragen Hosenanzug, manche Kostüm, Kleid, Rock und Pullover, hell, dunkel, bunt oder noch ganz anders – keine wie die andere. Sie zeigen sich als Individuen, sie bekommen aber fast nie gute Posten in der Arbeitswelt.

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Ein Museum bekommt einen neuen Eingang – und dann?

Gestern geriet ich mehr durch Zufall als durch Vorsatz in Aachen in eine Sitzung des Kulturausschusses. Das ist ein Politiker-Gremium, das die lokale Kultur steuert.
Es ging um das Ludwig Forum, das seit Jahren nicht mit den Besucherzahlen aufwarten kann, die es eigentlich vorweisen müsste. Der Inhalt des Hauses – Kunst im Wert von vielen Millionen Euro – ist in Ordnung. Personell und finanziell ist das Haus durch die Öffentliche Hand gut ausgestattet. Es stimmt soweit alles und stimmt doch nicht.
 
Das Ludwig Forum war mal eine Schirmfabrik (in den 30er Jahren) und ist jetzt ein Museum, Umbau: Professor Eller. Es befindet sich in Aachens ehemaligem Arbeiterviertel. Die Umgebung, also das ganze Aachen-Nord ist so heruntergekommen, dass es die Kriterien für eine ganz außergewöhnliche Förderung des Landes NRW erfüllt. Und das will was heißen.
 
Aber da liegt auch schon der Hase im Pfeffer: Das Ludwig Forum befindet sich einfach am falschen Platz. Ein Museum mit aktueller, moderner Kunst hätte mehr in die Innenstadt gehört, in die Nähe vom Eurogress beispielsweise. Oder in die Franzstraße, wo sich jetzt noch die Hauptschule, die bald geschlossen wird befindet. Oder, oder, oder.
 
Seit Jahren beklagen die Politiker den Besuchermangel. Auch sollte das Ludwig Forum die Stadt Aachen über ihre Grenzen hinaus bekannt machen bei Kunstfreunden, Architekten und so Leuten. Das funktioniert, ehrlich gesagt, gar nicht. Die Politik reagierte, legte ein Aufmotz-Programm auf für die Jahre 2011 bis 2014.
 
Zu dem Aufmotz-Programm gehört, dass die Eingangs-Situation verändert wird. Die sei nämlich grausam unschön, und die Interessenten fänden oftmals den Eingang nicht. Hat man erkannt. Um die Veränderung des Haupteingangs ging es in der Kulturausschuss-Sitzung. Knapp 300.000 Euro darf es kosten, einen neuen Eingang zu bauen – mit Museums-Shop und neu entworfenen Rollmöbeln, die 20.000 Euro kosten werden. Über dem neuen Eingang soll in großen Buchstaben das Wort „Eingang“ stehen, sehr einfallsreich, nicht wahr? Jeder Buchstabe kostet – nebenbei erwähnt – 1000 Euro, wenn ich nicht irre. 
 
Na ja. Ich frage mich, warum viele Jahre lang die Arbeiter den Eingang von der Schirmfabrik immer gefunden haben, wenn jetzt die Kunstfreunde auf der Straße stehen und den Eingang NICHT finden. Gleichwohl: Das Ding hat drei Eingänge, einen vom Parkplatz aus, der allerdings ewig rappelvoll ist mit den Autos der Menschen, die im Viertel wohnen, einen versteckten ganz nach hinten weg und eben den Haupteingang. 
 
Die moderne Kunst ist nicht jedermanns Sache, das ist mir klar. Und das Haus steht nun mal da, wo es eben steht. Um ein neues Museum zu eröffnen, etwa in der Franzstraße, anstelle der Hauptschule, die jetzt geschlossen wird, und um dann in die Schirmfabrik die Volkshochschule reinzupacken und den Bushof umzubauen, dazu fehlt das Geld. Aber dass die ganzen Maßnahmen es nicht bringen werden, scheint mir offensichtlich. 
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Aus einem Bunker in Aachen soll Wohnraum werden

Auch ein Vertreter der Aachener Piratenpartei hat an der Info-Runde im RWTH Hauptgebäude teilgenommen. Dabei ging es vordergündig um „Erhalt oder Abriss des Lousberg-Bunkers“.
 
Nach dem dreistündigen Meinungs-Marathon hatten viele Anwesende allerdings den Eindruck, dass hier nicht die Meinung der Bürgerinnen und Bürger abgefragt werden sollte, sondern dass mal wieder die Menschen lediglich informiert wurden. Und zwar über das, was für die Stadtverwaltung Aachen und den Investor längst eine abgemachte Sache ist. 
 
Dabei ist mir zum Beispiel nichts lieber, als dass in der alten Kaiserstadt endlich Wohnraum geschaffen wird. Ob es unbedingt „hochwertige Stadthäuser“ sein müssen oder Eigenrumswohnungen, die sich nur  sehr wenige Menschen in Aachen werden leisten können, sei dahingestellt. Auf gar keinen Fall hinnehmbar ist aber wieder das Verfahren, mit dem sich die Anwohner konfrontiert sehen: In nichtöffentlicher Sitzung haben Politiker im zuständigen Ausschuss den Abriss des Bunkers durchgewunken. Kein Wunder, dass jetzt die Bürger Sturm laufen. Wann kapiert man in Aachen endlich: So geht das nicht. 
 
Die Uebergangshymne unterstützt die Bürgerinitiative Lousberg-Bunker. Dabei steht für mich nicht so sehr der historische Wert des Bauwerks im Vordergrund, sondern die Art und Weise, wie es zu dem Verkauf des Grundstücks an den Investor gekommen ist: Über die Köpfe der Menschen hinweg. Die Anwohner haben – nebenbei erwähnt – durchaus gute Argumente dafür, dass der Beton-Koloss als Denkmal erhalten blieben muss.
 
Verschiedene Zuhörer und Zuhörerinnen konnten übrigens insbesondere den Auftritt des Herrn von der Bauaufsicht der Stadt Aachen nicht billigen. Seine Erklärung, warum die Stadt dem Investor schon vor dem Bauantrag eine Abrissgenehmigung erteilt hat, wurde nicht nachvollzogen und war ein einziges Ärgernis.  

 

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Interview mit Marc Salgert, Direktkandidat in Aachen

Marc Salgert (38) ist Direktkandidat der Piratenpartei in Aachen, Wahlkreis 87, Aachen I, und Listenkandidat (Platz 25). Er hat der „Übergangshymne“ freundlicherweise ein Interview gegeben. Musste sich dabei, das war vorgegeben, kurz fassen.

Frage: Herr Salgert, es heißt ja immer, die Piraten hätten gar kein Programm? Haben Sie denn nun eins oder nicht?

Antwort: Wir haben in den vergangenen 12 Monaten ein umfangreiches Programm mit immerhin 166 Seiten zusammengestellt. Da decken wir alle gesellschaftlich relevaten Themenbereiche ab. Jeder kann das Programm auf unserer Homepage sehen. Die Adresse ist: http://www.piratenpartei.de

Frage: Welche Punkte sind Ihnen in dem Programm die wichtigsten?
Antwort: Das Bedingungslose Grundeinkommen, das ist genau mein Thema. Da geht es um die gesellschaftliche Teilhabe aller, indem man allen Menschen ohne Unterschied einheitlich einen Grundbetrag zum Lebensunterhalt auszahlt.

Frage: Warum soll jemand denn eigentlich im September die Piratenpartei wählen?
Antwort: Die etablierte Politik kann, selbst wenn sie die drängenden Probleme unserer Zeit überhaupt erkennen würde, diese nicht lösen. Dazu braucht es neue Ideen, neue Köpfe, neue Methoden. Man kann die Probleme nicht mit denselbsten Denkweisen lösen,durch die sie entstanden sind.

Frage: Das klingt mir etwas diffus. Von welchen Problemen reden wir hier überhaupt?
Antwort: Vom NSA-Überwachungsskandal, von den sozialen Ungerechtigkeiten in unserem Land, von fehlenden Chancen in Bildung und Ausbildung, von Transparenz in Politik und Verwaltung, von fehlenden Gesetzen gegen Abgeordnetenbestechung, konkret von der systematischen Blockade der Umsetzung eines UN-Abkommens gegen Abgeordneten-Bestechung, das Deutschland schon 2003 unterzeichnet hat.

Frage: Bisher dümpelt Ihre Partei ja bei drei Prozent rum. Ist das nicht frustrierend? Wie kann man da noch Wahlkampf machen?
Antwort: Wir sind optimistisch. Wir haben schon oft in Wahlkämpfen unsere Stärken gezeigt und unsere Themen an den Mann und die Frau bringen können. Das wird uns auch dieses Mal wieder gelingen.

Frage: Herr Salgert, die Piraten wollen, dass man sich alles kostenlos im Internet runterladen kann. Wann haben Sie zuletzt etwas raubkopiert?
Antwort: Also zunächst wollen wir mal die Urheber stärken und das Urheberrecht reformieren. Das bedeutet nicht, dass alles umsonst sein soll. Sondern dass die Einnahmen von Kunst- und Kulturschaffenden gerecht verteilt werden, dass diese Leute gerecht an den Einnahmen beteiligt werden. Und: Ich bezahle für meine Inhalte, ich raubkopiere nicht. Allerdings müssen wir uns mit der Realität auseinandersetzen, und die ist so, dass mittlerweile eine ganze Generation nicht mehr bereit ist, für Medieninhalte horrende Preise zu bezahlen.

Frage: Die Energiewende ist in aller Munde. Wie ist eigentlich die Position der Piraten zu dem Thema?
Antwort: Die Piraten lehnen das sogenannte Fracking ab, wie wir insgesamt die Förderung fossiler Brennstoffe mit unkonventionellen Methoden ablehnen. Außererdem setzt sich meine Partei dafür ein, die Energiegewinnung durch Kernspaltung zu beenden. Wir halten Kernenergie für die teuerste Form der Energiegewinnung und lehnen sie ab. Ich bin der Meinung, dass die Energiewende gute Chancen hat zu gelingen.

Letzte Frage: Was bedeutet eigentlich Ihr Wahlkampf-Motto „Wir stellen das mal in Frage.“? Politiker sollen doch eigentlich Antworten geben und den Bürgern keine Fragen stellen.
Antwort: Wir stellen die aktuell übliche Form, Politik zu machen in Frage. Weil sie die Bürgerinnen und Bürger nicht mitnimmt, sie nicht einbezieht. Die Menschen nur alle vier Jahre einmal zu befragen, das ist zu wenig. Generell ist es heutzutage wichtiger, die richtigen Fragen zu stellen, als vorschnell mit einem Haufen Antworten gelaufen zu kommen, wie wir das von der etablierten Politik kennen.

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Style und Zahlen

In Berlin ist Wahlkampf und ich bin hin. Von Montag bis Sonntag gab es volles Programm, wobei ich gleich Montag nach sechs Stunden Zugfahrt in die Geschäftsstelle in der Pflugstraße (p9) gefegt bin.

Dort wollte ich Info-Material zum Verteilen bekommen und Aufklärung darüber, warum Jörg Tauss dort plötzlich Hausverbot erhalten hat. Es gab Flyer und Kaperbriefe, die ich in großer Zahl aus der Geschäftsstelle in die nächste Kneipe schleppte. Zum Hausverbot wurde mir erklärt (falls ich das richtig verstanden haben), dass Jörg sich angeblich nicht abhalten lässt, im Wahlkampf zu helfen und dass das wegen seines immer noch schlechten Images mehr schädlich als nützlich sein würde. Man nahm sich Zeit, um mir das zu erklären. Immerhin.

Ich habe dort schon klargemacht, dass ich das Mittel “Hausverbot” für völlig unangemessen halte (definitiv not my style). Von Stefan Urbach, der das Hausverbot verhängte, werde ich mich in Zukunft ganz fernhalten. Wieder wurde bestätigt: Wer sich quasi heldenhaft für Demokratie in fernen Ländern und zuhause einsetzt, kann im persönlichen Umgang ein Arschloch sein. Ein Riesenarschloch.

Am nächsten Tag ging es gleich los in den Wahlkreis von Fabio. Kreuzberg, Kottbusser Tor. Was mir erklärt worden war, passierte haargenau: Keiner wollte Infos, doch fast immer, wenn ich sagte “Infos von der PIRATENPARTEI” drehten sich die Leute um und meinten: “Ach doch, geben Sie mal her.”
Ich hatte am Kottbusser Tor eine Ecke erwischt, wo viele Leute vorbeikamen, die bisher immer Grün gewählt haben und jetzt mal was anderes wollten. Der Eindruck verfestigte sich von Tag zu Tag.

Nachmittags war alles Infomaterial weg, und ich habe mir das Quartier 206 angesehen. Der teuerste Luxusschuppen, den ich je sah. Ich sage nur: Pullis für 800 Euro. Tja, so was muss man sich auch mal anschauen. Die Textilien werden ausgestellt wie Kunstwerke. Sind es vielleicht Kunstwerke? Nein. Dieses Quartier wirkte kalt und unfroh. Eleganz ist also doch nicht immer schön und angenehm.

Abends holte ich mir in der Piraten-Geschäftsstelle weiteres Info-Material, ich trank am dritten Abend viel Bier bei Hackethals, und wir sahen uns in der p9 die neueste Wahlprognose an. 6,5 Prozent. In dem Moment hat jeder kapiert, dass es jetzt wirklich ernst wird.
Ich habe dort auch mit mehreren Piraten über den Auftritt des Spitzenkandidaten beim rbb (Berliner TV) diskutiert. Dieses Desaster war am Ende gar kein Desaster (das kann ich jetzt aus der Rückschau sagen), denn was er nicht wusste, hatte er bei späteren Fragen besonders gut drauf und jeder konnte erkennen: Piraten lernen verdammt schnell.

Ich versuchte zu erklären, dass – wenn man auch nur ein Füßlein in die Politik stellen will – man wissen muss: Wie steht es mit der Kohle? Was kommt jedes Jahr rein in die Kasse? Was muss bezahlt werden? Wie viel wurde angespart oder wie viel Schulden sind da? Und bei den Ausgaben MUSS man wissen: Welches sind die dicksten Batzen? Was kostet uns am meisten, wo geht eigentlich unser ganzes Geld hin?
Das muss man nicht bis auf den letzten Euro genau wissen, aber so ungefähr. Quasi so, wie man es vom eigenen Haushalt auch weiß: Was nehme ich ein, wie viel Geld habe ich überhaupt im Monat zur Verfügung, was gebe ich aus für Miete, Ernährung, Telefon, Auto usw. und wie viele Euros brauche ich mindestens zum Überleben?

Wenn man in einer Gemeinde, Stadt, im Landtag oder im Bundestag Politik machen will, muss man die Situation der Kasse kennen (kann man googlen). Das versuchte ich klar zu machen. Mir wurde sinngemäß gesagt, das könne man nie wissen, alles sei zu kompliziert. Das wurde mir auch schon in Aachen von Piraten gesagt, dass der Haushalt zu kompliziert sei. Man hat gerade den Eindruck, die Piraten sind Leute, die Angst vor dem Umgang mit Zahlen haben.

Dabei ist so ein Haushalt von Menschen gemacht, die nicht klüger sind, als der Durchschnitt. Es ist KEINE Sache, die nur Nobelpreisträger verstehen, das versteht jeder: Eine von normalen Menschen gebaute Aufstellung von Summen halten die Piraten für zu kompliziert??? Das darf ja wohl nicht wahr sein.
Alles steht und fällt mit dem Geld. Das haben die Piraten noch längst nicht kapiert. Man muss aber bedenken, dass gerade bei den Finanzen die Regierenden immer so tun, als brauchte man sich dafür nicht zu interessieren, sie hätten schon alles im Griff und an den wachsenden Schulden sei leider nichts zu ändern. Alles ein blödes Gequatsche.

In Kneipen und Geschäften in Kreuzberg war auch das Interesse an Info-Material über die Piraten groß. Es hatte sich echt gelohnt, dass ich hingefahren bin.

Freitags ging es zu einer für mich interessanten Diskussion bei der grünen Heinrich-Böll-Stiftung. Mit dabei: BKA-Chef Ziercke, die grünen Bundestagsabgeordneten Konstantin von Notz und Volker Beck und der oberste deutsche Datenschützer Peter Schaar. Alle vier Herren habe ich erstmals life erlebt. Ich fand alle ihre Redebeiträge sehr spannend. Rena Tangens war auch auf dem Podium. Eine von Deutschlands interessantesten Frauen.
Ziercke will wissen, wer hinter einer IP-Adresse steckt. Er sprach von relevanten sozialschädlichen Straftaten, die begangen würden, und die Täter will er fassen. Na ja. Ziercke wurde vieles vorgeworfen, es ist aber nicht davon auszugehen, dass er etwas davon ernst nimmt.

Samstags ging es dann zur Freiheit statt Angst – Demo. Deutlich weniger Teilnehmer als im Vorjahr. Vor allen: weniger Piraten. Dafür mehr Grüne, mehr FDP-Junioren. Christopher Lauer hatte kurz zuvor verlauten lassen, er werde an der Demo nicht teilnehmen. Fand ich sehr enttäuschend.

Es ergab sich noch das ein oder andere interessante Gespräch. Ich bin längst wieder zu Hause gespannt auf die Wahl am kommenden Sonntag. Nächstes Mal werde ich im Flugzeug nach Berlin reisen. Das Sitzen im Zug ist mir einfach zu langweilig.

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Das möchte man einfach mal wissen

Als ich mal die ein oder andere Diskussionsveranstaltung besuchte, stellte sich heraus, dass eigentlich kein Menschen genau weiß, wie es den Jugendlichen im Netz ergeht. Und was sie über Internet-Kompetenz denken. Da dachte ich, ich frag mal einen Jugendlichen.

So. Dann habe ich einen 17-Jährigen gefragt:
1. Wie schätzt du die Internet-Kompetenz deiner Lehrer ein?
Er sagte „mangelhaft“, und zwar die aller Lehrer an seinem Gymnasium in einer Stadt in Nordrhein-Westfalen. Sogar die Internet-Kompetenz seines Informatiklehrers sei mangelhaft. Der kommuniziere zwar mit Schülern über facebook, das mache die Sache aber nicht besser.

Die nächste Frage war: 2. Wie schätzt du die Internet-Kompetenz deiner Jahrgangsstufe ein?
In seiner Jahrgangsstufe seien über 100 Leute, sagte er. Und der Großteil „liest nicht mehr als einmal im Monat seine Mails“. Er nimmt an, dass seine Schule keine Ausnahme ist.
Ja, das fand ich sehr verwunderlich, aber ich gebe es hier mal so wieder, wie es mir gesagt wurde. Dazu müsste man eigentlich noch sagen, was mit Internet-Kompetenz gemeint ist. Früher bedeutete es, wie Sixtus sagt, „dass man weiß, dass die Bildzeitung lügt“. Heute weiß keiner mehr, was es eigentlich heißt. Trotzdem verwenden wir das Wort ohne Unterlass. So auch hier.
Die nächste Frage lautete: 3. Gibt es an deiner Schule ältere Schüler, die organisiert jüngeren Schülern helfen beim Umgang mit dem Internet?
Nein, sagte er. Und er sei auch nicht daran interessiert, so etwas an seiner Schule ins Leben zu rufen. Er halte die Leute für inkompetent und nicht interessiert an so etwas wie Kompetenz im Internet (hier im Sinne von Lebenskompetenz) zu gewinnen. Sie seien nur an facebook und chatten und schueler.cc interessiert.
Die nächste Frage 4. Falls ja, wer organisiert das? Die Schüler selbst? Die Lehrer? Die Eltern?
Die entfällt. Und deshalb hier Frage Nummer 5. Wie schätzt du die Ausstattung an deiner Schule ein (Rechner, Netzzugang, W-Lan) , mit der ihr ins Internet gelangen könnt?
Ja, es gebe Computerräume, so war zu erfahren. Aber software-technisch „ist es der absolute Müll“. Standart-Browser sei Windows 7.

Weiter ging es mit 6. Interessieren dich die Diskussionen um Jugendschutz im Internet? Antwort habe ich mal wörtlich mitgeschrieben: „Ja, aber sie machen mich aggressiv. Die Leute, die darüber sprechen scheinen keine Ahnung zu haben, worüber sie sprechen. Und sie scheinen, besonders Politiker, selber nie jung gewesen zu sein“.
Also das kann ich verstehen. Mich machen auch die Diskussionen über Jugendschutz im Internet aggressiv. Zumal sie nie mit Jugendlichen geführt werden. Sondern immer mit so schnieken Typen, die ihr ganzes bisherigen Leben damit verbracht haben, eine Politik-Karriere aufzubauen. Die haben in ihrem Leben nicht drei Stunden mit einem Teenager geredet. So sehen die aus. Echt wahr. Achtet mal drauf.
Einmal konnte man beim Politcamp in Bonn drei 17-Jährige befragen. Zu hören war, dass die Situation in den Schulen eine einzige Katastrophe ist und das Internet, wenn überhaupt vorhanden, dann zensiert ist.

Frage 7. Ist in deiner Schule der Zugang zum Internet zensiert?
Ja, lautete die Antwort auch in diesem Fall. Ich wurde darüber informiert, dass es ein Programm mit dem Namen „time for kids“ gibt. Da können die Schulen noch zusätzlich bestimmte Seiten unzugänglich machen. Und darüber sei, so sagte er, zum Beispiel die Piratenpartei nicht zu erreichen.
Daraufhin haben wir uns verschiedene Kinder- und Jugendlichen Seiten angesehen, eine lächerlicher als die andere, da müssen sich ja schon aufgeweckte 12-Jährige voll verarscht vorkommen.

Nächste Frage: 8. Gibt es etwas, wovor Kinder und Jugendliche im Internet geschützt werden sollen? Wenn ja, wovor? Und wie könnte das geschehen? Und Frage 9. Jetzt nur mit ja oder nein antworten: Gibt es etwas, was du im Internet gesehen hast, wovon du denkst, dass du das lieber nicht gesehen hättest? Die Antwort beide Male ein klares „Nein“.

Die Antwort auf die letzte Frage ist. „Die Idee finde ich nicht gut.“. 10. Was hältst du von der sozialdemokratischen Idee, dass Jugendliche einen “Internet-Führerschein” machen sollen? Er meinte: Dieser Internet-Führerschein werde ja dann doch wieder von Leuten gemacht, die selbst keine Ahnung hätten und nicht wirklich wissen, wovon die Rede ist.

Resümee: Diese nicht repräsentative Befragung ernüchtert. Ich schlage vor, dass man die Lehrer ganz vergisst und jede Schule die Jugendlichen arbeiten lässt. Völlig frei sollen die, die wirklich an den Möglichkeiten, Irrtümern, Wissens-Ozeanen und Menschen im Netz interessiert sind, eine AG gründen. Zu welchem Zweck und Ziel sollen sie selbst bestimmen. Und natürlich sollen sie sich frei im Netz bewegen dürfen.
Da käme bestimmt was Tolles raus.

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Zehn Fragen für Schüler und Schülerinnen

Minderjährige sollten mal folgende Fragen beantworten:

1. Wie schätzt du die Internet-Kompetenz deiner Lehrer ein?

2. Wie schätzt du die Internet-Kompetenz deiner Jahrgangsstufe ein?

3. Gibt es an deiner Schule ältere Schüler, die organisiert jüngeren Schülern helfen beim Umgang mit dem Internet?

4. Falls ja, wer organisiert das? Die Schüler selbst? Die Lehrer? Die Eltern?

5. Wie schätzt du die Ausstattung an deiner Schule ein (Rechner, Netzzugang, W-Lan) , mit der ihr ins Internet gelangen könnt?

6. Interessieren dich die Diskussionen um Jugendschutz im Internet?

7. Ist in deiner Schule der Zugang zum Internet zensiert?

8. Gibt es etwas, wovor Kinder und Jugendliche im Internet geschützt werden sollen? Wenn ja, wovor? Und wie könnte das geschehen?

9. Jetzt nur mit ja oder nein antworten: Gibt es etwas, was du im Internet gesehen hast, wovon du denkst, dass du das lieber nicht gesehen hättest?

10. Was hältst du von der Sozi-Idee, das Jugendliche einen “Internet-Führerschein” machen sollen?

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